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Tipps zum Pferde fotografieren: Ausrüstung und Grundlagen

Bücher zum Thema „Fotografie“ gibt es zahlreich auf dem Markt. Wie aber speziell Pferde in Szene gesetzt werden, dass es für beide Seiten ein Vergnügen ist, erklärt die Pferdefotografin und Barnboox-Autorin Ramona Dünisch in dieser Serie.
Grenzen Sie ihre Suche auf dem Gebiet Allerlei Nützliches ein. Mit einem Suchbegriff liefert unsere Datenbank Fachbeiträge zu diesem Thema an.

Bevor es ans „lebende Objekt der Begierde“ geht, bedarf es einiger grundsätzlicher Erläuterungen, die sich jedoch auf die Vermittlung von Basiswissen beschränken:

Mit welcher Kamera wage ich mich ans Pferd?

Bewährt haben sich Spiegelreflexkameras bzw. Digitalkameras mit schnellem Autofocus. Reine Portraitaufnahmen und Standaufnahmen lassen sich auch mit langsamen, manuell einzustellenden Teleobjektiven realisieren. Bei digitalen Kamerasystemen richtet sich das Augenmerk auf die möglichst große Pixelanzahl und eine schnelle Auslösung, damit die Tiere auch in der Bewegung noch scharf abgelichtet werden können. Marktführer im Bereich der Kameragehäuse sind die Hersteller Nikon und Canon, wobei die Mitbewerber für den Anfänger ebenso gute Systeme anbieten.

Welche Objektive erzielen die besten Fotografien?

Ohne Kamera kein gutes Bild, aber ohne exzellentes Objektiv keine ansprechende Aufnahme! Die Kamera ist zwar der Ausgangspunkt für jedes Foto, jedoch nicht der entscheidende Faktor.

Grundsätzlich heißt es hier: Teleobjektiv und kein Weitwinkel! Weitwinkelobjektive sind lediglich für das Dokumentieren von Gesamteindrücken heranzuziehen. Gute Ergebnisse und das gewisse Etwas erzeugen lediglich Teleobjektive, die für jedermann in verschiedenen Preisklassen auf dem Fotomarkt angeboten werden.

Qualität hat ihren Preis – Teleobjektive

Jede Kamera und auch jedes Objektiv kann ein gutes Bild erzeugen. Der Pfiff liegt wie so oft im Detail – deshalb einige Gedankenansätze vor dem Gang zum Fotohändler: Flexibel und vielseitig nutzbar sind die sog. Zoom-Objektive. Als gängige Brennweite nutzen viele Pferdefotografen die Ausführung 80 – 200 mm, um in den unterschiedlichen Situationen schnell reagieren zu können.

Originalobjektiven ist der Vorzug gegenüber Fremdprodukten zu geben. Ein durchgängiges System arbeitet feiner und schneller als verschiedene Produkte, die zumeist nicht exakt aufeinander abgestimmt sind. Der Unterschied liegt auch hier im feinen Detail und ist auf den ersten Blick nicht erkennbar. Im Laufe der Jahre machen sich einige Euro, die bei der Anschaffung mehr investiert wurden, stark bemerkbar. Wartungsfreundlicher und zuverlässiger verrichten die Originalprodukte ihren Dienst und bedeuten auch unter schwierigen klimatischen Bedingungen stets die erste Wahl.

Bitte auf die Lichtstärke achten!

Lichtschwächere Objektive sind kostengünstiger in der Anschaffung als sog. „Lichtstarke“. Was heißt dies für den Laien? Am Objektivring (Blick von vorne auf das Objektiv) lesen sich Zahlen wie z.B. 1 : 2,8  70 – 200 mm oder 1 : 5,6  80 – 200 mm. Die Ausführung in der Lichtstärke 2,8 ist teurer in der Anschaffung als das lichtschwache Objektiv in der Zahl 5,6.

Warum? Mit dem Objektiv in der Ausführung 5,6 muss ich schon mit dem Fotografieren aufhören, wenn der Kollege mit dem 2,8er Objektiv noch in „voller Fahrt“ Pferde in der Bewegung ablichtet. Das Leistungsvermögen der 2,8er Ausführung ist bei weitem größer als es die lichtschwache Variante zulassen würde. Auch der verwendete Film muss darauf abgestimmt werden, falls noch analog fotografiert wird.

Je dunkler, desto schwieriger

Keine Sonne, schwarzes Pferd, viel Stress im Vorfeld? Vergessen Sie die ganze Session und terminieren Sie neu, falls Sie keine teure Ausrüstung in petto haben. Nicht jeder Neuling kann einfach die ISO-Zahl auf 32.000 hochschrauben.

Es ist technisch möglich, mit einem hochempfindlichen Film ein Ergebnis zu erzielen und auch die digitale Kamera bietet Spielraum, doch zu welchem Preis? Das Ergebnis „rauscht“, d.h. eine generelle Unschärfe ist der Preis von schlechtem Licht und großer Dunkelheit und wenn der Fotograf sich die Mühe macht und das Pferd ihm seine Zeit schenkt, dann sollte das Ergebnis doch bitteschön alle Beteiligten ins Frohlocken bringen. Fotografie lebt nach wie vor vom guten Licht und wenn dieses fehlt, wartet stets nur der lackschwarze Friese im dunklen Tunnel.

