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Gesundheit :: Erste Hilfe

Checkliste: Erste Hilfe für Pferde

Erste Hilfe kann bedeuten, dem erkrankten Pferd seine Lage zu erleichtern, bis fachmännische Hilfe eintrifft. Erste Hilfe kann heißen, in einer belastenden Situation das Richtige zu tun, weil man sich gedanklich auch mit unschönen Themen beschäftigt hat. Diese Checkliste soll Ihnen helfen in der Notsituation das richtige zu tun. Drucken Sie diesen Plan aus und hängen ihn in ihrem Stall auf. So sehen Sie im Notfall auf einen Blick, wie Sie vorgehen müssen.
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Drucken Sie diesen Plan aus und hängen ihn, ergänzt mit den wichtigsten Notfallnummern, in ihrem Stall auf!

KrankheitSympthomeUrsachenErste Hilfe
KolikUmsehen oder Schlagen nach dem Bauch, Hinlegen, Wälzen, Schwitzen, Flehmen, später Toben, Hinwerfen und erhöhter Puls bis zu 100 SchlägeVerdorbene oder schimmelige Nahrung, Futterumstellung, große Mengen Obst, Brot oder Sand, Stress, langes Stehen im Hänger, Wetterfühligkeit, WurmbefallSofort den Tierarzt benachrichtigen! Geben Sie ihm eine genaue Beschreibung der Symptome und teilen Sie ihm die PAT-Wertemit.
Bis zu seinem Eintreffen das Pferd am Fressen hindern. Vorsichtiges Führen lenkt das Pferd von den Schmerzen ab – liegt der Puls jedoch über 60 Schlägen pro Minute, lassen Sie das Tier lieber stehen. Wärme wirkt krampflösend. Decken Sie daher ihr Pferd warm ein – es sei denn, es schwitzt bereits sehr stark. Wenn das Pferd sich unbedingt wälzen will, lassen sie es in einer großen Halle wälzen, wo es sich nicht festlegen kann.
Stark blutende WundenHellrotes Blut, das aus der Wunde pulsiert, deutet auf eine Arterien-Verletzung hin. Dunkelrotes Blut, das kontinuierlich fließt, stammt aus einer Vene. Ein erwachsenes Großpferd kann bis zu acht Liter Blut verlieren, bevor der Zustand lebensgefährlich wird.Schläge, Risse, Bisse und sonstige äußere Einflüsse.Druckverband anlegen! Zunächst wird im Bereich der Wunde eine Kompresse aufgelegt. Darüber einige Lagen Verband anbringen. Dann ein Druckpolster anlegen, das die zuführenden Blutgefäße komprimiert. Dringt weiterhin Blut aus der Wunde, so kann man mehrere Druckpolster aufeinander anlegen und jeweils mit einigen Lagen Verband festzurren. Als Druckpolster eignen sich Verbandspäckchen, aber auch verpackte Taschentücher, Zigarettenschachteln und Handys. Bei Blutungen an Rumpf, Kopf oder Hals müssen Sie mit einem sauberen Tuch oder der bloßen Hand direkt Druck auf die Wundfläche ausüben.
AugenverletzungTränenfluss, geschwollene Augen, rote Bindehaut, Berührungs- und Lichtempfindlichkeit Zusammenkneifen der LiderSchläge, Risse, eingedrungene Fremdkörper (Stroh, Holzsplitter, etc.). Kontakt mit Chemikalien (z.B. Fliegensprays, Seife).Verletzungen der Hornhaut durch Holzsplitter oder ähnliches sind sehr gefährlich. Unbehandelt kann eine solche Wunde zur Erblindung führen. Daher sofort den Tierarzt rufen!
Bis zur Untersuchung das Pferd in einem dunklen Raum halten, den Kopf fixieren und die Augenlider vorsichtig spreizen, Achtung: Fremdkörper dürfen nur dann entfernt werden, wenn sie nicht in der Hornhaut feststecken. Im Auge schwimmende Fremdkörper können mit einem sauberen Tuch in Richtung Augenwinkel herausgetupft werden.
