1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
Haltung :: Ausrüstung

Sattelkauf: Überprüfung der Passform nach dem Reiten

Nicht nur vor dem ersten Probereiten muss die Passform eines neuen Sattels kontrolliert werden. Auch nach dem Ritt macht eine visuelle Überprüfung Sinn. Was das Schwitzbild über den Sitz des Sattels verrät, beschreibt Hartmut Schenk von der Firma Way Out West.
Grenzen Sie ihre Suche auf dem Gebiet Ausrüstung ein. Mit einem Suchbegriff liefert unsere Datenbank Fachbeiträge zu diesem Thema an.

Zu dieser Kontrolle sollte das Pferd so lange geritten werden, bis es unter dem Sattel komplett geschwitzt hat. Bei gut trainierten Pferden ist das natürlich schwieriger. Man kann sich manchmal damit behelfen, dass man als Sattelunterlage ein nicht schweißaufsaugendes und luftundurchlässiges Material benutzt. Beim Westernsattel beispielsweise ein Neoprenpad und bei Englischsätteln zur Not eine Kunststoff-Folie.

Was das Schwitzbild aussagt

Das Schwitzbild unter dem Sattel ist optimal, wenn der ganze Bereich in dem der Sattel aufliegt, gleichmäßig nass geschwitzt ist. Es gibt drei Sorten trockene Stellen:
Trockene Stellen im Bereich Wirbelsäule und Widerrist sind normal, da hier der Sattel ja nicht aufliegen darf. Große trockene Stellen in der Mitte der Sattelauflage sind ein Zeichen dafür, dass das Pferd unter dem Sattel noch nicht komplett geschwitzt hat. Vorne und hinten ist die Reibung zwischen Sattel und Pferd die größte, in der Mitte liegt der Sattel dagegen meist ruhig. An den Stellen der erhöhten Reibung fangen die Pferde auch zuerst an zu schwitzen. Dies hat keine Aussagekraft für die Passform des Sattels.

Grund zur Sorge sind trockene, meist symmetrisch auftretende Stellen in der Größe eines Handtellers, die zu den umliegenden nassen Bereichen klar abgegrenzt sind. Diese sind trocken, weil der Druck des Sattels hier so groß ist, dass die Funktion der Schweißdrüsen unterbunden wird. Diese trockenen Stellen schädigen das Pferd noch nicht, stellen jedoch eine Warnung dar: Sie können erste Anzeichen für eine beginnende dauerhafte Schädigung der Haut und der darunterliegenden Gewebepartien wie Unterhaut, Bänder oder Muskulatur sein. Der Sattel sollte auf jeden Fall von einem Fachmann überprüft werden. Wenn man diese Warnung nicht beachtet und weiter reitet, folgt als nächstes Symptom, dass die Stellen warm werden, in der Tiefe spürt man kleine Verhärtungen, danach kann es zu schmerzhaften Schwellungen kommen, die Haare fallen aus, die Heilung dauert Wochen, und oft bilden sich hier nach Monaten weiße Haare.

Wenn ein Pferd stark überbaut ist, oder richtiger gesagt, wenn die Sattellage nach hinten stark ansteigt, erhöht sich der Druck auf die vorderen Teile der Sattellage naturgemäß. Selbst bei angepassten oder verstellbaren Sätteln, wo der Schwerpunkt des Reiters selbst bei so ungünstigen Voraussetzungen an der richtigen Stelle liegt, bleiben schiebende Kräfte nach vorne. In diesen Fallen muss manchmal wirklich ein schwieriger Kompromiss gesucht werden.

Was tun bei brüchigem Haar?

Optimal wäre es, wenn die Haare unter der gesamten Sattellage glatt liegen. Gekräuselte Haare deuten auf zu viel Bewegung zwischen Sattel und Pferd hin. Bei Sätteln mit beweglichen Elementen kann es vorkommen, dass in der Mitte des Sattels die Haare nicht ganz glatt liegen. Dies ist, solange sie nicht abbrechen, zu akzeptieren.

Abbrechende Haare unter dem hinteren Bereich der Sattelunterlage deuten ebenso auf zu viel Bewegung zwischen Sattel und Pferd hin. Bei langen Sätteln (vorzugsweise Westernsätteln) und Pferden, die in Längsrichtung viel Bewegung haben, kann dies auch bei passenden Sätteln manchmal ein Problem sein. Besonders in Zeiten des Fellwechsels fällt den Reitern Haarbruch im Lendenbereich der Pferde auf – eine Tatsache, die aus der im Herbst und Frühjahr oft brüchigen Haarstruktur erklärbar wird. Eine unter das Sattelende unterlegte glatte Folie hilft, das saisonale Phänomen zu entschärfen.

Weitere Kontrollmaßnahmen

Nach dem Reiten sollte man natürlich auch überprüfen, ob Sattel und Bauchgurt verrutscht sind. Noch Sie sollen optimalerweise an der Stelle liegen, wo sie beim Satteln hingelegt wurden. Wenn ein Sattel nach vorne rutscht, kann das an einer zu weiten Kammer liegen. Ein nach hinten rutschender Sattel hat oft zu wenig Schwung.

Die von Laien manchmal praktizierte Methode, unter den Sattel eine dünne weiße Decke zu legen und nach dem Verschmutzungsgrad die Passform des Sattels zu beurteilen, ist untauglich. Wie schon erwähnt ist die Reibung zwischen Sattel und Pferd am vorderen und hinteren Ende der Auflagefläche immer größer. An diesen Stellen ist die Decke dann verschmutzt, in der Mitte sauber. Auf die Druckverhältnisse, die zwischen Sattel und Pferd herrschen, kann man so keine Rückschlüsse ziehen.


Quelle:

Hartmut Schenk (Way Out West)

_min