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Haltung :: Stalltechnik

Reithallenboden im Winter frostfrei halten – mit Magnesiumchlorid

Wenn die Tage kürzer werden, sinken nicht nur die Temperaturen, sondern auch die Laune bei den Reitersleuten. Wir müssen uns mit langen Dunkelphasen und frostigen Böden arrangieren, ob wir wollen oder nicht. Allerdings kann man einiges tun, um Hallenböden und Außenreitplätze auch bei Minustemperaturen gut bereitbar zu halten.
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Empty indoor riding hallWer täglich sein gewohntes Training absolvieren möchte, muss jetzt achtsam den benutzten Boden kontrollieren. Wenn der Hallenboden oder der Außenreitplatz zu feucht geworden und bretthart gefroren sind, wird es schnell schmerzhaft fürs Pferd und seine Gliedmaßen. Pferde sind zwar vom Ursprung her Steppenbewohner, allerdings bringt der Reiter im Sattel andere Probleme mit sich, die beherztes Reiten auf sehr harten Böden verbieten. Wer täglich arbeiten muss und seinen Equus gesund erhalten will, muss Vorsorge treffen und sich mit der Zusammensetzung des Bodens befassen. Sonst riskiert man ernsthafte Schäden am Bewegungsapparat der Tiere.

Gesunde Beilagen: Hack-Schnitzel und Teppich-Flocken

Alte, festgetretene und ausgelutschte Reitböden eignen sich im Winter weniger als frisch aufgeschüttete Alternativen. Sogenannte Zuschlagstoffe, die sich zur Umwelt neutral verhalten, können Böden bis zu einem Temperaturbereich von minus 5 Grad Celsius eis- und frostsicher halten.

Textilfasergemische stellen eine gute und vor allem kostengünstige Alternative zum herkömmlichen Sand-Späne-Gemisch dar und haben auch im Winter einige Vorteile. Trockene Hackschnitzel aus Lärchenholz halten dem Frost stand und bieten eine federnde Lösung als Untergrund, wenn ihr Einsatz nicht übertrieben wird.

Wer hier ohne den Rat eines Fachmannes und ohne korrekte Dosieranleitung frisch drauflos experimentiert, wird allerdings im seltensten Fall eine zufrieden stellende Lösung finden. Vor allem wenn die kalten Wintermonate begonnen haben, ist es zu spät, Lastkraftwagen in Bewegung zu setzen.

Vorsicht beim Wässern!

Wer seine Hallenböden regelmäßig wässert, sollte in den kühlen Monaten sehr gezielt agieren. Der Boden wird während der Frostperioden trockener gehalten – aber nicht so trocken, dass die Pferdehufe keinen Halt finden oder die Staubentwicklung zu stark wird. Idealerweise wird die oberste Schicht angefeuchtet und kann von den Pferden mit den Hufen durchstoßen werden.

Weniger Stress bereiten spezielle Bewässerungssysteme, die den Boden von innen her befeuchten. Hier gibt es als Beispiel doppelwandige Tropfbewässerungsrohre, die das Wasser tropfenweise direkt an die benachbarte Tretschicht abgeben. Die entsprechenden Rohre werden im Hallenboden verlegt – erst bei einem Dauerfrost von minus 8 Grad Celsius erfolgt ein Dichtfrieren der Leitungen.

Freihängend verlegte Beregnungsanlagen beginnen oft schon bei 0 Grad ihren Dienst zu quittieren, frieren gerne ein und die Leitungen platzen, wenn das Wasser nicht abgelassen wird. Die im Boden verlegten Bewässerungssysteme entleeren sich von selbst, wenn das Wasser abgedreht wird, was ab minus drei Grad Celsius empfehlenswert ist.

Magnesiumchlorid hält Böden frostsicher

Was vermag Eis besonders zügig aufzutauen? Die Lösung ist Magnesiumchlorid! Die daraus entstehende Flüssigkeit gefriert auch bei späterer und heftigerer Abkühlung bis zu minus 30 Grad Celsius nicht mehr in gewohnter Form. Im Frühjahr entstehen dann auch keine Inseln mehr auf den Außenplätzen. In einer Reithalle aufgebracht, beträgt die Wirkungsdauer mehrere Monate. Wenn es im Außenbereich zum Einsatz kommt, muss nach längeren Niederschlagsperioden der Auftrag wiederholt werden. Die stark hygroskopische Wirkung von Magnesiumchlorid ist schnell umrissen: Dieser Stoff hat die hervorragende Eigenschaft, Feuchtigkeit aus seiner Umgebung zu binden.

Magnesiumchlorid ist giftklassenfrei, nicht ätzend und verhält sich chemisch neutral. Es kann also bedenkenlos auf verschiedensten Böden genutzt werden. Dazu muss das Salz nur im Vorfeld der Frostperioden in die obere Schicht der Böden eingearbeitet werden (Achtung: nicht zu tief!). Der entsprechende Arbeitsaufwand ist als gering einzuschätzen. Je nach Oberfläche werden 400 bis 500 Gramm pro Quadratmeter eingebracht. Auf Außenplätzen können auch größere Mengen notwendig sein – hier ist ein Gespräch mit dem Fachmann empfehlenswert.

Gesunder Nebeneffekt

Wer Allergiker oder staubempfindliche Pferde regelmäßig arbeiten muss, liebt eine Nebenerscheinung von Magnesiumchlorid: Abends ausgestreut, entwickelt es seine Staub bindende Wirkung, indem es den Boden mit einem feuchten Film überzieht und auch an sehr trockenen Tagen absolut staubfrei hält. Diese Behandlung kann im Optimalfall über mehrere Wochen ihre Wirkung zeigen. Nachbehandlungen sind notwendig, wenn es wieder zu stauben beginnt bzw. wenn der Boden wieder anfängt hart zu werden und zu frieren.

Und jährlich gibt’s den Salzstreuer

Alle Jahre wieder muss Magnesiumchlorid aufgebracht und eingearbeitet werden. Erst dann kann es seine volle Wirksamkeit entfalten. Je nach Zusammensetzung der Tretschicht zeigen sich dann die Erfolge. Ist der Kalkanteil höher angesetzt worden, muss auch eine größere Menge Magnesiumchlorid verwendet werden. Andere Frostschutzmittel bieten mehr Nachteile als Vorteile. Sie greifen die Hufe an und sind wie zum Beispiel der Harnstoff mit Vorsicht zu genießen. Eine Alternative wäre Glycerin – dies wirkt allerdings nicht optimal und macht den Boden sehr klebrig. Im Außenbereich ist Magnesiumchlorid allerdings eher eine Notlösung. Es kann nur bis zu einer Höhe von zwei Zentimetern die Tretschicht leicht aufbrechen und spült sich durch den Regen schnell aus. Ein paar Säcke auf Vorrat schaden deshalb sicher nicht.


Quelle:

Ramona Dünisch
Bild: Fotolia #56974325

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