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Haltung :: Fütterung

Silage und Heulage für Pferde – Vorteile und Risiken des Raufutters

Über Silage wird inzwischen viel diskutiert. 
Ingolf Bender, Biologe, Fachbuchautor und Grünlandbewirtschafter, gibt einen Überblick über die Vorteile, aber auch die teils erheblichen Risiken dieses Raufuttermittels.
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386364_original_r_k_b_by_kurt-michel_pixelio-deAuf dem Vormarsch ist inzwischen europaweit Grünfuttersilage, die als Grundfuttermittel zukünftig noch erheblich stärker – auch in der Pferdefütterung – das Heu teils ersetzen oder sogar größtenteils verdrängen wird. Dies zu bewerten, ob dieser Trend gut oder schlecht für das Pferd ist, wird auch im Folgenden besprochen. Grundsätzlich sind zwei Grünfutter-Silagearten zu unterscheiden:
 Anwelksilage bzw. Feucht- oder Nasssilage mit Trockensubstanz-(TS)gehalten von etwa 35 % und
 Heulage („Gärheu“) mit TS-Gehalten von üblicherweise 40 bis 60 % bzw. max. 70 %.

Grundsätzliche Eignung

Für alle Pferde, aber in erster Linie für solche Pferde, die unter chronischer Bronchitis (Symptomenkomplex C.O.P.D./ Stauballergie) leiden, ist qualitativ befriedigende Grünfuttersilage in Form von Heulage (von engl. haylage) mit hohen TS-Gehalten ein ausgezeichnet staubfreies Winter-Grundfutter, das man in Anteilen von 30 % bis 50 % als Tagesraufutterration durchweg ohne Probleme einsetzen kann.

Heulage ist zudem – neben staubfreier Einstreu aus Holzspänen oder Holzgranulat – eine haltungstechnisch erträgliche Problemlösung für Allergiker. Selbst wenn diese Pferde (durch Heulagefütterung bedingt) „breiigen Kot“ absetzen, ist die Entscheidung für Heulage Ergebnis einer sog. Güterabwägung. Denn Magen-/Darmstörungen durch leichte (silagebedingte) Übersäuerungen kann man durch entsprechende Medikamente relativ gut bekämpfen, während eine fortschreitende Bronchitis (u.a. durch Heufütterung an Allergiker) immer die Lunge als lebenswichtiges Organ unumkehrbar schädigt. Bei sehr empfindlich (z. B. durch Vorschädigung des Magen-/Darmtraktes) auf Heulage reagierenden Pferden, muss allerdings unter Umständen Heuanfeuchtung bzw. Heubedampfung als erste Ersatz-Lösung geprüft werden – unter Verzicht auf Heulage.

Fütterungsrisiken

Gute, aromatische Langhalm-Heulage ohne Schimmelbildung, frei von Fehlgärungsprodukten und sonstigen Schadstoffen (Milben, Tierkadaver, Mistreste usw.) staubt nicht und kann demnach – nach mehreren Tagen der Gewöhnung an dieses Futter ­– ohne Probleme an alle Pferde, die nicht unter Magen-Darm-Erkrankungen leiden, wenigstens in Teilen der Tagesration als Raufutter verfüttert werden. Es ist aber bei jeder Heulagefütterung individuell vorzugehen. Anders als bei der Heufütterung kann Heulage bei manchen Pferden Unverträglichkeiten hervorrufen, deren Grad man abschätzen muss. Ein schlechthin „problemloses“ Futter ist Heulage für Pferde nicht.
Häufig leiden unter Magen-Darm-Erkrankungen solche Pferde, die zu raufutterarm und gleichzeitig zu kraftfutterreich gefüttert werden/wurden, durch überlange Nahrungskarenzen (und dadurch bedingte überschüssige 
Magensäure) Vorschädigungen der Magenschleimhaut und des Schlunds ausweisen, an diffusen Schädigungen des Magen-/Darmtrakts leiden (z.B. Wurmfraß, Gewebezerstörungen mit Blutungen u. Ä.). Solche (Wurmfraß-)Schäden können auch aus der Aufzucht resultieren, sie sind nicht therapierbar und belasten nicht selten solche Pferde lebenslang.

