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Haltung :: Pferde-Pflege

Schick auf die Schau: Pferde optimal präsentieren

Überall im Land präsentieren stolze Pferdebesitzer ihre Vierbeiner - mal gekonnt, mal weniger professionell. Mancherorts haben Pferdeshampoo, Babyöl und Verziehmesser Hochkonjunktur, gehen Einflechtgummis und Schweifbandagen weg wie warme Semmeln, während anderswo Natur pur präsentiert wird, inklusive gelber Mistflecken und Gammelhufen. Für die Show sollte es aber selbstverständlich sein, sein Pferd im bestmöglichen Licht zu präsentieren. Denn kein Richter sieht sich gerne vierbeinige Schmuddelkinder an.
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reminic-n-dunit-x-genuine-ruff-girlAussteller ohne Schauerfahrung sollten sich lange vor dem Termin über die Gepflogenheiten informieren. Je nach Rasse und Anlaß müssen verbindliche Vorschriften oder auch bewährte Traditionen beachtet werden, insbesondere bezüglich der Ausrüstung der Pferde, der Kleidung der Aussteller und Vorführer, der Art und Weise, wie die Pferde frisiert und anderweitig vorbereitet werden sowie der Form der Vorführung (Freispringen, Dreiecksbahn, Aufstellen im offenen Stand).

Die Vorbereitung auf einen wichtigen Termin beginnt bereits Monate zuvor. Damit nämlich alles klappt, wenn es drauf ankommt, sollte zu Hause rechtzeitig geübt werden, denn „Trockenübungen“ der jeweils verlangten Form der Vorführung geben Aussteller und Pferd Sicherheit für den Tag X. Hinzu kommt ab etwa zwei Monaten vor der Schau eine Überprüfung der Fütterung, um das Pferd in optimalem Zustand präsentieren zu können. Auch der Pflegezustand der Hufe und des Fells muss langfristig den Erfordernissen der Schau entsprechend optimiert werden. Gerade bei Jungpferden ist es wichtig, sich rechtzeitig zu informieren: Darf, kann oder soll beschlagen werden? Und bei Gangpferden: Wenn ja, wie? Um Chancengleichheit zu wahren, sind Faktoren wie Dicke oder Gewicht der Eisen sowie Huflänge genauestens reglementiert.

Große Wäsche

Vor wichtigen Terminen ist die „Große Wäsche“ ein Muss, um Schmutz und Staub aus Fell und Langhaar zu spülen und Mähne und Schweif für das Verlesen vorzubereiten. Dazu wird viel handwarmes Wasser benötigt, entweder aus dem Schlauch oder aus Eimern und Gießkanne, dazu ein spezielles Pferdeshampoo, ein Schwamm und ein Noppenstriegel, sowie ein Schweißmesser. Nach dem Vollwaschgang braucht das nasse Pferd eine Decke, am besten ein altes Bettlaken oder ein großes Badetuch, um das Pferd während des Trocknens abzudecken und einen Anbindeplatz mit trittsicherem Untergrund, der auch bei Nässe nicht rutschig wird und der das Wasser ablaufen lässt.

Am besten arbeitet es sich zu zweit, vor allem dann, wenn umständlich mit Eimern oder Gießkannen hantiert werden muss. Zunächst wird das Fell am ganzen Körper außer dem Kopf richtig nass gemacht, damit das Shampoo gut aufschäumt. Anschließend wird das Pferdeshampoo sparsam auf den Schwamm oder den Noppenstriegel aufgetragen und das Pferd damit mit kreisenden Bewegungen gründlich und mit Muskelschmalz shampooniert.

