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Haltung :: Haltungsarten

Paddock Trail: Neue Form der Pferdehaltung orientiert sich an Wildpferden

Ständerhaltung und reine Boxenhaltung sind in der Pferdeszene schon lange kein Thema mehr. Als artgerecht gelten nur noch Haltungsformen, die das Bewegungsbedürfnis des Pferdes berücksichtigen. Neben Offen- und Laufställen macht nun ein neues Konzept von sich reden: Der Paddock Trail. Wir haben nachgefragt, was dahintersteckt.
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dscn5026Noch immer werden die meisten Reit- und Zuchtpferde in Boxen gehalten. Doch auch bei dieser Form der Aufstallung gab es in den letzten Jahrzehnten einige positive Veränderungen: War bis dahin noch in großen Teilen Deutschlands die Ständerhaltung üblich, so ist diese mittlerweile in fast allen Bundesländern verboten. In den immer geräumiger werdenden Innenboxen können sich die Tiere frei bewegen und bestenfalls auch Sozialkontakt mit anderen Pferden pflegen. Dennoch geht der Trend mittlerweile hin zum Offenstall.

Mit dem Wissen um den hohen Bewegungsbedarf des Pferdes entscheiden sich zunehmend mehr Pferdebesitzer mindestens für eine Paddockbox, häufig sogar für einen Laufstall. Seit einiger Zeit findet nun auch ein neues Haltungskonzept aus den USA immer mehr Anhänger: der Paddock Trail. Dabei handelt es sich um eine innovative Haltungsform für Pferde, die gleichzeitig uralt ist. Denn entwickelt wurde sie auf der Basis von Beobachtungen der amerikanischen Mustangs in den Rocky Mountains durch den amerikanischen Hufschmied Jaime Jackson. In 20-jähriger Forschung stellte er fest, dass die Pferde sich auf einem räumlich begrenzten Areal auf den immer gleichen Pfaden bewegen, den sogenannten Trails.

Diese Trampelpfade werden beim Bau eines „Paddock Trails“ mit Hilfe von zweireihig angelegten Weidezäunen simuliert und führen mindestens in Form eines Rundkurses um ein Weideareal. Wer mehr Platz hat, baut noch Parallelwege ein. Die Breite dieser künstlichen Wanderwege variiert dabei in Abhängigkeit vom Pferdebestand und den geographischen Verhältnissen zwischen ca. sechs und zehn Metern.

Stimulierende Untergründe

Die einzelnen Funktionsbereiche, wie Tränke, Futterraufen, Unterstand, Ruhezone, Wälzplatz, Lecksteinstation, etc., verteilen sich dabei über die gesamte Wegstrecke und veranlassen das Pferd zu einer beständigen Fortbewegung. Die Bodenverhältnisse sollten abwechslungsreich und anspruchsvoll sein. Denn die unterschiedliche Gestaltung der Untergründe, wie Wasserschwemme, Kiesbett, Sand und Hackschnitzel wirkt stimulierend auf das Hufhorn und ist außerdem gut für die Gehirnentwicklung der Pferde. Selbst grobe Gesteinsbrocken passieren die Tiere instinktiv in angemessener Gangart, ohne dass Schädigungen oder gar Verletzungen zu befürchten sind.

Hintergrund dieses Konzeptes ist die Erkenntnis, dass die von den Tieren genutzten Weideareale klar definierte Gebiete sind. Grundsätzlich wandern Wildpferde nicht ziellos durch die Gegend, sondern werden in ihrem Bewegungsradius immer durch die Suche nach Futter in einer üblicherweise spartanisch bewachsenen Landschaft gesteuert. Gewöhnung und Routine bewirken dabei die Nutzung der immer gleichen Wege durch die Pferde, nicht selten in unterschiedlicher Geschwindigkeit. In der gleichen Weise wie Durst, Hengstrivalitäten und Raubtierpopulationen die Bewegungsgeschwindigkeit zum Wasserloch in freier Natur regulieren, beeinflusst die Zusammensetzung der Herde sowie das Management der Funktionsbereiche auch die Fortbewegungsgeschwindigkeit auf dem künstlichen Trail.

Die Welt der wilden Pferde kann schon aufgrund des Nutzungsanspruchs durch den Menschen nicht zu hundert Prozent nachgeahmt werden, ist aber als Vorbild für die artgerechte Haltung von Hauspferden eine durchaus ernst zu nehmende Alternative. Mittlerweile gibt es in Deutschland rund 20 Anlagen, die nach den Prinzipien des Paddock Trails gebaut sind.


Quelle:

Anke Klabunde, www.aid.de
Bild: Katarinenhof