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Reiter :: Gesundheit

Gymnastik und Aufwärmübungen für den Reiter

Das Aufwärmen ist für jeden Sportler obligatorisch – nur für den Reiter nicht. Auch das Reiten ist eine Sportart, doch außer den Voltigierern denkt kaum einer daran, seine Muskeln zu lockern, zu dehnen und auf Betriebstemperatur zu bringen, bevor er in den Sattel steigt. Tun Sie sich selbst einen Gefallen und denken Sie um!
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Jogging Puma Shooting in Hamburg am 24. Maerz 2013, Hamburger Stadtpark,Die Folge von einseitigen Belastungen, wie sie viele Berufe mit sich bringen, sind Verspannungen, Überlastungen und ungleichmäßige Ausbildung der Muskulatur. Am Feierabend möchte man sich nun auf dem Rücken des Pferdes entspannen.

Der Reiter steigt bereits verspannt in den Sattel, wenn ihn der Arbeitsstress nicht loslässt und hofft darauf, dass er sich beim Ritt entspannen kann. Dies ist meist aber nicht möglich, zumal sich das Pferd sehr bald ebenso verspannen wird. Das Pferd gleicht sich dem Zustand des Reiters an – es ist sein Spiegelbild! Schließlich wird der Reiter nun noch genervter, weil das Pferd heute wieder mal nicht nachgibt oder nicht feinfühlig auf die Hilfen reagiert. Nach einer Stunde mühsamen Reitens ist kein Funken von Erholung zu spüren – oftmals ist der Reiter noch genervter und verspannter als vor dem Ritt.

Aufwärmen und Entspannen

Es ist deshalb sinnvoll und im Grunde sogar notwendig, sich mit gymnastischen Entspannungsübungen auf das Reiten vorzubereiten. Nicht nur Entspannung, sondern auch Aufwärmen der benötigten Muskulatur ist vor jeder sportlichen Betätigung ein zwingendes Muss, um Verkrampfungen, Überdehnungen und Verletzungen vorzubeugen. Gymnastik und Aufwärmübungen haben aber noch weitere positive Effekte. In erster Linie wird die allgemeine Leistungsfähigkeit des Reiters enorm erhöht. Dies gilt zwar hauptsächlich für den Sportreiter, jedoch sind auch viele Freizeitreiter auf Orientierungs- oder Wanderritten längere Zeit im Sattel, so dass eine körperliche Vorbereitung auf diese Leistungsanforderung durchaus angebracht ist.

Die Gymnastik verbessert auch die Koordinationsfähigkeit des Körpers, was beim Reiten einen besonders hohen Stellenwert einnimmt. Die einseitige Alltagsbelastung von vielen Reitern kann eine gymnastische Körperschulung ausgleichen helfen. Nicht zuletzt bewirken die Übungen eine Regulation der Psyche, was vor allem Turnierreiter nicht unterschätzen sollten. Umfassend kann gesagt werden, dass die Leistungsfähigkeit des Reiters – und somit auch des Pferdes – zunimmt.

Für die richtige Auswahl der Übungen muss man wissen, welche Ziele man hauptsächlich erreichen möchte: Aufwärmen, Steigerung der Beweglichkeit, Ausgleichsübungen, Regeneration, Verbesserung der Koordination oder psychische Regulation? Für jeden Bereich eignen sich bestimmte gymnastische Übungen. Es ist wichtig, die verschiedenen Übungen auch gezielt einzusetzen, um eine hohe Effektivität zu erreichen. Grob kann man unterscheiden zwischen einer aufwärmenden Gymnastik (auf das Reiten vorbereitend), Entmüdungsübungen (nach dem Reiten zur Regeneration) sowie aufbauende Körperschulung (Verbesserung der Kondition und Koordination).

Die aufbauende Gymnastik wird im Pferdesport in erster Linie eingesetzt, um Haltungs- und Bewegungsschwächen des Reiters zu korrigieren. Für einen korrekten Sitz sind solche Übungen besonders wichtig. Eine weitere Art von Gymnastik widmet sich der Ausdauer, die in der Regel hauptsächlich für Distanzreiter und andere Sportreiter relevant ist. Trotzdem schadet dem Freizeitreiter eine gute Kondition und Ausdauer ebenso wenig, sie kann ebenfalls nur Vorteile bringen.

