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Stute decken: den richtigen Hengst auswählen

Die Auswahl des richtigen Hengstes für die eigene Stute ist keineswegs einfach. Zuvor gilt es, sich darüber klar zu werden, ob die eigene Stute die Anforderungen für eine gute Zuchtstute erfüllt und ob sie für das gewünschte Zuchtziel geeignet ist. Danach erfolgt die Suche nach dem für die Stute passenden Hengst, denn um erfolgreich zu züchten, sollten die Elterntiere zusammenpassen, das heißt, möglichst viele Ähnlichkeiten aufweisen.
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old-green-scotch-1-07Der Hobbyzüchter, der aus seiner eigenen Stute ein Fohlen ziehen möchte, hat es nicht leicht in der Beurteilung seines eigenen Pferdes. Aufgrund seiner emotionalen Bindung ist eine objektive Beurteilung oft schwierig. Aber auch Profizüchter, der sich in der Szene auskennen und in der Beurteilung von Exterieur und Interieur geschult sind, sind nicht immer in der Lage, das Ergebnis bestimmter Anpaarungen abzuschätzen. Selbst die erfahrensten Zuchtfachleute sind vor Fehleinschätzungen nicht gefeit. Zucht kann nicht vorprogrammiert werden, wohl aber kann man durch gezielte Anpaarung ein möglichst gutes Ergebnis erzielen. Darum sollte sich der Hobbyzüchter keinen Illusionen hingeben, sondern darauf bedacht sein, „das Beste“ aus seinen Möglichkeiten zu machen. Das heißt, zuerst vor allem die objektive Beurteilung der eigenen Stute.

Beurteilung der Stute

Eine zur Zucht eingesetzte Stute sollte zunächst einmal Papiere vorweisen können. Wenn ein Abstammungsnachweis vorhanden ist, wird dieser dem Stutenbesitzer möglicherweise nicht allzu viel sagen, wenn der Pferdehalter kein Insider in der Zuchtszene ist. Doch kann er aus den Papieren ersehen, wer der Züchter seiner Stute war.

Die Gesundheit der Stute muss ebenfalls Priorität haben. Frühzeitige Verschleißerscheinungen sind nicht immer auf übermäßige Beanspruchung, sondern oftmals auf Veranlagung, die von mindestens einem Elterntier vererbt worden ist, zurückzuführen. Stuten, die chronische Probleme mit den Atemwegen haben, Ekzeme oder andere Mängel wie Überbiss sollten nicht in die Zucht genommen werden, da die Disposition hierfür mehr oder weniger stark im Erbgut angelegt ist. Ein möglichst korrektes Exterieur gehört selbstverständlich mit zu den Auswahlkriterien, zumal Pferde mit Stellungsfehlern eine größere Disposition für frühzeitige Verschleißerscheinungen haben.

Das Interieur sollte man ebenfalls in die Beurteilungskriterien mit einbeziehen. Der Charakter spielt oft eine entscheidende Rolle bei der Zuchtanpaarung, aber auch ein leistungsgeprüftes Pferd, das auf Turnierveranstaltungen erfolgreich ist, kann mit Pluspunkten bewertet werden.

Ist die Stute als „zuchttauglich“ erklärt und stellt eine gute Ausgangsbasis für das gesteckte Zuchtziel dar, kann man auf die Suche nach dem passenden Hengst gehen.

Der richtige Hengst

Der richtige Hengst ist im Grundsatz immer derjenige, der Ähnlichkeiten zur Stute aufweist. Damit steht eigentlich schon fest, dass die Wahl auf einen Hengst gleicher Rasse fallen wird. Kreuzungen haben sowieso ihre eigenen Gesetze und sind nicht immer unproblematisch. Besonders „extreme“ Kreuzungen zwischen zwei recht unterschiedlichen Pferderassen wie beispielsweise Araber mit Isländer bringen große Probleme mit sich.

Der relativ unerfahrene Hobbyzüchter kann als Entscheidungshilfe beispielsweise die Hengstleistungsprüfung der in Frage kommenden Hengste zum Maßstab nehmen. Auch schadet es natürlich nicht, wenn man etwas „Ahnenforschung“ betreibt und sich ein wenig mit dem Stammbaum befasst. Dabei kann man möglicherweise herausfinden, welche Eigenschaften der Hengst überwiegend vererbt, und so entsteht ein Bild darüber, ob der Hengst dem angestrebten Zuchtziel nahe kommt. Die Besichtigung der Nachzucht eines Hengstes steht dabei ebenso auf dem Programm. Berücksichtigen wird man sicherlich auch die Turniererfolge des Hengstes und seiner Nachkommen.

Während man Gebäudefehler bereits innerhalb einer Generation durch entsprechende Anpaarung und ein bisschen Glück eliminieren kann, gilt dies für Interieureigenschaften keineswegs. Um unerwünschte Charaktereigenschaften zu verbessern, geht man von einem Zuchtaufwand von sieben Generationen aus. Die Charaktereigenschaften sind außerdem viel schwieriger zu beurteilen als Gebäudemerkmale, wenn man das Pferd nicht näher kennt. Deshalb ist es für den Stutenbesitzer auch sinnvoll, jede Möglichkeit zu nutzen, den in die engere Auswahl genommenen Hengst näher kennen zu lernen. Vielleicht ergibt sich die Chance, das Pferd auf dem Turnier zu beobachten. Welche Leistung bringt er? Wie bereitet ihn der Trainer auf die Prüfung vor? Wie gibt er sich im Handling – beim Verladen, Satteln, Putzen? Wie benimmt er sich fremden Pferden gegenüber? Ebenso kann ein Besuch im heimatlichen Stall, eine Exkursion auf die Weide und die Besichtigung beim täglichen Training sehr aufschlussreich sein.

Keine Illusionen

Kann man nun guten Gewissens behaupten, den bestmöglichen Hengst für seine Stute ausgewählt zu haben, darf man sich dennoch keinen Illusionen hingeben, nun das „Traumpferd“ aus dieser Anpaarung zu erhalten. Geht man davon aus, dass in der Natur nur bis zu 60 Prozent der gedeckten Stuten ein Fohlen zur Welt bringen, muss man damit rechnen, auf sein Fohlen ein weiteres Jahr warten zu müssen. Meist wünscht man sich dann auch noch ein bestimmtes Geschlecht, was wiederum nur eine 50-prozentige Chance ergibt. Bedenkt man dann noch, dass bei jeweils gleicher Anpaarung etwa ein Drittel der Fohlen unterdurchschnittlich sein wird, ein weiteres Drittel nur durchschnittlich und das restliche Drittel überdurchschnittlich, ergibt sich, dass das ersehnte Fohlen – überdurchschnittlich gut und das gewünschte Geschlecht – nur einmal in zehn Jahren fallen wird. Alles in allem also eine nur zehnprozentige Chance auf das Traumpferd – und dies bei optimaler Anpaarung!

Ein verantwortungsvoller Züchter gibt sich nicht damit zufrieden, den passenden Hengst für seine Stute gefunden zu haben. Er überprüft auch die Unterbringung seiner Stute auf der Hengststation, vergewissert sich über die artgerechte Methode der Bedeckung und achtet darauf, dass der Hengsthalter sein Geschäft auch versteht. Dazu gehört, dass er Stuten ohne ausreichenden Impfschutz und ohne Tupferprobe zum Decken nicht zulässt. Außerdem ist darauf zu achten, dass die Formalitäten entsprechend korrekt ausgeführt werden.


Quelle:

Renate Ettl
Bild: Katarinenhof