Vergessen Sie die Stativ-Fotografie!

Viele Meister des Genres predigen prinzipiell die Verwendung eines Stativs in jeglicher Fotosituation. Nur ehrlich – Hand aufs Herz: Welches Pferd würde genau das tun, was ein Fotograf sich wünscht? Schnelles Reagieren, feiner Dialog mit dem geliebten Vierbeiner und rasche Positionswechsel sind das A und O, um stressfrei und mit viel Freude am Tier beste Ergebnisse zu erzielen.

Die richtige Ausgangssituation

Zwei Möglichkeiten bestehen: Wagen Sie sich alleine ans Objekt der Begierde oder ziehen Sie einen freundlichen Helfer zu Rate. Jeder gute Fotograf sollte auch allein die wichtigsten Grundregeln beherrschen und diese sind relativ simpel:

– Kein Stress fürs Pferd
– Sauberkeit und gepflegtes Aussehen bedeuten die halbe Miete
– die richtige Auswahl des Bildhintergrundes
– schnelle Reaktion auf Stimmungswechsel bei Mensch und Tier

Erläuterung der einzelnen Punkte:

Beachten Sie bei der Wahl Ihres Fototermins die Gewohnheiten der Vierbeiner:

– keine Störung in Fresszeiten
– keine Anforderungen, die der Gesundheit der Tiere zum Nachteil werden
– absolut keine Gabe von Schmerzmitteln, um Anzeichen von Einschränkungen zu verdecken oder erst gar nicht erkennbar werden lassen!
– niemals die Tiere überfordern – ob seelisch oder körperlich!!
– auf die einzelnen Charaktere gezielt eingehen

Das richtige Outfit

– Putzen, putzen und nochmals putzen.
– Staubfrei – ausnahmsweise für den Fototermin.

Was sonst nicht notwendig und für die Gesundheit der Pferde eher abträglich ist, schätzen Pferdefotografen sehr: Das glänzende Pferd. Waschen bitte nur im Sommer und nur, wenn es die Witterung zulässt! Pferde verkühlen sich schnell und das Waschen mit einem Wasserschlauch unterkühlt die Nierenpartie schneller als es dem Pferdebesitzer lieb ist. Ein feines Wolltuch bringt das richtige Finish und zaubert auch ins Winterfell einen Hauch von Eleganz.

Auswahl des Standortes

Eine weiße Hauswand, Kletterrosen, blauer Himmel – der richtige Platz entscheidet über die Qualität der Aufnahme. Aus der Froschperspektive kann sich ein störender Hintergrund rasch in einen harmonischen verwandeln wie z.B. im Flachland, wenn ein Traktor oder ein Heuballen im Weg stehen. Probieren Sie es einfach einmal aus und spielen Sie mit den verschiedenen Objekten.

Problematik Stimmungswechsel

Achten Sie stets darauf, dass Pferd und Mensch gut gelaunt und locker bleiben. Ein verspanntes Gesicht steht weder dem Vierbeiner, noch dem Besitzer gut. Ständige Wiederholungen nerven alle Seiten und sind der Qualität mehr als abträglich und meiner Meinung nach sinnlos. Diszipliniertes Verhalten macht diese Vorgehensweise überflüssig! Achten Sie jedes Lebewesen und behandeln Sie es bitte entsprechend.

Aufgepasst: Problem der schriftlichen Freigabe

Es ist nicht erlaubt, ohne schriftliche Genehmigung Aufnahmen von Personen jeglicher Art zu erstellen! Kriminell wird’s schnell, wenn Fotografien ins Internet gestellt werden. Hierbei handelt es sich um eine „klassische Veröffentlichung“, die sehr schnell empfindliche Strafen nach sich ziehen kann.

Noch komplizierter gestaltet sich dieser Punkt bei minderjährigen Personen – hier ist die schriftliche Genehmigung durch beide Elternteile erforderlich (Ausnahme: Das Sorgerecht liegt nur in einer Hand z.B. der Mutter).

Einstimmen und Üben mit den Pferden

Aufgabenstellung:

Pferde grasen auf der Koppel – verschiedene Tiere in unterschiedlichen Größen und Farben.

– Probieren Sie aus, welche Perspektive die Schönste ist, um die Pferde am besten
zur Geltung kommen zu lassen.
– Versuchen Sie, störende Elemente hinter den Pferden verschwinden zu lassen.
– Treten Sie in den Dialog mit den Pferden und spielen Sie mit der Reaktion der Tiere.
– Beachten Sie jeweilige Vorlieben und überfordern Sie nicht die Aufmerksamkeitsbereitschaft der geliebten Vierbeiner.

Eine schöne Situation entsteht zum Beispiel, wenn die Pferde morgens zur Weide gebracht werden oder alleine den Weg zur Koppel antreten. Wenn der Besitzer seine Pferde tagsüber besucht, ergeben sich ebenfalls schöne Gelegenheiten, die Kommunikation zwischen Mensch und Tier im Bild festzuhalten.

