Gesundheit :: Alternative Therapien

Pferdemassage: Muskeln, Sehnen und Geist entspannen – so geht’s!

Jeder Pferdebesitzer redet mit seinem Pferd. Dabei ist ihm völlig klar, dass sein Gegenüber die Worte nicht versteht. Viel zu selten lassen wir aber unsere Hände mit dem Pferd sprechen. Dabei wird diese Art der Kommunikation von den Pferden verstanden und hat großen Einfluss auf deren Wohlbefinden.
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In regelmäßigen Abständen bietet deshalb Christoph Waterhues aus Nordkirchen in seiner Praxis Massageseminare für Pferde an. Die Nachfrage ist groß, ebenso die Begeisterung. Die Teilnehmer kommen aus allen Sparten der Reiterei: Western- und Wanderreiter, Turnier- und Freizeitreiter, Reittherapeuten, sowie Jugendliche, die eine Reitbeteiligung haben. „Wir sind viel zu selten mit der nackten Hand am Pferd“, ist der Physiotherapeut überzeugt. „Meist befindet sich etwas zwischen Pferdehaut und unserer Hand: Putzzeug, Handschuhe, Schermaschine oder ähnliches. Dabei ist es ungeheuer wichtig, Pferde regelmäßig überall mit bloßen Händen abzufühlen. So lassen sich Temperaturunterschiede, Verletzungen und Verspannungen erkennen, bevor das Pferd anfängt zu lahmen oder krank wird.“

Massage bedeutet für ihn mehr als das Lockern verspannter Muskeln. „Massage ist soziale Kommunikation!“ Sie soll in erster Linie Wohlbefinden auslösen. „Erst wenn das Pferd sich wohl fühlt, kann es Leistung bringen, hat es überhaupt den Willen zur Leistung. In diesem Punkt unterscheidet sich das Pferd nicht vom Menschen“, ist die Meinung des Fachmanns. Durch Massage werden Muskeln, Sehnen und Gelenke entspannt. Sie hilft beim Abbau von Schlacken, verbessert die Stoffwechselsituation und lindert Schmerzen. „Hektische und nervöse Pferde kommen durch Massage zur Ruhe. Massage ist eine gute Art, sich sensiblen Tieren anzunähern“, weiß Christoph Waterhues aus Erfahrung.

Ursachenforschung betreiben

Bevor die Teilnehmer zu den Pferden dürfen, steht Theorieunterricht auf dem Stundenplan. Aber dieser ist alles andere als trocken, sondern Wellness pur. In lockerer, humorvoller Weise erläutert Christoph Waterhues die Funktion einzelner Muskeln und Muskelgruppen. Dabei geht es ihm nicht um einen Schnelldurchgang durch die gesamte Anatomie des Pferdes, sondern um ein Grundverständnis. „Ich möchte, dass die Teilnehmer ein Gespür für das Zusammenspiel im Pferdekörper entwickeln. Einzelne Muskeln, Knochen, Sehnen oder Gelenke können nie isoliert voneinander betrachtet werden. Alles hängt zusammen. Schmerzt beispielsweise das Hufgelenk, so kann ich diesen Schmerz auch in der Verspannung des Musculus trizeps brachii (dreiköpfiger Armmuskel) spüren“, referiert er. „Nun hilft es nicht, lediglich die Verspannung zu beseitigen, ich muss stets Ursachenforschung betreiben.“

Die verschiedenen Massagegriffe werden nicht nur theoretisch erklärt, sondern gleich in der Praxis an seinem Sitznachbarn ausprobiert. Je nach Größe des Muskels wird nach Anleitung gestrichen, gedreht, geschoben und gedrückt. Hier zeigt sich genau das, was der Physiotherapeut auch bei der Massage von Pferden immer wieder beobachtet: „Bei dem einen kann der Druck nicht groß genug sein, der andere möchte es lieber sanfter. Das ist wirklich von Mensch zu Mensch, von Pferd zu Pferd ganz individuell. Auch wenn Pferde nicht reden können, sie zeigen ganz deutlich, wie viel Druck ihnen angenehm ist. Häufig ist es so, dass Robustpferde eher mehr Druck und blutgeprägte Pferde eher weniger Druck mögen. Aber auch hier gilt: Keine Regel ohne Ausnahme!“
Alle Teilnehmer genießen auf jeden Fall das Streichen, Drehen, Schieben und Drücken ihrer mehr oder weniger verspannten Muskulatur. Die Griffe sind recht einfach zu lernen, obwohl es Übung braucht, sie richtig anzuwenden. Nach den Erfahrungen am eigenen Körper verstehen alle, was Christoph Waterhues zu Beginn des Seminars betonte: „Zur Massage braucht man vor allen Dingen eins: Zeit!“ In einer hektischen Atmosphäre wird sich keine Entspannung einstellen, so viel ist schnell deutlich geworden. Und so geht es in aller Ruhe in den Stall zu den vier vierbeinigen Probanden.

