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Haltung :: Fütterung

Herstellung und Siliervorgang zur Gewinnung hochwertiger Silage und Heulage

Immer häufiger wird Silage und Heulage an Pferde verfüttert. Um Erkrankungen vorzubeugen, muss bei der Herstellung der Ballen besonders gewissenhaft vorgegangen werden. Unser Autor Ingolf Bender sagt Ihnen, worauf Sie achten müssen.
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SiloballenErnte und Herstellung guter Silage bzw. Heulage ist nicht so einfach, wie gemeinhin angenommen wird. Im Detail zeigen sich in der Praxis die Tücken, denn neben sehr präzise auszuführenden technisch-handwerklichen Vorgängen ist entscheidend, dass die Pflanzen ausreichende Anteile an leichtlöslichen Kohlenhydraten, die gut vergären, aufweisen. Überständiges Grünfutter mit holzigen Gerüstsubstanzen ist deshalb weniger gut bis gar nicht geeignet. Auch zu junges Futter oder Klee ist wegen des hohen Proteingehaltes nur ungenügend gärfähig. Nicht angewelkte Pflanzen können zwar auch siliert werden, doch hat es sich bewährt, als Pferdefutter – zur Vermeidung von Durchfällen und zur Gewährleistung ausreichender Ballaststoffgehalte (strukturierte, kaufähige Rohfaserzufuhr) – vorzugsweise nur Heulage mit 40 bis 60 % TS zu verwenden. Diese benötigt einen hohen Vorwelkgrad und verträgt, ähnlich wie Heu, absolut keine Regenschauer bei der Ernte!

Silageschnittgut zur Herstellung der Heulage sollte relativ spät (nicht vor der Blüte, wie es Schnittgut für Rinder-Anwelksilage erfordert) immer erst gegen Ende der Blüte gemäht werden und gut anwelken, damit genügend Rohfaser (= hoher Trockensubstanzgehalt) enthalten ist. Ein sehr später Schnittzeitpunkt ist andererseits auch zu vermeiden, denn bei extrem rohfaserreichem Material sinken zu einem späteren Zeitpunkt nach der Blüte sowohl Saftanteil (dieser erleichtert normalerweise die Verdichtung) sowie auch Zuckergehalte der Pflanzen und damit die Silierfähigkeit (= mangelhafte Milchsäurebildung).

Vor dem Mähen Wild aufscheuchen!

Die richtige Schnitthöhe beim Mähen des Grünfutteraufwuchses liegt bei 8 bis 10 cm, niemals aber unter sechs Zentimeter, wie man es häufig sieht. Direkt vor dem Mähen empfiehlt es sich dringend, die Grünlandfläche zu begehen, um Tiere (Hasen, Kaninchen, Rehe, aber auch Katzen!) aufzuscheuchen, damit diese einerseits die Fläche verlassen können und geschont werden, aber andererseits nicht später als Kadaver die Silage durch Botulismusgift verderben. Beim Verfasser hat es sich bewährt, Vorstehhunde (sollten guten Appell besitzen und keine Hetzer sein!) den zu erntenden Aufwuchs durchsuchen zu lassen.

Durch Milchsäurebakterien (stammen aus dem angewelkten Schnittgut) werden später leicht lösliche Kohlenhydrate aus den Pflanzen (= Zucker wie Glucose und Fructose) bei Gärtemperaturen von bis zu 30° C (Kaltgärung) in Milchsäure umgewandelt. Die nützlichen, konservierenden Milchsäurebakterien existieren unter Luftabschluss und verhindern die Entwicklung störender (luftabhängiger = aerober) Keime.

Diese Keime, Schimmelpilze und Bakterienarten, die auch am Schnittgut oder in Erdbeimengungen haften, sind der Feind jeder Silageherstellung. Denn sie sind bestrebt, statt Milchsäure unbrauchbare Essigsäure oder gar extrem stinkende Buttersäure zu bilden und dadurch den Konservierungsvorgang verhindern. Auch bei Lagerung in der prallen Sonne entwickeln sich u. U. schädliche Keime, weil bei hohen Temperaturen die Milchsäurebakterien sich nicht mehr ausreichend vermehren und dann absterben – so kommt es dann zu den berüchtigten (und nicht seltenen) Fehlgärungen im Erntegut.
 Normalerweise sterben die Milchsäurebakterien erst nach Erreichen der erwünschten starken Milchsäuregärung mit niedrigem pH-Wert ab. Erst dann darf verfüttert werden. Das kann (abhängig von vielen Faktoren) auch vier Monate dauern. Ähnlich wie bei frischem Heu.

Jedwedes Schnittgut ist deshalb sauber aufzubereiten, also schonend zu mähen, zu wenden und mit nicht zu tief eingestelltem Pick-Up der Presse zu ernten, damit der Schmutz- und Keimeintrag extrem gering ist. Nur so sind die oben angesprochenen keimverursachten Fehlgärungen vermeidbar.

Stark verkrautete Weideaufwüchse mit viel Klee und ohne hohen Grasanteil (wie man sie bei schwach oder gar nicht gedüngten Pferdeweiden oft sieht) eignen sich nicht oder nur bedingt als Silierschnittgut. Sie beinhalten nicht genügend leicht lösliche Kohlenhydrate in Form von Zucker, sondern sind verstärkt eiweißreich. Nur Zucker ist aber Nahrung für die zur Ansäuerung und Konservierung erforderliche, ausreichende bakterielle Produktion von Milchsäure in der Silage zur Absenkung des pH-Wertes (Säurewertes) auf unter 5 bis zu 4,2.

Zur Funktion der Konservierung

Die enzymatische Säuerung durch Milchsäurebakterien senkt unter Luftabschluss den pH-Wert des Futters und hemmt dadurch erst den Stoffwechsel anderer (unerwünschter, weil schädlicher) Kleinstlebewesen. So werden Schimmel-, Essig- und Buttersäurebildung sowie Fäulnis vermieden. Wird dieser Konservierungsvorgang durch Luftzutritt beeinträchtigt, stagniert die Milchsäuregärung und schädliche Kleinstlebewesen gedeihen – das Futter verdirbt in kurzer Zeit.

Deshalb ist während der Lagerung der Luftabschluss (z. B. unbeschädigte Wickelfolie) ebenso wichtig wie ein schneller Verbrauch angebrochener Silageballen innerhalb von zwei bis drei Tagen, da sonst unangenehme Nachgärungen und Keimvermehrung mit toxischen Wirkungen folgen. Nur Heulage mit hohen TS-Gehalten hält sich angebrochen bei Luftzutritt etwas länger, ungefähr fünf bis maximal sieben Tage.


Quelle:

Ingolf Bender
Bild: Fotolia #65303869