An Rumpf und Hals benutzen Sie am besten den Striegel, an empfindlicheren Stellen oder bei kitzeligen Pferden den Schwamm. Besonders sorgfältig sollten Sie alle weißen Abzeichen bearbeiten. Da beim Shampoonieren das Haarkleid bis auf die Haut durchnässt wird, kühlen Pferde bei dieser „großen Wäsche“ relativ schnell aus, weshalb es flott zugehen sollte. Beim Ausspülen beginnen Sie vorne und oben und arbeiten sich nach hinten und unten durch. Achten Sie darauf, sämtliche Shampooreste aus dem Fell zu spülen, um dem Pferd den unangenehmen Juckreiz der Rückstände zu ersparen. Anschließend wird das Wasser mit einem Schweißmesser aus dem Fell gezogen und das Pferd zum Schluss mit einem alten Frotteetuch trocken gerubbelt. Bis es getrocknet ist, stellen Sie es entweder unters Solarium, binden es an einem sonnigen, zugfreien Ort an und legen eine dünne Decke über oder machen einen Spaziergang.

Im gleichen Arbeitsgang, aber auch einzeln können Mähne und Schweif gewaschen werden. Zunächst wird der Schopf soweit wie möglich unter dem Halfter nach hinten durchgezogen, damit dem Pferd kein Schaum in Gesicht und Augen läuft. Damit das oft sehr dicke Langhaar wirklich sauber wird, muss es zunächst ganz nass gemacht werden, was insbesondere bei Ponys oft schwierig ist. Bei braven Pferden kann man sich behelfen, indem man den Schweif in einen Eimer handwarmes Wasser eintaucht. Auch das Mähnenhaar wird am besten zu zweit – einer lässt das Wasser laufen, ein Helfer massiert es ein – bearbeitet. Ist das Langhaar ausreichend nass, tragen Sie das Shampoo auf. Mähne und Schweif werden anschließend mit beiden Händen gründlich durchgeknetet. Vor allem beim Schweif ist darauf zu achten, dass auch die Unterseite und der innere Bereich des dicken Haarzopfes ausreichend shampooniert werden, da sich hier am meisten Schmutz ansammelt. Ausgespült wird mit einem sanften Strahl aus dem Schlauch, einer Gießkanne oder mit Wassereimern, am besten zu zweit. Bei starker Verschmutzung wird der Vorgang wiederholt, ansonsten das Langhaar mit den Händen ausgewrungen und der Körper, soweit er mit durchnässt wurde, mit dem Schweißmesser abgezogen.

Langweilig, aber nötig: Verlesen und verziehen

Der zweite Schritt bei der Generalverschönerung heißt: Verlesen. Das Langhaar von Mähne und Schweif wird Strähne für Strähne entwirrt und dabei mit den Fingern gekämmt. Es erscheint danach voller und lockerer, was insbesondere beim Vortraben ein ansprechendes Bild ergibt. Beim Verlesen des Schweifs stellen Sie sich seitlich der Kruppe, greifen mit einer Hand den Schweif oder legen ihn sich locker über den Unterarm. Mit der anderen Hand fassen Sie nun nach und nach einzelne Strähnen, entwirren sie und kämmen sie bis an den Ansatz durch. Dabei werden Knoten gelöst und ausgefallene Haare entfernt. Der ganze Schweif wird nach und nach so geordnet und präsentiert sich nach dieser Prozedur als wallende Pracht. Bei natürlich belassenem Langhaar frisieren Sie auch Mähne und Schopf auf diese Weise.

Warmblüter und manche Ponyrassen werden für Schauen und Turniere meist eingeflochten, wobei selbst Fohlen von dieser Sitte oft nicht ausgenommen werden. Dazu werden Mähne und Schopf zunächst verzogen (nicht bei Fohlen), also mit einem Verziehmesser auf eine Länge von etwa einer guten Handbreit gekürzt und gleichzeitig ausgedünnt. Allerdings ist diese Prozedur nicht unbedingt angenehm für das Pferd, weshalb viele Pferdefreunde lieber zur Schere greifen. Das Ergebnis ist nicht ganz so glatt und gleichmäßig, aber keineswegs eine Verunstaltung.

Zöpfe – mal so, mal so

Beim Einflechten werden Mähne und Schopf in gleich große Strähnen eingeteilt, die dann in straffe Zöpfchen geflochten werden. Das Ende jedes Zöpfchens wird mit einem Mähnengummi gesichert, nach innen umgeschlagen und am Ansatz erneut mit dem Mähnengummi umwickelt. Es entsteht eine optisch einheitliche Reihe kleiner Knötchen, die sich noch mit weißem oder schwarzem Mähnenband umwickeln lassen.