KreuzverschlagKurz nach dem Losreiten geht das Pferd zunehmend klamm mit der Hinterhand. Harte Kruppenmuskulatur, Schwitzen, Muskelzittern, Widersetzlichkeiten, Einknicken mit der Hinterhand. In schweren Fällen kann sich das Pferd keinen Meter mehr bewegen. Der Harn hat eine Cola-ähnliche Farbe.Zwei mögliche Auslöser: Die Krankheit kann entweder akut durch Stehtage mit nicht reduzierter Kraftfuttermenge ausgelöst werden, oder durch eine Stoffwechselerkrankung entstehen. In beiden Fällen zersetzen sich die Muskelzellen aus teils noch nicht ganz geklärten Ursachen.Sofort absitzen und keinen Meter mehr bewegen! Am besten das Pferd mit dem Hänger abholen oder den Tierarzt an Ort und Stelle bitten. Hinterhand warm eindecken – notfalls mit einer Jacke abdecken. Das Pferd beruhigen bis der Tierarzt kommt.
SchlundverstopfungAus beiden Nüstern fließt Speichel mit Bestandteilen vom Futter. Das Pferd würgt, kreist den Kopf oder senkt und streckt Kopf und Hals. Pferd frisst und trinkt nicht mehr. Gelegentlich kann die Verstopfung an der Speiseröhre (linke untere Halsseite) als Wölbung sichtbar sein.Nach wie vor die häufigste Ursache: Das Füttern von nicht eingeweichten Rübenschnitzeln. Auch handlich zugeschnittene Äpfel, Möhren und Brötchen können zur Schlundverstopfung führen. Auslöser kann aber auch generell hastiges Fressen sein.Sofort den Tierarzt verständigen! Futter und Wasser entfernen. Den Kopf des Pferdes tief halten, damit das Futter nicht in die Luftröhre gelangt. Auf keinen Fall die Verstopfung nach oben in Richtung Kopf massieren, da dies nur zu einer weiteren Reizung des Schlunds führt, aber meist nicht zum gewünschten Ergebnis.
Der Tierarzt wird den Schlund nach Verabreichung eines Krampf lösenden Mittels mit einer Sonde ausspülen. Anschließend sollte nur feuchtes Heu und etwas weiches Futter gegeben werden.
DurchfallWässriger, übel riechender Kot, laute Darmgeräusche, verschmutzte Oberschenkel und Schweife. Evtl. Fieber und KoliksymptomePlötzliche Futterumstellung, frisches Weidegras,verdorbenes oder schimmeliges Futter, große Mengen Obst (z.B. Äpfel). Wurmbefall, Stress, Überbelastung. Bei Fohlen in Zusammenhang mit der Fohlenrosse der Stute ca. eine Woche nach der Geburt, aber auch durch zu viel Milch oder bakterielle Infektion der Milch schon in den ersten Lebenstagen, aber auch nach längerer Trennung von der Stute oder durch falsche Fütterung der Stute.Abstellen der Ursache. Boxenruhe. Bei starkem Durchfall mit Appetitlosigkeit und Kolik: sofort den Tierarzt rufen. Bei Verdacht auf Infektion mit Salmonellen, Colibakterien, Staphylokokken oder ähnlichem: erkranktes Pferd von den übrigen Pferden trennen!
TetanusPferd steht in „Sägebock-Haltung“, unnatürlich steif mit abgestreckten Gliedmaßen, Hals und Schweif. Krampfzustände bei Lichteinfall, Geräuschen und Berührungen. Das dritte Augenlid ist sichtbar vorgefallen, weit geblähte Nüstern, keine Futter- und Wasseraufnahme.Das in Kot und Erde enthaltene Tetanusbakterium dringt über Wunden in den Körper ein, vermehrt sich dort und produziert Giftstoffe. Diese lösen eine Entzündung des Rückenmarks aus. Dies führt bei den meisten betroffenen Pferden zum Tod. Besonders infektionsgefährdet sind tiefe Verletzungen wie Nageltritte und andere Wunden unter Luftabschluss.Sofort den Tierarzt verständigen. Wenn möglich das Pferd in einen dunklen Stall bringen, Lärm und plötzliche Bewegungen vermeiden. Schaulustige wegschicken!
Als Vorsorge jedes Pferd regelmäßig gegen Tetanus impfen lassen und Wunden an den Beinen immer mit einem Verband abdecken! Nichtimpfen gegen Tetanus ist ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz!