Aufwärmende Gymnastik

Vor allem in der kalten Jahreszeit ist ein gutes Aufwärmtraining für den Reiter sehr vorteilhaft. Zunächst wird selbstverständlich die Muskulatur für die bevorstehende Beanspruchung vorbereitet. Des weiteren wird der Kreislauf aktiviert, dass man selbst bei kaltem Wind und Schneefall nicht so leicht zu frieren beginnt.

Übungsbeispiele zum Aufwärmen vor dem Reiten:

1. Beide Arme so weit wie möglich nach oben strecken (Kirschenpflücken), dabei auf die Zehenspitzen stellen. Gedehnt wird hierbei die Rücken- und Rumpfmuskulatur.

2. Dieselbe Übung, jedoch dabei eine Rumpfseitbeuge ausführen. Die seitlichen Rumpfmuskeln werden dabei in Anspruch genommen.

3. In die Hocke gehen, die Hände am Boden abstützen und das Gesäß anheben, möglichst bis die Knie durchgestreckt sind. Bei dieser Übung wird in erster Linie die hinteren Beinmuskulatur, aber auch die Rückenmuskulatur gedehnt.

4. Für die vordere Bein- und Rumpfmuskulatur eignet sich der Ausfallschritt nach vorne, wobei man darauf achtet, dass man die jeweilige Hüfte gut vorschiebt, um eine entsprechende Dehnung des Hüftstreckers zu gewährleisten. Diese Übung kann man auch mit Zuhilfenahme der Putzbox variieren. Dabei wird das Ausfallbein auf die Box gestellt.

5. Ebenso eignet sich der seitliche Ausfallschritt für die innere Oberschenkelmuskulatur. Diese Übung ist selbstverständlich auf beiden Seiten auszuführen. Effektiver wird die Übung, wenn man das Ausfallbein auf die Putzkiste stellt.

6. Man ergreift das Sprunggelenk und zieht die Ferse zum Gesäß. Dabei wird die Oberschenkelmuskulatur gedehnt.

7. Man stellt sich mit dem Rücken zur Putzbox und stützt sich auf ihr mit den Händen ab. Nun geht man tief in die Hocke und drückt sich mit den Armen hoch. Diese Übung kann man selbst variieren, indem man einmal mehr mit den Armen drückt, ein anderes Mal die Beinmuskulatur verstärkt arbeiten lässt.

Aufwärmen im Sattel

Zur allgemeinen Lockerung kann man nun zum Schluss aus dem Stand einige Male hochspringen und in den Beinen leicht abfedern. Um das Aufwärmen zu erweitern und interessanter zu gestalten, lassen sich viele Übungen auf dem Pferd durchführen. Dies geschieht am besten in den ersten zehn Minuten der Reitstunde, die ausschließlich im Schritt geritten werden und bereits zur Aufwärmphase des Pferdes gehören. Das Pferd wird dabei am losen Zügel geritten. Im Sattel lässt sich sehr gut die Arm- und Schulterpartie lockern und aufwärmen.

1. Man beginnt mit dem Armkreisen abwechselnd nach vorne und rückwärts. In der Reitbahn und bei sehr sicheren Pferden, die gut mit Gewichtshilfen zu lenken sind, kann man die Zügel hierzu über das Sattelhorn bzw. den Hals legen, um das Armkreisen mit beiden Armen gleichzeitig ausführen zu können. Aus Sicherheitsgründen ist es jedoch besser, mit einer Hand stets die Zügel zu halten und abwechselnd die Arme zu kreisen.

2. Als zweite Übung bietet sich das Schulterkreisen in beide Richtungen – vorwärts und rückwärts – an.

3. Jetzt kann man den Kopf zur Seite neigen (bei der Kopfneigung nach rechts kann die rechte Hand unterstützend einwirken, indem man diese zum linken Ohr führt und einen leichten Zug aufbaut). Achtung: Kein Kopfkreisen und nicht den Kopf nach hinten strecken – diese Übungen stuft man mittlerweile als schädlich ein!

4. Arme zur Seite ausstrecken und sich im Rumpf abwechselnd nach links und rechts drehen. Das Pferd reagiert auf die Drehbewegung (Gewichtshilfe) mit Abwenden – mit dieser Übung kann man deshalb auch versuchen, Slalom zu reiten.

5. Rumpf seitwärts nach vorne beugen und mit der gegenüberliegenden Hand versuchen, die Fußspitze zu berühren. Die Übung wird selbstverständlich auf beiden Seiten durchgeführt.

6. Zum Abschluss kann man seinen Oberkörper nach hinten auf der Kruppe des Pferdes ablegen.


Quelle:

Renate Ettl
Bild: R_K_by_Yamaoka_pixelio.de