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Haltung :: Ausrüstung

Wichtige Kriterien eines guten Westernsattels

Der Sattel stellt die Verbindung zwischen Reiter und Pferd dar. Somit dient er nicht nur als Hilfsmittel für den Reiter, nicht vom Pferd zu fallen, sondern stellt auch ein Kommunikationsmittel dar. Nicht zuletzt soll der Sattel das Pferd vor Fehlbelastungen schützen, doch dazu muss er dem Pferd exakt passen.
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Obgleich bei der Kaufentscheidung eines Sattels durchaus auch die Farbe, die Ledermusterung, eventuelle Silberverzierung und eine gefällige Form eine nicht unerhebliche Rolle spielen, müssen all diese Dinge zu Gunsten einer perfekten Passform zurückstehen. Was nützt ein hübscher Sattel, wenn dieser dem Pferd Druckstellen verursacht? Da hilft auf Dauer auch kein zweites Pad oder anderweitige Abpolsterungen – ein Sattel, der nicht passt, kann auch nicht durch Ausgleichsmaterialien passend gemacht werden!

Da es nicht immer einfach ist, für jedes Pferd einen Sattel zu finden, der sich perfekt an dessen Rücken anschmiegt, stellt sich die Frage, inwieweit man Abweichungen tolerieren kann und welche Auswirkungen nicht passende Sättel haben können. Dazu muss man wissen, dass Pferde durchaus in der Lage sind, Fehlbelastungen zu kompensieren, trotzdem ist irgendwann das Maß des Erträglichen erreicht. Die Folgen sind Schmerzen und Rückenprobleme.

Anzeichen für nicht passende Sättel

Je nachdem, an welcher Stelle ein Sattel nicht auf das jeweilige Pferd passt, kann es zu Druck- oder Scheuerstellen am Pferderücken kommen. Erste Anzeichen können „verwirbelte“ Haarstellen sein, dass hier der Sattel beziehungsweise das Pad scheuert. Auch das sogenannte Schwitzbild wird häufig zur Beurteilung der Sattellage herangezogen. Häufig bleiben seitlich des Widerrists trockene Stellen, während der Rest des Rückens nassgeschwitzt ist. Trockene Stellen können zweierlei Dinge bedeuten: Zum einen kann hier zu viel Druck auf die Haut einwirken, so dass das Pferd durch die Poren nicht schwitzen kann.

Der Sattel kann hier aber auch eine Brücke bilden und gar nicht aufliegen, so dass diese Stelle gut belüftet wird und das Pferd hier nicht zum Schwitzen kommt. Das ist auch daran zu erkennen, dass der Bereich der Wirbelsäule trocken bleibt – obwohl das Pad auch über der Wirbelsäule liegt. Oft werden den Stellen neben dem Widerrist und hinter dem Schulterblatt, die häufig trocken bleiben, zu viel Druck zugeschrieben, wobei vielmehr der Sattel auf dem Schulterblatt liegt und es so zu einer Brückenbildung kommt. Selbstverständlich sind beide Varianten – zu viel oder zu wenig Druck – nicht ideal, so dass man bei einem unausgeglichenen Schwitzbild nach der Ursache forschen sollte.

Druckpunkte und Brückenbildungen

Wenn man einen Sattel anpasst, muss man immer im Auge haben, dass sich das Pferd unter dem Reiter bewegt. Wird das Pferd versammelt geritten, wölbt sich die Rückenlinie auf. Dadurch verstärkt sich der Druck in der Mitte des Rückens und hebt den Sattel im Schulter- und Lendenbereich stärker ab. Drückt das Pferd jedoch den Rücken nach unten weg, entsteht eine Brückenbildung in der Mitte und der Sattel liegt verstärkt im Lenden- und Schulterbereich auf. Und das, obwohl der Sattel auf ruhendem Pferderücken vielleicht sogar optimal passt! Das Pferd hat also immer gewisse Veränderungen zu kompensieren. Solange diese Abweichungen nicht zu stark werden, kann es die Druckveränderungen, die aufgrund der Bewegung entstehen, auch gut verkraften.

