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Junge Pferde richtig ausbilden

Wer möchte nicht gerne sein Fohlen selbst aufziehen? Der Umgang mit den Pferdebabys macht viel Spaß und lässt das Herz eines jeden Pferdefreundes höher schlagen. Doch um später ein gesundes und leistungsfähiges Pferd im Stall zu haben, müssen eine Menge Kriterien beachtet werden. Die Aufzucht von jungen Pferden erfordert großen Einsatz und viel Engagement.
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dreamstime_xs_24343393-alexia-khruschevaWer Fohlen aufziehen möchte, muss die dafür notwendigen Voraussetzungen bieten können. Obwohl der artgerechten Haltung von Pferden grundsätzlich hohe Priorität eingeräumt werden muss, gilt dies für Fohlen und Jungpferde in potenzierter Form. Die Haltungsform während der Aufzucht hat zu über 80 Prozent Einfluss auf die Konstitution und letztendlich die Leistungsfähigkeit des Pferdes. Nicht einmal 20 Prozent der Veranlagung schreiben Forscher den Genen zu. Diese Erkenntnis verdeutlicht, wie wichtig eine artgerechte Aufzucht ist, um leistungsfähige und gesunde Pferde heranzuziehen.

Während der Kindheit entwickeln sich sowohl der Körper als auch die Psyche. Beide werden durch Erfahrungen, Umweltfaktoren und soziale Kontakte (mit Pferd und Mensch) beeinflusst. Erfahrungen, die das Pferd in seiner Kindheit macht, sind fest verankert und kaum auslöschbar. Es wird sein Verhalten im Erwachsenenalter danach ausrichten. Im Fohlen- und Jugendalter werden die Weichen für die spätere Leistungsfähigkeit gestellt.

Sozialkontakt

Um den Bedürfnissen von Jungpferden gerecht zu werden, muss sowohl das Saugfohlen als auch das Absatzfohlen, der Jährling und Zweijährige zwingend Kontakt mit Artgenossen pflegen können. Dabei sind sowohl gleichaltrige Spielgefährten als auch ältere, erfahrene Pferde wichtige Sozialpartner. Mit den gleichaltrigen Fohlen lässt es sich gut spielen und herumtollen. Beim Saugfohlen bietet die Mutter zunächst den notwendigen Schutz. Wenn die Fohlen jedoch abgesetzt sind, müssen andere, ältere und erfahrene Pferde die Schutzfunktion für die Pferdekinder übernehmen. Es ist deshalb nicht empfehlenswert, junge Pferde – Absetzer oder Jährlinge – zusammen zu halten ohne dass diese Gruppe von älteren Pferden betreut wird. Einen Absetzer allein in eine Gruppe von Altpferden zu stecken, ist ebenso unerwünscht, weil doch der gleichaltrige Spielgefährte fehlt. Die alten Pferde lassen sich nicht zum Spielen animieren. Wenn die Fohlen keinen Freund zum Spielen haben, bleiben sie unterentwickelt. Der Spielkamerad regt auch zum Laufen an. Bewegung ist ein weiteres Kriterium, das sehr wichtig für junge Pferde ist.

Die jungen Pferde sollten darum in eine gemischte Pferdegruppe integriert sein. Mindestens ein gleichaltriger Spielkamerad und eine ältere (Leit-) Stute sollte das Fohlen als Erziehungs- und Schutzinstrument zur Seite haben. Eine größere Herde ist natürlich noch besser, dennoch sollte die Anzahl der Pferde nicht zu groß sein. Mehr als zehn Pferde in einer Gruppe kann bedenklich sein, insbesondere wenn das Platzangebot zu gering ist. In der Natur bilden sich immer mehrere Kleingruppen von vier bis acht Pferden, dem sollte man auch in der Obhut des Menschen Rechnung tragen.

Jungpferde brauchen viel Bewegung

Die Aufstallung in einer Box eignet sich für Jungpferde nicht. Schon als Saugfohlen sollte das junge Pferd mit seiner Mutter und weiteren Mutter-Kind-Konstellationen täglichen Weidegang genießen. Eine Aufstallung während der Nacht ist akzeptabel, wenn die Box groß genug, hell und luftig ist. Absetzer sollten wenn möglich nicht alleine in Boxen stehen, auch wenn sie tagsüber im Auslauf oder auf der Weide genügend Bewegung haben. Besser sind Laufställe, die die jungen Pferde in Gruppen bewohnen.

Für die jungen Pferde sollte man im Stall Bewegungsanreize schaffen. Eine ideale Stallkonstellation weist weitere Strecken vom Futterplatz zur Tränke auf. Auch Ruhezonen dürfen nicht fehlen. Hierfür eignen sich vom Futterplatz abgeschiedene Plätze, was die Tiere außerdem zu mehr Bewegung animiert.

Schon junge Pferde können sich an klimatische Reize gewöhnen. Wind, Kälte und Hitze sind Faktoren, die Pferde sehr gut wegstecken können. Schlecht vertragen die Tiere allerdings Nässe, Zugluft und abgestandene, schlecht Luft. Der Stall muss also vor Zugluft und Regen schützen.

Frischluft ist obligatorisch

Die Weiden und Auslaufflächen sollten möglichst langrechteckig angelegt werden, weil dadurch der Bewegungstrieb noch mehr angeregt wird. Der Zaun an sich muss stabil und sicher gebaut sein. Gerade Fohlen und Jungpferde sind neugierig und gehen gerne auf Entdeckungstour. Im Zuge dessen muss unbedingt erforscht werden, ob das Gras auf der anderen Seite des Zauns nicht doch etwas besser schmeckt. Zudem sollte der Zaun deutlich sichtbar sein. Jungpferde müssen früh genug lernen, einen Zaun zu akzeptieren.

Die Lauffläche kann für Pferde nicht groß genug sein. Grundsätzlich gilt: je größer desto besser. Selbstverständlich müssen die Weiden auch gepflegt werden, wozu das regelmäßige Abmisten und Ausmähen der Geilstellen zählt.

Die Gesundheitsüberwachung ist bei Jungpferden ein weiterer wichtiger Baustein der Aufzucht. Regelmäßiges Überwachen der Körpertemperatur sowie Impfungen und Wurmkuren sind ein Muss. Fohlen müssen alle vier bis sechs Wochen entwurmt werden, um einen übermäßigen Wurmbefall zu verhindern. Die Impfungen beginnen schon am ersten Lebenstag mit der Impfung gegen Fohlenlähme. Ab dem fünften Monat sollte man gegen Influenza und Virusabort impfen. Auch die Impfung gegen Tetanus darf nicht vergessen werden.


Quelle:

Renate Ettl
Bild: Alexia-Khruscheva

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