Ponymähnen lässt man entweder im Naturzustand oder flechtet einen spanischen Zopf, je nach Anlass und Rasse. Für einen spanischen Zopf wird unmittelbar hinter dem Genickstück eine dicke Strähne in drei Teile geteilt. Auf der linken Seite beginnt man mit der linken Strähne und fügt zur jeweils rechten weitere Haare aus der Mähne hinzu, rechts verfährt man umgekehrt. Wie bei einem gewöhnlichen Zopf wird also abwechselnd die rechte und die linke Strähne über die jeweils mittlere gelegt, der Zopf liegt aber dicht am Mähnenkamm an und wächst in Richtung Widerrist, weil jeder zweiten Strähne weitere Haare straff hinzu gefügt werden. Das Ende flechtet man frei und sichert es mit einem Mähnengummi oder schlägt es um und verziert es mit einer Schleife. Auch lassen sich breite Geschenkbänder oder bunte Bastelgarne mit einflechten, etwa in den Flaggenfarben des Herkunftslandes.

Auch der Schweif läßt sich auf ähnliche Weise mit einem Zopf verschönern. Dazu werden am Ansatz drei Strähnen – eine rechts, eine links, eine mittig – aufgenommen und geflochten, indem bei jedem Schritt weitere Haare von der jeweiligen Seite mit in die Strähne eingefügt werden. Etwa am Ende der Schweifrübe wird der Zopf mit einem Gummi gesichert und einer Schleife geschmückt, man kann allerdings auch einen Zopf über die gesamte Länge des Schweifes flechten.

Mit einem kleinen Trick gelingt es, weniger volle Schweife durch eine „Dauerwelle“ dichter erscheinen zu lassen. Man flechtet bis zum Ende der Schweifrübe und nimmt anschließend die noch offenen Haare unterhalb der Schweifrübe auf und verfährt ebenso. Hat man die Schweifhaare zuvor angefeuchtet und lässt den Zopf über Nacht trocknen, geschützt durch eine Schweifbandage oder einen Schweifschoner, zeigt sich der ganze Schweif nach dem Lösen der Zöpfe mit einer leichten Welle, die sich allerdings meist nach wenigen Stunden wieder glättet.

Geflochten und mit einer Bandage gesichert, bleiben frisch gewaschene und verlesene Schweife über Nacht sauber und können unmittelbar vor dem Vorstellungstermin mit wenigen Handgriffen hergerichtet werden. Mähnen- und Schweifspray verleiht sauber gewaschenem und verlesenem Langhaar noch mehr Glanz und sorgt dafür, dass es sich gut durchbürsten lässt.

Der letzte Schliff

Das Ausscheren der Ohren ist ebenso wie das Scheren das Tasthaare im Gesicht verboten, es spricht aber nichts dagegen, unschöne Haarbüschel am Ohr zu kürzen. Dazu legt man mit einer Hand die Ohrränder vorsichtig aneinander und schneidet mit einer Schere die Haare ab, die noch herausschauen. Auch die langen Haare im Kehlgang können vorsichtig so gekürzt werden, dass die Kontur des Unterkiefers besser zur Geltung kommt.

Westernpferde werden oft mit „bridle path“  vorgestellt, wodurch das Genickstück besser liegt und die Ganasche vorteilhaft betont wird. Dazu wird im Genick auf etwa zehn Zentimeter Länge die Mähne sehr kurz abgeschoren, am besten mit einer Schermaschine. Duldet das Pferd dies nicht, tut es auch eine Schere. Zunächst wird zwischen Schopf und Mähne ein ordentlicher Scheitel gezogen, wobei man durchaus einen kümmerlichen Schopf durch eine Strähne des Mähnenhaars etwas aufwerten kann. Das Genickstück des Halfters wird weit nach hinten geschoben und die Mähne, vorne beginnend, abgeschoren oder geschnitten. Das Halfter wird dann weit nach vorne geschoben und der bridle path noch einmal in Gegenrichtung gekürzt – fertig!


Quelle:

Angelika Schmelzer
Bild: Katarinenhof