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Fohlen von Mutter trennen: Ab wann?

In freier Wildbahn werden die Fohlen spätestens mit der Geburt des nächsten Nachwuchses von der Mutter vertrieben. In Obhut des Menschen werden die jungen Sprösslinge meist im Alter von einem halben Jahr mit unterschiedlichen Methoden abgesetzt.
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Herd of mare and colt in spring pasture grazingDas Absetzen von der Mutterstute ist aus zweierlei Gründen notwendig: Zum einen ist die Stute durch die Milchproduktion sehr beansprucht. Manche Stuten sehen regelrecht ausgemergelt aus, wenn sie ein Fohlen bei Fuß haben. Insbesondere aber wenn die Stute wieder tragend ist, sollte man ihr vor der nächsten Geburt etwas Ruhe und Erholung gönnen.

Zum anderen ist das Absetzen notwendig, weil das Fohlen irgendwann auch den Weg in die Selbstständigkeit gehen muss. Wird das Jungtier nicht abgesetzt, wird es immer an seiner Mutter „kleben“ und jede auch nur kurzzeitige Trennung wird zum großen Schmerz. Je älter das Fohlen ist und je länger es sich an seine Mutter geklammert hat, desto schmerzvoller wird es eine Trennung erfahren. Auch andere ungünstige Verhaltensweisen wie Steigen und Schlagen sind denkbar, wenn das Jungpferd von seiner Mutter getrennt werden soll.

Der richtige Zeitpunkt

Über den richtigen Zeitpunkt des Absetzens sind sich Züchter nicht immer einig. In der Regel kommt es immer auf die jeweiligen Umstände an, wann und in welcher Form das Absetzen praktiziert wird. Man sollte stets die Vor- und Nachteile abwägen und sich dann für den – für das Fohlen – besten Weg entscheiden. Mit einem Alter von etwa drei Monaten ist das Fohlen theoretisch ohne Mutter lebensfähig. Ab diesem Zeitpunkt kann sich das Fohlen von Gras und Körnerfutter ernähren und ist nicht mehr auf die Muttermilch angewiesen. Insbesondere Pferdebesitzer, die ihre Zuchtstuten nach der Fohlengeburt wieder auf Turnieren und Wettkämpfen einsetzen wollen, entscheiden sich häufig für ein frühes Absetzen des Fohlens. Die Mutterstute ist schneller wieder für den Turniereinsatz fit.

Zwar kann das Fohlen mit drei Monaten körperlich von der Mutterstute abgesetzt werden, dennoch ist es noch sehr stark auf die seelische Bindung angewiesen. Eine Trennung zu diesem frühen Zeitpunkt ist deshalb äußerst bedenklich. Der Mensch kann selbstverständlich nur einen unzureichenden Ersatz darstellen.

Wenn die Mutterstute zu wenig Milch produziert, kann man ein Absetzen des Fohlens (von der Milchquelle) akzeptieren, damit das Fohlen nicht ständig am leeren Euter nuckelt. Hier sollte man dann mit Fohlenmilchaustauschern nachhelfen und bestrebt sein, dass das Fohlen baldmöglichst feste Nahrung (Fohlenstarter, Körnerfutter, Heu) aufnimmt.

In der Regel setzen Stuten ihre Fohlen nicht selbstständig ab. Zwar gibt es Ausnahmefälle, bei denen die Stuten ihre Fohlen nach etwa einem Jahr nicht mehr ans Euter lassen, aber im Regelfall würden die Jungtiere auch noch mit vier oder fünf Jahren am Euter der Mutter saufen, wenn man sie ließe. Das Absetzen des Fohlens orientiert sich normalerweise am Einsatz der Mutterstute als Zucht- oder Reitpferd. Wenn man sich nur mal hobbymäßig ein Fohlen aus der eigenen Stute gezogen hat und auch keine wichtigen Turniertermine versäumt, kann man dem Fohlen ruhig gönnen, bis zu einem Jahr bei der Mutterstute zu verweilen. Natürlich sollte die Stute dann aber nicht unter der Milchproduktion leiden.

