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Gesundheit :: Vorsorge

Stoffwechselstörungen beim Pferd: Nieren Probleme erkennen und behandeln

Mauke muss nicht unbedingt vom Matsch herrühren. Hufrehe kommt nicht immer von einem Fructan-Überschuss. Selbst Pilzerkrankungen und das „Auffresen“ von Salzlecksteinen können stattdessen mit einem Nierenproblem zu tun haben. Dr. Christina Fritz über die ersten Anzeichen einer Stoffwechsel-Überbelastung – und die Bekämpfung des Problems.
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Richtet man sich nicht nach den Leber- und Nierenwerten im Blutbild, sondern nach „Frühmarkern“ für Leber- und Nierenschwäche, so stellt man fest, dass weit mehr Pferde Stoffwechselprobleme haben, als man auf den ersten Blick denkt. Werden diese Pferde rechtzeitig richtig unterstützt, so kann man beobachten, wie diese Symptome relativ schnell verschwinden bzw. schwächer werden.

Zu den therapeutischen Maßnahmen gehören allen voran die Futterumstellung weg von den großen zucker-, fett- und eiweißreichen Kraftfutterrationen hin zu reichlich Heu mit hohem Raufasergehalt und niedrigem Energiewert sowie kleinen Kraftfutterportionen mit pferdegerechten Inhaltsstoffen. Darüber hinaus sollten diese Pferde mit entsprechenden Kräutern, homöopathischen oder spagyrischen Mitteln oder Schüsslersalzen unterstützt werden, um den Körper in die Lage zu versetzen, zurück in seine natürliche Regulationsfähigkeit zu finden.

Ist die Leber überlastet, so treten zeitverzögert meist Probleme mit den Nieren auf, da zu viele Giftstoffe im Blut zirkulieren, die nicht ausgeschieden werden können. Nieren-Probleme können jedoch auch einer Leber-Problematik vorausgehen, z.B. wenn die Nieren durch Medikamentengabe (z.B. Sedierung, Cortison) überlastet wurden oder auskühlen, beispielsweise bei kaltem, nassem Wetter. Auch hier zirkulieren vermehrt Abfallstoffe im Blut, weil die Leber diese zwar umwandeln, die Niere sie aber nicht mehr ausreichend ausscheiden kann.

Toxine sammeln sich bei Stress im Bindegewebe an

Häufig versucht der Körper darauf zu reagieren, indem er solche Toxine im Bindegewebe einlagert, um sie später zu entsorgen. Dies funktioniert so lange, wie der Körper zwischendurch Phasen hat, in denen er wieder in sein Gleichgewicht kommen kann, beispielsweise durch längere Weideperioden ohne erhöhte Toxin- und Stressbelastung. Kommen diese Ruhephasen nicht, so sammeln sich mit der Zeit immer mehr Toxine im Bindegewebe an.

Die Folge ist das Einlagern von Flüssigkeit („Wasser“) im Bindegewebe, um diese Toxine zu verdünnen. Die Pferde wirken dann aufgeschwemmt, oft „fett“ mit dickem Mähnenkamm, Polstern an den Flanken und der Neigung zu angelaufenen Beinen. Spätestens ab diesem Zeitpunkt ist die Niere nicht mehr in der Lage, den Wasserhaushalt sowie den Säure-Basen-Haushalt im Körper ausreichend zu regulieren. Eine schleichende, chronische Nieren-Insuffizienz ist oft die Folge.

 

„Frühmarker“ für Nieren-Probleme

  • Stumpfes Fell, vor allem wenn das Haar am Ende „Häkchen“ macht
  • Schlechter oder verlangsamter Fellwechsel, schlechtes Winterfell
  • Hautprobleme wie
    • Ekzeme, Sommerekzem
    • Mauke, Raspe
    • Neigung zu Phlegmone
    • Nesselfieber („Pickel“ oder Flecke, die den Körper überziehen und oft ein bernsteinfarbenes Sekret absondern)
    • Überempfindlichkeit gegen Insektenstiche, Waschmittel etc.
    • Genereller Juckreiz
    • Warzen und Sarkoide
    • Neigung zu Pilzen, Haarlingen und andere Ektoparasiten
    • Generelle Überempfindlichkeit der Haut
  • Hufrehe
  • Hufabszesse, Strahlfäule
  • Ödeme, z.B.
    • Aufwölbungen am Rücken, links und rechts der Wirbelsäule, hinter der Sattellage, oberhalb der Nieren
    • Angelaufene Beine, „Ruhetagsphlegmone“
    • schwammige Sprung- oder Karpalgelenke
    • angelaufener, fester Halskamm
    • Ödem-Polster an den Flanken, oft mit Fettpolstern verwechselt
  • Allergien
  • Schlechte Wundheilung
  • Untypisches Schwitzverhalten, also zu starkes oder zu schwaches Schwitzen, Hyperventilation durch mangelndes Schwitzen
  • Erhebliches oder zu schwaches Saufen, zu viel oder zu wenig Urin
  • „Fressen“ von Salz- oder Minerallecksteinen

