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Gesundheit :: Alternative Therapien

Physiotherapie fürs Pferd: Die Klassische Massage

Wenn wir uns mit Verspannungen herumplagen, lassen wir uns vom Arzt Massagen verschreiben. Doch nicht nur für das Lösen von Verspannungen legen wir uns auf die Massagebank, sondern auch im Wellnessurlaub, um es uns mal so richtig gut gehen zu lassen. Auch fürs Pferd stellen Massagen nicht nur ein Wohlfühlprogramm dar, sondern können zur Heilung und Vorbeugung von muskulären Problemen beitragen.
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Auch im Pferdebereich hat der Wellness-Trend eingesetzt, denn viele Pferdebesitzer wollen für ihren Liebling nur das Beste. In der Realität sind die Bedürfnisse eines Pferdes von denen des Menschen sehr unterschiedlich. Obwohl die Ansprüche eines Pferdes nicht sehr hoch zu sein scheinen, ist es nicht einfach, selbst die elementaren Bedürfnisse eines Pferdes für ein artgerechtes Leben zu erfüllen. Nicht artgerechte Haltungsbedingungen, eine unnatürliche Fütterung und der Einsatz des Pferdes als Reit- oder Fahrpferd sind häufige Ursachen für körperliche Beschwerden des Pferdes, die sich fast immer in Verspannungen der Muskulatur niederschlagen.

Ursachen von Verspannungen

Da dem Pferd der natürliche Lebensraum nicht geboten werden kann, weil es ihn schlichtwegs kaum mehr gibt, andererseits die Pferde dann für den Menschen nicht nutzbar wären, sind Einschränkungen in den Haltungsbedingungen unabdingbar. Der Einsatz des Pferdes ist ein weiterer Risikofaktor, welcher die Gesundheit des Pferdes gefährdet. Dies beginnt bei einer mangelnden Ausbildung des Reiters und des Pferdes und geht bis zu einem überfordernden Einsatz des Tieres in Sport und Freizeit. Da der Körper auf diese Anforderung oft nicht genügend vorbereitet ist, treten bald Anzeichen von Überforderung auf. Leider bemerken viele Freizeitreiter diese Anzeichen zunächst nicht.

Das Sportpferd kann zwar oft größere Leistungen erbringen, weil es in der Regel besser trainiert ist, dennoch ist es vor Verletzungen und Überforderungen nicht gefeit. Das minimierte Verletzungsrisiko durch besseres Training eliminiert sich aufgrund der höheren Anforderungen im Leistungssport.

Selbst junge Pferde, die noch nicht im Dienste des Menschen stehen, sind vor gesundheitlichen Problemen nicht gefeit. Es kann sich auf der Weide verletzen oder durch Fehlstellungen (Zuchtfehler) bestimmte Strukturen überlasten. Die Faktoren sind sehr vielfältig, die Auswirkungen aber zunächst immer dieselben: Wenn ein Pferd Schmerzen oder Stress (physisches und/oder psychisches Unwohlsein) empfindet, reagiert es mit einer Schonhaltung. Diese äußert sich zunächst im „Festhalten“ der Muskulatur – sprich einer Verspannung.

Massage bei Verletzungen

Schmerzt beispielsweise ein Gelenk, will man es so wenig wie möglich bewegen, um die Schmerzen zu verringern. Dies hat zur Folge, dass sich die Muskulatur, die das Gelenk umgibt und für dessen Beweglichkeit verantwortlich ist, verspannt. Damit sinkt die Versorgung des Gewebes mit Blut und wird in Folge dessen auch mit Nährstoffen unterversorgt. Stoffwechselprodukte können nicht abtransportiert werden und lagern sich im Gewebe ab. Dieser Vorgang verhindert beziehungsweise verlangsamt die Heilung einer betroffenen Struktur. Dies ist eine Indikation für die Behandlung der Muskulatur, um den Nährstofftransport sicherzustellen und die Heilung des verletzten Gelenks zu forcieren. Für diesen Fall ist die klassische Massage die richtige Therapieform. Sie kann helfen, eine Verletzung schneller auszuheilen. Das ist für das Sportpferd sehr wichtig, weil Reiter, Trainer und Besitzer daran interessiert sind, dass das Pferd so schnell wie möglich wieder in Wettbewerben eingesetzt werden kann.

