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Gesundheit :: Krankheiten

Borreliose: Symptome erkennen und Krankheit behandeln

Wie ein Pony zehn Jahre lang therapiert und zum Gnadenbrotpferd erklärt wurde, weil niemand die Krankheit Borreliose erkannte.
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Im Jahr 1998 lernt die damals vierzehnjährige Sandra Seine in einem Ponyverleih das Connemarapony Luna kennen: dürr, mit struppigem Fell, die Hufe nicht gepflegt. Dank der guten Pflege des Mädchens baut die Stute ein wenig Muskulatur auf, bekommt Freude am Leben und entwickelt sich zu einem richtig hübschen Pony. Schließlich kauft Sandras Familie das Pferdchen und stellt es zusammen mit Shetlandpony Joe in einen Offenstall.

Die erste Zeit sind Sandra und Luna ausschließlich im Gelände unterwegs. „Irgendwann habe ich dann beschlossen, wir müssen auch Dressurreiten und Unterricht nehmen“, erzählt Sandra Seine. „Dadurch wurden Lunas Probleme offensichtlich. Meine Reitlehrerin stellte fest, dass Luna trotz regelmäßiger Arbeit ein steifes Gangbild behielt. Sie watschelte regelrecht.“ In einer Klinik werden die Sprunggelenke geröngt – ohne Befund. Auch eine Beugeprobe bringt keinen Befund. „Wir bekamen Schmerzmittel mit; aber die brachten letztlich auch keine Veränderung“, erinnert sich Sandra Seine an die Anfänge der „Untersuchungsodysee“.

Es folgen verschiedene Osteopathen und Tierheilpraktiker. „Sie haben Luna alle behandelt und verschiedenste Diagnosen gestellt. Mal war hier eine Blockade, mal da – geholfen hat nichts. Luna schwankte und watschelte nach wie vor.“ Auch verschiedene Reitlehrer versuchten, das Problem in den Griff zu bekommen. Sie verordnen diverse Hilfszügel. „Aber die machten alles noch schlimmer“, erinnert sich die Besitzerin. Luna stolpert weiter und stürzt mehrmals. „Nachdem ich mal wieder zusammen mit Luna gestürzt war und wir uns beide verletzt hatten, beschloss ich, Luna noch einmal in eine andere Klinik zu bringen“, erzählt Sandra Seine. Das Ergebnis: Das Knochengerüst sei völlig okay, die Ausfälle neurologischen Ursprungs. Das Pony sei nicht mehr reitbar. Auch eine Osteopathin rät dazu, das Pony in den Ruhestand zu schicken.

Mit zehn Jahren in die Rente

Doch das Rentnersein – mit gerade mal zehn Jahren – bekommt Luna gar nicht. Sie verliert rasant an Muskulatur, stolpert selbst auf der Wiese, bekommt die Beine nicht mehr richtig hoch und stürzt beim Freilaufen. Sandra Seine ist klar, dass es so nicht weiter gehen kann. 2003 hört sie von den Erfolgen Klaus Schöneichs und der durch ihn bekannt gewordenen „Schiefen-Therapie und Schiefenkorrektur“. Sie fährt mit Luna zu ihm ins „Zentrum für anatomisch richtiges Reiten“ ins niederrheinische Bedburg-Hau. Klaus Schöneich arbeitet mit dem Pony und stellt fest, dass Luna zwar Fortschritte macht, aber nicht in dem Maß wie erwartet. Das Pony darf kostenlos einen Monat länger bleiben. Wieder zu Hause geht es der Stute durch die regelmäßige, systematische Arbeit zwar besser, aber: „Es wäre echt gelogen, wenn ich gesagt hätte, dass es Luna gut geht. Sie stolperte weiterhin, stürzte auch hin und wieder und hatte halt ihre Aussetzer. Zudem war Luna hochgradig allergisch. Sie hustete und wirkte immer leicht kränklich.“

Mittlerweile erhält Sandra Seine auf ihrem zweiten Pony Marengo Reitunterricht bei Katja Glorik. Die angehende Trainerin C klassisch-barock ist ausgebildete Tierheilpraktikerin. „Es war wie ein Gedankenblitz“, erinnert sich Katja Glorik an ihre erste Begegnung mit Luna. „Ich dachte nur: Borreliose.“ Luna wird Blut abgenommen. Die Untersuchungsergebnisse sind eindeutig: Katja Glorik hat mit ihrer Vermutung Recht.

