1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
Gesundheit :: Alternative Therapien

Elektrotherapie: Pferde mit Strom behandeln

Aus der Humanmedizin hinreichend bekannt, wird auch in der Veterinärmedizin die Elektrotherapie erfolgreich eingesetzt. Dennoch kann man den Vergleich Mensch – Pferd nicht uneingeschränkt vollziehen, da die Empfindungen doch recht unterschiedlich sind. Des Weiteren muss man zwischen den einzelnen Stromformen differenzieren.
Grenzen Sie ihre Suche auf dem Gebiet Alternative Therapien ein. Mit einem Suchbegriff liefert unsere Datenbank Fachbeiträge zu diesem Thema an.

So manche Pferdebesitzer sehen die Elektrotherapie für das Pferd recht skeptisch, hat doch Strom immer etwas Gefährliches an sich. Doch Strom ist nicht gleich Strom, denn es gibt unterschiedliche Stromformen in verschiedenen Frequenzen, die auch unterschiedliche Wirkungen haben. So kennt man Gleichstrom, Wechselstrom und Impulsströme und diese in niederen, mittleren und hohen Frequenzen. In der Therapie werden insbesondere nieder- und mittelfrequente Stromformen eingesetzt.

Bei den Stromformen kommen Gleich- und Wechselströme kaum zum Einsatz, als einzige Indikation nutzt man den Gleichstrom für die Iontophorese. Darunter versteht man das Einschleusen von Wirkstoffen wie Salben oder Gels mit Zuhilfenahme von elektrischen Strömen in den Körper. Da jeder Wirkstoff eine bestimmte elektrische Ladung hat, kann man diesen unter dem entsprechenden Pol der Elektrode schneller und effektiver ins Gewebe einbringen. Die Gleichstrombehandlung birgt allerdings einige Risiken, sodass es sinnvoller ist, die Iontophorese mittels mittelfrequenten Strömen durchzuführen.

In der Regel kommt in der Elektrotherapie der Impulsstrom zum Einsatz. Hier fließt kein konstanter Strom, sonderen Einzelimpulse. Für die verschiedenen Indikationen werden verschiedene Impulsfolgen verwendet. Dabei lösen die Impulse an bestimmten Membranen im Verlauf von Nervenbahnen Reize aus.

Die Anzahl der Impulse pro Sekunde wird Frequenz genannt. Sie wird in der Einheit „Hertz“ (Hz) angegeben. Von einer niederen Frequenz spricht man bei 1 bis 100 Hz. Mittelfrequente Ströme gehen von 100 bis 2500 Hz. Bei höheren Hertzzahlen spricht man von hochfrequenten Strömen.

Bei niederfrequenten Strömen (1-100 Hz) ist der Körper noch in der Lage, auf die relativ langsame Impulsfolge zu reagieren. Die Schnelligkeit der Impulse ist für den therapeutischen Einsatz entscheidend. Bei Impulsen von 1 bis 10 Hertz werden einzelne Muskelkontraktionen ausgelöst. Bei 10 bis 50 Hertz erreicht man eine Steigerung der Erregbarkeit, insbesondere kann der Kreislauf angeregt werden. Bei 80 bis 100 Hertz kommt es hingegen zu einer Dämpfung der Erregbarkeit sowie zu einer Schmerzreduktion. Insbesondere wird die analgetische Wirkung als Hauptindikation der Elektrotherapie angegeben. Die Problematik beim Einsatz von niederfrequenten Strömen, wozu das bekannte TENS (Transkutane Elektrische Nervenstimulation – eine Form der NMES = Neuromuskulätre Elektrische Stimularion) gehört, besteht darin, dass je nach Dosierung ein unangenehmes Stromgefühl auftreten kann. Dieses Stromgefühl kann sich bis zu einem starken Brennen (und Verbrennen der Haut) steigern. Die Dosis kann der Mensch über sein Empfinden exakt steuern, dies ist jedoch beim Pferd aufgrund seiner „ungenauen Rückmeldung“ nicht möglich. Die Gefahr von Verbrennungen und Schmerzen sind bei dieser Stromform also durchaus gegeben. Aus diesem Grund sollten niederfrequente Stromformen (TENS) in der Pferdetherapie nach Möglichkeit nicht zum Einsatz kommen.

Besser für die Pferde: Mittelfrequente Stromformen

Bei mittelfrequenten Stromformen (100 bis 100000 Hz) wird das unangenehme Stromgefühl aufgrund der wesentlich schnelleren Impulsfolge auf ein Minimum reduziert. Deshalb ist diese Art der Elektrotherapie für Tiere hervorragend geeignet. Die Akzeptanz bei Pferden ist sehr gut, während beim Einsatz von TENS-Geräten diese sehr stark vom Typ des Pferdes und dessen Empfindlichkeit abhängig ist.

Der Strom dringt beim Einsatz von mittelfrequenten Strömen tief ins Gewebe ein, wogegen niederfrequente Ströme an der Oberfläche bleiben. Für therapeutische Zwecke lassen sich aber auch Trägerfrequenzen von 3000 bis 10000 Hz wieder in niederfrequente Ströme umwandeln. Damit lassen sich die therapeutischen Wirkungen von nieder- und mittelfrequenten Stromformen kombinieren. Während sich Niederfrequenzströme hauptsächlich für die Behandlung von Nervenfasern eignen, setzt man Mittelfrequenzströme insbesondere für die Muskulatur ein.

Hochfrequenzströme werden therapeutisch normalerweise nicht eingesetzt, genau genommen handelt es sich hierbei um Wärmetherapie. Mit Frequenzen über 100000 Hz beschränkt sich die Wirkung auf die Erwärmung des Gewebes. Ein Beispiel ist die in jedem Haushalt gebräuchliche Mikrowelle.

Die schmerzstillende Wirkung der Elektrotherapie ist insbesondere auf die Entspannung der Muskulatur, der verbesserten Durchblutung und der Freisetzung von körpereigenen Endorphinen zurückzuführen. Diskutiert wird auch der so genannte „Gate-Control-Mechanismus“. Die Theorie besagt, dass durch die Einwirkung des Stroms körpereigene schmerzhemmende Nervenfasern aktiviert werden. Das Gate wirkt dabei als Eingangskontrollsystem für dort eintreffende Schmerzinformationen aus der Peripherie.

Zusammengefasst wirkt die Elektrotherapie über die Motorik (je nach Frequenz kommt es zu Einzelzuckungen, tetanischen Kontraktionen der Muskulatur oder Muskelwogen), über die Hyperämie (durch Muskelarbeit und Freisetzung von vasoaktiven Stoffen) und über die Analgesie (durch Detonisierung verspannter Muskulatur, Verbesserung der Durchblutung, Freisetzunge körpereigener Endorphine und Aktivierung des Gate-Control-Systems).

Die Elektrotherapie wird demnach insbesondere zur Schmerztherapie eingesetzt (vor allem bei Arthrosen, Spondylosen und nach Operationen), zur schnelleren Frakturheilung, zur Nervenregeneration, bei Verspannungen, zur Prävention von Muskelatrophien und zur Unterstützung beim Muskelaufbau. Zu den Kontraindikationen der Elektrotherapie gehören anästhesierte Hautbezirke, akute Entzündungen im Behandlungsbereich, Tumore und Infektionskrankheiten.


Quelle:

Renate Ettl

_min