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Haltung :: Stalltechnik

Führanlagen für Pferde: Oval oder rund?

Ovale Führanlagen sind in. Sie schonen die Gelenke der Pferde und bieten ihnen mehr Abwechslung. Ist die Zeit der runden Führanlagen damit vorbei? Sind diese gar schädlich für Pferde? Eine Bestandsaufnahme bei Herstellern und Tierärzten bringt Klarheit.
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Longierhalle ReithalleDer Naumburgerhof ist die größte Bio-Landwirtschaft in Rheinland-Pfalz. 2006 wurde er um einen weiteren Betriebsteil erweitert: „Der Pferdestall“ in Einöllen hat Kapazität für 112 Pferde. Es gibt einen Saloon, zwei Hallen, zwei Reitplätze, zwei Longierzirkel, riesige topmoderne Boxen, Solarien, Pferdeduschen und … eine ovale Führanlage. „Das ist wesentlich gelenkschonender für Pferde, als eine runde Anlage“, erklärt die stellvertretende Betriebsleiterin Yvonne Krennrich.

Diese These ist sogar wissenschaftlich belegt. Die Firma Kraft Reitsportgeräte & Metallbau GmbH, die vor vier Jahren die ersten ovalen Führanlagen baute, gab bei zwei britischen Tierärzten an der Bristol University eine Studie in Auftrag. Dabei wurden die Bewegungen von drei Vollblütern auf zwei Kreisen (10 und 14 Meter Durchmesser) und auf einer geraden Strecke untersucht. Heraus kam, dass die Pferde im Kreis ihre Hufgelenke unnatürlich stark belasteten. Je kleiner der Kreis, desto mehr kam es zu einer Drehung des Fußes in Richtung der Kurve.

Bei einer ovalen Führanlage gibt es zwar ebenfalls Kurven – teils sogar recht enge – doch diese stellen keine Dauerbelastung dar. „Unsere Pferde brauchen nur drei Schritte, um die Kurve zu überwinden“, weiß Yvonne Krennrich. Das bestätigt auch Jörg Häring von der Häring Metallbau GmbH. „Pferde haben kein Problem damit, auch mal eng um eine Kurve zu laufen. Es darf nur keine Dauerbelastung werden. Sie können das selbst ausprobieren. Laufen Sie einmal längere Zeit auf einem mittelgroßen Kreis. Das ist wesentlich belastender, als auf gerader Linie zu gehen und hin und wieder scharf zu wenden.“

Große Kreise schaden dem Pferd nicht

Häring baut seit zwei Jahren ovale Führanlagen, da er entsprechende Anfragen von Kunden bekam. Dennoch verteufelt er das runde System nicht. Bei einem Durchmesser von 19 bis 22 Metern sei der Kreis so groß, dass sich die Belastung nicht mehr negativ auf die Pferdebeine auswirke. Dies käme erst ab einem Durchmesser von 13 Metern zum Tragen. „Kleinere Anlagen bauen wir aus Prinzip nicht“, sagt Häring.

Der österreichische Tierarzt Dr. Robert Stodulka gibt Häring recht. Dr. Stodulka ist Betreuungs-Tierarzt der königlich-andalusischen Hofreitschule in Jerez, Dozent der spanischen Hofreitschule in Wien und Autor zahlreicher Fachbücher wie „Medizinische Reitlehre“. Darin beschäftigt er sich mit den physischen Auswirkungen von Reiten, Longieren und Bodenarbeit auf das Pferd. „Bei einem Kreis von 20 Metern Durchmesser hat auch ein großes deutsches Warmblut sehr wenig Längsbiegung“, erklärt er. „So kann es sich problemlos im Schritt und im Trab über 30 Minuten bewegen, ohne Schaden zu nehmen. Eine ovale Anlage hat gegenüber einer großen runden nur den Vorteil, dass sie dem Pferd mehr Abwechslung bietet.“

Als absolut pferdeschädlich bezeichnet Dr. Stodulka allerdings ältere Führanlagen, bei denen die Pferde per Strick an einen Führarm gebunden werden. In den meisten Fällen sei hier auch der Kreisdurchmesser extrem klein. Die Pferde drücken beim Laufen den Rücken weg, verspannen sich und es besteht die Gefahr von Verletzungen, falls sie stolpern und hinfallen.

