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Gesundheit :: Vorsorge

Pferde-Blutbild: Was sagen uns Leukozyten, Hämoglobin, Erythrozyten & Co.

Ein Blutbild kann helfen bestimmten Krankheiten auf die Spur zu kommen. Das große oder kleine Blutbild gibt dem Tierarzt Aufschluss über die Komponenten im Blut, z.B. die Werte von Leukozyten (weiße Blutkörperchen) oder Erythozyten (rote Blutkörperchen) und verschiedener Kombinationen. Es ist auch sinnvoll, wenn ein Pferd unspezifische Symptome zeigt, die keiner eindeutigen Erkrankung zuzuordnen sind, aber ersetzt keine gründliche medizinische Untersuchung des Tierarztes.
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Blutabnahme beim PferdEin ausgewachsenes Pferd verfügt über etwa 50 Liter Blut. Das Blutgefäßsystem ist zuständig für die Versorgung des Organismus mit Sauer- und Nährstoff und dient dem Abtransport von Stoffwechselschlacken. Viele Krankheiten können mit Hilfe einer Blutuntersuchung frühzeitig erkannt werden. Um wichtige Informationen über den Gesundheitszustand eines Pferdes zu erhalten, wird häufig ein kleines Blutbild erstellt, bei dem die weißen und roten Blutkörperchen, sowie die Blutplättchen untersucht werden.

Die Ergebnisse geben die Labors in teilweise unterschiedlichen Einheiten an. Wir orientieren uns hier an den gebräuchlichsten Einheiten, wie sie unter anderem von der Universität Leipzig verwendet werden. Falls Sie auf Ihrem Blutbild andere Einheiten vorfinden, können Sie diese mit einem Onlinerechner umrechnen. Wo genau nun Gesundheit aufhört und Krankheit beginnt, zeigen die sogenannten Referenzwerte bzw. Referenzbereiche an. Werte, die sich innerhalb dieses Spielraumes bewegen, gelten als unbedenklich.

Folgende Werte werden beim kleinen Blutbild analysiert:

Leukozyten Die weißen Blutkörperchen geben Auskunft über den Gesamtzustand des Immunsystems (Referenzbereich 5 – 10 G/l).  Eine Erhöhung der Werte deutet auf Entzündungen oder bakterielle Infektionen. Niedrigere Werte auf Virusinfektionen, Strahlenschäden oder Vergiftungen, die beispielsweise durch Giftpflanzen oder verdorbenes Heu verursacht werden können.

Erythrozyten Die roten Blutkörperchen sind wichtig für die Kohlendioxid- und Sauerstoffversorgung (Referenzbereich 6 – 13 T/l). Ein niedrigerer Wert kann ein Hinweis auf Anämie (Blutarmut) sein und ist häufig die Folge von Blutverlust, Blutungen im Magen-Darm-Bereich oder Eisenmangel; ebenso deutet er auf Hydrämie, hervorgerufen durch übermäßige Wasserzufuhr oder -zurückhaltung (oft bei Herzschwäche oder Nierenproblemen). Erhöhte Erythrozyten-Werte deuten auf Polyglobulie (= schlechte Fließeigenschaften des Blutes). Verschiedene Ursachen wie Sauerstoffmangel, Herzerkrankungen oder Tumore sind möglich.

Hämoglobin Ist der rote Blutfarbstoff und ein Bestandteil der Erythrozyten (Referenzbereich 7 – 12 mmol/l). Abweichungen des Wertes deuten auf Anämie, Hydrämie und Polyglobulie.

Hämatokrit Dieser Wert zeigt die Zähigkeit des Blutes an, sowie die Anteile der zellulären Bestandteile im Blut (Referenzbereich 0,32 – 0,48 l/l). Hohe Hämatokritwerte liegen bei starkem Durchfall oder hohen Flüssigkeitsverlusten vor.

MCV Dieser Wert gibt das Volumen der Erythrozyten an (Referenzbereich 37 – 58 fl). Erhöhte Werte sind ein Hinweis auf vergrößerte Blutkörperchen, etwa bei Leberproblemen oder Mangelernährung (insbesondere Vitamin B 12 und Folsäure). Zu niedrige MCV Werte werden häufig beobachtet bei Eisen-, Kupfer- oder Vitamin B6- Mangel.

