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Zucht :: Pferde-Rassen

Islandpferde: temperamentvolle Botschafter der Vulkaninsel

Ende des 9. Jahrhunderts besiedelten die Wikinger von Norwegen kommend Island. Auf ihren Booten brachten ihre Ponys mit. Durch ein Einfuhrverbot anderer Pferderassen konnte sich das Islandpferd ohne weitere Einkreuzungen anderer Rassen auf der kargen und kalten Insel zu einem zähen, widerstandsfähigen und genügsamen Pferdetypus entwickeln. Ein Porträt der Rasse.
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Als „Islandpferd“ anerkannt werden auch heute noch nur reingezogene Tiere, deren sämtliche Vorfahren lückenlos nach Island zurückverfolgt werden können, die also dort geboren sind. Auf Island selbst ist die Einfuhr von Pferden bis heute verboten.

Gezüchtet wird das Islandpferd in 18 Ländern, darunter natürlich das Mutterland Island, aber auch Deutschland, Österreich, Dänemark, Norwegen und die Schweiz. Größere Zuchtbereiche findet man inzwischen aber auch in USA und Kanada.

Allgemeines zur Pferderasse

Das Islandpferd steht für Ausdauer, Beständigkeit, Genügsamkeit, Zuverlässigkeit und einfache Handhabung – ein Pferd also für jeden Einsatzbereich, ob Familie, Freizeit oder Sport. Ein Pferd, auf das man sich verlassen kann und das fast nichts aus der Ruhe bringt.

Islandpferde leben in ihrem Herkunftsland Island in großen Herdenverbänden und haben ein Stockmaß zwischen 130 und 145 Zentimetern. Der Körperbau ist kräftig, aber elegant, der Kopf mit den großen Augen drückt einen vertrauensvollen Charakter aus. Üppige Mähne und Schweif sowie ein sehr langes und dichtes Winterfell sind ein Erbe der Witterungsbedingungen in Island. Mit ihrem langen Deckhaar und dem dichten Fell sind Islandpferde für die ganzjährige Haltung im Freien besonders gut geeignet.

Erst mit ca. sieben Jahren ist ein Islandpferd ausgewachsen. Mit Rücksicht auf die späte körperliche Reife der Pferde werden sie erst zwischen dem vierten und fünften Lebensjahr angeritten. Islandpferde werden normalerweise recht alt, 30 bis 35 Jahre und mehr sind keine Seltenheit. Häufig können die Pferde noch weit über ihr 25. Lebensjahr hinaus geritten werden. Als Lasttiere gezüchtet sind Islandpferde trotz ihrer geringen Körpergröße in der Lage, Reiter bis zu 100 kg ohne Schwierigkeiten zu tragen.

In den 1960er Jahren sind die Islandpferde von der Insel im Nordatlantik auf den Kontinent zurückgekommen, den sie vor 1000 Jahren mit Wikinger-Schiffen in Richtung Island verlassen haben. Die harte Natur der Insel und zehn Jahrhunderte Reinzucht schufen ein starkes und kräftiges Pferd, ausdauernd, selbstständig und verlässlich in jeder Situation.

Die Gangarten

Islandpferde können selbst auf dem Eis Höchstleistungen bringen, genauso sicher, elegant und kraftvoll wie auf einer Sandbahn. Neben seiner Größe, seiner Robustheit und seinem ausgewogenen Charakter zeichnet sich das Islandpferd vor allem durch seine besonderen Gangarten aus. Neben den allen Pferden eigenen Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp beherrschen Islandpferde zusätzlich den Tölt und den (Renn)Pass. Diese beiden Gangarten sind genetisch verankert und wurden den meisten Warmblutpferden abgezüchtet. In Island hingegen legte und legt man großen Wert auf den für lange Reisen bequem zu sitzenden Tölt und den schnellen Pass und deren Erhaltung in der Zucht. Islandpferde, die den vierten und fünften Gang beherrschen, werden „Fünfgänger“ genannt, „Viergänger“ beherrschen als zusätzliche Gangart nur den Tölt.

Die 4. Gangart: Tölt

Der Tölt ist ein dem Islandpferd angeborener und schon bei neugeborenen Fohlen zu beobachtender Viertakt, der wie der Schritt eine Ein- und eine Zweibeinstütze beinhaltet. Das Pferd berührt dabei abwechselnd lateral und diagonal mit einem oder zwei Beinen den Boden. Es gibt keine Schwebephase, d.h. das Pferd hat immer mit mindestens einem Bein Bodenkontakt. Deshalb ist der Tölt selbst in hohem Tempo erschütterungsfrei für den Reiter. Der Tölt kann sehr langsam bis zum Renntempo, den sogenannten Renntölt, geritten werden. Im Renntölt können Islandpferde bis zu 40 km/h erreichen, gehen dabei in stolzer Haltung und bringen selbst pferdeunerfahrenen Zuschauern wahre Gänsehautmomente.