Übertragung durch Zecken

Borreliose wird bei Pferden, ebenso wie bei Menschen durch Zecken übertragen. Zwischen der Infektion, also der Übertragung der Borrelien durch die Zecke und den ersten Krankheitszeichen können Monate, ja auch Jahre vergehen. Borreliose ist eine multisystemische Infektion. Das heißt, im Verlauf der Erkrankung werden unterschiedliche Organe und Organsysteme befallen. Mögliche Krankheitssymptome reichen von Abmagerung bei gutem Appetit und Augenerkrankungen über Hautveränderungen und schlecht heilende Wunden bis hin zu Gelenks- und Muskelerkrankungen (umspringende Lahmheiten), sowie steifer, stolpernder Gang mit Bewegungsstörungen. Aber auch neurologische Symptome, die zu Nervosität und Schreckhaftigkeit führen, Verdauungsstörungen, die Bauchschmerzen, aber auch Koliken hervorrufen, Hufempfindlichkeit bis hin zur chronischen Huflederhautentzündung und Hufrehe, sowie erhöhte Allergiebereitschaft können durch Borreliose hervorgerufen werden.

Um die richtige Diagnose zu stellen, ist eine Bestimmung der Abwehrkräfte im Blut (Antikörper-Titer) notwendig. Ein erhöhter Titerwert bedeutet allerdings lediglich, dass der Körper sich mit der Infektion auseinandergesetzt hat. Das Pferd muss nicht mehr zwangsläufig aktuell infiziert sein. Deshalb sind weitere Tests, wie eine Hautstanzprobe oder eine Gelenkpunktion notwendig. Die Behandlung einer Borreliose ist langwierig und erfordert Konsequenz. Im Anfangsstadium oder in akuten Schüben bekommt das Pferd Antibiotika. Zusätzlich sollte alles gegeben werden, was das Immunsystem stärkt und möglichst alles vermieden, was das Immunsystem schwächt.

Immunsystem stabil halten

Luna erhält nun täglich ein Mineralfutter, welches für stoffwechseldesolate Pferde gedacht ist und zudem das Immunsystem stärkt. In Zeiten, in denen der Stoffwechsel besonders gefordert ist, zum Beispiel im Fellwechsel, erhält Luna eine homöopathische Spritzenkur (entwickelt von Tierärztin Tina Wassing). Sie erhält Borrelien und diverse homoöpatische Zusammensetzungen, die das Immunsystem anregen. Bei Pferden, die an Borreliose erkrankt sind, ist es besonders wichtig, das Immunsystem stabil zu halten, um so einen erneuten Borrelioseschub von vornherein zu verhindern.

Durch diese Behandlung geht es Luna deutlich besser. Sie hustet nicht mehr, das Fell glänzt, die Hufqualität ist deutlich besser geworden und der schwammige Gang nahezu verschwunden. Luna stolpert nur noch selten und ist insgesamt lebhafter geworden. Seit dem letzten Sommer galoppiert sie wieder über die Wiese, was sie sich in all den Jahren davor nicht mehr getraut hat. Nach zehn Jahren Ursachensuche geht es der Connemarastute wieder gut. „Ich hoffe sehr, dass Tierärzte in anderen Fällen die Möglichkeit einer Borrelioseerkrankung schneller in Erwägung ziehen. Ich hätte Luna viel Leid – und mir viel Geld – ersparen können. Luna wird von mir besonders verwöhnt und hat einen hohen Stellenwert in meinem Leben. Sie bekommt schon mal eine Extraportion Möhren und Äpfel “, gesteht Sandra Seine. „Ich habe das Gefühl wir Menschen haben bei ihr etwas gut zu machen.“


Quelle:

Petra Herrmann