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Reiter :: Gesundheit

Reiten als Sportart für Pferd und Reiter

Viele Aspekte des Reitsports beziehen sich nur auf das Pferd. Überlegungen für ein optimales Pferdetraining werden angestrengt, um die Leistungsfähigkeit des Pferdes zu verbessern und man denkt über spezielle Übungen zur Gymnastizierung des Pferdes nach. Doch auch der Reiter muss sportliche Leistungen erbringen
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Das Pferd ist immer nur so gut wie dessen Reiter, heißt es in Fachkreisen zu Recht. Die Einwirkungen des Reiters über seine Hilfengebung beeinflussen das Pferd in seinen Bewegungen. Ein Reiter mit einem schlechten, unausbalancierten Sitz stört das Pferd, so dass es sich nicht optimal bewegen kann. Letztendlich kann das Pferd aus diesem Grund bestimmte Manöver nicht oder nur unzureichend ausführen.

Die Haltung und die Bewegungen (auch Beweglichkeit) des Reiters, also dessen Einwirkungen, sind Grundvoraussetzungen für eine optimale Umsetzung der Bewegungen des Pferdes in die verschiedenen Manövern. Der Reiter muss zunächst gut ausbalanciert sitzen können, um das Pferd weder zu stören noch einseitig zu belasten. Damit der Reiter diese Balance aber aufrecht erhalten kann, ist eine bestimmte Ausdauer-Muskelarbeit und Koordinationsfähigkeit von Bedeutung. Die Einwirkungen über die Hilfengebung durch Arme (Zügel), Beine (Schenkelhilfen) und Rumpf (Gewichtshilfen) erfordern ebenfalls ein bestimmtes Potenzial an Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Koordinationsfähigkeit.

Viele Reiter haben schon Probleme, den korrekten Sitz über längere Zeit aufrecht zu erhalten. Ihre Muskeln ermüden frühzeitig, sie verkrampfen und verlieren somit ihren Sitz. Dies ist auf eine ungenügende körperliche Vorbereitung des Reiters zurückzuführen. Insbesondere müssen die Rumpfmuskeln, speziell die Bauch- und Rückenmuskeln, trainiert werden, die die Beckenbewegung steuern. Dabei haben Untersuchungen ergeben, dass die meisten Menschen und damit auch die Reiter in Relation zur Rückenmuskulatur viel zu schwache Bauchmuskeln haben.

Die sportliche Anforderung ans Reiten wird von den meisten unterschätzt. Das Reiten ist in erster Linie eine Ausdauersportart, in der über einen längeren Zeitraum bestimmte Muskelgruppen in der Regel zwar leicht, aber andauernd angespannt werden müssen. Allein schon die Haltearbeit der Zügel und das aufrechte Sitzen bedeutet eine nicht zu unterschätzende Muskeltätigkeit.

Aufgrund dieser Anstrengungen wird auch das Herz-Kreislauf-System beansprucht. Messungen haben ergeben, dass die Herzfrequenz bei höchsten Belastungen wie beispielsweise beim Springreiten sogar auf Werte von bis zu 200 steigen kann. Dies ist – je nach Alter und persönlicher Konstitution – ein absoluter Höchstwert.

Der Ruhepulswert des Menschen beträgt etwa 60 bis 70 Schläge in der Minute. Im Schritt erreicht man einen Pulswert von etwa 80 bis 100 Schlägen in der Minute. Im Trab schwanken die Werte zwischen 100 und 140 Schlägen, während der Galopp im Bereich von 140 bis 160 seinen durchschnittlichen Frequenzbereich hat. Die Messungen sind natürlich sehr stark auch vom jeweiligen Pferd abhängig. Je weicher ein Pferd zu sitzen ist, desto weniger muss der Reiter seine Muskulatur beanspruchen, um die Bewegungen des Pferdes auszugleichen. Somit sinkt die Frequenz deutlich ab. Andererseits ist auch zu berücksichtigen, wie stark ein Pferd in der Unterhaltung seiner Gangart durch Treiben unterstützt werden muss, was wiederum eine teils enorme Muskelanstrengung nach sich ziehen kann. Je fauler oder unsensibler das Pferd, desto höher die Pulsfrequenz des Reiters.