Neben dem gesundheitlichen Aspekt, gibt es noch einen weiteren Hauptgrund für den Kauf einer ovalen Führanlage, und das sind Platzprobleme. Ist die einzig freie Fläche für die Führanlage nun mal das 10 Meter breite Stück Rasen zwischen Reithalle und Stall, so liegt es nahe, sich für eine 10 mal 20 Meter große Ovalanlage zu entscheiden.

Allerdings kann so eine Baumaßnahme ein ziemlich großes Loch in Ihr Jahresbudget fressen. Uwe Kraft sagt über sein System: „Pro Laufmeter ist die ovale Anlage rund ein Drittel teurer als die runde.“ Umgerechnet bedeutet das zum Beispiel: Eine Ovalanlage von 10 mal 20 Metern kostet 40.000 Euro, eine Rundanlage mit 15 Meter Durchmesser kostet 30.000 Euro. Ovale Führanlagen baut seit kurzem auch die Firma Röwer und Rüb. Unter ihren Erstlingswerken ist auch eine „unrunde viereckige“ Anlage von 20 mal 20 Metern Durchmesser. Diese kostete den Betrieb 35.000 Euro. Eine runde Anlage mit 20 Meter Durchmesser hätte nur 20.000 Euro gekostet.

Die Vorliebe vieler Betriebe für ovale Führanlagen sieht Uwe Kraft in erster Linie als „Trend“, der die runden Anlagen nicht vom Markt verdrängen werde. Das System sei eben neu und innovativ und besteche auch dadurch, dass zahlreiche Profi-Ställe im Ausland damit arbeiten. Horst Apmann, geht sogar noch einen Schritt weiter. „Der Hauptgrund, weshalb diese Anlagen gebaut werden, ist, weil die Leute etwas Besonderes und das Allerneueste haben wollen.“

Größte Führanlage der Welt

Die Kraft GmbH ist nach wie vor der Hauptproduzent von ovalen Führanlagen. Rund 50 Stück davon hat die Firma schon gebaut, 15 davon in Deutschland. Die meisten Kunden sind große, professionelle Ställe im Ausland. Die größte Führanlage der Welt, eine 10 mal 40 Meter lange Ovalanlage hat Kraft nach Irland geliefert. Auch in England und in Frankreich sitzen zahlreiche Abnehmer, da dort wesentlich stärker als in Deutschland Galoppsport betrieben wird. Da Galopper auch beim Rennen auf einer Ovalbahn starten, hält man das Training auf einer ähnlichen Anlage für sinnvoll.

Neben dem Kostenfaktor spricht noch ein weiteres Argument gegen die ovalen Führanlagen: „Sie sind wesentlich aufwändiger in der Technik und damit auch wartungsintensiver“, sagt Horst Apmann von Röwer und Rüb. „In der Regel sind sie auch lauter.“ Während eine runde Führanlage ihren Antrieb in der Mitte hat und die einzelnen Gitter über eine Spinne vorwärts bewegt, hat die erwähnte 20 mal 20 Meter-Ovalanlage über 100 Rollen, die sich auf einer Schiene bewegen. Das macht zweifellos mehr Lärm. Die Wartung ist ebenfalls aufwändiger. „Fast alle Ovalanlagen sind so gebaut, dass ein Antriebswagen auf einer Schienenbahn fährt“, erklärt Horst Apmann. „Der fährt mit Strom. Also muss die Stromschiene immer sehr sauber gehalten werden. Dann gibt es bei sechs Pferden weitere elf Wagen, die wie ein Zug über die Bahn gezogen werden. Jeder hat sechs Rollen, die nicht durchdrehen dürfen. Das sind eine Menge Verschleißmöglichkeiten.“

„Der Pferdestall“ in Einöllen hat seine ovale Führanlage nun seit einem Jahr. Bisher gab es keinerlei technische Probleme. „Allerdings läuft sie auch nur einmal am Tag mit acht Pferden, da die meisten Einsteller Breitensportler sind und den Service nicht nutzen“, räumt Yvonne Krennrich ein. Die stellvertretende Betriebsleiterin bestätigt auch, dass die Anlage lauter sei, als eine herkömmliche – „Sie hört sich an wie ein Skilift!“ – Dies sei zwar auffällig, aber nicht störend für Mensch oder Pferd.

