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Stutenleasing: Ein Fohlen aus einer fremden Stute

Dass Stutenbesitzer sich das eigene Fohlen aus ihrer Stute ziehen, ist nichts Besonderes. Deckhengste stehen in großer Auswahl zur Verfügung. Der umgekehrte Fall, dass ein Hengstbesitzer ein Fohlen von seinem Hengst haben möchte, ist hingegen etwas problematischer, aber nicht unmöglich. Dieser Trend heißt „Stuten-Leasing“, wobei die Stuten meist zu Zuchtzwecken geleast oder gepachtet werden.
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Vollblutaraber Stute beschtzt FohlenBesonders unter den Westernreitern sind Reithengste sehr verbreitet. Während fast jeder Stutenbesitzer schon mal darüber nachgedacht hat, ein Fohlen aus seiner eigenen Stute zu ziehen, werden Hengste zwar oft als Deckhengste für Stutenbesitzer angeboten, doch der Wunsch nach einem eigenen Fohlen vom eigenen Hengst bleibt in Ermangelung einer (geeigneten oder nicht vorhandenen) Stute oft ein Traum.

Da sich der Hengst in seinem Leben viel öfters reproduzieren kann als eine Stute, wird dem Hengst in der Zucht mehr Bedeutung beigemessen als der Stute. Dennoch vererben beide Elterntiere jeweils 50 Prozent ihres Erbguts, so dass man bei einer Anpaarung sowohl die Qualitäten des Hengstes als auch die der Stute zu gleichen Teilen in Betracht ziehen sollte. Somit ist es für einen Hengsthalter genauso wichtig, die passende Stute für eine Anpaarung zu finden wie umgekehrt. Doch wo bekommt der Hengstbesitzer eine geeignete Stute her? Der Stutenbesitzer hat es da einfacher. Hier muss die Stute zur Bedeckung jeweils nur einige Tage zum Hengst gebracht werden. Der Aufwand für den Hengsthalter ist im Vergleich zum Stutenbesitzer gering, um ein Fohlen zu „produzieren“.

Mehr Risiko für Stutenbesitzer

Die Stute muss während der gesamten Trächtigkeit und nach der Geburt des Fohlens noch weitere sechs Monate – bis zum Absetzen des Fohlens – entsprechend versorgt werden. Man muss mit Reitausfallzeiten rechnen, höheren Futterkosten, zusätzlichen Tierarztkosten, mehr Pflegeaufwand, größeren Anspruch auf die Räumlichkeiten wie genügend große Box und nicht zu vergessen die Zusatzkosten für das Fohlen, wenn es geboren ist. Ein weiterer großer Faktor ist das allgemeine Risiko, das eine Trächtigkeit für die Stute mit sich bringt. Obwohl die meisten Pferdegeburten komplikationslos ablaufen, muss man mit allen Eventualitäten rechnen. So kann nicht nur die Stute bei Geburtskomplikationen versterben, sondern auch das Fohlen im schlimmsten Fall tot geboren werden.

Das Risiko, die Zusatzkosten und der Aufwand, ein Fohlen zu ziehen, verbleiben fast ausschließlich beim Stutenbesitzer. Aber dennoch gibt es die Möglichkeit, eine Stute zu Zuchtzwecken zu leasen oder zu pachten. Immer mehr Zuchtbetriebe, aber auch Privatpersonen, bieten diese Möglichkeit an. Aufgrund des großen Aufwands und des Risikos ist dies natürlich mit entsprechenden Kosten verbunden. Hierzu gibt es aber die unterschiedlichsten „Modelle“, die von Stuten- und Hengstbesitzern individuell vertraglich vereinbart werden.

Leasing immer vertraglich fixieren

Im rechtlichen Sinne ist das „Leasen“ von Stuten eigentlich eine „Pacht“, denn es wird aus einer Sache (Stute) ein Ertrag (Fohlen) gewonnen, was den Regeln einer Pacht am nächsten kommt. Vorrangig ist für den Abschluss eines Vertrags aber stets der Wille der jeweiligen Parteien, und da Verträge frei geschlossen werden können, kann ein Leasing-Vertrag die unterschiedlichsten Formen annehmen. Das Leasen von Stuten sollte aufgrund der vielen Unwägbarkeiten in jedem Fall vertraglich fixiert werden. Je nach den jeweiligen Gegebenheiten werden verschiedene Modelle praktiziert.