Einige Pferde müssen (oft aufgrund mangelnder Ausbildung) so deutlich vorwärtsgetrieben werden, dass der Reiter außer Puste gerät. Hier ist dann die Schwelle vom aeroben zum anaeroben Stoffwechsel des Körpers überschritten worden. Der Reiter kann die Sauerstoffschuld nicht mehr ausgleichen, ermüdet frühzeitig und muss eine Pause einlegen. Normalerweise aber ist das Reiten eine Ausdauersportart, die im aeroben Bereich stattfindet.

Die Möglichkeiten einer übermäßigen Anstrengung des Reiters liegen aber auch darin, dass die Muskulatur der Reiters noch nicht an die Beanspruchung gewöhnt ist. Oft ist es aber auch eine falsche Hilfengebung, die zu höherer Beanspruchung des Organismus führt. So sieht man häufig vor allem bei Anfängern, dass sie zu stark am Zügel ziehen, ja sogar, dass sie sich daran festhalten. Auch klammernde, nicht effektiv eingesetzte Schenkelhilfen tragen zu einer übermäßigen Belastung des Körpers bei. Der Zügelzug wie auch der Schenkeldruck werden nicht frühzeitig gelöst, was das Pferd zu einem Gegendruck veranlasst, dem der Reiter versucht standzuhalten. Dies ist anstrengend und natürlich kontraproduktiv.

Ausdauer kontra Kraft

Selbstverständlich bleibt aber immer noch die Haltearbeit und die Bewegung des Pferdes, die der Reiter ausgleichen muss. Der minimalste Aufwand, also nur das „Sich-tragen-lassen“ beansprucht den Körper immer noch entsprechend. Unter Berücksichtigung dieser Faktoren erreicht der Reiter im Arbeitsgalopp immer noch einen Mittelwert von etwa 140 Pulsschlägen – ein guter Trainingswert im aeroben Bereich.

Reiten besteht etwa zu 45 Prozent aus Koordination, zu 30 Prozent aus Beweglichkeit und zu 25 Prozent aus Kraft, Reaktionsschnelligkeit und Ausdauer. Aus sportmedizinischer Sicht kann das Reiten als allgemeine Langzeitbelastung mit überwiegend aerobem Stoffwechsel und insbesondere statischer – und nur geringfügig dynamischer – Beanspruchung definiert werden. Das Reiten ist also eine typische Ausdauersportart.

Training im aeroben Bereich

Eine Ausdauersportart wie das Reiten setzt im Training einen aeroben Stoffwechsel voraus, damit der Sport fortdauernd ausgeübt werden kann, ohne vorzeitig zu ermüden. Steigt die Pulsfrequenz über den aeroben Bereich, geht der Körper in den anaeroben Stoffwechsel über und geht damit eine Sauerstoffschuld ein. Im aneroben Stoffwechsel kommt der Reiter quasi aus der Puste.

Mit einem Herzfrequenzmesser kann man sein Training so aufbauen, dass man stets im optimalen Frequenzbereich trainiert, um seine Fitness zu verbessern und sein Leistungsvermögen nicht zu übersteigen. Der Übergang vom aeroben zum anaeroben Bereich ist bei jedem Menschen unterschiedlich. In der Regel sinkt die Schwelle mit zunehmendem Alter. So liegt der Übergang vom aeroben zum anarobem Bereich beim 20-Jährigen etwa erst bei einer Pulsfrequenz von 170 Schlägen pro Minute, während er beim 60-jährigen schon bei 140 Schlägen liegt.

Reiten ist zwar eine gesunde Sportart, aber dennoch werden auch hier bestimmte Muskelgruppen einseitig belastet. Deshalb ist eine Zusatz-, Ergänzungs- oder Ausgleichssportart zu empfehlen, um den Körper stets locker, fit und leistungsfähig zu erhalten.


Quelle:

Renate Ettl
Bild: Fotolia #114996970