Uwe Kraft sagt: „Bei den ersten Anlagen hatten wir echte Geräuschprobleme, doch diese sind jetzt behoben. Das war die größte Herausforderung für uns. Eine ovale Führanlage wird trotzdem immer etwas lauter sein als eine runde.“

Longierzirkel in der Mitte

Die Firma Häring hat sich mit einer anderen Antriebstechnik beholfen. Sie verwendet Gummiräder mit wenig Rollwiderstand „Dadurch ist unsere Konstruktion leise und effizient“, sagt Geschäftsführer Jörg Häring. Häring baut auch runde Anlagen nicht mit einer Spinne in der Mitte, sondern über einen Rohr-Führring und mehrere Rollenkonsolen. Dadurch entsteht einer freier Platz in der Mitte der Anlage, der beispielsweise als Longierzirkel genutzt werden kann. „Das ist das einfachere und bessere System“, schwört Häring. „Von der Herstellung her ist es natürlich teurer als das normale.“

Welches ist nun das bessere System für Ihren Pferdebetrieb – oval oder rund? Beide Systeme haben ihre Berechtigung. Bedenken Sie vor dem Kauf Ihre örtlichen Gegebenheiten, Ihr Einsteller-Klientel und den Inhalt Ihrer Geldbörse. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich eine ovale Führanlage vorwiegend bei Platzproblemen empfiehlt, sowie bei einem gehobenen, anspruchsvollen Sportreiter-Klientel unter den Einstellern. Ansonsten tut es eine runde Führanlage genauso, vorausgesetzt, sie hat einen Durchmesser von etwa 20 Metern. Kleinere runde Führanlagen sind immer ein Kompromiss. Je nach Durchmesser können sie den Gelenken der Pferde schaden oder es darf nicht getrabt werden. Ein Entscheidungskriterium für System und Hersteller ist auch, ob der Innenraum des Konstrukts als Stauraum, für weitere Boxen oder als Longierzirkel genutzt werden soll.

Nachgefragt:

Runde Führanlage – Wie klein darf der Durchmesser sein?

Die Meinungen über dieses Thema gehen auseinander. Fest steht, dass bei einem Durchmesser von 14 Metern starke Belastungen an den Gelenken festgestellt wurden. Dr. Robert Stodulka empfiehlt einen Durchmesser von 20 Metern für große Deutsche Warmblüter nicht zu unterschreiten. Kleinere Pferde wie Spanier oder Quarter Horses kämen auch mit 18 oder 19 Metern zurecht. Ab einem Durchmesser von 13 Metern empfiehlt Horst Apmann von der Firma Röwer und Rüb, die Pferde nur noch im Schritt zu bewegen.

Und der Untergrund?

Die beste Führanlage taugt nichts, wenn die Pferde auf einer Buckelpiste dahinstolpern. Der Untergrund und evtl. die Tretschicht sollte griffig sein, nicht zu tief und nicht zu weich. Uwe Kraft empfiehlt, die Lauffläche aus Beton zu gießen, denn „die Pferde laufen immer auf derselben Spur, meistens ganz innen auf dem kürzesten Weg. Auf Dauer hält das nur Beton aus. Alles andere gibt eine Mulde.“ Darauf kommt entweder eine Schicht aus Gummimatten, Puzzle-Platten oder ein Sandgemisch. Gummimatten haben den Nachteil, dass die Hufe auf ihnen schlecht drehen können, ähnlich wie ein Turnschuh auf einem Hartplatz. Bei Puzzle-Platten oder einer entsprechenden Tretschicht funktioniert das besser.


Quelle:

Regina Käsmayr
Bild: Fotolia #81704085