Die 5. Gangart: Pass

Die 5. Gangart Pass ist nicht allen Islandpferden angeboren, im Zuchtziel aber fest verankert. Der Pass ist eine laterale Gangart mit Flugphase. Die gleichseitigen Beinpaare fußen abwechselnd auf, dazwischen liegt jeweils ein Flugphase. Geritten wird der Pass nur im Renntempo über kurze Strecken von einigen hundert Metern. Langsamer Pass wird als fehlerhaft angesehen und scherzhaft als „Schweinepass“ bezeichnet. Im Rennpass, in Island auch als die Königsgangart bezeichnet, entfaltet das Pferd eine enorme Kraft und Energie und scheint fast zu fliegen. Geschwindigkeiten von über 50 km/h können dabei erreicht werden. Der offizielle Weltrekord im Rennpass über die klassische Distanz von 250m (mit stehendem Start aus der Startbox) liegt zur Zeit bei 19,86 Sekunden – aufgestellt von Magnus Lindquist (Schweden) mit Thor från Kalvsvik im Mai 2004. Im Speedpass, bei dem nach fliegendem Start 100 m absolviert werden, wurde der Weltrekord 2012 in  Deutschland auf der Mitteleuropäischen Meisterschaft von Carina Mayerhofer auf Frami von St. Oswald mit 6,95 Sekunden aufgestellt (= 51,8 km/h)

Sport und Zucht

Islandpferde-Sportturniere unterscheiden sich von „normalen“ Reitturnieren, da nicht so sehr die Renn-, Spring- oder Dressur-Disziplinen im Vordergrund stehen, vielmehr werden besonders die fünf Gänge des Islandpferdes auf einer Oval- oder Passbahn gezeigt. Zudem ist es die einzige Rasse, für die eigens eine Weltmeisterschaft ausgerichtet wird.

Laut einer Statistik der FEIF (der internationalen Vereinigung der nationalen Islandpferdeverbände) von 2010 gibt es weltweit über 300.000 Islandpferde. Die meisten von ihnen stehen mit etwa 78.000 im Mutterland Island. Deutschland ist nach Island das größte Zuchtgebiet für Islandpferde mit rund 65.000 Pferden.

Die Zuchtleitung und Zuchtbuchführung wird auf Island unter staatlicher Aufsicht durchgeführt. Die Selektion wird durch Leistungsprüfungen auf speziellen Veranstaltungen streng eingehalten. Nicht nur in Europa, auch in Übersee sind inzwischen größere Zuchten von Islandpferden entstanden. Die Kriterien zur Beurteilung der zur Zucht zugelassenen Pferde reguliert die FEIF (Föderation Europäischer Islandpferde Freunde).

Zuchtziel, einschließlich der Rassemerkmale (im Sinne der Verordnung über Zuchtorganisationen)

Für die Zucht des Islandpferdes in Deutschland gilt das Zuchtziel des Ursprungszuchtgebietes (Island), in der jeweils aktuellen und in der FIZO festgehaltenen und veröffentlichten Version.

STECKBRIEF:

Rasse Islandpferd
Herkunft Island

(Reinzucht liegt vor, wenn sowohl die Vaterlinie als auch die Mutterlinie unmittelbar bis in das Mutterland Island zurückverfolgt werden können.)

Größe ca. 135 cm – 145 cm
Farben alle vorkommenden Farbvariationen; alle Abzeichen
Gebäude Islandpferde mit einem eher eleganten Körperbau, wobei das Hauptaugenmerk auf Stärke, Beweglichkeit und auf einer guten Bemuskelung liegt. Das Exterieur soll eine optimale Gangveranlagung und eine natürliche, gute Kopf-Halshaltung ermöglichen, sowie den allgemein anerkannten Schönheitsidealen entsprechen.
Kopf Sehr fein; Ohren dünnwandig (dünnhäutig) und fein geschnitten, angemessen geschlossen und gut angesetzt; großes, offenes und aufmerksames Auge mit Augenumrandung.; dünne, feinbehaarte Haut. Ganaschen dünn und angemessen schmal, mit genügend breitem Kehlgang (gute Ganaschenfreiheit); gerades Nasenbein, weite Nüstern.
Hals Lang, hoch aufgerichtet, sehr schlank, deutlich vom Körper abgesetzt, ausgezeichnete Beugung des Genicks
Körper Rücken ist federnd und geschmeidig (elastisch), angemessen lang und breit und gut bemuskelt; hoher, gut ausgeprägter und geformter Widerrist, Schulter schräg; lange, angemessen abfallende Kruppe; sehr gut angesetzter Schweif; außerordentlich lange und dichte Mähne und Schweif, viel Schopf.
Proportionen Großartiges Gesamtbild. Die Beine lang; gleichmäßige Rippenwölbung – langer, leichter Rumpf. Der höchste Punkt am Widerrist soll etwas höher sein als der höchste Punkt der Kruppe.
Fundament Trockene, kräftige Sehnen; solide (stabile) Gelenke, gut geformte Fesseln, gerade Vorderbeine, Hinterbeine können leicht ausgestellt sein; tiefer Huf; gute Sohlenwölbung; einfarbig und bevorzugt von dunkler Farbe
Bewegungsablauf Ausdrucksvoll, taktsicher, energisch und raumgreifend in allen fünf Gangarten, klar getrennte Gänge, trittsicher
Besondere Merkmale Sehr robust, temperamentvoll, fröhlich, mutig, leichtrittig, ausdauernd, will seinem Reiter gefallen

 


Quelle:

Charlotte Erdmann, IPZV