FestliegenDas Pferd liegt in der Box und kann nicht mehr aufstehen. Es unternimmt immer wieder erfolglose Versuche, seinen Kopf hochzunehmen und sich mit den Beinen abzustützen. Dies kostet viel Kraft. Auf scheinbare Resignation folgt oft totale Panik und Um-Sich-Schlagen.Meist hat sich das Pferd beim Wälzen mit den Beinen zu nah an der Boxenwand platziert. Das Festliegen kann aber auch durch eine lebensbedrohliche Krankheit ausgelöst werden wie Kreuzverschlag, Kreislaufkollaps, Kolik oder Tetanus oder auch durch ein gebrochenes Bein.Betreten Sie die Box niemals allein! Suchen Sie nach einem Helfer.
Schaffen Sie sich hinter dem Rücken des liegenden Pferdes Platz. Ziehen Sie das Pferd an der Schweifrübe (am Schweif sollte maximal eine Person ziehen!) mit einem kräftigen Zug von der Wand weg. Niemals darf ein Helfer hinter die Hinterbeine des Pferdes geraten. Die Boxentür muss als Fluchtweg immer offen stehen. Betreten Sie die Box höchstens mit drei Personen, sonst behindern und gefährden Sie sich gegenseitig.
Steht das Pferd auch mit genug Spielraum nicht auf – sofort den Tierarzt rufen. Bis dahin das Pferd mit Stroh abpolstern um Verletzungen vorzubeugen und Ruhe schaffen
Kreislaufkollaps/
Hitzschlag
Unsicherer Gang, Taumeln, Puls und Atmung sind sehr schnell, das Pferd „pumpt“ sichtbar an den Flanken. Starkes Schwitzen. Körpertemperatur bis 42 Grad erhöht.Durch Wärmestau im Körper kollabiert der Kreislauf, besonders bei schwülem Wetter, nach Anstrengung oder nicht ausreichendem Tränken. Oft in überhitzten Ställen oder Transportern. Hitzschlag ist lebensbedrohlich!Das Pferd in den Schatten bringen, Tierarzt rufen! Mit Handtüchern kühle Umschläge am Kopf anbringen. Dann den Rest des Körpers mit kühlen Tüchern oder notfalls feuchter Erde bedecken. Sobald das Pferd wieder ansprechbar ist, lauwarmes Wasser zum Trinken anbieten.
HufreheTrachtenfußung: Das Pferd streckt die Vorderbeine zur Entlastung so weit wie möglich nach vorne heraus. Die Hinterbeine sind weit untergestellt. Ängstlicher, zögernder Gang, warme Hufe, Schwitzen, Zittern, erhöhte Atemfrequenz, oft auch Fieber.Entzündung der Huflederhaut, bei Nicht-Behandlung Rotation und Absenkung des Hufbeins, später „Ausschuhen“ mit völliger Ablösung der Hufkapsel. Ausgelöst wird die Krankheit durch Überfütterung mit Kraftfutter, Aufnahme zu großer Mengen an Fructanen (Zuckerspeicher in der Pflanze), Vergiftung, Überanstrengung auf hartem Boden, unvollständiger oder verspäteter Abgang der Nachgeburt bei der StuteNotfall! Umgehend den Tierarzt verständigen. Die Hufe in einem Bach oder in Wasser-Eimern kühlen. Falls das nicht möglich ist, Hufverband anlegen und bis zum Eintreffen des Tierarztes angießen.
Das Pferd nicht unnötig bewegen und in eine großzügig eingestreute Box stellen. Liegende Pferde nicht auftreiben!
InsekensticheZahlreiche kleine Knötchen und Blutungen bis hin zu Schwellungen in der Größe eines Geldstücks. Besonders an Bauch und Brust sowie an allen Stellen wo die Haare senkrecht nach oben stehen (Schweifrübe, Mähne). Scheuern, Juckreiz.Stechende Insekten aller Art. Besonders gefährlich ist die Kriebelmücke wegen der Gefahr einer Allergie auf diese Mückenart (Sommerekzem). Starker Insektenbefall findet sich in feuchten Gegenden und in Ställen mit nahe gelegenen stehenden Gewässern. Unhygienische Ställe locken ebenfalls Insekten an.Treten die Stiche am ganzen Körper auf, ist das Pferd matt und bekommt schlecht Luft, so kann eine allergische Reaktion vorliegen. Dann sofort den Tierarzt benachrichtigen. Auf kleinere, vereinzelte Stiche kühlende Salbe auftragen. Vorbeugend schattigen Weideunterstand schaffen, für Stallhygiene sorgen, Insektenschutzmittel auftragen!