MCH Mit diesem Wert wird der Hämoglobingehalt eines roten Blutkörperchens angezeigt. (Referenzbereich 0,8-1,2 fmol). Abweichungen deuten auf Hypochromasie, die Erythrozyten haben dann zu wenig roten Blutfarbstoff (Hämoglobin).

MCHC Mit diesem Wert wird der mittlere zelluläre Hämoglobingehalt definiert, er sollte im Bereich von 19-24 mmol/l liegen.

Thrombozyten Dies sind Blutplättchen, die an der Blutgerinnung beteiligt sind.  Bei Verletzungen lagern sie sich am umliegenden Gewebe ab, um ein Verbluten des Pferdes zu verhindern (Referenzwerte 100 – 600 G/l). Geringere Werte können ein Hinweis auf verstärkte Blutungsneigung sein.

Das große Blutbild

Die Erstellung eines großen Blutbilds (Differentialblutbild) ist ratsam bei unspezifischen Symptomen wie Konditionsmangel, Konzentrationsproblemen, Fressunlust, Lahmheit oder chronischen Krankheiten. Neben oben genannten Werten, werden weitere Parameter analysiert und die einzelnen Bestandteile der Blutkörperchen genauer untersucht. So können auch Defizite im Mineralstoffhaushalt entdeckt werden. Gibt es im Blutbild zu viele Lymphozyten, ist dies oft ein Hinweis auf einen viralen Infekt. Auch eine Erhöhung des Gesamteiweißgehaltes deutet auf chronische Infektionen; ein niedriger Wert hingegen, findet sich oft bei Unterernährung, Dermatitis oder hohen Blutverlusten. Eine Vermehrung der Basophilen Granulozyten ist häufig bei Darmerkrankungen und Kolik zu beobachten. Der Anstieg der Eosinophilen Granulozyten kann seine Ursache in starkem Wurmbefall oder chronischen Erkrankungen (Allergie/Sommerekzem) haben. Bei vielen Pferden mit Hautproblemen liegt ein Zink- und Kupfermangel vor. Zu hohe Kupferwerte findet man bei Gelenkerkrankungen.

Abweichende Magnesium- und Natriumergebnisse haben ihre Ursache oft in einer Unterfunktion der Niere. Geringe Natriumwerte deuten auf hohe Wasserverluste, die beispielsweise nach starkem Schwitzen vorkommen. Veränderte Kaliumergebnisse hingegen findet man bei Diarrhoe, Übersäuerung, Harnvergiftung oder zu hohem pH-Wert. Sehr häufig sind auch Leberprobleme, verursacht durch falsche Ernährung (Hufrehe), Parasitenbefall oder übermäßigen Stress. Ein Hinweis darauf sind abweichende Werte bei bei Bilirubin, Gamma – GT, AST/GOT (Enzyme, die überwiegend in Leber, Herz und Muskeln vorkommen).

Ein erhöhter GLDH-(Glutamatdehydrogenase) Wert im Blut zeigt einen schweren Leberschaden an, wie er beispielsweise nach Vergiftungen entsteht. Sehr hohe Harnstoffwerte findet man nach Schock, Dehydration oder zu proteinreichem Futter. Ermüdung, Krämpfe, Schluck- oder Atembeschwerden und Muskelschwund können Symptome einer Muskelerkrankung sein. Angezeigt wird diese durch abweichende Werte der Enzyme CK – NAC (Creatin-Kinase) und AST/GOT. Ebenfalls auf Erkrankungen der Muskelzellen deutet ein Selen- und Vitamin E-Mangel, häufig verursacht durch falsche Ernährung. Ein zu hoher Selenwert wird oft nach Vergiftungen diagnostiziert.

Alle Parameter eines Blutbildes sollten aber immer im Zusammenhang betrachtet werden, da ein einzeln stehender Wert wenig aussagekräftig ist. Es ist daher ratsam, sich die Bedeutung des großen Blutbildes vom behandelnden Tierarzt erklären zu lassen. Insbesondere bei der Blutabnahme sollte berücksichtigt werden, dass Stress, Aufregung, körperliche Höchstleistungen, Medikamente, Futter oder rassespezifische Eigenheiten die Ergebnisse der Analyse beeinflussen können.


Quelle:

Meike Bölts
Bild: Fotolia #8203178

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