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Haltung :: Pferde-Pflege

Alte Pferde pflegen und halten: Was muss man beachten?

Unsere Pferde erreichen immer öfter ein sehr hohes Alter. Wann ein Pferd tatsächlich alt ist, hängt von unterschiedlichen Kriterien ab: Neben der erblichen Veranlagung spielen Umwelteinflüsse, Aufzucht, Fütterung und Haltung eine Rolle – schonende Reitweise und ausreichend Bewegung beugen frühzeitigem Verschleiß vor.
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Von Natur aus ist der Organismus des Pferdes dafür geschaffen, bis ins hohe Alter beweglich und leistungsfähig zu bleiben – Stillstand bedeutet für ein Beutetier den sicheren Tod. Um gesund alt werden zu können, benötigt der ehemalige Steppenbewohner frische Luft, viele Bewegungsanreize, Sozialkontakte mit Artgenossen, sowie die Möglichkeit zur Futteraufnahme über viele Stunden des Tages. Eine gesunde Aufzucht macht sich besonders im Rentenalter bezahlt – solche Vierbeiner leiden seltener unter Atemwegs- oder Gelenkerkrankungen, bleiben länger fit und einsatzbereit. Mitunter lässt es sich aber nicht vermeiden und irgendwann stellen sich Altersgebrechen ein.
Der umsichtige Pferdehalter kann jedoch einiges tun, um seinem alten Tier das Leben zu erleichtern: Auch wenn das Wetter mal nicht so gut ist, sollte ein altes Pferd so viel bewegt werden wie möglich, um Stoffwechsel und Kreislauf anzuregen. Vorausgesetzt die körperliche Konstitution wird berücksichtigt, sind auch viele ältere Tiere durchaus noch reitbar. Ist dies nicht mehr möglich, bieten sich Spaziergänge an, leichte Bodenarbeit, die Mitnahme als Handpferd oder eventuell eine Umschulung zum Kutschpferd. Täglich sollte freie Bewegungsmöglichkeit auf Paddock oder Weide geboten werden.

Bewegung bei jedem Wetter

Häufig können alte Pferde extreme Wetterwechsel und Kälte oder Nässe nicht mehr so gut vertragen, weil ihr Immunsystem nicht mehr so effektiv arbeitet. Damit der Senior sich dennoch im Freien bewegen kann, leistet eine sorgfältig angepasste, wasserdichte und atmungsaktive Regendecke dann gute Dienste. Besonders Pferde, die unter Arthrose oder Rückenproblemen leiden, sollte man trocken halten – Feuchtigkeit kann die Krankheit verschlimmern. Je älter das Pferd wird, um so wichtiger ist es zu beobachten, ob zusätzlicher Schutz erforderlich ist. Eine Decke sollte der Oldie nur bei schlechtem Wetter tragen, denn, durch ständiges Eindecken fehlen dem Körper notwendige Klimareize, die er zur Thermoregulation und Anregung des Stoffwechsels braucht.

Viele Gelegenheiten zum freien Wälzen bieten einen Ausgleich, halten beweglich und sind auch eine hervorragende Gymnastizierung. Als Wärmeschutzfunktion bilden viele alte Pferde ein sehr dickes und langes Fell. Stark gelocktes oder extrem langes Fell kann aber auch ein Hinweis auf das Equine Cushing-Syndrom (ECS) sein. Muskelschwund, Anfälligkeit für Hufrehe oder -geschwüre, sowie ein schlechter Allgemeinzustand können weitere Symptome für ECS sein, von dem häufig Stuten über 20 Jahre betroffen sind. Im Verdachtsfall sollte man dies mit dem Tierarzt besprechen und eine Blutuntersuchung in Erwägung ziehen. Sehr gute Behandlungserfolge gibt es mit dem Wirkstoff Pergolid, mit dem viele Cushing-Pferde noch jahrelang beschwerdefrei leben können; wichtig ist, die Krankheit früh zu erkennen.

Häufig bilden alte Pferde ihr Winterfell schon im Spätsommer, weil ihr Organismus einfach etwas länger dafür braucht. Besonders an wärmeren Tagen geraten sie dann schnell ins Schwitzen. Stoffwechsel anregend wirken Wasserkuren, bei denen die Pferdebeine mit dem Schlauch gekühlt werden. Dazu beginnt man auf der äußeren Seite des Beines unten, geht langsam nach oben bis über das Vorderfußwurzel- oder Sprunggelenk, verweilt dort einen Augenblick, um dann den Wasserstrahl auf der Innenseite langsam wieder abwärts zu führen. Eine weitere anregende Wirkung erzielt man mit massageartigem Bürsten des Fells, das mit langsamen, gleichmäßigen Strichen ausgeführt wird – besonders sorgfältig bearbeitet werden dabei die Regionen des Körpers, die der Oldie selbst nicht mehr so gut erreichen kann.

