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Reiter :: Gesundheit

Reiten in der Schwangerschaft, geht doch!

In Deutschland kommen pro Jahr über 700.000 Kinder zur Welt. Als Freizeit-oder auch Berufsreiterin ist man nach Bekanntwerden der Schwangerschaft einer kontroversen Diskussion ausgesetzt, ob man jetzt noch reiten oder gar mit seinem Pferd umgehen kann. Familie, Freunde und letztendlich der Frauenarzt haben ganz unterschiedliche Meinungen. Wenn man ein paar Vorsichtsmaßnahmen berücksichtigt, spricht aber nichts gegen das Reiten in der Schwangerschaft.
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„Du bist schwanger? Was machst du dann im Stall? Du reitest doch nicht mehr, oder?!“ So, oder so ähnlich lauten häufig die Kommentare, die schwangere Reiterinnen von Bekannten, Freunden oder Familie hören. Eine 2011 veröffentlichte Dissertation von Susanna Kramarz zum Thema „Reiten in der Schwangerschaft“, für die 1851 Reiterinnen befragt wurden, „zeigt keine Anhaltspunkte dafür, dass Reiten während der Schwangerschaft zu einer erhöhten Rate an Aborten oder Fehlgeburten führt“. Auch Ärzte und Hebammen haben am Reiten generell nichts auszusetzen, soweit es sich um geübte Reiterinnen handelt. Sie weisen aber auch auf das damit verbundene Unfallrisiko hin.

Was spricht gegen das Reiten?

Natürlich spielen Faktoren wie die Gesundheit der Mutter, eine Disposition für  oder eine bestehende Risikoschwangerschaft und nicht zuletzt das erhöhte Unfallrisiko, das nun mal im Umgang mit Pferden besteht, eine Rolle. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass man sein Können und sein Pferd sehr gut und realistisch einschätzen kann. Jede Frau muss für sich selbst entscheiden, ob es ihr und somit auch ihrem Kind guttut, weiterhin und in welcher Intensität zu reiten oder mit dem Pferd zu arbeiten. Das Risiko im Umgang mit jungen Pferden, einer ganzen Herde, Hengsten oder z.B. schreckhaften Tieren ist erfahrungsgemäß sehr viel risikoträchtiger als der Umgang oder das Reiten (s)eines gutmütigen, gut ausgebildeten und zuverlässigen Pferdes. Ebenfalls spielt es eine Rolle, ob man gemütlich eine Schrittrunde reitet oder an einer Jagd mit Naturhindernissen teilnimmt.

Es gibt keine Belege, dass Reiten in der der Frühschwangerschaft, in der die meisten Frauen noch gar nicht wissen, dass sie schwanger sind, schädlich ist. Denn auch hier ist nicht die Reitbelastung an sich, sondern die Unfallgefahr das entscheidende Risiko. Bekannte Reiterinnen, z.B. die Schwedin Malin Baryard-Johnsson gewann im Oktober 2004, im 5. Monat schwanger, das große TUI-Springturnier in Hannover und wurde im 6. Monat in Stockholm in einem internationalen S-Springturnier Zweite.

Reiten – wie lange?

Jede Reiterin, deren Körper an die Reitbewegungen gewohnt und die Muskulatur entsprechend ausgebildet ist, wird individuell merken, ob ihr Reiten guttut und bis zu welchem Zeitpunkt in der Schwangerschaft dies der Fall ist. Viele Schwangere empfinden die „Schaukelbewegung“ im Schritt als sehr angenehm, was Rückenschmerzen, v.a. Ischiasbeschwerden lindern kann. Stoßbelastungen durch Trab oder Galopp werden ab einem bestimmten Zeitpunkt als unangenehm empfunden. Hier wird aber jede Frau individuell empfinden und dementsprechend reagieren.

Risiken für Mutter und Kind

Dr. Kramarz kommt in ihrer Dissertation u.a. zu den Ergebnissen, dass es im Vergleich mit anderen Perinatal Studien keinen Hinweis auf eine erhöhte Rate von Kaiserschnitten, vaginal-operativen Eingriffen, Frühgeburten oder die Dauer der Schwangerschaft gibt. Auch eine durch das Reiten gut trainierte Beckenboden-Muskulatur beeinflusst den Geburtsverlauf nicht negativ. Im Gegenteil, trainierte Frauen zeigen weit weniger Folgesymptomatiken nach der Geburt, als untrainierte. Es gilt natürlich, dass Aussagen dieser Art sich nicht auf Unfälle beziehen.

Nützliches während der Schwangerschaft

Der Körper einer Schwangeren verändert sich. Äußerlich wohl am ehesten am Babybauch und den größer werdenden Brüsten zu erkennen. Aber auch die Bänder werden flexibler, der Druck auf den Beckenboden durch das Gewicht des Kindes höher.  Hier gibt es gute Alternativen, durch die das Reiten angenehmer gestaltet werden kann.

Eine bequeme Reithose mit Schwangerschaftsbund, wie sie angeboten wird schnürt den Babybauch nicht ein oder kneift unangenehm. „Die Reithose besitzt einen elastischen Bund der bis zum Ende der Schwangerschaft mitwächst.  Das ist auch praktisch, wenn man sich nur noch im Stall aufhält und nicht mehr reitet. Sie rutscht z.B. beim Bücken nicht über den Po und erleichtert die Bewegungsfreiheit im Umgang mit dem Pferd enorm.“ so Katharina Pfitzner von PFIFF Pfitzner Reitsport, die eine solche Schwangerschafts-Reithose anbieten. Es handelt sich hier um eine extra Dienstleistung, denn in eine normale Reithose, sofern der Bund nicht zu hoch geschnitten ist, wird ein Bauchstück eingesetzt, welches aus elastischem Material besteht. Auch korpulentere Reiterinnen kennen die Annehmlichkeit eines nicht zwickenden Hosenbundes und greifen gerne darauf zurück.

Ein gut passender Sport-BH in der richtigen Größe beugt zudem Rückenschmerzen und unangenehmem Zug auf die Brust vor.
Eine Auf- und Abstiegshilfe, die man normalerweise benutzt um den Rücken des Pferdes zu schonen, hilft in der Schwangerschaft leichter aufs und runter vom Pferd zu kommen. Zusätzlich vermindert es den Druck auf den Beckenboden damit er nicht zu hoch wird.


Quelle:

PFIFF Pfitzner Reitsport GmbH & Co.KG, Dr. Susanna Kramarz, Dissertation Universität München, Schwanger-Reiten.de , Kristina Stricker
Bilder: Fotolia_#96461704 | Urheber: Csák István und PFIFF Pfitzner Reitsport GmbH & Co.KG

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