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Gesundheit :: Alternative Therapien

Solarium: Wärmetherapie mit Tiefenwirkung

In vielen Reitbetrieben gehört das Solarium bereits zur Standardausstattung, aber auch zur Therapie wird das Infrarot-Licht eingesetzt. Doch wann genau macht ein Solarium Sinn? Sollten Pferde vor oder nach dem Reiten unter die Sonnenbank? Und welche Wirkung haben die roten Lampen genau?
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Man bringt das Solarium nur mit der Erzeugung von wohltuender Wärme in Verbindung, die eigentlich nur positiv auf den Organismus des Pferdes wirken kann. Aufgrund häufig propagierter Tiefenwärme wird dem Reiter zudem suggeriert, dass er damit die Muskeln des Pferdes optimal aufwärmen kann. Namhafte Vertreiber von Pferdesolarien versprechen gar, dass man die Aufwärmzeit drastisch verkürzen könne, wenn man das Pferd vorher unter dem Solarium aufwärmt. Nach getaner Arbeit ist das Pferd selbstverständlich verschwitzt und soll unter dem Solarium im Handumdrehen wieder trocken werden. Das Aufwärmen und Abschwitzen sind auch die häufigsten Beweggründe, weshalb in Reitbetrieben Solarien angeschafft werden.

Die perfekte Welle

Das Solarium sollte nicht wahllos, sondern ganz gezielt eingesetzt werden. Um einen therapeutischen Effekt zu erzielen, muss man auf einen sinnvollen Wellenlängenbereich der Rotlichtlampen achten. Es gibt enorme Unterschiede, denn Solarium ist nicht gleich Solarium!

Die roten Lampen unterscheiden sich nicht nur in der Leistung von je 150 oder 250 Watt, sondern auch in ihrer Wellenlänge. Diese ist entscheidend für die Eindringtiefe ins Gewebe. Das Infrarotlicht wird in drei Bereiche IR-A, IR-B und IR-C   aufgeteilt. Physikalisch ist das Infrarotlicht eine elektromagnetische Welle, welche durch die Wellenlänge charakterisiert wird. Das kurzwellige Infrarot-A deckt den Bereich von 780 bis 1400 nm (Nanometer) ab und wird auch als „nahes IR“ bezeichnet. Das mittlere Spektrum des Infrarot-B (mittleres IR) hat den Bereich von 1400 – 3000 nm und das langwellige Infrarot-C (fernes IR) 3000 nm bis einem Millimeter.

Die Eindringtiefe der IR-Bereiche wird in erster Linie durch die Absorption von Wasser bestimmt. Beim Infrarot-A ist die Eindringtiefe in das Gewebe am größten. Beim IR-B nimmt die Eindringtiefe aufgrund der höheren Absorption von Wasser drastisch ab, während beim IR-C praktisch keine Gewebsdurchdringung erkennbar ist. Wenn IR-Strahler hauptsächlich im IR-C-Bereich arbeiten, kann von einer „Tiefenwärme“ nicht gesprochen werden. Bei IR-C-Strahlern erwärmen sich lediglich die Hautoberfläche und die Luft in der Umgebung. Tiefer liegende Hautschichten erfahren eine Erwärmung lediglich über die Wärmeleitung.

Einige Hersteller versuchen die natürliche Strahlung des Sonnenlichts im IR-Spektrum ihrer Lampen zu imitieren. Die Aufteilung der Wellenlängen-Bereiche kann sich demnach so gestalten, dass die Strahler zu etwa 22 Prozent im IR-A-Bereich arbeiten (die Sonne strahlt etwa zu 39 % IR-A-Wellen aus), zu 55 Prozent im IR-B-Bereich und zu 23 Prozent im IR-C-Bereich. Günstige „Baumarkt-Lampen“, aber auch Infrarot-Paneele arbeiten überwiegend im IR-C-Bereich. Die Preisunterschiede sind erheblich, doch lässt es sich nicht immer am Preis festmachen, in welcher Wellenlänge die IR-Lampen arbeiten. Man sollte sich beim Hersteller über die Spektralverteilung der jeweiligen Lampen informieren.

