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Reiter :: Training

Mentales Training im Pferdesport – schont das Pferd

Was für andere Sportarten gilt, kann in den meisten Fällen auch auf das Reiten übertragen werden. Reiten ist eine Ausdauersportart mit mitunter komplizierten Bewegungsabläufen, die mit Hilfe des Mentalen Trainings verbessert werden können.
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Junge Frau ksst ihr PferdDer körperliche (aber auch psychische) Verschleiß der Pferde entsteht unter anderem durch Fehlbelastungen des Reiters – in den meisten Fällen durch falschen Sitz und unproduktive Hilfengebung. Überlegungen, wie die Pferde geschont werden können, gehen in Richtung Pferdesimulatoren, denen es nicht weh tut, wenn der Reiter ihnen ins Kreuz plumpst. Doch die Akzeptanz der Reitwilligen ist gering, zumal das Ziel, sich mit einem lebenden Wesen zu beschäftigen, nicht mehr gegeben ist, sondern lediglich das systematische Lernen von Bewegungsabläufen. Zu viel Technik also.

Wem sein Pferd jedoch lieb und teuer ist, der sollte bemüht sein, es nicht zu verschleißen. Eine Alternative ist, neue Wege zu gehen, die in anderen Sportarten längst gang und gäbe sind, aber im Reitsport noch in den Kinderschuhen stecken. Eine Möglichkeit bietet das mentale Training, worunter man allgemein das Sich-Vorstellen von Bewegungsabläufen versteht, ohne diese motorisch tatsächlich auszuführen. Damit erzielt man einen fast ebenso guten Trainingseffekt wie eine real ausgeführte Übung. Das Pferd jedoch wird dadurch nicht belastet, da beim mentalen Training quasi nur „geistig“ geritten wird. Diese Art des Trainings wird von Turnierreitern bereits in Anspruch genommen, insbesondere wenn sie den Parcours oder die Reiningaufgabe im Geiste nochmals ablaufen lassen. Dies dient nicht nur dazu, sich die Aufgabe einzuprägen, sondern auch, sich den idealen Ablauf zu verinnerlichen, um ihn schließlich im Wettkampf besser umsetzen zu können.

Doch das mentale Training sollte nicht nur für Turnierreiter regelmäßig zur Anwendung kommen. Auch der Freizeitreiter und Reitanfänger kann sich dieses Prinzip zu Nutze machen. Grundsätzlich ist es für alle Sparten der Reiterei und in jedem Ausbildungsstand ein hilfreiches Mittel, um Verbesserungen im Bewegungsablauf zu erzielen. Gerade der Reitschüler, der sich im anfänglichen Lernstadium befindet, kann mit mentalem Training Fehlhaltungen im Sitz sowie falsche Einwirkungen auf das Pferd schneller abbauen oder gar von Grund auf vermeiden. Dies führt zu einem schnelleren Fortschritt, ein Pferd zu lenken und auf es effektiv einzuwirken – es also gut zu reiten.

Klare Bewegungsvorstellungen

Der Freizeitreiter kann mit mentalem Training selbst jahrelang „erarbeitete“ Fehler ausmerzen, wenn er bereit ist, dieses Training mit kontrolliertem Realtraining (mit Hilfe eines Reitlehrers) zu kombinieren. Schließlich bietet das Mentaltraining noch weitere positive Eigenschaften, die man im Zusammenhang mit dem Umgang mit dem Pferd nutzen kann. Die Voraussetzung, mentales Training auszuführen, ist Konzentration. Konzentration wiederum ist nur möglich, wenn man entspannt ist. Schon die Entspannung allein – sowohl körperlich als auch geistig – ist eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiches Reiten. Somit kann mit mentalem Training – mit dessen Hilfe oder als „angenehme Begleiterscheinung“ – die Einstellung zum Pferd und zum Reiten neu angelegt werden. Man erreicht mehr Ruhe und damit Einfühlungsvermögen, welche außerdem wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Kommunikation mit dem Pferd sind.

