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Haltung :: Stalltechnik

Welche Schubkarre für den Pferdestall?

Schubkarren gibt es in zahlreichen Varianten: Große, Kleine, zum Ziehen, Schieben, mit einem oder mehreren Rädern und sogar mit Elektro-Motor. Jede Ausführung hat ihren Sinn. Welche für Ihre Zwecke geeignet ist, erfahren Sie hier.
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Jeden Tag mistet Pferdepfleger Siegbert Leymann gemeinsam mit zwei Hilfskräften 80 Pferdeboxen aus. Bei rund 10 kg Mist pro Pferd heißt das, Leymann und Kollegen befördern täglich fast eine Tonne Pferdeäpfel plus Einstreu quer durch die Reitanlage. Dafür benutzen sie verschiedene Schubkarren. Weibliche und ältere Kollegen greifen lieber zur Standartausführung – einer einrädrigen Plastik-Karre mit 140 Liter Fassungsvermögen. Siegbert Leymann selbst ist da hartgesottener: Er benutzt eine zweirädrige Kippkarre, die bis zu 400 Liter Inhalt aufnehmen kann. „Wenn man die vollmacht, ist das Hochkippen schon sehr schwer“, gibt er zu. „Da brauchst du richtig Oberarme dafür!“ Deshalb befördert Leymann den Inhalt auch nicht auf den Misthaufen hinauf, sondern kippt ihn ein Stück vorher auf den Betonboden. Anschließend wird dann der gesamte Mist per Traktor zusammengeschoben.

„Bei uns ist das Arbeiten mit dieser großen Kippkarre recht komfortabel, weil alle Wege gepflastert sind. Da fährt man wie auf einer Autobahn“, sagt Leymann. Anders sehe die Sache natürlich aus, wenn der Weg zum Misthaufen über Schotter und unwegsames Gelände führt oder beim Abäppeln der Weide.

Zweirädrige Modelle fahren stabiler

Uwe Berkhan, Geschäftsführer der Firma Hart-Fiberglas Herstellung und Vertrieb, rät, in solchen Fällen zu einem leichteren, zweirädrigen Modell zu greifen. „Damit brauchen Sie nicht zu balancieren und kippen nicht so leicht ab.“ Eine einrädrige Karre ist dafür in Kurven wendiger und fährt besser über Bretter, wie beispielsweise die Bohlen zum Misthaufen. Berkhan hat Einrad-Schubkarren von 85 bis 250 Liter und Zweirad-Schubkarren bis 500 Liter Fassungsvermögen im Programm. Reitställe entscheiden sich meist für Modelle ab 160 Liter. „Bei kleineren Karren passiert es meist, dass die Leute zu viel aufladen und dann bei der nächsten Türschwelle die Pferdeäpfel herumkullern“, weiß der Hersteller.

Alle Modelle der Firma sind auf Hart-Fiberglas hergestellt. Das ist zwar sehr stabil und korrosionsbeständig, dafür aber etwas schwerer als eine Blech- oder Polyethylen-Karre. Blech hat den Nachteil, dass es schnell rostet, Polyethylen versprödet bei Frost und kann dann leicht brechen. Diese Erfahrung hat auch Siegbert Leymann gemacht: „Plastik-Karren platzen sehr leicht, wenn man sie im Winter auf Betonboden umkippt.“

Daneben sind auch Modelle aus Holz auf dem Markt wie Leymanns Kippkarre. „Die haben allerdings den Nachteil, dass Pferde sie während des Mistens anknabbern“, sagt der Pferdepfleger. „Wir haben deshalb Blechüberzüge auf die Kanten genagelt.“

Leichtlaufräder oder Vollgummibereifung?

Um das Eigengewicht schwerer Schubkarren auszugleichen, sollten sie mit leichtläufigen Rädern ausgestattet sein. Uwe Berkhan bietet deshalb sowohl eine Standardausstattung als auch spezielle Leichtlaufräder mit hochwertigerem Kugellager an.

„Wir haben schon öfter gehört, dass Kunden einen Platten hatten, weil der Hufschmied im Stall seine Nägel herumliegen ließ oder Dornensträucher auf dem Grundstück wachsen“, sagt Berkhan. In solchen Fällen entscheiden sich die Stallbetreiber oft für eine pannensichere Vollgummi-Bereifung. Sie kostet etwa 10 Euro mehr als eine Luftbereifung. Vollgummi empfiehlt er aber nur für das Arbeiten auf ebenem Untergrund – „im Gelände bleiben Sie damit an jeder Baumwurzel hängen.“ Immerhin ist jedes Rad zehn Kilo schwer.

Eine Alternative sind die ebenfalls pannensicheren, aber teureren Polyurethan-Räder. Sie sind gut 20 Euro teurer als Luftgummi-Räder. Vom Fahrkomfort ähneln die PU-Räder einem Luftrad, haben aber einen höheren Rollwiderstand.

Zieh-Schubkarre für die Koppel

Speziell für Privat-Pferdehalter, die von Hand ihre Koppeln abmisten müssen, hat sich Lothar Storck vom Amorbachhof in Großumstadt eine Zieh-Schubkarre ausgedacht. Die Idee dazu entstand während der eigenen Weidepflege: „Mit einer normalen, einrädrigen Schubkarre im Gelände kippt man oft um und der Kraftaufwand ist extrem hoch“, berichtet Storck. „Ich dachte mir dann immer, es wäre viel besser, wenn man die Karre über Unebenheiten hinwegziehen könnte.“ Also konstruierte er eine „tiefergelegte“ Ziehkarre mit geschlossenem, abgerundetem Griff. „Durch ihre zwei Räder ist ein Umkippen nahezu unmöglich. So lässt sie sich auch mit einer Hand fortbewegen, ohne ausbalanciert werden zu müssen“, sagt der Erfinder. Das Fassungsvermögen der Mulde beträgt 140 Liter. Im Moment bastelt Storck an einer 250-Liter-Ausführung mit PKW-Reifen.

Elektro-Schubkarre

Für größere Weiden und Hanglagen empfiehlt sich eine Elektro-Schubkarre. Auch viele größere Betriebe, die den Muskelaufwand ihres Personals reduzieren wollen leisten sich Geräte wie den Multi-Caddy Elektro der PowerPac Baumaschinen GmbH. Preislich lässt sich diese Maschine mit einer Standart-Schubkarre natürlich nicht vergleichen. 2820 Euro plus Mehrwertsteuer kostet die Standartausführung. Dafür hat der Benutzer garantiert keine Schwielen und Rückenschmerzen mehr. Über einen Drehgriff am Haltebügel wird der Multi-Caddy – ähnlich wie ein Motorrad – gesteuert und fährt 110 Liter Pferdeäpfel bis zu 6 km/h schnell zum Misthaufen. Mit voll geladenen Akkus kann man acht bis zehn Stunden lang arbeiten. Über Nacht laden sie sich an einer normalen Steckdose wieder auf. Nicht einmal auskippen muss man den Elektro-Schubkarren mehr selbst „Der Multi-Caddy macht das von alleine“, sagt PowerPac-Geschäftsführer Lothar Urbschat. „Die Wanne hat einen Kippmechanismus, der vom Benutzer durch einen Hebel ausgelöst wird.“

Eine preiswerte Alternative sind kleine Anhänger für Rasentraktoren oder Quads. Solche Anhänger mit Aufbau gibt es von 300 bis 500 Liter Fassungsvermögen ebenfalls mit Kippmechanismus. Wer bereits ein Zugfahrzeug hat, schont damit Bandscheiben und Nerven.

 

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Quelle:

Regina Käsmayr

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