Das Säugen des Fohlens für etwa zwölf Monate liegt im natürlichen Rahmen. Aber spätestens nach dieser Zeit sollte das Fohlen von der Mutter abgesetzt werden, auch wenn kein weiterer Nachwuchs erwartet wird. Die beste Zeit für das Absetzen des Fohlens ist zwischen sechs und 12 Monaten. Der Zeitraum variiert je nach den jeweiligen Umständen und Begebenheiten.

Langsames oder abruptes Absetzen?

Über die Methode des Absetzens wird kontrovers diskutiert. Die einen vollziehen die Trennung langsam und allmählich, die anderen treten für eine abrupte Isolierung des Fohlens von der Mutterstute ein. Beides hat seine Vor- und Nachteile. Meist wird man sich aber nach den jeweiligen Gegebenheiten richten müssen. Ist es möglich, den Nachwuchs in einer Nachbarbox der Mutter sicher unterzubringen? In diesem Fall kann man das Fohlen allmählich absetzen. Leben die Pferde im Offenstall mit Unterstand ohne weitere Abtrennungsmöglichkeit, wird eine sanfte Trennung von der Mutter wohl kaum möglich sein. Soll das Fohlen als Absetzer verkauft werden, wird die Trennung meist abrupt vonstatten gehen müssen.

Bei einer allmählichen Trennung verlängert man die Zeiten des Alleinebleibens Schritt für Schritt. Mutter und Kind werden immer öfters und länger getrennt bleiben. Man beginnt mit wenigen Minuten und steigert die Trennungsphase schließlich bis zu mehreren Stunden am Tag. Die Milchquelle der Mutter versiegt somit langsam, da immer weniger Milch abgefordert wird. So wird das Fohlen allmählich entwöhnt. Der Vorteil beim sanften Absetzen besteht für die Mutterstute darin, dass es keinen abrupten Michüberschuss gibt, wodurch das Euter der Stute stark anschwellen und sich auch entzünden kann.

Oft ist es aber einfacher, das Fohlen schlagartig abzusetzen. Der Trennungsschmerz dauert für den Sprössling nicht sehr lange, wenn es sich mit gleichaltrigen Spielkameraden zusammen auf einer großen Weide tummeln darf. Für die Mutter ist eine plötzliche Trennung meist schmerzlicher. Sie wird noch längere Zeit nach ihrem Kind suchen, ihm möglicherweise auch nachwiehern. Ein weiteres Problem kann wie schon angesprochen die Milchproduktion sein, die nach dem Absetzen des Fohlens nicht sofort eingestellt wird. Das Euter der Mutterstute kann stark anschwellen, da keine Milch mehr abgefordert wird. Meist geht die Schwellung dann nach zwei bis vier Tagen wieder zurück, wenn die Milchproduktion gestoppt hat. Vom Abmelken der Stute ist aber unbedingt abzuraten, da dadurch der Milchfluss wieder angeregt wird.

Die Trennung von Mutterstute und Fohlen sollte mindestens drei Monate bis zu einem halben Jahr dauern, damit die Gefahr nicht besteht, dass das Fohlen wieder zu saugen beginnt. Wenn die Mutterstute nach der Trennung vom Fohlen sehr leidet, sollte man sie durch ein leichtes Training ablenken. Natürlich wird es für die Stute einfacher sein, wenn sie unter anderen Artgenossen in einer intakten Herde leben kann.

Sinnvoll ist es, mehrere Fohlen gemeinsam aufzuziehen. Damit haben die Fohlen zum einen gleichaltrige Spielkameraden, zum anderen fällt die Trennung nicht so schwer. Schließlich ist geteiltes Leid nur halbes Leid. Ist es dann noch möglich, die Fohlen zusammen in einem separaten Paddock unterzubringen, kann man die Youngster sanft absetzen. Somit würde das Absetzen quasi einen fließenden Übergang auf dem Weg in die Selbstständigkeit darstellen.


Quelle:

Renate Ettl
Bild: Fotolia #87515405