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Gesundheit :: Krankheiten

Sommerekzem beim Pferd vorbeugen und behandeln

Das Sommerekzem plagt manche Pferde so sehr, dass sie sich blutig scheuern. Wer so einen Patienten besitzt, ist oft selber am Verzweifeln. Denn es gibt kein Allheilmittel für diese Krankheit. Wohl aber Möglichkeiten, dem Ekzem das Leben schwer zu machen.
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Auslöser für das Sommerekzem ist die ein bis drei Millimeter kleine Mückenspezies Culicoides, auch als Gnitze, Kriebelmücke, Stech- oder Sandmücke bekannt. Wie alle Mücken sondert sie beim Stechen etwas Speichel ab, um zu verhindern, dass das Blut des Pferdes an der Einstichstelle gerinnt – sonst würde das Insekt nämlich stecken bleiben. Bestimmte Pferde entwickeln nach dem ersten Stich eine Allergie auf die Mücken-Spucke. Das Scheuern der betroffenen Stellen verursacht Hautirritationen und Entzündungen.

Am häufigsten sind Isländer betroffen, aber auch Friesen, Araber, Haflinger und Vollblüter. Wer nun denkt, das Problem mit dem Kauf einer anderen Rasse zu umgehen, hat leider Pech: Eine Sommerekzem-freie Rasse gibt es nicht. Allenfalls Sommerekzem-freie Zuchtlinien. Da die Krankheit dominant vererbt wird, kann man von einem gesunden Pferd ausgehen wenn die Eltern, Großeltern und sämtliche Vollgeschwister bis in die zweite Generation zurück Ekzem-frei sind. Das gilt aber nur als Faustregel, da die Vererbung der Krankheit nach neuesten Erkenntnissen ziemlich kompliziert vonstattengeht.

Die Arbeitsgruppe Immunologie an der Tierärztlichen Hochschule Hannover hat in den letzten Jahren zahlreiche Studien zum Sommerekzem betrieben. Im Dezember 2005 untersuchte sie 490 Islandpferde in Deutschland und fand heraus, dass fast 30 Prozent der Tiere an der Krankheit litten. 70 Prozent der Ekzemer waren aus Island importiert. Weshalb gerade die Importpferde so häufig betroffen sind, ist noch unklar. Die Fachtierärztin für Pferde, Dr. Anke Rüsbüldt, vermutet in ihrem Buch Das Sommerekzem: „Die krasse Ernährungsumstellung, ein Versagen des Säure-Basen-Haushaltes, Schwierigkeiten durch die Klimaumstellung oder nutzungsbedingt veränderte Stoffwechselsituationen sind denkbare Möglichkeiten“.

Auf die richtige Fütterung achten

Eine Eiweißüberversorgung durch große Kraftfuttermengen oder fette Weiden erhöht die Anfälligkeit für allergische Reaktionen. Damit erklärt sich auch, weshalb karge Weiden an der Küste oder in den Bergen Ekzemern besser bekommen als Binnenland-Koppeln. Allergiker haben andere Ansprüche an Futtermittel. Besonders wichtig ist daher laut Dr. Anke Rüsbüldt die Kontrolle der Calcium-Versorgung, des Calcium-Phosphor-Verhältnis und die Gehalte an Kupfer, Zink und Selen sowie das Verhältnis dieser Spurenelemente untereinander. Um an die entsprechenden Werte zu kommen, empfiehlt Dr. Rüsbüldt das Erstellen eines Blutbildes durch den Tierarzt. Linderung verschaffen kann auch die Gabe von speziellen Futterzusätzen. Einige Kombinationspräparate – bestehend aus Kräutermedizin zur oralen Aufnahme, Pflegelotion, Shampoo und Mückenspray – haben sich hier bewährt. Bewährt haben sich außerdem verschiedene Behandlungen wie zum Beispiel Eigenbluttherapie, Homöopathie je nach Schwere der Erkrankung

Ekzemer-Decken helfen am einfachsten

Einfach und hilfreich sind spezielle Ekzemer-Decken. Wichtig dabei ist, sie bereit im Vorfeld aufzuziehen, also das Sommerekzem nicht erst ausbrechen zu lassen. Die Decke sollte einmal aus robusten und pflegeleichten Material, aber andererseits dabei auch leicht, luftig und atmungsaktiv sein. Achten sollte man auf eine optimale Passform und eine gute Anpassungsfähigkeit auf unterschiedliche Pferde. Ein guter Händler wird dazu eine gute Beratung anbieten. Auch wenn die Pferde meist das An- und Ausziehen etwas „umständlich“ finden, sind Ekzemer-Decken doch der wirksamste Schutz gegen Kriebelmücken.

Weide- und Stall-Management sollte nicht fehlen

So ziehen ungepflegte, feuchte Koppeln besonders viele Mücken an und verschlimmern das Krankheitsbild. Auch verklebte Satteldecken und dreckiges Putzzeug belasten die empfindliche Haut eines Ekzemers. Ekzem-Pferde sollten möglichst dann auf die Koppel, wenn die Kriebelmücken nicht oder wenig aktiv sind. Gnitzen sind von Mai bis Oktober besonders bei schwülwarmen Wetter unterwegs, in den Stunden vor und nach der Dämmerung. Als sicherste Zeit gilt zehn bis 13 Uhr und immer dann wenn es regnet. Um möglichst wenige der Plagegeister in den Stall zu locken, sollte dieser dunkel, kühl und sauber gehalten werden. Zusätzlich können Insekten-Fallen aufgestellt oder ein Mückenschutz-Vorhang am Eingang angebracht werden.

Um betroffenen Pferden eine ungefährliche Möglichkeit zum Scheuern zu geben, schlägt Dr. Rüsbüldt vor, Bürsten und Besenköpfe an die Stallwand zu montieren sowie glatte Holzpfosten und „Bürstengalgen“ aufzustellen, deren Befestigung natürlich sehr stabil sein muss. Optimal wäre außerdem ein gepflegter Sandplatz zum Wälzen.

Hausmittel, die in Einzelfällen helfen können:

  • betroffene Stellen mit Mellkfett, Penatencreme oder Ringelblumensalbe eincremen
  • den Juckreiz mit einer Mixtur Wasser : Essig = 9 : 1 lindern
  • Neoballistol-Öl aus der Apotheke heilt und lindert den Juckreiz
  • Teebaumöl unverdünnt und später als Mischung mit Jojobaöl auftragen
  • Aloe-Vera-Produkte heilen und pflegen die Haut
  • Heilerde aus der Apotheke auftragen
  • Zink-Salbe hilft bei Hautproblemen aller Art
  • Urin des Pferdes auffangen und mit einem Schwamm einmassieren
  • Arnika-Salbe beruhigt die Haut und beugt Entzündungen vor
  • Homöopathisch behandeln mit Cardiospermum D3, Calcium carbonicum Hahnemanni D12, Ledum D4 oder Staphisagria D6

Quelle:

Regina Käsmayr
Bild mit freundlicher Genehmigung von Pferdesporthaus Loesdau GmbH & Co. KG