Um mental trainieren zu können, ist eine klare Bewegungsvorstellung wichtig. Diese kann man sich mit Hilfe seines Reitlehrers, teils aber auch durch positive (gute) Reitbilder aneignen. Man muss zunächst wissen, wie eine Bewegung tatsächlich aussehen muss, um diese dann mental zu trainieren. Also stellt das theoretische Wissen die Grundlage dar. Nur dann verkürzt mentales Training die Lernzeiten für die richtige Koordination, die korrekte Stärke und Art der Hilfengebung oder auch die Form des Sitzes beim Reiter.

Ein wichtiger Vorteil im mentalen Training liegt unter anderem darin, dass es eine relativ hohe Wiederholungsfrequenz pro Zeiteinheit erlaubt und somit sehr energiesparend ist. Dafür benötigt mentales Training einen hohen Grad an Konzentration, so dass sich früher oder später eine konzentrative Ermüdung einstellt, die das mentale Training begrenzt. Außerdem kann keine Kontrolle (durch einen Reitlehrer) wie unter realen Trainingsbedingungen stattfinden, so dass sich durchaus auch fehlerhafte Bewegungsabläufe einprägen können, wenn man keine klare Bewegungsvorstellung hat oder das Wissen um die korrekte Bewegung/Haltung fehlt. Mentales Training erspart deshalb keineswegs den Reitlehrer, doch kann mit Hilfe eines guten Reitlehrers, der sich mit Mentaltraining auskennt, ein effektiveres Training gestaltet werden.

Erlernen, Präzisieren, Stabilisieren

Mentales Training kann eingesetzt werden, um Bewegungsabläufe zu erlernen, zu präzisieren und zu stabilisieren. Im Einzelnen heißt dies: Bewegungen, konkret Hilfengebung und Reitersitz, können durch mentales Training beschleunigt erlernt werden. Dabei ist ein praktisches Training in Verbindung mit mentalem Training am effektivsten.

Eine Hilfengebung, die der Reiter bereits in Grobform beherrscht, kann durch mentales Training schneller in die Feinform geführt werden. Die notwendigen Einwirkungen auf das Pferd können mental präzise durchdacht und somit eingeübt werden. Auf diese Weise ist es möglich, die Präzision und Exaktheit der Hilfengebung besser und schneller in die Praxis umzusetzen.

Außerdem erlaubt das mentale Training eine Stabilisierung der erlernten Hilfengebung, die schließlich relativ schnell zur Automatisierung wird und das bewusste Denken an die korrekte Haltung und Bewegung von Händen, Beinen, Becken etc. letztendlich erübrigt.

Zudem bietet das mentale Training in weiteren Situationen eine Möglichkeit, das praktische Training zu überbrücken oder zu ergänzen: Verletzte oder kranke Reiter, die nicht aktiv aufs Pferd steigen können, haben die Möglichkeit, sich über das mentale Training Bewegungsmuster (beispielsweise die Hilfengebung für bestimmte Manöver wie fliegender Galoppwechsel o.ä.) einzuprägen und zu festigen, so dass durch die Zwangspause kein Qualitätsverlust entsteht. Bei einer Wiederaufnahme des praktischen Trainings kann dann nahtlos an den Stand des abgebrochenen Trainings angeknüpft werden.

Eine hohe Belastung des Pferdes beispielsweise bei Sprüngen, Sliding Stops oder Spins kann minimiert werden, wenn der Reiter diese Manöver zusätzlich mental trainiert, um deren Hilfengebung zu erlernen.

Zusatztipp: Da das Pferd jedoch eine bestimmte Anzahl von Wiederholungen benötigt, um selbst den Bewegungsablauf zu automatisieren, sollte man diese Manöver möglichst langsam, dafür aber korrekt, und somit belastungsarm ausführen, um den Bewegungsablauf effektiv zu trainieren.


Quelle:

Renate Ettl
Bild: Fotolia #92949495

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