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Zucht :: Pferde-Rassen

American Quarter Pony

Er kam, sah und eroberte die Herzen im Sturm: Seit 2006 macht Hengst „Blues Starlight“ die Western Turnierwelt um eine hierzulande noch recht unbekannte Rasse reicher: Das American Quarter Pony – ein kleines Pferd mit großem Herz.
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Die Skepsis der Fachwelt war anfangs natürlich groß. Blues Starlight jedoch zeigt, dass die Quarter Ponys durchaus mit den „Großen“ mithalten können. Und langsam weicht auch die Skepsis gegenüber den Quarter Ponys. Immer mehr Züchter erkennen das enorme Potential dieser Rasse für die Westernwelt. Es vergeht keine Woche, in der der Executive Vice President der Quarter Pony Association (QPA) in Deutschland, Karin Tillisch, nicht wieder neue QP-Registrierungen an den Weltdachverband in die USA weiterleitet.

Was bei den Klassik-Reitern seit Jahrzehnten selbstverständlich ist, fehlte in der Westernwelt bisher: Während die Spring- und Dressurcracks von morgen auf ihrer Größe entsprechenden Hochleistungsponys den Turniersport kennen lernen können, blieb dies jugendlichen Westernreitern größtenteils versagt. Das Quarter Pony kann – ebenso wie das deutsche Reitpony in der Klassik-Welt – diese Lücke schließen.

Die Geschichte des Quarter Ponys

In den 60er-Jahren kaufte Harry Wymore aus Iowa auf einem Pferdemarkt irgendwo im Nirgendwo zwei fuchsfarbene Wallache. Die beiden Burschen waren trotz ihrer geringen Größe extrem leistungsbereit und wurden bald zu seinen erklärten Lieblingspferden. 1964 beschloss der findige Pferdemann, einen eigenen Zuchtverband zu gründen – für American Quarter Ponys. Genaue Zucht- und Eintragungskriterien wurden festgelegt und das Stutbuch eröffnet. Mittlerweile hat sich die Rasse fast über den ganzen Globus ausgebreitet. Neben den USA kann Kanada noch als Hauptzuchtgebiet bezeichnet werden, ebenso Australien. In Europa und insbesondere hier in Deutschland steckt die Zucht noch in den Kinderschuhen, aber der Trend zeigt steil nach oben.

Zucht in Europa

In Jahr 2000 wurde das erste registrierte Quarter Pony in Deutschland bei Henry Jacob geboren. Schon damals berichtete das Quarter Horse Journal über die neue Rasse – aber natürlich machte der ambitionierte Züchter sich mit seinem „Zuchtexperiment“ nicht nur Freunde. So kam es, dass diese Rasse in Deutschland nicht recht Fuß fassen konnte, da man hierzulande leider lange der Ansicht war, Quarter Ponys seien nur ein „Abfallprodukt“ der reinen Quarter Horse Zucht und nichts anderes als planlose Mischlinge. Dennoch wagte 2002 ein Züchter aus Herbolzheim nahe Freiburg erneut solch eine Anpaarung. Sein QH Deckhengst Hollywoods Lead Man deckte Reitponystute „Blue“.

Am 1. April 2003 wurde „Blues Starlight“ geboren. Und kurz nach seinem ersten öffentlichen Auftritt mit Trainerin Sita Stepper in der Turnierwelt entbrannte die Diskussion über Sinn und Unsinn der Rasse erneut und es war geradezu erschreckend, welch feindseliger „Rassismus“ hier Züchter, Trainer und Besitzer entgegenschlug.

Mittlerweile läuft der zehnjährige Hengst erfolgreich im internationalen Westernturniersport. Somit steht nun einer der erfolgreichsten Quarter Pony Hengste nicht in den USA, sondern in Europa. Fotografen und Fernsehteams drücken sich seither bei ihm die Klinke in die Hand. Die Contra-Stimmen verstummen langsam, da hier ein Vertreter dieser Rasse auch zeigt, dass er nicht nur leistungsbereit ist, sondern mit seinen „großen“ Verwandten, den Quarter und Paint Horses, durchaus auf internationalem Parkett mithalten kann.

Erfolgreiche Quarter Ponys

Doch nicht nur Hengste mischen auf dem internationalen Turnierparkett ordentlich mit. 2006 hatte QP-Stute "Bonnies Little Surprise" ihren großen internationalen Durchbruch auf der Americana in Augsburg. Sie schaffte es in der Youth Horsemanship auf den dritten Platz und wurde in der Youth Reining sogar Vize Europameister!

Sie wurde dann nach Angaben ihrer damaligen Reiterin, Nadine Bickert, direkt auf der Americana an Familie Sternberg nach England verkauft. In den darauffolgenden Jahren mischte „Bonnie“ auch ordentlich in der englischen Reiningszene mit und schaffte es unter der Co-Trainerin von Dough Allen sogar zu den NRHA Affilliate Championships bis nach Schweden. 2009 kehrte die erfolgreiche Stute wieder zu ihrer früheren Besitzerin, Nadine Bickert, nach Deutschland zurück.

