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Zucht :: Pferde-Rassen

Mustang

In seinem Buch „Mythos Cowboy“ beschreibt E.Hank Klotz die Entwicklung der Westernreiterei von den Anfängen bis heute. Nicht fehlen darf dabei natürlich ein Plädoyer für die Mustangs, jene Cow Ponys, mit denen vor vielen Jahren alles anfing.
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Horse known as Casanova, one of the wild horses at the Black Hills Wild Horse Sanctuary, the home to America's largest wild horse herd, Hot Springs, South DakotaIm Westen kennt ihn fast jeder, die großen Horsemen, die Rancher und Politiker. Er hat mit Willie Nelson gepokert, war mit Ronald Reagan befreundet und hat mit Walter Merrick, dem einst der legendäre Quarterhengst Three Bars (TB) gehörte, Racehorse-Geschichte geschrieben – Billy Jack Barrett. BJB ist der stable chief des Air Force Academy Equestrian Center in Colorado Springs.

Billy Jack, mit dem wir seit langen Jahren befreundet sind, war häufig zu Gast auf unserer „Lazy Double E Trail Ranch“, die nur wenige Meilen von der Air Force Academy entfernt war. Er brachte auch immer wieder Leute aus der Szene mit, die sich für unsere Cowboy-Antiques interessierten. Und wenn wir dann zusammen saßen, erzählte BJB seine endlosen Horse-Storys.Heute ist Billy Jack mit ganzem Herzen im „Wild Horse Adoption Program“ des BLM, Bureau of Land Management, engagiert, seine Liebe gilt den „wild mustangs“.

Von Häftlingen trainiert

BJB’s Mustangs werden in den Hochebenen von Nevada eingefangen und in das Colorado State Prison in Canon City gebracht. Dort werden sie von straffällig gewordenen Cowboys im Rahmen des „reeducation program“ sorgfältig ausgebildet. Einer dieser Trainer ist Lonnie, der von den 15 Jahren, zu denen er einst wegen einer Jugendsünde, wie er es nannte, verurteilt wurde, neun Jahre absaß, bis ihn BJB aus Canon City herausholte. Seitdem arbeitet Lonnie unter seinem Bewährungshelfer Billy Jack mit den Mustangs in der Air Force Academy und bildet sie, in einigen Fällen bis zur Turnierreife, aus.

Elke und ich hatten einige der von Lonnie trainierten Mustangs auf unseren Trails in die Rockies geritten, weich und geschmeidig unterm Sattel, mutig und nervenstark im rauen Gelände, mit Kämpferherz „fressen“ sie sich in die schmalen, steilen Schneisen hoch über die Baumgrenze.

Nachkommen der Spanier

Die Geschichte der Mustangs ist eng verbunden mit der spanischen Eroberung der Neuen Welt. Zur Zeit der Konquistadoren, die ihre Pferde mitbrachten, gingen viele Pferde verloren und streiften herrenlos (mestenos) übers Land. Um 1900 gab es mehr als zwei Millionen Mustangs in Amerika. Nachdem die Rancher zum Schutz ihrer Rinderweiden die Mustangherden fast ausgerottet hatten, zählte man 1970 nur noch um die 15.000 dieser Pferde. 1971 wurde der „Wild Horse and Burro Act“ erlassen. Die Mustangs wurden unter die Kontrolle des BLM gestellt, so dass heute wieder über 40.000 Mustangs in den Prärien leben.

Die „Kiger Mustangs“ nehmen innerhalb der Mustang-Population eine Sonderrolle ein. Auf einem round-up in Oregon 1977 fiel den BLM-Leuten eine kleine Gruppe dun-farbiger Mustangs auf, die sich von der großen Gruppe etwas absonderten. Das BLM konnte über DNA-Analysen die Abstammung dieser Pferde auf die spanischen Edelpferde aus dem 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Der Stammhengst fast aller Kiger Mustangs ist „Mesteno“. Die in Oregon frei lebende Kiger-Population, eine „established breed“, zählt knapp 100 Pferde.

Alle Mustangs aus dem Adoption Program des BLM werden mit einem speziellen Code auf der linken Halsseite gemarkt. Der Codeschlüssel ist ein sternförmiger Kranz. Als Billy Jack uns diesen Code in seinem südtexanischen Twang erklärte, trainierte Lonnie im round pen den fünften Mustang an diesem Tag und drehte seine Spins im roten Colorado-Staub.

Bronco Buster

In den Zeiten des Wilden Westens wurden die Mustangs brutal gebrochen, um sie reitbar zu machen. Dieses „breaking“ oder „busting“ machten damals professionelle Zureiter, die „bronco buster“, die von Ranch zu Ranch zogen. Einer der einst berühmten „bronco buster“ war Lee Warren, dem man für seinen Job fünf Dollar pro Mustang zahlte, er selbst aber bezahlte mit unzähligen Knochenbrüchen. Dem klugen Rat seiner frisch angetrauten Frau folgend tauschte er alsbald seinen gefährlichen Job gegen eine angenehmere Arbeit und wurde Deputy Sheriff.

Diesen mutigen Männern setzte einer der ganz großen Western-Künstler mit seiner Bronzestatue „The Bronco Buster“ ein glorifizierendes Denkmal – Frederic Remington (1861-1909). Erstmals 1895 in Bronze gegossen widmete Remington den „Bronco Buster“ seinem Freund und späteren Präsidenten der Vereinigten Staaten Theodore Roosevelt, der die Statue dann ins „White House Oval Office“ in Washington stellte, wo sie heute als Symbol für den Pioniergeist an diese mutigen Männer aus jenen Jahren erinnert.


Quelle:

Mit freundlicher Genehmigung entnommen aus „Mythos Cowboy“ von E. Hank Klotz und Klaus-Jürgen Guni, Lorenz Verlag Neustadt/Weinstraße 2011

Bild: Fotolia #90208643