Manche Zuchtbetriebe bieten ihre Zuchtstuten zum Leasing an, wobei Interessenten dann einen jeweiligen Hengst für die Bedeckung auswählen können und nach Vertragsende Eigentümer des Fohlens sind. Dabei verbleibt die Zuchtstute in dem jeweiligen Stall des Eigentümers. Dieser kümmert sich um alle notwendigen Unternehmungen, vom Transport des Pferdes zum Hengsthalter bis zur Beantragung des Pferdepasses für das Fohlen. Im Gegenzug zahlt der Leasingnehmer in dieser Zeit den Unterhalt der Stute sowie diverse Zusatzkosten wie Tierarzt, Hufschmied etc. und zwar in dem Umfang, als wäre die Stute sein eigenes Pferd.

Nach Ablauf des Leasingvertrags – nach etwa 18 Monaten (von der Bedeckung bis zum Absetzen des Fohlens) – erwirbt der Leasingnehmer die Eigentumsrechte an dem Fohlen. Je nach Wertigkeit der Stute, Versorgungsumfang und ortsüblicher Stallmiete fallen in etwa 200 bis 300 Euro monatliche Leasinggebühr an. Somit zahlt der neue Fohlenbesitzer etwa 4500 Euro für sein „Traumfohlen“ plus sämtlicher Zusatzkosten (Tierarzt, Decktaxe etc.). Für den Stutenbesitzer stellt es sich in diesem Fall so dar, dass er kein eigenes Pferd mehr im Stall hat, sondern ein Pensionspferd. Der Leasingnehmer hingegen kann seine Traumanpaarung verwirklichen, ohne selbst Besitzer von Stute oder Hengst sein zu müssen. Der Nachteil ist jedoch, dass er leider noch nicht vorbestellen kann, ob das Fohlen eine Stute oder ein Hengst sein wird. Zudem besteht das Risiko, dass das Fohlen nicht gesund ist, Stellungsfehler hat oder eine unerwünschte Farbe.

Das Risiko ist immer mit von der Partie

Wenn Farbe und Geschlecht zweitrangig sind, kann das Leasing einer Zuchtstute aber dennoch vorteilhaft sein, zumal man vertraglich alle möglichen Variationen festlegen kann. Hat man selbst einen Hengst und die Möglichkeit, im eigenen Stall eine geleaste Stute zu beherbergen, kann man einen Pauschalbetrag für das „Ausleihen“ der Stute zu Zuchtzwecken abschließen. Damit minimieren sich die Kosten für Unterhalt deutlich, dennoch geben viele Stutenbesitzer ihre Pferde natürlich nicht so ohne Weiteres für eineinhalb Jahre in einen fremden Stall ab.

Geklärt werden muss in diesem Fall, wer die Kosten für den Tierarzt übernimmt, wenn sich das Pferd verletzen sollte. Rechtlich gesehen stellt sich immer die Frage des Verschuldens in so einem Fall. Darum sollte man jede Eventualität – auch den Tod der Stute und/oder des Fohlens – in Betracht ziehen und vertraglich regeln. Wer haftet, wenn beispielsweise das Fohlen stirbt, tot zur Welt kommt oder nicht lebensfähig ist? Und wer haftet, wenn die Stute zu Tode kommt? Welche Vereinbarung trifft man, wenn die Stute nicht aufnimmt und sich eine Zuchtuntauglichkeit herausstellt? All diese Fragen müssen geklärt, abgesprochen und vertraglich festgelegt werden, um spätere Streitigkeiten zu vermeiden.

Um die Risiken, für eine fremde Stute haften zu müssen, so gering wie möglich zu halten, sollte man die Möglichkeit in Betracht ziehen, mit dem Stutenbesitzer eine Vereinbarung zu treffen, dass dieser seine Stute mit einem bestimmten Hengst deckt, man dafür das Fohlen zu einem vorher festgelegten Preis dann auch sicher abnimmt. Dies ist immer dann möglich, wenn die Stute sowieso im Zuchteinsatz ist und es dem Besitzer im Prinzip egal ist, mit welchem Hengst die Stute gedeckt wird. Für den Stutenbesitzer vorteilhaft ist in jedem Fall, dass das Fohlen schon im Mutterleib verkauft ist. Doch auch in diesem Fall muss man Totgeburten und Geburtskomplikationen, aber auch notwendige Impfungen und Zusatzfutter etc. als zusätzlichen Kostenfaktor in die vertraglichen Vereinbarungen mit aufnehmen.


Quelle:

Renate Ettl
Bild: Fotollia #128272688