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Gesundheit :: Vorsorge

Wurminfektion beim Pferd: Endoparasiten-Arten

Eine Wurmkur macht nur dann Sinn, wenn Sie genau wissen, gegen wen Sie damit ankämpfen. Denn Pferde sind beliebte Wirte vieler verschiedener Würmer, die sich in der Art der Fortpflanzung und der befallenen Organe teils stark unterscheiden. Diese Übersicht zeigt Ihnen, wer Ihre Feinde sind und mit welchen Mitteln Sie sie loswerden.
Grenzen Sie ihre Suche auf dem Gebiet Vorsorge ein. Mit einem Suchbegriff liefert unsere Datenbank Fachbeiträge zu diesem Thema an.

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Ur-Pferde durchwanderten einst riesige Gebiete auf der Suche nach neuen Weidegründen – war eine Fläche abgegrast, zogen sie einfach weiter. Eine sinnvolle Einrichtung der Natur, damit sich die Tiere beim Fressen nicht mit ihren eigenen Würmern infizierten.
Seit der Domestizierung des Pferdes, leben unsere Vierbeiner jedoch ständig auf denselben Flächen, sodass es durch gefährliche Magen-Darm-Parasiten zu erheblichen Problemen kommen kann. Hier eine Übersicht über die unterschiedlichen Wurmarten.

Kleine Strongyliden (Strongylinae/Cyathostominae)

Diese 4 – 26 mm langen weißen Würmer gehören zu den Rundwürmern und kommen sehr häufig beim Pferd vor. Es gibt etwa 50 verschieden Arten. Die Wurmlarven werden vom Pferd mit dem Futter aufgenommen und nisten sich im Darminneren ein, um dort zu reifen. Während ihrer Entwicklungszeit ernähren sich die kleinen Strongyliden von der Darmschleimhaut des Pferdes, der sie dadurch großen Schaden zufügen können. Die Larven verkapseln sich während der Wintermonate, wodurch ihre Wachstumsphase unterbrochen wird.

Bei steigenden Temperaturen im Frühjahr kann es zu einer Massenauswanderung kommen, bei der große Mengen schädlicher Abfallstoffe freigesetzt werden: Durchfall, Koliken, Entzündungen, Gewichtsverlust, struppiges Fell und Wasseransammlung in Unterbauch und Beinen können die schwerwiegenden Folgen für das befallene Tier sein. Besonders gefährdet sind junge Pferde im Alter von zwei bis fünf Jahren. Mit Hilfe einer Kotuntersuchung können die Wurmeier nachgewiesen werden; die Larven während der eingekapselten Phase im Darm jedoch nicht.

Vorsicht geboten ist bei der Verwendung des Wirkstoffs Benzimidazole, da es hier bereits vermehrt zu Resistenzen gekommen ist.

Große Strongyliden (Strongylus vulgaris, St. equinus, St. edentatus)

Unter den großen Strongyliden zählt der Blutwurm (St. vulgaris) zu den gefährlichsten Parasiten, der im Volksmund auch „Horse Killer“ genannt wird. Hierbei handelt es sich um 1,7 bis 2,5 cm lange, rotbraune Rundwürmer. Ausgewachsene Würmer nisten sich in Blind- und Dickdarm ein, die Larven in den Gefäßwänden der Darmarterien. Bei ihrer Wanderung durch den Körper verursachen Strongylidenlarven oft große Schäden, da sie Blutungen im Darm (Blutgerinnsel/ Blutarmut) und Verletzungen der Arterien auslösen können. Es kommt sogar vor, dass sie bis zu den Arterien der Hintergliedmaßen wandern, was zu Lahmheit führen kann. Betroffene Pferde leiden unter schweren Koliken, Appetitlosigkeit, Fieber und struppigem Haarkleid. Insbesondere bei Fohlen kann starker Befall zu Entwicklungsstörungen führen.

