Pferdehaltung – eine Übersicht

ReiterhofIm Tierschutzgesetz (§ 2) ist festgelegt, dass jedes Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend ernährt, gepflegt und verhaltensgerecht untergebracht werden muss. Maßstab für die Haltung ist also das Pferd mit seinen arttypischen Eigenschaften und Ansprüchen. Vor diesem Hintergrund hat ein Expertenteam in den „Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten“ entwickelt, die dem Pferdehalter als Leitfaden zur Selbstkontrolle dienen können, aber auch als offizielle Orientierungs- und Auslegungshilfe dienen. Darin sind unter anderem alle gängigen Haltungssysteme aufgelistet, genau beschrieben und im Hinblick auf ihre Übereinstimmung mit den Vorgaben des Tierschutzgesetzes bewertet.

Einzelhaltung

Wird jedes Pferd einzeln aufgestallt, spricht man von „Einzelhaltung“ – dies darf aber nie bedeuten, dass an einem Standort nur ein Pferd gehalten wird, denn das wäre tierschutzwidrig. Der Kontakt zu Artgenossen gehört zu den Bedürfnissen, die unter allen Umständen erfüllt werden müssen.

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Die dauernde Anbindehaltung im Ständer, früher vor allem bei Militärpferden eine gängige Haltungsform, ist heute tierschutzwidrig. Wer sie dennoch praktiziert, verstößt in fast allen Deutschen Bundesländern gegen das Gesetz. Wer Kenntnis von einer solchen Haltungsform hat, sollte entsprechende Stellen informieren, damit den Pferden geholfen werden kann.

Bei der Boxenhaltung unterscheidet man zwischen reinen Innenboxen, ohne für das Pferd nutzbare Öffnung nach außen, und Außenboxen, die über eine solche Öffnung verfügen. Bei reinen Innenboxen sollte zumindest eine Halbtür nach innen es dem Pferd erlauben, den Kopf auf die Boxengasse zu strecken und so seine Umwelt zu beobachten. Auf die übliche Vergitterung zwischen den Boxen und zur Stallgasse hin kann verzichtet werden, wenn bei der Zuweisung nebeneinander liegender Boxen auf Verträglichkeit der Pferde untereinander geachtet wird und die Box so dimensioniert ist, dass jedes Pferd ohne Störung von rechts oder links fressen und ruhen kann. Es ist darauf zu achten, dass alle Pferde über Hörsinn, Gesichtssinn und Geruchssinn untereinander in Kontakt stehen.

Günstiger zu beurteilen sind Außenboxen, bei denen das Pferd nach Belieben über eine Außenklappe seine Umwelt beobachtet, Frischluft atmen kann und Witterungsreizen ausgesetzt wird. Noch besser sind jeder Box vorgelagerte Kleinausläufe, die dem Pferd ständig zugänglich sind. So kann es selbstständig wählen, ob es sich drinnen oder draußen aufhalten möchte, kann am Hofleben intensiv teilhaben und sich etwa über die Außenabtrennung hinweg mit Artgenossen freundschaftlich kraulen oder ein wenig kabbeln. Wird eine solche Außenbox mit Kleinauslauf durch einen über den Kleinauslauf erreichbaren Fressbereich ergänzt, entsteht ein zusätzlicher Anreiz für das Pferd, sich draußen aufzuhalten.

Gruppenhaltung

Bei jeder Form der Gruppenhaltung werden die Bedürfnisse des Pferdes nach sozialen Kontakten mit Artgenossen erfüllt. Bei ausreichender Dimensionierung kann auch dem Bewegungsbedürfnis genügend Rechnung getragen werden. Je nach Ausgestaltung können sie zusätzlich am Hofleben teilnehmen, Frischluft atmen und Sonnenbäder nehmen.

Innenlaufställe verfügen über keine für das Pferd nutzbare Öffnung nach außen, sind also von der Außenwelt abgeschirmt. Wird der Stall in mehrere Funktionsbereiche unterteilt, spricht man von einem Mehrraum-Innenlaufstall, ansonsten handelt es sich um einen Einraum-Innenlaufstall. Beide Formen können durch eine oder mehrere Öffnungen nach außen weiter aufgewertet werden (Einraum-Außenlaufstall und Mehrraum-Außenlaufstall). Unter dem Begriff „Offenstall“ versteht man eine Kombination von Stall und ständig zugänglichem Auslauf, in der die Pferde gruppenweise untergebracht sind. Genauer unterscheidet man den Einraum-Außenlaufstall mit Auslauf vom Mehrraum-Außenlaufstall mit Auslauf, wobei bei letzterem die Fläche in verschiedene Funktionsbereiche unterteilt ist.