Aufgabenstellung Portraits

Fotografien in Titelbildqualität zu erstellen, ist nicht so schwer wie es auf den ersten Blick aussieht. Sicherlich werden die ersten hundert Aufnahmen noch nicht von dem Erfolg gekrönt sein, wie es der Profi durch jahrelange Übung in Minutenschnelle hinzaubern kann, aber Übung macht den Meister!

Ausgangssituation: Ihr Pferd steht mehr gelangweilt oder mit der Aufmerksamkeit bei den anderen Pferden in Ihrer Nähe. Jetzt gilt es, die volle Konzentration des Vierbeiners zu erhalten. Vergessen Sie dabei nicht, das Pferd zu begrüßen und dies in pferdegerechter Form. Wie funktioniert das? Ganz einfach: Sie halten die Hand ruhig vor die Pferdenüstern und bitte dabei beachten, dass Pferde starke Parfüms und Aftershaves nicht bevorzugen.

Wer nicht über telepathische Fähigkeiten verfügt, muss bei der Fotografie auf kleine Hilfsmittel zurückgreifen und diese sind gar nicht so kompliziert, wie es erscheinen mag:

– Ein kleines Diktiergerät mit Pferdewiehern
– Alufolie zum Rascheln
– Dose mit Kieselsteinen
– Plastiktüte
– Spiegel zum Reflektieren

Probieren Sie aus, wann das Pferd die Ohren nach vorne nimmt. Beachten Sie dabei, dass z.B. Stuten sehr oft sehr schnell in der Bewegung ihrer Ohren reagieren und schwieriger zu fotografieren sind als Hengste, die in ihrem Imponiergehabe ein beliebtes Fotoobjekt darstellen. Wenn Sie eine Hilfsperson zur Verfügung haben, können Sie auch mit der Reaktion der Pferde experimentieren, indem Sie an einem Hengst eine Stute vorbei führen.

Bitte begeben Sie sich in diese Situationen nur, wenn Sie ausreichend Erfahrung im Umgang mit Pferden haben. Verletzungen durch Fototermine sind ein absolutes Tabu und nicht notwendig!

Beachten Sie folgendes:

Pferde sind hochintelligente Wesen, die innerhalb weniger Sequenzen lernen, dass sie „veräppelt“ werden und dann reagieren sie nicht mehr auf die Hilfsmittel. Sie müssen schnell handeln und die Gunst der Stunde nutzen. Nach 10 Minuten ist alles vorbei und die Gewohnheit tritt wieder ein. Höchste Konzentration und Disziplin in jeder Situation bringen den gewünschten Erfolg!

Des Züchters liebstes Kind – Standaufnahmen

Fingerspitzengefühl und etwas Übung sind notwendig, um den züchterischen Aspekten gerecht zu werden. Verkaufsanzeigen, Gestütspräsentationen, Erinnerungsfotografien erfolgreicher Pferde – all dies erfordert eine schöne Standaufnahme in Seitenansicht von einem aufmerksam in die Kamera blickenden Pferd und wenn möglich in optimaler Beinstellung. Selbst erfahrene Fotografen scheitern oft an dieser Aufgabenstellung, wenn die Besitzer nicht ausführen können, was der Fotokünstler sich vorstellt. Etwas Übung im Vorfeld verhindert Stress und bringt den gewünschten Effekt.

Achten Sie darauf, dass sich das Pferd in voller Körpergröße im Sonnenlicht befindet. Es sollte gleichzeitig entspannt und in Richtung des Fotografen konzentriert stehen – die Mischung macht die Wirkung aus. Schnelligkeit ist hier wieder die Devise für den Akteur hinter der Kamera. Das Pferd steht jeweils nur Sekunden in der gewünschten Position und dies muss der Fotograf geschickt für sich nutzen.

Die richtige Tageszeit

Wenn irgend möglich, sollte entweder am frühen Morgen oder in den Nachmittagsstunden zur Kamera gegriffen werden. Am Morgen ist das Licht je nach Jahreszeit kälter in seiner Wirkung als am Abend, wenn die untergehende Sonne die Stimmung goldgelb einfärbt. Schöne Effekte können erzielt werden, wenn ein Pferd z.B. im Gegenlicht der untergehenden Sonne portraitiert wird.

Das Licht der Mittagssonne wirkt hart und bringt unangenehme Schatten in der Bildwirkung. Die Pferde verlieren an Kontur und Zeichnung. Eine kleine Belichtungskorrektur z.B. –0,5 je nach Objektiv und Lichtstärke kann Abhilfe schaffen. Das Bild wird insgesamt dunkler und die Härte des Mittagslichtes gemildert. Diese Vorgehensweise bewährt sich z.B. bei der Veranstaltungsfotografie, wenn der Zeitpunkt des Fototermins nicht der Tageszeit angepasst werden kann oder wenn terminliche Schwierigkeiten keine Verlegung des Zeitpunktes möglich machen.


Quelle:

Ramona Dünisch
Bild: olga meier-sander_pixelio.de