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Haltung :: Ausrüstung

Baumlose Sättel: „Auch für den kleinen Geldbeutel“

Ein Sattel, der auf jedes Pferd passt und dabei noch pferdefreundlich und günstig ist - das klingt zu schön um wahr zu sein. Dennoch schwören immer mehr Reiter auf baumlose Sättel. Was in der Freizeitreiterszene begann, ist mittlerweile zum anerkannten Standart auf Western- und FN-Turnieren geworden. Interview mit Angela Lagen von der Firma Barefoot.
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Barnboox: Gelten die Vorteile Ihres Sattels auch gegenüber einem Maßsattel?

Langen: Ja, denn auch eine Maßanfertigung enthält einen starren Baum, der die notwendige Flexibilität, die die Bewegungen des Pferderückens nun mal fordert, nicht erreichen kann. Natürlich aber ist eine Maßanfertigung, die dem Pferd zumindest im Stand einigermaßen passt, um ein vielfaches besser als ein Sattel von der Stange oder gar von ebay. Dieser Vorteil geht aber auch einher mit enormen Kosten. Eine Maßanfertigung fängt oft erst bei 3.000 Euro an. Die große Mehrheit des Reitervolkes kann sich eine solche Anschaffung nicht leisten. Unser Ziel ist es daher, ein pferdegerechtes Sattelsystem anzubieten, auch für den kleinen Geldbeutel, welches gleichermaßen Bedarf und Bedürfnis von Pferd und Reitern gerecht wird.

Barnboox: Passt der Barefoot tatsächlich auf jedes Pferd bzw. Reiter-/Pferd- Kombi?

Langen: Aufgrund der Flexibiltät passt er auf nahezu jeden Pferderücken. Die Einschränkung führe ich gerne an, weil wir doch das ein oder andere Mal Pferde vorgestellt bekommen, deren körperliche Konstitution das Reiten eigentlich verbietet. Sicher gibt es auch bei uns Modelle, die sich für einen bestimmten Pferdetyp aufgrund des Aufbaus besser eignen als andere. So eignet sich, z.B.  ein Sattel mit einem langen Sattelblatt besonders gut für jedes sehr runde Pferd mit kaum erkennbarem Widerrist, da ein langes Blatt ein rundes Pferdes besser umschließt und dadurch dem Sattel einen hervorragenden Halt bietet.

Barnboox: Wie kommen Reiter mit dem Sitzgefühl klar?

Langen: Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. So findet sich der eine Reiter sehr schnell in das neue Sitzgefühl ein, der andere braucht ein wenig länger. Dies hängt vor allem damit zusammen, wie sattelunabhängig der Sitz des Reiters ist. Ein Reiter, der viel ohne Sattel reitet, wird kaum Anlaufschwierigkeiten haben. Ein Reiter dagegen, der vorher in einem extra-tiefen Dressursattel mit extra-großen Pauschen saß, regelrecht „festgehalten“ wurde, wird den Kontakt zwischen Pferd und Reiter neu spüren lernen. Durch das Fehlen des Baumes sitzt man wesentlich dichter am Pferd und spürt dessen Bewegungen intensiver.

Barnboox: Wofür ist der Barefoot nicht geeignet?

Langen: Wir empfehlen den Barefoot nicht für den reinen Springreiter. Gerade bei einem schweren Reiter, der regelmäßig über höhere Sprünge setzt, ist die Belastung auf die Steigbügelaufhängung recht hoch, die ja nicht in einem Baum verschraubt ist. Wir haben ein sehr gutes Druckverteilungssystem in den Sattel eingebaut, dieses funktioniert bei extremen Belastungen, wie z.B. dem Springen, nicht mehr optimal. Ähnlich verhält es sich bei Wanderrittten mit sehr schwerem Gepäck, welches im ungünstigsten Fall noch ungleichmäßig befestigt ist. Davon sollte aber jeder Pferdefreund absehen. Kleine Gymnastizierungssprünge, die zur Gesunderhaltung des Pferderückens dienen sowie Wanderritte mit angemessenem Gepäck sind hingegen kein Problem.

Barnboox: Wie wird der Druck des Reitergewichts verteilt?

Langen: Im Sattel befinden sich sogenannte „pressure Pads“. Kurz umrissen, das sind Polsterungen stark druckabsorbierenden Materials, die die Verteilung des Reitergewichtes übernehmen. Zudem sorgen sie aufgrund ihrer Anordnung durch eine jederzeit gewährleistete Wirbelsäulenfreiheit sowie einen A-förmigen Sitz des Reiters. Häufig kritisieren Kunden, dass man in No-name Baumlossätteln sehr breit und schwammig sitzen würde, ähnlich wie in einem einfachen Reitkissen. Dies wird durch den flachen Aufbau und den fehlenden anatomischen Schnitt dieser Nachbauten verursacht.

Barnboox: Ist das Zubehör wirklich notwendig?

Langen: Ja, die druckabsorbierende Sattelunterlage ist nach wie vor notwendig. Sie optimiert und ergänzt die Druckabsorbierung und Gewichtsverteilung der erläuterten Pressure Pads. Gerade Reiter, die viel, gern, lang und häufig im Sattel sitzen und im Bügel stehen, sollten nicht an der Sattelunterlage sparen. Darüberhinaus empfehlen wir unseren Kunden Steigbügelriemen zu verwenden, deren Verschnallung am Fuß des Reiters liegt. Somit vermeiden wir Druckpunkte am Oberschenkel des Reiters.

Barnboox: Vielen Dank für das Gespräch!


Quelle:

Regina Käsmayr

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