Geeignete Kleidung tragen

Die beiden Wallache Paul und Schwatti, Dreki, ein Isländer und Norwegerwallach Balu harren geduldig der Dinge, die da kommen mögen. Bevor sich jeweils vier Teilnehmer zu einem Pferd begeben, weist Christoph Waterhues noch einmal auf wichtige Sicherheitsaspekte hin: „Achten sie bitte auf geeignete Kleidung. Aus eigener Erfahrung kenne ich die Vorteile von Stahlkappen, Und bauchfreie T-shirts sind zwar hübsch anzuschauen, aber bei einer Pferdemassage fehl am Platz. Pferde überkommt manchmal das Bedürfnis, den Menschen auch „zu massieren“ und fangen an zu nabbeln. Bloße Haut zwischen Pferdezähnen ist äußerst schmerzhaft. Also tragen sie bitte weite, geeignete Kleidung. Zudem überprüfen sie bitte stets, ob sie selbst bequem stehen. Sind sie verkrampft, kann keine entspannende Massage stattfinden; und sie brauchen nach kurzer Zeit einen Orthopäden.“

Zuerst werden alle Pferde gründlich abgefühlt und abgetastet. „Achten sie auf Erwärmungen, Knubbel oder Verletzungen“, sensibilisiert der Physiotherapeut. „Wenn sie zum Beispiel spüren, dass eine Sehne dick und warm ist, so sollten wir diese selbstverständlich nicht massieren.“ Bei Paul, Schwatti, Dreki und Balu werden keine Auffälligkeiten gefunden und so kann mit der Massage begonnen werden. Während zwei Teilnehmer massieren, hält einer das Pferd fest und einer beobachtet die Reaktionen des Pferdes. „Schauen sie genau hin. Fühlt sich das Pferd wohl? Entspannt die Maulpartie? Lässt es zum Beispiel die Unterlippe hängen? Schließt es die Augen? Schlaucht es aus? Es ist ungeheuer wichtig, genau hinzuschauen, denn das Pferd soll sich ja wohl fühlen“, gibt der Fachmann Impulse.

Die Teilnehmer spüren schnell, was den Pferden gefällt. Norweger Balu ist keine Ausnahme der Regel. Er genießt festen Druck und lehnt sich deutlich gegen den Masseur, wenn dieser ihm zu „lasch“ ist, während Schwatti sensibler behandelt werden möchte und festem Druck ausweicht. Auch kristallisieren sich deutliche Lieblingsstellen heraus. Isländer Dreki genießt das „Schieben und Drücken“ seiner Oberschenkelmuskulatur (Musculus biceps femoris). Die Unterlippe schlabbert und die Massagebewegungen gehen durch das ganze Pferd. Die gleichen Massagegriffe sind ihm am Mähnenkamm aber eher unangenehm. Dabei hebt er den Kopf und versucht sich zu entziehen. „Auf keinen Fall hier etwas erzwingen! Denken sie immer daran, Massage soll Wellness fürs Pferd sein. Sollte sich ein Pferd an bestimmten Stellen immer entziehen, dann muss man der Sache auf den Grund gehen. Es kann sein, dass dort etwas nicht im Lot ist. Oder das Pferd ist dort einfach kitzelig. Hier hilft nur genaues Hinschauen“, so Christoph Waterhues, der neben Physiotherapeut auch diplomierter Osteopath und Lymphdrainagentherapeut ist.

Massage allein reicht nicht

Eine wichtige Erkenntnis des Seminars ist, „dass alles mit allem zusammen hängt.“ Und so finden zum Abschluss des Seminars wichtige Informationen über die Notwendigkeit passender Sättel und Kopfstücke, sowie guten Reitens ihren Platz. „Sie können massieren bis sie schwarz werden“, mahnt Christoph Waterhues eindringlich. „Legen sie auf den durch Massage entspannten Rücken einen unpassenden Sattel, plumpsen ihrem Pferd in den Rücken und lassen es mit weggedrücktem Rücken laufen – ich garantiere ihnen: Der Rückenmuskel ist sofort wieder bretthart und verspannt. Und so etwas schadet dem Pferd.“ „Massage ist Wellness fürs Pferd, aber sie macht nur dann Sinn, wenn das Pferd auch ordentlich mit einem passenden Sattel geritten wird“, ergänzt Ehefrau Ute Waterhues, die als Homöopathin in der Praxis mitarbeitet. „Das sollte selbstverständlich sein, ist es aber leider nicht immer.“

„Ich gönne meinem Pferd jetzt regelmäßig eine Massage“, beteuert eine Teilnehmerin am Ende des Seminars. „Das tut nicht nur ihm gut, sondern auch mir. So komme ich endlich zur Ruhe. Im Alltag bin ich immer in Aktion, rede viel und bin ständig in Bewegung. Das lege ich am Stall und auf dem Pferd nicht immer ab. Meinem Mann zeige ich die Massagegriffe übrigens auch. Ein bisschen Wellness steht mir auch zu. “


Quelle:

Petra Herrmann

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