Aus den Eiern entwickeln sich in etwa 5 – 8 Tagen infektiöse Larven; diese wandern aus dem Kot ab und werden später vom Pferd mit dem Futter aufgenommen. Auch die Larven des Blutwurms lieben Feuchtigkeit und überleben längere Zeit ohne Wirt, selbst Frost schadet ihnen nicht. Während der Phase der Eiablage kann ein Befall mit Hilfe einer Kotuntersuchung nachgewiesen werden, die Larven während ihrer Wanderung jedoch nicht.

Spulwurm (Parascaris Equorum)

Spulwürmer sind etwa 15 – 50 cm lange, bleistiftdicke Würmer. Die Eier werden vom Pferd mit dem Futter aufgenommen, daraus entwickeln sich Larven, die dann über Blut- und Lymphbahnen durch die Leber bis in die Lunge gelangen. Später wandern diese durch die Bronchien in den Rachen, werden geschluckt und nisten sich im Dünndarm ein. In etwa 10 Wochen entwickeln sich die Larven zu geschlechtsreifen Würmern und produzieren wiederum Eier, die mit dem Kot ausgeschieden werden. Befallene Pferde leiden unter chronischen Darmentzündungen und Durchfall (Darmverschluss), Kolik, Lungenentzündung, Appetitmangel und struppigem Fell. Mitunter wandern die Larven auch in andere Organe oder sogar bis ins Gehirn, wo sie zentralnervöse Störungen verursachen können.

Besonders häufig kommt Spulwurmbefall bei Fohlen und Jungtieren vor, die dadurch Lungenschäden erleiden können. Die Eier ausgewachsener Spulwürmer lassen sich zum Zeitpunkt der Eiausscheidung mittels Kotuntersuchung nachweisen, vorher jedoch nicht. Die Eier sind sehr widerstandsfähig, ausgeschiedene Spulwürmer können auch im Kot erkannt werden.

Pfriemenschwanz (Oxyuris Equi)

Die Pfriemenschwänze sind 0,9 – 18 cm lange Rundwürmer, nisten in Blind- und Dickdarm und ernähren sich von Schleimhautwänden. Nach einer Entwicklungszeit von etwa 4 – 5 Monaten wandern die geschlechtsreifen Weibchen in die Analgegend des befallenen Pferdes aus um dort mehrere tausend Eier abzulegen (weiß-gelbe, klebrige Schnüre). Diese Eischnüre verursachen beim Pferd großen Juckreiz, so dass es sich häufig scheuert. Nach etwa sieben Tagen entwickeln sich aus den Eiern infektiöse Larven, die später vom Pferd wieder aufgenommen werden.

Befall mit Pfriemenschwanz verursacht Schleimhautentzündungen, Appetitlosigkeit und Kolik. Oft ist die Schweifrübe kahl gescheuert (Rattenschwanz), und die Pferde zeigen große Unruhe; vielfach sind Tiere betroffen die überwiegend im Stall gehalten werden. Die Eischnüre sind mit bloßem Auge zu erkennen und sollten gründlich mit Seifenwasser entfernt werden. Im Kot sind die Eier kaum nachweisbar, ratsam ist daher ein Analabstrich, der vom Tierarzt mikroskopisch untersucht wird.

Zwergfadenwurm (Strongyloides westeri)

Zwergfadenwürmer sind 8 – 9 mm lang und vermehren sich auch ohne Wirt. Gefährdet sind besonders Saugfohlen, die sich über die Muttermilch infizieren. Zwergfadenwürmer können sich auch durch die Haut des Fohlens bohren. Befallene Fohlen leiden unter Darmschleimhautentzündungen, Durchfall, Lungenblutungen, Mattigkeit und Wachstumsstörungen. In Absprache mit dem Tierarzt sollten hochtragende Stuten vorbeugend mit einem geeigneten Präparat behandelt werden. Um Zwergfadenwurmeier im Kot nachzuweisen, sollte dieser nicht älter als 12 Stunden sein.