Zahnprobleme beim alten Pferd

Oft können alte Pferde ihre Nahrung nicht mehr gut verwerten, leiden unter Gewichtsverlust und abgenutzten oder fehlenden Zähnen. Grundsätzlich kann man beim älteren Vierbeiner von einem erhöhten Nährstoff- und Energiebedarf ausgehen, sie brauchen mehr Zink, Vitamin A und E. Bewährt haben sich speziell auf diese Bedürfnisse abgestimmte Senior Futtermischungen. Klarheit verschafft eine Blutuntersuchung oder eine professionelle Futter-Rationsberechnung. Um bei Oldies mit Zahnproblemen auch im Winter die notwendig Raufutterversorgung zu gewährleisten, sollten mehrmals täglich eingeweichte Heucobs verfüttert werden (pro 100 Kilo Körpergewicht bis zu 1,5 Kilo). Als Zugabe eignen sich Futtermittel zum Aufweichen oder frische Möhren und Äpfel, die in der Küchenmaschine geraspelt werden.

Bei schwerfuttrigen Pferden empfiehlt sich warmes Mash mit gekochten Leinsamen, eingeweichte Zuckerrübenschnitzel oder Grünmehlpellets. Leinöl oder Hefeflocken (etwa 250 Gramm pro Tag/Großpferd) unterstützen die Verdauung und Fellbildung, zur Stärkung der Abwehr kann täglich ca. ein halber Teelöffel Vitamin C Pulver ins Futter gegeben werden. Um Schlundverstopfung vorzubeugen, dürfen Heucobs, Rübenschnitzel oder andere stark quellende Futtermittel  nur in völlig aufgeweichtem Zustand angeboten werden (Rübenschnitzel in ca. 2,5-facher Menge Wasser mindestens 12 Stunden einweichen, Heucobs je nach Hersteller unterschiedlich). Vorsicht geboten ist bei hastig fressenden Pferden. Gibt man ihnen einige große, runde Kieselsteine mit in den Trog, erhöht sich die Fressdauer und sie sind länger mit Kauen beschäftigt.

Bei manchen Senioren beobachtet man auch ein Leerkauen, ohne dass sie dabei wirklich etwas fressen. Eine viele Stunden dauernde Nahrungsaufnahme gehört zum instinktiven Verhaltensrepertoire jedes Pferdes, das Kauen sorgt dabei für optimale Futterverwertung, Wohlbefinden und Ausgeglichenheit. Einige Oldies verstehen sich recht gut darauf, einzelne Heubüschel durchzukauen, um anschließend die unzerkleinerten Halme wieder auszuspucken. Auch kurzes oder weiches Heu wird oft noch relativ gut verwertet. Wichtig ist aber auch hier wieder die genaue Beobachtung des alten Pferdes. Neigt ein hastiger Fresser mit Zahnproblemen zum Schlucken von unzerkleinertem Heu, kann dies ebenfalls zu Schlundverstopfung führen – aufgeweichte Heucobs sind dann die bessere  Wahl. Mindestens ein- bis zweimal jährlich sollten die Zähne eines alten Vierbeiners vom Pferdezahnarzt kontrolliert werden.

Die richtige Gesellschaft für den Oldie

Sehr wichtig für ein altes Pferd ist die passende Gesellschaft von Artgenossen, die ihm Sicherheit bieten. Eingreifen muss der Mensch, wenn ein altes Pferd von jüngeren extrem attackiert oder gescheucht wird und sich dagegen nicht mehr wehren kann. Zum Schutz sollte der Oldie dann entweder einen separaten Auslauf bekommen, mit Sichtkontakt zu anderen Pferden, oder nur mit einem verträglichen Tier zusammen stehen. Mitunter werden sehr alte Tiere schreckhaft-nervös oder auch etwas eigentümlich. In vielen Fällen handelt es sich dabei nicht etwa um Altersstarrsinn, sondern ist ein Zeichen für nachlassende Hör- oder Sehfähigkeit. In gewohnter Umgebung kommen alte Pferde damit aber meist sehr gut zurecht; für Änderungen des normalen Tagesrhythmus brauchen sie dann jedoch etwas mehr Zeit, weshalb man diese nur langsam und schrittweise vornehmen sollte.

Der Alterungsprozess ist etwas ganz Natürliches. Je selbstverständlicher wir damit umgehen, desto leichter fällt es, ihn zu akzeptieren. Auch wenn alte Pferde uns manchmal sehr viel Mühe machen, sollten wir sie mit gebührendem Respekt behandeln und dankbar sein für das große Geschenk, sie auf ihrem letzten Lebensabschnitt begleiten zu dürfen.


Quelle:

Meike Bölts
Bild: K3 Foto