Weil das Pferd die Druckveränderungen durch die Bewegung und die jeweiligen Lektionen sowieso schon ausgleichen muss, ist eine gute Passform umso wichtiger. Ein ansonsten leichter Druck beispielsweise hinter der Schulter des Pferdes kann sich in Bewegung zu einem extrem schmerzhaften Dauerstress entwickeln, der zunächst Muskelverspannungen und schließlich Blockaden und sogar Lahmheiten bedeuten kann.

Nicht passende Sättel können eine ganze Palette von negativen Auswirkungen nach sich ziehen, die nicht unbedingt direkt mit dem Sattel in Verbindung gebracht werden. Neben den direkten Druckstellen, die in schlimmen Fällen zu offenen Wunden oder in weiterem Verlauf (unter anderem aber auch schleichend) zu weißen Haarstellen führen können, kann ein unpassender Sattel indirekt für massive gesundheitliche Schäden beim Pferd verantwortlich sein.

Die Auswirkungen können „einfache“ Stresssymptome sein, die sich in zurückgelegten Ohren oder Aufstampfen mit dem Huf beim Satteln äußern können. Es können sich aber auch schwerwiegende Lahmheiten und degenerative Knochenveränderungen im Rücken entwickeln. Zunächst wird sich immer die Muskulatur verspannen, wenn eine Druckstelle Schmerz verursacht. Daraus resultieren Muskel- und schließlich Gelenksblockaden – die Beweglichkeit wird eingeschränkt. Die Versorgung des blockierten Gebietes mit Nährstoffen über das Blut ist gehemmt (Ischämie). Schlackestoffe lagern sich im Bindegewebe ein, was die Ursache für chronische Erkrankungen sein kann. Diese können sich in stoffwechselbedingten Erkrankungen äußern, aber auch zu Lahmheiten führen. Bei Bewegungseinschränkungen werden auch die Gelenke nicht mehr ordentlich mit Nährstoffen versorgt. Die Synovia verteilt sich nicht gleichmäßig zwischen den Gelenksflächen, wenn die Bewegung eingeschränkt ist. Somit kann es zu degenerativen Gelenkserkrankungen wie Arthrose kommen.

Vom Stress bis zur Lahmheit

Auch Rückenerkrankungen wie „kissing spines“, wobei sich die Dornfortsätze der Wirbel berühren und es zu schmerzhaften Entzündungen kommt, können durch einen unpassenden Sattel verursacht werden: Zu viel Druck erzeugt Muskelverspannungen im Rücken. Kontrahiert der lange Rückenmuskel sowie die kleinen Muskelstränge, die von Wirbel zu Wirbel ziehen, kommt es zur Annäherung der Dornfortsätze der Wirbel. Wenn das Pferd genetisch bedingt bereits eng gestellte Wirbel hat, kann es zu Berührungen und Entzündungen kommen. Letztendlich verwachsen die sich berührenden Dornfortsätze miteinander, wodurch das Pferd in dieser Rückenpartie steif wird.

Die Gefahr derartiger und ähnlicher Rückenprobleme sowie Lahmheiten und auch innere Krankheiten kann man mit der Wahl eines passenden Sattels eindämmen. Die Suche nach einem passenden Sattel kann aber zu einer Odyssee werden, insbesondere wenn das Pferd ungleich ausgeprägte Schultern, einen extrem hohen Widerrist (dessen Ursache auch ein durchhängender Rücken, sprich eine zu schwache Bauchmuskulatur sein kann) oder eine von der Norm abweichenden Rückenform hat. Die Form des Rückens ist allerdings nicht nur genetisch bedingt, sondern auch vom Training (Auf- und Abbau der Muskulatur) sowie der Fütterung (Fettab- oder –aufbau) abhängig. Nicht nur das Training selbst, sondern auch die Art des Trainings bestimmt die Rückenform, dessen Muskelstruktur und Beweglichkeit.


Quelle:

Renate Ettl