2009 startete mit Quarter Pony Hengst "Jacs Wonder Joe" auch das erste Quarter Pony in Deutschland sehr erfolgreich in der Disziplin Trail. Der smarte junge Hengst schaffte es mit seinem Trainer Gabor Stepper bis zur German Open und dem Trail Cup der Messe Stuttgart

Seit 2010 macht auch der doppelt registrierte Hengst „Steady Nic Olena“ mit seinem Trainer Hannes Bolz in der Reiningwelt auf sich aufmerksam.

2012 wurden in Deutschland zwei vielversprechende Quarter Pony Junghengste gekört: der Tobiano Schecke „Cats Candy Cone“ und ein Sohn des legendären BH is Dun, genannt „BHs Vision“. Beide Hengste stammen aus der Zucht von Birgit Bühler und Ulrich Armbruster, Buba Freizeitreiten. Ihr Show- und Turnierdebüt gaben die beiden Junghengste 2013 auf der Americana, wo sie täglich im Forum zu sehen waren und neue Fans für die Rasse des Quarter Ponys gewannen.

Die Rasse weltweit

Was in den USA seit Jahrzehnten ganz normal ist – dass Quarter Pony und Quarter Horse problemlos nebeneinander her existieren – muss sich in Deutschland erst noch entwickeln. Aber die zahlreichen Deckanfragen für Blues Starlight und die enorm ansteigende Anzahl an Registrierungen sprechen für sich. In Deutschland ist durchaus Bedarf an dieser neuen Rasse!

Andere europäische Länder sind Deutschland in Sachen Quarter Pony weit voraus. So fand die weltweit erste Körung und Hengstleistungsprüfung für Quarter Ponys in der Schweiz statt. Zuchtschauen für Quarter Ponys sind hier auch eine Selbstverständlichkeit. In Frankreich wurde 2012 die erste Europameisterschaft für Quarter Ponys ausgerichtet, da auch hier die Rasse offene Türen eingerannt hat und man das Potential dieser Pferde längst erkannt hat. Mittlerweile gibt es registrierte Quarter Ponys in Deutschland, Frankreich, Schweiz, Luxemburg, Österreich, Norwegen und Schweden.

Seit 2013 werden die Quarter Ponys in Europa durch den ZSSE ( Zuchtverband für Schecken und Spezialrassen Europa, e.V.) betreut. Der ZSSE führt das Ursprungszuchtbuch der Rasse. Hier können Quarter-Pony-Züchter ihre Pferde registrieren und bewerten lassen, erhalten Equidenpässe und fachkompetente Beratung. Auf zahlreichen Zuchtschauen, Körungen und Hengstleistungsprüfungen des ZSSE können sich die Quarter Ponys nun auch der Pferdezüchterwelt präsentieren.

Das Zuchtziel

In Deutschland kursiert die irreführende Meinung, dass man bei der IQPA jedes Pony als Quarter Pony registrieren kann. Weit gefehlt! Die Eintragungskriterien sind klar festgelegt und nur ein Pony mit deutlichen Westernpferde-Points und Abstammungsnachweis hat eine Chance auf volle Papiere. Und selbst hier behält sich die IQPA immer vor, Pferde aus nachweislich mit Erbkrankheiten belasteten Blutlinien von der Zucht und Eintragung gänzlich auszuschließen!

Größe: Quarter Ponys liegen im Stockmaß zwischen 115 und 148 cm. Größere Tiere werden in der so genannten „Hardship Registry“ eingetragen und können nicht an den High Point Programmen teilnehmen.

Kopf: Der Kopf soll die Intelligenz des Quarter Ponys wiederspiegeln. Er ist kurz und mit breiter Stirn und sollte dem des Quarter Horses ähneln, jedoch zusätzlich mit einem gewissen „Ponycharme“. Sie kurzen Ohren stehen weit auseinander, die Augen sind groß und klar

Hals: Der Kopf des Quarterponys ist im 45°-Winkel zum Hals und mit ausreichender Ganaschenfreiheit versehen. Der Hals sollte mittellang und kräftig sein, wobei die Oberlinie aber deutlich länger als die Unterlinie sein sollte (Speck- und Unterhälse sind nicht erwünscht!)   

Rücken: Das Quarterpony hat einen kurzen, stabilen Rücken sowie einen mittel ausgeprägten Widerrist. Seine tiefe und schräge Schulter ermöglicht ihm ein angenehmes und schön anzusehendes Gangwerk.

Brust: Die Brust sollte angemessen breit sein und zu den restlichen Körperproportionen passen.

