1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
Haltung :: Weidemanagement

Weidezäune: Die verschiedenen Systeme

Ohne Huf kein Pferd, ohne Zaun keine Pferdeweide. Zäune halten Pferde hinter Schloss und Riegel auf der Sicherheit der Weide und ermöglichen ungestörtes Weidevergnügen. So unterschiedlich wie unsere Pferde hinsichtlich Rasse, Gemüt, Alter und Geschlecht sind, die Lage der Weide bezüglich etwa Nähe zu Autobahnen, Winddruck, Bodenbeschaffenheit oder Niederschlagsmengen, desto verschieden auch die Ansprüche an die Umzäunung. Zäune müssen standfest, gut sichtbar und ausbruchssicher sein, wobei absolute Sicherheit nie gegeben ist.
Grenzen Sie ihre Suche auf dem Gebiet Weidemanagement ein. Mit einem Suchbegriff liefert unsere Datenbank Fachbeiträge zu diesem Thema an.

WeidezaunVor allem nach harten Wintern wie dem vergangenen braucht der Weidezaun eine Frühjahrskur: Der Wind hat Kunststoffpfähle umgelegt und Breitbandlitzen zerrissen, die Kälte Pfosten gelockert und zu Materialermüdung geführt, die Schneelast hat Äste abbrechen und auf den Zaun fallen lassen. Vielleicht halten sich die Schäden in Grenzen, vielleicht aber stellen Sie fest: Dieses Zaunsystem ist mir zu anfällig, hier muss etwas Neues her!

Grundsätzlich unterscheiden wir Festzäune und variable Zäune. Als äußere Umzäunung für Pferdeweiden eignen sich vor allem Festzäune, während variable Zäune vor allem als Abtrennungen innerhalb einer Weide genutzt werden. Festzäune bedeuten immer eine erhebliche Investition, variable Zäune sind preiswerter, flexibler, können etwa bei Pachtende rasch abgebaut und wieder verwendet werden, sind aber manchmal bezüglich der Hütesicherheit unzuverlässig. Dabei kommt es aber auch auf den Standort an: Auf einem windigen Hügel rund um eine Hengstherde errichtet, stößt ein variabler Zaun aus einfachen Kunststoffpfählen mit Breitbandlitze schnell an seine Grenzen …

Die gängigste Art der äußeren Einzäunung ist der bewährte Holzpfostenzaun-E-Zaun mit oder ohne Querriegel. Die Höhe (siehe unter „Abmessungen“ hier) und Anzahl (mindestens drei Reihen) der Strom führenden Bänder richtet  sich nach dem Besatz: Bei Hengsten, in Nähe von Autobahnen und bei großen Pferden höher, bei Ponys dürfen es dafür ein bis zwei Reihen mehr sein. Gerade die Robusten haben es schnell heraus, mit ihrem dichten Mähnenkamm eine Litze einfach hoch zu drücken und durch unzureichend gesicherte Zäune hindurch zu spazieren, oft zum Erstaunen des Besitzers ohne den Zaun selbst zu zerstören.

Diese Systeme gibt es

Drahtzäune sind nicht immer gut zu sehen, aber recht preisgünstig, einfach und schnell zu verlegen und zu reparieren. Drahtspanner bringen durchhängende Zäune in Sekundenschnelle wieder auf Spannung. Seile sind besser sichtbar, aber auch ein ganzes Stück teurer. Litze ist zwar sehr billig, aber auch sehr anfällig und nicht immer gut leitend; sie sollte lediglich als Leiter für Zwischenzäune Verwendung finden. Breitbandleiter gibt es in verschiedenen Variationen. Beide sind für Winddruck recht anfällig und können bei Sturm leicht aus den Isolatoren gedrückt werden. In Kombination mit einfachen flexiblen Pfählen legt schon ein mildes Lüftchen sogar ganze Zäune um. Breitbandleiter sind bei einer Wiederverwendung in der Handhabung unpraktisch, da sie sorgfältig aufgewickelt werden müssen, damit sie nicht reißen und brechen. Die schmalere Version ist oft nach wenigen Jahren verwittert, die integrierten Metallfäden reißen oder rosten, sodass die Hütesicherheit nicht mehr gewährleistet ist. Mit guter Sichtbarkeit und besserer Haltbarkeit punkten dagegen die breiten Versionen. Der beste Kompromiss bezüglich Haltbarkeit, Sicherheit und Preiswürdigkeit sind meist drei Reihen Leiter aus Draht oder Breitband, ergänzt durch einen abschließenden Querriegel oben.

Wichtig: das passende Tor

Der Zugang zur Weide muss mehrere Forderungen erfüllen: Breit genug angelegt erlaubt er die Durchfahrt der für die Bewirtschaftung notwendigen Maschinen oder das Treiben einer Herde. Er muss mindestens ebenso sicher, wenn nicht sicherer sein als der Rest des Zauns (da Pferde Schlauberger sind und wissen, dass es hier rein und raus geht und eher mal testen). Gute Weidetore lassen sich problemlos einhändig (die zweite Hand hält den Führstrick) bedienen und geben dem Rest der Herde keine Gelegenheit, in einem günstigen Moment an der Führperson vorbei hindurch zu witschen. Gute Tore sind deshalb meist eine teure Angelegenheit und kein geeigneter Gegenstand für Kompromisslösungen.

Wenn der Boden aufgetaut ist und sowieso etliche abgefaulte Pfosten ersetzen müssen ist die Gelegenheit günstig, ein neues, besseres Weidetor zu installieren. Den alten Spiraldraht haben Sie ja schon vor Jahren entfernt und durch drei Reihen Leiter ersetzt. Die aber hängen bei ungeübten Personen immer im „günstigsten“ Moment beim Öffnen durch, berühren den Boden, verursachen ein ominöses Knacken und lassen das auf die Weide zu verbringende Pferd in Panik ausbrechen. Eine dauerhafte, bessere Lösung muss her!

Besonders empfehlenswert sind Metalltore, die im Aufbau den oft für flexible Boxen und Paddockeinzäunungen verwendeten Rohrpaneelen entsprechen. Sie sind in der Breite flexibel einstellbar, bombensicher, gut zu sehen und sehr beständig. Allerdings erfordern sie eine feste Aufhängung, die entsprechenden dicken Pfosten bzw. Balken müssen fest einbetoniert werden. Die Mühe lohnt allerdings. Und wenn Sie schon dabei sind, betonieren Sie gleich drei Pfosten ein und installieren neben dem großen Koppeltor ein kleines Türchen für einzelne Pferde. Geschlossen werden diese Tore mit einem Schieber, der durch ein Metallplättchen auch vor den schlausten Ausbrechern gesichert wird oder einem Schnappschloss, das ebenso kniffelig ist.


Quelle:

Angelika Schmelzer
Bild: Fotolia #8639427