Ist die Niere erstmal in ihrer Funktion geschwächt (insuffizient), so kann sie sich – im Gegensatz zur Leber – nicht mehr regenerieren. Man kann dann nur darauf achten, durch richtig eingestellte Fütterung und regelmäßige homöopathische oder pflanzliche Nierenpflege das noch arbeitende Gewebe zu erhalten.

Beachtet man diese Früh-Symptome von Leber und Niere nicht, so können sich die Stoffwechselprobleme in Krankheiten manifestieren. Zu den Krankheiten, bei denen der Stoffwechsel und die Fütterung als mögliche Ursachen diskutiert werden, gehören neben den nahe liegenden Magen-Darm Erkrankungen wie Kotwasser, Durchfall, Magengeschwüre, Koliken etc. auch:

  • Equines Cushing-Syndrom (ECS)
  • Equines Metabolisches Syndrom (EMS)
  • Insulinresistenz („Diabetes“, häufig in Zusammenhang mit Cushing oder EMS)
  • Polysaccharid-Speicher Myopathie (PSSM)
  • Kreuzverschlag
  • Hufrehe (Laminitis) des Pferdes
  • Sommerekzem
  • Mauke / Raspe
  • Osteochondrosis dissecans (OCD, Chips, Gelenkmäuse), Strahlbein- und Gleichbein-Erkrankungen sowie Wobbler-Syndrom, Arthrosen und Knochenzysten bei jungen Pferden

Um solche schweren und zum Teil nicht mehr therapierbaren Krankheiten zu vermeiden, sollte frühzeitig auf Symptome von Leber- und Nierenüberlastung geachtet werden. Insbesondere während des Fellwechsels sind Leber und Nieren bei Pferden stark belastet. Gerade in diesen Zeiten findet meist zusätzlich die Futterumstellung von Heu auf Weide bzw. von Weide auf Heu, sowie die regelmäßigen Wurmkuren und Impfungen statt. Eine Unterstützung der Nieren in solchen Phasen vermehrter Belastung ist unbedingt angeraten, um sein Pferd lange gesund zu erhalten.

Therapeutische Maßnahmen zur Unterstützung der Nieren:

  • Pflanzlich: Brennessel, Birkenblätter, Ackerschachtelhalm, Goldrute, Lindenblüten und Mischungen aus Pflanzen, die in der Volksheilkunde zur „Entschlackung“ eingesetzt werden (z.B. Entschlackungskräuter von www.okapi-online.de oder Renalind Kräuter von www.pernaturam.de)
  • Homöopatisch beispielsweise mit Solidago, Berberis oder Natrium muriaticum oder dem Komplexmittel Solidago comp. von Heel. Diese Mittel bekommt man in jeder Apotheke. Vor der Gabe bitte immer Rücksprache mit einem kompetenten Tierarzt oder Tierheilpraktiker halten.
  • Bei Unterkühlung der Nieren haben sich Nierendecken mit Infrarot-reflektierenden Keramikfasern bewährt, die im Winter und in nasskalten Wetterperioden aufgelegt werden sollten (von www.backontrack.com/de oder www.cetus-gmbh.com). Außerdem sollte auf die Verwendung von Regen- oder Thermodecken bei entsprechendem Wetter in Offenstallhaltung geachtet werden, denn die Pferde behalten auch nach Jahren noch eine Empfindlichkeit der Nieren auf nasskaltes Wetter zurück. Häufig ist die Unterbringung über Nacht in einer Box sinnvoll, damit die Pferde in Ruhe abtrocknen und sich aufwärmen können.
  • Basenwickel für die Hufe können als Akuthilfe zur Entsäuerung eingesetzt werden, insbesondere wenn das Risiko für eine Hufrehe besteht. Ebenso die Gabe von Zeolith (z.B. Prodic von www.okapi-online.de) zur schnellen pH-Stabilisierung des Darmmileus.

Quelle:

Dr. Christina Fritz / Sanoanimal UG