Lungenwurm (Dictyocaulus Arnfieldi)

Der Lungenwurm ist etwa 2,5 – 7 cm lang und für Pferde sehr gefährlich: Die Larven wandern durch die Blutbahnen in Lunge und Bronchien. Lungenentzündungen, Fressunlust, Husten, Atemnot und virale Infektionen sind die Folge. Als Hauptüberträger gelten Esel, denen der Befall mit Lungenwürmern meist weniger ausmacht als Pferden. Bei gemeinsamer Haltung von Eseln und Pferden ist es ratsam, alle Tiere auf Lungewurmbefall zu untersuchen. Kontaminierte Weiden sollten für mindestens drei Monate gesperrt werden. Lungenwurmeier können nur bedingt über eine Kotprobe nachgewiesen werden, da sie im Pferd meist nicht geschlechtsreif werden und es daher nicht zur Eiablage kommt. Im Pferd kann der Lungenwurm etwa ein Jahr lang überleben, im Esel sogar mehrere Jahre.

Bandwurm (Anoplocephala Perfoliata)

Unter den Pferdeparasiten zählt der 3 – 8 cm lange, weißliche Plattwurm zu einer eigenen Kategorie. Der Bandwurm parasitiert an den Übergängen zwischen Dünn- und Blinddarm und führt zu Verstopfung, Kolik, Gewichtsverlust und Durchfall. Bei schwerem Befall drohen Darmentzündungen oder Darmrisse. Als Überträger gilt die Moosmilbe, die ausgeschiedene Eier aufnimmt und innerhalb von 2 – 4 Monaten ein infektiöses Stadium entwickelt. Die Milben werden vom Pferd mit dem Gras aufgenommen, im Körper reifen die Larven dann in etwa 6 – 8 Wochen zu ausgewachsenen Bandwürmern heran. Ansteckungsgefahr besteht besonders im Spätsommer und Herbst, weil die Moosmilbe dann sehr verbreitet ist. Abgegangene Bandwürmer oder deren Segmente sind oft auch im Kot erkennbar. Bandwürmer werden im April/Mai und von September bis November mit Wirkstoffen behandelt die Parziquantel enthalten.

Magendassel (Gasterophilus Intestinalis)

Die rötlich-braunen Larven der Magendassel sind etwa 1,5 cm groß. Hierbei handelt es sich um die Larven der Dasselfliege, einer hummelähnlich aussehenden, 8 – 18 mm großen, braunen Fliege. Diese legt von Juni bis September ihre Eier an den Haaren der Pferde ab, bevorzugt an Vorderbeinen, Flanken und Schultern. Das klebrige Sekret veranlasst die Pferde zum Belecken der befallenen Stellen, wodurch die Eier in die Maulhöhle gelangen. Dort kann es zu Entzündungen, Schwellungen und Schluckbeschwerden kommen. Im Verlauf ihrer Entwicklung wandern die Larven in den Magen. Schleimhautentzündungen, Geschwüre, Koliken, Durchfall, Abmagerung, Blutarmut und Magendurchbruch können die Folgen sein. Bei Fohlen kann es zu Entwicklungsstörungen kommen, bei besonders schwerem Befall sogar zu Todesfällen.

Nach etwa 8 – 10 Monaten werden die Larven mit dem Kot ausgeschieden um sich im Freien zu verpuppen. Daraus schlüpfen nach weiteren ca. 3 – 4 Wochen Dasselfliegen, die wiederum mit der Eiablage fortfahren. Sicherer Hinweis auf einen Befall sind die gut erkennbaren, gelben Eier im Fell eines Pferdes. Diese sollten sofort sorgfältig entfernt und vernichtet werden. Bekämpfungszeitraum gegen Magendassel-Larven ist von November bis Dezember, mit den Wirkstoffen Ivermectin und Moxidectin.


Quelle:

Meike Bölts