KnochenbrücheHochgradige Lahmheit (Beinbruch), Schwellungen, deutliche Einsenkung der Knochenplatten, bei offenem Bruch sind Knochensplitter sichtbarSchläge, Stürze, Unfälle, ungünstige Belastungen beim Reiten oder Toben,Bei Beinbruch: Pferd nicht mehr bewegen, sofort Tierarzt rufen. Pferd beruhigen! Offene Brüche nur durch einen Schutzverband abdecken, nicht schienen. Geschlossene Brüche unterhalb des Vorderfußwurzelgelenks/ Sprunggelenks wie folgt schienen: 1. Den Bruch sorgfältig mit Verbandwatte polstern. 2. Mit elastischen Binden umwickeln. 3. An der Innen- und Außenseite des Beins Schienen anlegen. 4. Die Schienen mit reichlich Klebeband befestigen. 5. Die Schienenenden mit Watte umpolstern.
Brüche mit offenen Verletzungen am Kopf: Waschen Sie dem Pferd das Blut aus Augen und Nüstern und stellen Sie sich nie direkt vor es. Pferde mit Kopfverletzungen reagieren oft unkontrolliert.
LahmheitTaktunreiner Gang bis hin zu starkem Hinken. Dabei belastet das Pferd das schmerzende Bein verkürzt und fällt mit einem Kopfnicken auf das gesunde Bein. Am betroffenen Bein ist der Huf warm, evtl. mit erhöhtem Pulsschlag am Fesselkopf. Bei starker Lahmheit belastet das Pferd das schmerzende Bein gar nicht mehr.Sehnenschäden, Sehnenscheidenentzündungen, Hufrehe, Knochenbrüche, Hufgeschwüre, Hufabszesse, Vernagelung, Nageltritt, ÜberanstrengungGrundsätzlich nicht reiten! Hufe nach eingetretenen Gegenständen untersuchen. Eisen überprüfen.
Bei geringfügiger Lahmheit: Bein mit Wasser oder Kältepackung kühlen. Tierarzt verständigen!
Bei starker Lahmheit: Tierarzt verständigen. Evtl. Ausritt abbrechen und den Arzt ins Gelände bitten.
Satteldruck/ GurtdruckSchwellungen, Scheuerstellen, Knoten in der Sattel- oder Gurtlage. Trockene Stellen in der ansonsten verschwitzen SattellageSchlecht passender Sattel, Falten in der Satteldecke, harte, verdreckte Satteldecken und Gurte, verstopfte Talgdrüsen, Insektenstiche.Nicht reiten! Unterwegs Ritt abbrechen und nach Hause führen. Schwellungen kühlen. Auf offene Scheuerstellen nach Absprache mit dem Tierarzt Wundsalbe auftragen. Nach einigen Tagen eine zusätzliche Sattel- oder Gurtunterlage aus Schaumstoff anbringen, in die an der betroffenen Stelle ein Loch geschnitten wird.
Kleine WundenAbgeschürfte Haut, evtl. kleinere Blutung, häufig an vorstehenden KnochenRangkämpfe in der Herde, Rempeln gegen Stalltüren und andere Gegenstände, Stürze auf der KoppelSchürfwunden mit einem starken Wasserstrahl reinigen oder mit einer antiseptischen Lösung ausspülen. Fremdkörper mit einer Pinzette entfernen. Jod oder antibiotisches Spray auftragen. Wunde abdecken!
SonnenbrandGerötete Haut und Bläschen an den weißen, unpigmentierten Stellen (Maul, Fesseln). Ablösung der betroffenen HautschichtenIntensive und längere Sonneneinstrahlung. Besonders gefährdet sind Schimmel, Schecken und andere helle Pferde. Eine erhöhte Photosensibilität entsteht durch die Aufnahme von bestimmten Giftpflanzen wie Jakobskreuzkraut. In diesen Fällen ist jedoch der Sonnenbrand nur eine Nebenwirkung der Vergiftung.Pferd schattig unterbringen. In schlimmeren Fällen den Tierarzt benachrichtigen. Betroffene Stellen mit einer Zink-Lebertransalbe behandeln. Weide auf Giftpflanzen untersuchen.
VergiftungVielfältige Anzeichen von Ruhelosigkeit und Gleichgewichtsstörungen bis hin zu Kolik, Atemnot und Apathie. Ist bereits das Gehirn angegriffen, so rennen manche Pferde wie verrückt gegen Koppelzäune und Boxenwände.Giftpflanzen, Chemikalien, Schimmeliges Futter, BotulismusWeitere Aufnahme des Gifts verhindern! Tierarzt verständigen. Bis zu dessen Eintreffen dem Pferd nur sauberes Wasser anbieten.

Wir haften nicht für Unfälle, Todesfälle oder verschlechterte Krankheitsverläufe aufgrund von Behandlungen nach diesem Plan.


Quelle:

Regina Käsmayr

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