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Metallpferd Joey aus Theaterstück Gefährten: So funktioniert er!

Die weltweite Theaterszene eroberten Basil Jones und Adrian Kohler mit ihren Pferdefiguren, die sie für die Uraufführung von „War Horse“ 2007 im National Theatre in London schufen. Verblüffend lebensecht beeindruckten die Pferde das Publikum und machten das Theaterstück zu einer der erfolgreichsten Shows am Londoner West End sowie in den USA, Kanada und Australien. In Berlin begeistern die „Puppets“ bereits seit den ersten Auftritten des Pferdes Joey im Herbst 2012.
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Rund 20 verschiedene Figuren – neben den Pferden u.a. auch Vögel und eine Gans – werden für jede neue Produktion von Gefährten kreiert. Wie im echten Leben gleicht kein Pferd dem anderen. Sie bestehen aus einem Kunstgeflecht aus Rattan, Leder und Metall. Mithilfe jeder Menge mechanischer Details werden die Figuren von drei Schauspielern gesteuert. So wirken die Figuren lebendig bis ins letzte Detail. Sie atmen wie Pferde, sie machen Geräusche wie Pferde und bewegen sich wie echte Pferde. Eine perfekte Illusion.

Joey (braun) und Topthorn (schwarz), die beiden Stars in Gefährten, sind rund 2,40 m groß und wiegen über 70 Kilo. Die Pferde bestehen aus Holz, Rattan und Leder. Materialien, die den Bühnenstar sehr beweglich machen. Ihr Rücken besteht aus Aluminium, robust genug, um einen Reiter zu tragen.

Drei Puppenspieler, Puppeteers genannt, erwecken Joey zum Leben. Als Team laufen, traben und galoppieren Kopf-, Herz- und Hinterspieler gemeinsam wie ein echtes Pferd. Dabei bedienen sie die wichtigsten Körperteile manuell. Auch die Pferdegeräusche kommen von den Dreien. Zwei von ihnen stecken im Pferd. Sie müssen von ähnlicher Größe sein und sind mit dem Körper über ein Gestell verbunden, das wie ein Rucksack getragen wird. Das Gewicht lastet somit hauptsächlich auf ihren Hüften.

Alle Körperteile werden einzeln gesteuert

Damit die Pferde in Gefährten so lebensecht wirken, müssen auch die einzelnen Körperteile perfekt miteinander funktionieren: Der Schweif zeigt durch seine Bewegungen die Gefühle des Pferdes und vertreibt auch lästige Insekten. Dafür muss er sehr beweglich sein. Er wird vom hinteren Puppeteer (Hind) gesteuert, der auch für die beiden Hinterbeine verantwortlich ist. Schweif und Mähne bestehen hauptsächlich aus Tyvek, einer sehr starken und leichten Kunstfaser. Der Schweif wird durch Kabel bewegt, die am Gestänge der Hinterbeine befestigt sind.

Der mittlere Pupeteer (Heart) bedient die Vorderbeine. Sie bestehen aus mehreren Gelenken, die mit einem Hebel über Spannfedern einzeln gesteuert werden. Sie hängen in einer lockeren Führung unter dem Brustkorb des Pferdes. Dadurch kann der mittlere Puppeteer den Körper mit jedem Atemzug leicht nach oben und unten bewegen. Die Atmung ist eine der wichtigsten Bewegungen, da sie das Pferd sehr lebendig aussehen lässt.

Der Spieler des Kopfes (Head) steht als einziger außerhalb des Pferdes. Hals und Kopf werden über einen Steuergriff gelenkt. Die Griffe ähneln denen einer Fahrradbremse. Er ist an einer fixen Stelle hinter den Augen des Pferdes befestigt. Dadurch kann der Kopf-Puppeteer dafür sorgen, dass Joey immer in die richtige Richtung schauen und auf jede Situation reagieren kann.

Die Ohren spiegeln die Emotionen des Pferdes wider. Sind sie nach vorne gerichtet, ist das Tier entspannt oder auch interessiert. Zeigen sie nach hinten, wittert es Gefahr und zeigt Angst. Kabel und Gummibänder, die über eine Rolle in entgegengesetzte Richtung ziehen, ermöglichen es dem Kopf-Puppeteer, mit nur einem Finger die Ohren zu bewegen.

Jedes Pferd in Handarbeit hergestellt

Über 40 Darsteller stehen bei Gefährten auf der Bühne. Für die Berliner Produktion hat das Kreativteam ein völlig neues (deutsches) Ensemble gefunden. Die Pferde werden von mehreren 3er-Teams gespielt, die den Puppen auf der Bühne Leben einhauchen. Jedes Pferd wurde in Handarbeit in Kapstadt hergestellt. Folglich sehen alle Pferde auch unterschiedlich aus und wiegen unterschiedlich viel.

Es dauert viele Wochen, bis die Puppeteers ein Pferd perfekt beherrschen und damit die einzigartige Illusion auf der Bühne kreieren. Das Studium echter Pferde ist dabei von großer Bedeutung. Die körperliche Belastung für die Pferdeteams ist  enorm, ein „Pferd zu spielen“ bedeutet wahre Schwerstarbeit. Viele von ihnen spielen in der Show nicht nur in ihren Pferden auf den entsprechenden Positionen, sondern auch weitere kleinere Ensembleparts in anderen Szenen. Zwei Regie-Abteilungen kümmern sich bei Gefährten einzig um die Pferde: Puppetry Director Mervyn Millar und Assistent Enrico D. Wey zeichnen für den korrekten Umgang mit den Puppets verantwortlich. Auf die perfekten, natürlichen Pferdebewegungen (Movements) achten Toby Sedgwick, der Director of Movement and Horse Choreography und Laura Cubitt (Assistent Movement Director).


Quelle:

Stage Entertainment

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