Haltung :: Pferde-Pflege

Ältestes Barnboox-Pferd „Tornado“, 39 Jahre: In freier Wildbahn würde er verhungern!

22.01.2015 - In einem Facebook-Post fragten wir unsere Leser nach dem Alter ihrer Pferde. Das älteste davon ist der Araber-Welsh-Wallach Tornado. Er ist 39 Jahre alt und lebt in der Nähe von Regenstauf in Bayern. Seine Besitzerin Sabrina Moreis verrät im Barnboox-Interview: Eine Shetty-Dame namens Dixie hält den Rentner jung und kitzelt regelmäßig den Macho aus ihm heraus.
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Barnboox: Wer ist eigentlich älter – dein Pferd oder du?

Sabrina: Tornado. Er ist 39, ich werde dieses Jahr 38.

Barnboox: Wie kriegt man ein Pferd so alt?

Sabrina: Ganz ehrlich? Mit einer riesigen Portion Glück! Außerdem ist Tornado vom Charakter her ein zäher Kämpfer-Typ. In unserer beider Jugend wurde er viel bewegt, sowohl unter dem Sattel als auch an der Hand, weshalb er auch heute noch einen guten Rücken und absolut klare Beine hat. Bis auf wenige Ausnahmen stand er immer in Offenstall-Haltung, hatte immer genügend Auslauf, Heu zur freien Verfügung und stetige Ansprache durch seine Shetty-Dame. Ich selbst bin Pferdeärztin und hatte dadurch natürlich auch das Glück/den Vorteil, dass ich vieles durch frühes Erkennen von ihm abwenden und ihn bestmöglichst unterstützen konnte.

Barnboox: Wie viele Zähne hat Tornado noch?

Sabrina: Tornado hat noch alle Schneidezähne, aber von den ehemals 24 Backenzähnen sind maximal noch acht bis zehn da, die auch nicht mehr in Reibung/Kontakt sind.

Barnboox: Kann er damit fressen?

Sabrina: In der freien Wildbahn würde er damit verhungern. Seit ca. acht Jahren bekommt er dreimal täglich eine große Portion eingeweichter Heucobs mit speziellem Müsli vermischt. Stimmt die Mischung nicht, lässt der Herr auch mal eine Mahlzeit ausfallen… Es ist mir immer wichtig gewesen, dass er trotzdem Heu zur Verfügung hat. Er „kaut“ darauf rum, genießt den Saft und spuckt den Wickel dann wieder aus. Dieser Luxus sei ihm vergönnt, da es sein Kaubedürfnis befriedigt und sowohl psychisch wichtig für ihn ist, als auch physisch, da der Speichelfluss damit gegeben ist.

Barnboox: Gibt es erste Anzeichen von Demenz?

Sabrina: Ich weiß nicht, ob ich es Demenz oder Altersstarrsinn nennen soll. Tornado wurde die letzten Jahre wesentlich verschrobener und mag Abweichungen in der täglichen Routine nicht mehr so gerne und „grantelt“, wenn etwas nicht nach seiner Nase läuft. Vor einigen Wochen sprang er aus dem Nichts über ein Tor, was er eigentlich hätte gar nicht schaffen können. Zum Glück ist ihm nichts passiert. Allerdings schien er hinterher genauso erstaunt und erschrocken über sich selbst zu sein wie wir.

Barnboox: Hat Tornado sonstige gesundheitliche Probleme?

Sabrina: Tornado leidet leider unter COB, einer chronischen Lungenerkrankung. Im letzten Jahr hatten wir große Probleme damit und ich war mehr als dankbar, als es wieder bergauf ging! Ansonsten ist er topgesund.

Barnboox: Was macht so ein altes Pferd eigentlich den ganzen Tag?

Sabrina: Wie bei den Menschen sind auch bei den Pferden die Rentner oft die, die den straffesten Zeitplan haben. Bei Tornado besteht dieser darin zu fressen, dösen, Shetty-Dame rumscheuchen, wieder fressen, wieder dösen, aufpassen, was die anderen Pferde im Stall treiben, wieder Shetty-Dame scheuchen… In seinen Augen scheint er der wilde Hengst zu sein, der für den ganzen Stall verantwortlich ist.

Barnboox: Wir haben gehört, Tornado sei seit 27 Jahren mit der Shetty-Dame zusammen. Was ist dein Resümee dieser Beziehung?

Sabrina: Die Shetty-Stute Dixi war mein erstes Pferd. Zu ihr kam Tornado dazu und seither führen die beiden ein eheähnliches Verhältnis. Er verhält sich ihr gegenüber wie der übelste Macho, scheucht sie viel und piesackt sie oft. Auf der anderen Seite können beide nicht in eine Herde integriert werden, weil er jedes Pferd, das sich „seiner Frau“ nähert, angreift. Er ist der Mann im Hause, nur wenn es ums Fressen geht, dann hat das Pony die Hosen an. Ich mag mich täuschen, aber ich bin fest davon überzeugt, dass Pferde psychisch und physisch von solchen Bindungen profitieren und dass es eine wesentliche Rolle für sein Jungbleiben spielt.

Barnboox: Besitzt du auch ein Reit-Pferd oder reicht dir die Rentner-Pflege aus?

Sabrina: Da ich beruflich sehr eingespannt bin, möchte ich die wenige Zeit nicht noch mit einem weiteren Pferd teilen müssen.

Barnboox: Was wünschst du Tornado für seine Zukunft?

Sabrina: Ich wünsche Tornado, dass er seine Zukunft gesund genießen kann und von Schmerzen und Leid verschont bleibt. Und ich wünsche ihm, dass ich es erkenne und akzeptiere, wenn dem nicht mehr so sein sollte. Aber würde man ihn nach seinen Wünschen fragen, stünde sicherlich auf Platz Eins: reife, süße Bananen!

Barnboox: Vielen Dank für das Gespräch!


Quelle:

Regina Käsmayr

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