Infrarot A geht in die Tiefe

Was sind aber nun die Auswirkungen der unterschiedlichen Wellenlängen in der Praxis? Beim Tiefenwärmestrahler (IR-A Bereich) erfolgt die Erwärmung von tieferen Gewebeschichten. Diese Wärme regt den Stoffwechsel an und kann deshalb auch zu einer Muskelentspannung beitragen. Der Körper wird direkt erwärmt, die Wärme kommt im Inneren des Körpers zu tragen. Die Infrarot-C- und B-Strahler hingegen erhitzen nur die Luft beziehungsweise die Oberfläche der Haut. Die meiste Wärme geht oberflächlich verloren. Im Pferdesolarium entweicht die warme Luft sofort in die Umgebung, weil die Solarien meist nicht in umschlossenen Räumen stehen, sondern im kalten Stall. Somit ist der Einsatz von Infrarot-C-Strahlern für das Pferdesolarium weniger sinnvoll. Es wird zu viel Energie vergeudet, denn man will ja nicht die Stallluft erwärmen, sondern das Pferd.

Solarium vor oder nach der Arbeit

Zum Aufwärmen der Muskulatur des Pferdes vor der Arbeit eignen sich Solarien also nur bedingt. Eine oberflächliche Erwärmung der Haut bringt der Muskulatur kaum Vorteile. Lediglich die Tiefenwärmestrahler können mehr leisten. Dieser Effekt ist für die bevorstehende Arbeit durchaus als positiv zu bezeichnen. Neuere Untersuchungen haben ergeben, dass Pferde, die vor der Arbeit regelmäßig in den Genuss des Solariums gekommen sind, erheblich weniger Rückenprobleme hatten als die Kontrollgruppe. Trotzdem kann man sich die eigentliche Aufwärmarbeit nicht komplett ersparen. Diese besteht in erster Linie darin, über eine zehnminütige Schrittarbeit die Gelenke durchzubewegen, damit die Synovia dünnflüssiger wird und sich dadurch gleichmäßig im Gelenk verteilt. Anschließend kann der Kreislauf beansprucht werden, wobei jetzt erst die Muskulatur über die Bewegung und vermehrte Durchblutung erwärmt wird.

Für den Einsatz nach der Arbeit, zum Trocknen eines verschwitzten Pferdes, ist das Solarium eigentlich ungeeignet. Stellt man verschwitzte Pferde unters Solarium, wird dem Pferd noch mehr Wärme zugeführt. Dabei bedeutet das Schwitzen eine Abfuhr von überschüssiger Wärme. Deshalb beginnen Pferde unter dem Solarium noch mehr zu schwitzen. Damit erreicht man insbesondere im Rückenbereich (auf den das Solarium hauptsächlich einwirkt) einen Energiestau, der sich auf die Energieverteilung im Körper nur negativ auswirkt. Da kann eine zusätzliche Zuführung von Wärme- und Lichtenergie nur negative Auswirkungen auf den Organismus des Pferdes haben. Bestenfalls können noch integrierte Föne für die Pferdetrocknung sinnvoll sein, weil die angewärmte Luft abtransportiert wird.

Wenn das Pferd aber ausgekühlt ist, zum Beispiel ohne Abschwitzdecke in der Kälte längere Zeit stehen musste, ist das Pferd nach wie vor nass. In diesem Fall hat das Pferd die ganze Wärmeenergie abgegeben. Es beginnt zu frieren und Erkältungskrankheiten drohen. In diesem Fall kann das Solarium sehr wertvoll sein weil es innerhalb kurzer Zeit das Pferd erwärmt und auch die Trocknung beschleunigen kann.

Infrarotlicht in der Therapie

Die Infrarot-Wärmetherapie hat sich bei der Behandlung insbesondere von chronischen Erkrankungen hervorragend bewährt. Neben dem positiven Einfluss auf die Wundheilung (bei entzündeten Verletzungen sollte man allerdings keine Rotlichtbehandlung durchführen) eignet sich der Einsatz der Infrarotstrahlung auch bei chronischen Gelenkserkrankungen hervorragend. Pferde mit Arthrose und Muskelschmerzen sind die idealen Kandidaten für die Sitzung unter dem Rotlicht. Aber auch bei chronischen Atemwegserkrankungen hat sich das Solarium als unterstützende Therapie insbesondere in der kalten Jahreszeit bewährt. Wenn man sich für die richtige Ausstattung des Solariums entscheidet und es korrekt einsetzt, können die Rotlichtlampen viel Gutes bewirken.


Quelle:

Renate Ettl