Der Freizeitreiter könnte sich hingegen eine längere Pause leisten, doch je länger die Bewegung eines Gelenks eingeschränkt ist, desto eher baut das Pferd an Muskulatur ab. Eine gute Muskulatur unterstützt den gesamten Organismus aber vor schädigenden Einflüssen und Überlastungen. Somit ist das Pferd mit einer schwachen Muskulatur anfälliger für weitere Läsionen. Sekundärprobleme können sich einstellen, die letztendlich schwerwiegendere Auswirkungen haben, als die primäre Verletzung. Heilungsunterstützende Maßnahmen, die aus der tierärztlichen Betreuung, aber auch aus der physiotherapeutischen Behandlung bestehen, gehören deshalb zum Pflichtprogramm.

Doch nicht nur bei Verletzungen kann die Massage helfen, auch bei sich anbahnenden Problemen kann sie im Vorfeld schon Schlimmeres verhindern. Bevor die Muskulatur „zu macht“ und damit die zugehörigen Knochenstrukturen oder Organe eine Schädigung erfahren, kann die Massage Abhilfe leisten. Diese Therapieform ist also nicht nur sinnvoll als Nachsorge, sondern auch als Prävention.

Verschiedene Massagegriffe

Nicht zuletzt fördert die Massage eine lockere und somit leistungsfähige Muskulatur, die besser arbeiten und dadurch höhere Leistungen erbringen kann. Eine Leistungssteigerung im Sportbereich ist daher keine Utopie.

Die klassische Massage hält verschiedene Techniken bereit, die beim Pferd – je nach Muskelart und Einsatzzweck – angewendet werden können. Für große Muskelbäuche kommen Knetungen und Walkungen zum Einsatz, um die Durchblutung zu fördern und verklebte Muskelstrukturen zu lösen. Nach dem Wettkampf oder dem Training entscheidet man sich für eine Entspannungsmassage, bei der die Schlackestoffe schneller abtransportiert werden und die Muskulatur so vor Verspannungen und auch Muskelkater schützt. Vor dem Wettkampf hingegen werden Techniken wie Klopfungen und Vibrationen angewandt, um Nährstoffe ins Gewebe zu befördern und die Leistungsfähigkeit zu erhöhen.

Streichungen am Anfang der Massage dienen dazu, das Pferd zunächst abzuscannen, mögliche Entzündungsherde aufzuspüren und das Pferd auf die Massage einzustimmen. Handstreichungen geben aber Aufschluss über den Muskeltonus, die Hauttemperatur und das allgemeine Befinden des Pferdes. Zwischen den einzelnen Massagegriffen benutzt der Therapeut immer wieder Ausstreichungen. Das Putzen des Pferdes mit dem Striegel hat eine ähnliche Wirkung. Gezielte Behandlungen sind damit aber nicht möglich, diese werden durch spezielle Griffe erreicht.

Verwindungen, bei denen die Hände des Masseurs gegeneinander verschoben werden, eignen sich sehr gut zum Aufwärmen des Pferdes, weil sie die Durchblutung fördern. Auch das Anheben der Muskulatur in Richtung ihres Ursprungs verbessert die Blutzirkulation und bringt den Muskel in eine optimale Grundspannung. Der Muskel wird mobilisiert und ist für die Arbeit einsatzbereit – eine gute Technik, um das Pferd auf die reiterliche Arbeit vorzubereiten. Ebenso wird die Durchblutung mit Hilfe des Hautrollens unterstützt. Diese Technik kann aber auch zur Entspannung des Pferdes beitragen. Hervorragende Techniken vor dem Reiten sind Schüttelungen und Vibrationen, da sie den Muskeltonus erhöhen und das Pferd aufwecken.

Therapeutische Griffe hingegen sind Querfriktionen, die dazu dienen, Verklebungen und Fibrosen zu lösen. Friktionen fördern die Blutzirkulation sehr stark und sind somit sinnvoll, um eine Schmerzlinderung zu erreichen. Dieser Massagegriff darf aber nur nach entsprechendem Aufwärmen über andere Massagegriffe (Streichungen) angewandt werden. Arbeitet man zu grob und gefühllos, können sich gar Entzündungen bilden, was für das Pferd sehr schmerzhaft ist. Ein monate- und jahrelanges Üben ist erforderlich, um eine gute Massage durchführen zu können. An der Reaktion des Pferdes kann man schließlich erkennen, ob die Behandlung als entspannend oder gar unangenehm empfunden wird. Bestimmte Massagegriffe können zunächst etwas schmerzhaft sein, sind aber dennoch nicht unangenehm für das Pferd, wenn sie in der richtigen Technik ausgeführt werden. Verspannte Muskeln schmerzen immer. Je lockerer der Muskel im Laufe einer Behandlung wird, desto schmerzfreier wird das Pferd.


Quelle:

Renate Ettl

 

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