Hinterhand: Die Hinterhand wünscht man sich wie beim Quarter Horse gut bemuskelt, aber dennoch in Balance zum restlichen Körper. Extrem überbaute Pferde, wie man sie bei den Quarter Horses leider oft findet, sind nicht unbedingt erwünscht

Beine und Hufe: Die Beine sind klar und stabil und stehen in angemessener Proportion zur Körpermasse. Der Huf ist schön gerundet und ausreichend groß um das Gewicht zu tragen. Die Beine sollten gut unter den Körper gesetzt sein. Somit ermöglichen sie dem Pony schnelle, enge Wendungen in alle Richtungen, was ihm für die Westerndisziplinen nötige Wendigkeit verleiht. Das Quarterpony ist durch seinen Körperbau von Natur her sehr versammelt, so dass alle Wendungen und Stopps leichtfüßig ausgeführt werden und dem Pony nicht schwer fallen.

Charakter: Quarter Ponys werden seit jeher für Kinder, Jugendliche und kleine und leichte Erwachsene gezüchtet. Absolute Nervenstärke und Freundlichkeit sind bei echten Quarter Ponys eigentlich selbstverständlich!

Gesundheit: Robustheit, Gesundheit und Langlebigkeit – das sind Eigenschaften, die das Quarter Pony auszeichnen. Blues Starlight beispielsweise genießt auch während der Turniersaison ganzjährig Weidegang – bei Wind und Wetter! Der Hengst war noch nie krank, entwickelt im Winter ein dichtes Fell und ist im Sommer gegen Mücken und Hitze sehr resistent. Beschlagen ist er nur während der Turniersaison, da er für die Reining nun mal Sliders braucht, den Rest des Jahres geht der Champion „barfuß“.

Eignung

Quarter Ponys können für alle Western-Disziplinen eingesetzt werden – natürlich auch auf Turnierniveau! Hierbei sollte man natürlich bei der Entscheidung, welche Disziplinen das Pferdchen gehen soll, ebenso die Abstammung und das Gangwerk berücksichtigen wie auch bei den anderen Westernpferde-Rassen. Als „Zusatzbonus“ jedoch zeigen viele Quarter Ponys auch durchaus Talent für Springen und Dressur, besonders Pferde der F1- und F2-Generation – also Direktanpaarungen Quarter mit Pony oder Quarterpony und Pony.

Wer sich also einen richtigen Allrounder wünscht, der schwerpunktmäßig in den Westerndisziplinen Eignung zeigt, der sollte sich nach einem Nachkommen einer Anpaarung aus Quarter Pony mit Quarter Horse/Paint Horse umsehen. Wer hingegen einen Allrounder mit Schwerpunkt Klassisches Reiten wünscht, schaut nach einer Anpaarung Quarter Pony mit Reitpony (Welsh, Deutsches Reitpony, New Forest, Connemara…).

Egal für welche Reitweise man sich aber entscheidet – Quarter Ponys sind die idealen Familienpferde. Sucht man sich ein Pferdchen mit Stockmaß um die 140 cm kann wirklich die ganze Familie mit diesem Pferd etwas anfangen. Ein weiteres Einsatzgebiet für diese Ponys ist in den immer zahlreicher werdenden Westernreitställen. Hier muss auch auf die Wirtschaftlichkeit der Schulpferde geachtet werden.

Was kostet ein Quarter Pony?

Ein gutes Pferd hat immer seinen Preis – auch ein Quarter Pony. Das Preisgefüge ist dem der anderen Westernpferderassen recht ähnlich. Bereits ab 2000 Euro kann man einen Absetzer erwerben. Ausgebildete 4-Jährige mit Turnierpotential  dürften – wenn überhaupt verkäuflich – ab 6000 Euro zu haben sein.

Quarter Ponys selbst züchten?

Es besteht immer noch die Möglichkeit, direkte F1-Anpaarungen als Quarter Ponys bei der IQPA eintragen zu lassen. Somit ist die Quarter Pony Zucht auch für Quarter Hengst Besitzer eine interessante Sache. Beim ZSSE müssen jedoch beide Eltern im Zuchtbuch eingetragen werden, damit auch deren Nachkomme ins Hauptbuch aufgenommen werden kann (Genaueres gibt’s unter www.zsse.de).

Gewisse Quarter- und Paint-Linien sind allerdings für die QP-Zucht gesperrt, da in diesen Linien zu häufig Erbkrankheiten aufgetreten sind. Hier ist dann ein Eintragen des Pferdes nur noch mit negativem Gentest möglich und extrem aufwendig! Auch hier ist der Stutenbesitzer also dazu angehalten sich genau über die Blutlinie des in Frage kommenden Hengstes zu informieren. Nur wenn beide Elterntiere von guter Qualität sind, können auch gute Quarter Ponys dabei herauskommen.

 

Lesen Sie hier mehr:

Rasseporträt American Quarter Horse
Rasseporträt Criollo
Rasseporträt Moyle Horse
Rasseporträt American Paint Horse
Rasseporträt Appaloosa


Quelle:

Karin Tillisch

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