Durchweg sind es sog. Übersäuerungen, die den Einsatz von Heulage bei Pferden problematisch werden lassen. Übersäuerungen des Magen-/Darmtraktes dürfen nicht verwechselt werden mit Übersäuerungen des Blutes oder der Muskulatur. Hier sind die Ursachen verschieden. Auf Übersäuerungen des Magen-/Darmtraktes können u. a. folgende Symptome hinweisen: Rülpsen, Futterverweigerung, Abmagerung ohne andere Ursachenerkennung, Geh-Unlust, Leistungsverweigerung bzw. Leistungsmängel sowie Unkonzentriertheit bei der Arbeit, stoisches Verhalten mit Schmerzgesicht (z. B. zusammengekniffene Nüstern). In solchen Fällen hilft der/die erfahrene Tierarzt/Tierärztin vor Ort weiter.

Achtung: Möglichst keine kurz gehäckselte Silage unter 3 bis 5 cm Partikelgröße verfüttern (oft bei Maissilage der Fall), da Kauanreiz und
Einspeichelung bei dieser Konsistenz
 für Pferde üblicherweise zu gering sind. Dieses Futter kann bei sehr gierigen Pferden zu Schlundverstopfungen und Anschoppungen führen; evtl. zur Vorbeugung und als Kauersatz Heu und Stroh vorab füttern, wenn z. B. in landwirtschaftlichen Betrieben mit Rinderhaltung nur solche Kurzhäcksel-Silage vorhanden ist .

Kann auch Maissilage verfüttert werden?

In landwirtschaftlichen Betrieben steht sehr oft neben Grünfuttersilage vor allem auch Maissilage zur Verfügung. Dieses Futter ist stärkereich (viel Energie), aber eiweißarm und in der Vitamin- und Mineralstoffzusammensetzung unausgeglichen.

Maissilage kann – nach Gewöhnung – zusammen mit Heulage an Leistungspferde verfüttert werden (bei Ponys wie Isländern besser nicht mehr als 0,5 kg je 100 kg Gewicht des Pferdes je Mahlzeit), wenn Vitamin- und Mineralstoffausgleich über handelsübliche Präparate erfolgt. Gerade auch für (laktierende) Zuchtstuten kann Maissilage ein gutes Zufutter sein. Allerdings ist absolut hygienisch einwandfreie Qualität Voraussetzung; der Geruch muss attraktiv sein; muffiges Zeug ist eine Kompostbereicherung, und zwar direkt ohne Umweg über den Pferdenmagen!

Vorsicht bei Silage für Pferde

Silage aus Fahrsilos, die nicht nach der Entnahme stets ordentlich verschlossen wurden, oder Futter aus beschädigten Ballen, die Ungeziefer „beherbergen“ oder Butter- bzw. Essigsäure und Schimmel (weißlich-gelblich-blaue Färbung) enthalten, ist immer problematisch bis extrem gefährlich aufgrund von Toxinen, Nach- und Fehlgärungen bei Luftzutritt sowie u. U. erhöhtem Keimgehalt (z. B. Listerien durch Schmutz, Salmonellen durch Nager oder Kontamination mit dem Toxin des Clostridium botulinum durch Mist, Erde und Kadaver).

Auch weißliche Hefepilze, die in ganz geringen Mengen noch keinen erkennbaren Schaden anrichten, sind dann problematisch, wenn sie als feiner weißlicher Film die Heulage regelrecht überziehen. Großräumiges Entfernen ist das Mindeste. Man sollte bei allem immer berücksichtigen, dass Wiederkäuer (z. B. Rinder und Schafe) erheblich unempfindlicher auf Qualitätsmängel bei Silage/Heulage reagieren.

Pferde zählen zu den futtermäßig empfindlichsten Säugetieren überhaupt! Ihr Verdauungssystem hat sich durch Domestikation nicht gravierend – im Vergleich zu Wildequiden – geändert.
 Die Natur aber kennt kein verdorbenes Futter, jedenfalls kann ein Pferd in Naturhaltung durch den angeborenen Selektionstrieb immer ausweichen, was Teil des Selbsterhaltungstriebs ist. Typische (fütterungsbedingte, oft auf Fehlgärungen beruhende) Koliken, wie man sie bei Hauspferden häufig sieht, sind in der Natur die rare Ausnahme.


Quelle:

Ingolf Bender
Bild: Kurt Michel_pixelio.de