Erfahrene Halter wissen es längst, doch auch die Experten sind sich einig, dass bei korrektem Management alle Pferde für eine Gruppenhaltung geeignet sind. Für alle Maße liegen Angaben und Richtwerte vor, an denen sich der Pferdehalter orientieren kann. Da diese auch im Falle eine Beurteilung der Stallanlage unter Tierschutzgesichtspunkten herangezogen werden, ist eine Einhaltung insbesondere der Mindestmaße empfehlenswert, auch wenn alle Vorgaben nicht rechtsverbindlich sind. Bei der Erstellung der Leitlinien haben selbstverständlich auch Aspekte der Unfallverhütung eine Rolle gespielt, ebenso wie der Stallbetreiber bei der Umsetzung eines Neubau- oder Umbauvorhabens darauf achtet.

Das sollten Sie beachten

Eine optimale Stalltemperatur lässt sich nicht definieren, da für Pferde keine bestimmte Temperatur, sondern unterschiedliche Temperaturreize am günstigsten sind. Wir schaden unseren Pferden, halten wir die Stalltemperatur in einem für menschliches Empfinden angenehmen Bereich. Unser Leitsatz sollte vielmehr lauten: Die Stalltemperatur folgt der Umgebungstemperatur. Temperaturreize sind erwünscht, sind gesund, sichern das Wohlbefinden. Im Offenstall hat die Luft überall Zutritt, Zugluft kann also kaum entstehen. Auch im Offenstall sollten windgeschützte Bereiche den Pferden die Möglichkeit bieten, der Kombination von Kälte, Wind und Dauerregen zu entkommen. Im geschlossenen Stall ist eine geregelte Luftführung unerlässlich und die ist mit Luftbewegung verbunden. Es sind für geschlossene Ställe Empfehlungen bezüglich der Luftgeschwindigkeit formuliert worden (0,2 bis 0,6m pro Sekunde). Ein ständiger Luftaustausch gewährleistet, dass sich Schadgase nicht ansammeln können. Die Luftfeuchte sollte möglichst bei knapp über 60% liegen und darf keinesfalls über 80% ansteigen, das Kohlendioxid – ein Großpferd atmet pro Tag etwa 3000 Liter CO2 aus – muss abgeführt, Sauerstoff zugeführt werden.

Jedes Pferd gibt täglich bedeutende Mengen Kot und Urin ab, da kommen pro Großpferd leicht bis zu 20 Kilo zusammen. Bei einer 12 qm großen Box ergibt sich eine Menge von mehr als eineinhalb Kilo Urin und Kot täglich auf den Quadratmeter. Bei Matratzenstreu in der Box lebt das Pferd also auf einem Haufen alter Ausscheidungen, atmet ständig belastete Luft ein, steht in einer feuchten Mischung aus Einstreu, Urin und Kot und legt sich auch darin nieder. Im Schlaf wird es tiefer und ruhiger atmen und mit den Nüstern dicht über dem Boden sein, dort, wo die Konzentration der Schadgase am größten ist. Matratzenstreu im Boxenstall ist nicht nur unhygienisch, sondern auch gesundheitsschädlich!

Zu einer pferdegerechten Unterbringung gehört der Artgenosse zwingend dazu. Die Verletzungsgefahr bei der Haltung in Gruppen wird weithin überschätzt, bei sozial intelligenten Pferden kommt es kaum je zu ernsthaften Verletzungen.

Pferde wollen, Pferde müssen sich bewegen, und das viele Stunden täglich, in Ruhe, ganz gemächlich. Nur auf großen Flächen (Offenställe, Laufställe, Weiden) können Pferde sich ausreichend bewegen und nur in der Gruppe werden sie es auch tun. Der Faktor Bewegung ist ganz entscheidend, wenn es um das Wohlbefinden der Pferde geht; gemeinsam mit der Fütterung sorgt er für Beschäftigung. Steht das Pferd in der Box und erhält viel hoch konzentriertes Futter, für dessen Aufnahme es nur wenig Zeit benötigt, fehlt es überdies an Sozialkontakten, so langweilt sich das Pferd und versucht, über so genannte „Untugenden“ etwas von dem entstehenden Stress abzubauen.

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