1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars
Ausbildung :: Wettbewerbe

Trailparcours Aufgaben: Wie meistere ich die Reiterspiele?

In den meisten reiterlichen Wettbewerben, die für Freizeitreiter ausgeschrieben sind, stehen auch sogenannte Geschicklichkeitswettbewerbe auf dem Programm. Bei diesen Wettbewerben gilt es zwischen Aufgaben zu unterscheiden, die einerseits das Können des Reiters abfordern, andererseits die Schreckhaftigkeit des Pferdes prüfen.
Grenzen Sie ihre Suche auf dem Gebiet Wettbewerbe ein. Mit einem Suchbegriff liefert unsere Datenbank Fachbeiträge zu diesem Thema an.

Im Prinzip gibt es beim Geschicklichkeitsparcours kaum Unterschiede zum klassischen Trailparcours des Westernreiters, wohl aber in der Anzahl, Anordnung und auch Art der Hindernisse. Obwohl die Geschicklichkeit des Pferdes und Reiters im Trailparcours Beachtung findet, steht bei allen Disziplinen, die unter den Reiterspielen im Allgemeinen zusammengefasst werden können, der Spaß im Vordergrund. Somit nimmt man es in der Regel auch nicht so genau bei der Bewertung der einzelnen Manöver wie es die Westernreiter von ihrer Turnierdisziplin Trail kennen. Auch die Vorschriften zu den Stangenabständen oder Pflichthindernissen gelten für einen Geschicklichkeitsparcours, der für alle Reiter jeder Reitweise gedacht ist, nicht zwingend.

Aktions- und Präzisionsparcours

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung hat zum Thema „Breitensportliche Wettbewerbe“ einen sogenannten Präzisionsparcours sowie einen Aktionsparcours entworfen. Beim Präzisionsparcours gilt es – wie im klassischen Trailparcours auch – verschiedene Hindernisse zu bewältigen, bei denen es auf die Genauigkeit der Ausführung ankommt. Hierzu bietet die FN in einer Broschüre verschiedene Arten von Hindernissen an. Der Aktionsparcours unterscheidet sich vom Präzisionsparcours darin, dass die Hindernisse auf Zeit absolviert werden sollen. Diese Form des Wettbewerbs ist allerdings sehr kritisch zu sehen, weil es zu unschönen Bildern kommen kann und eine gewisse Rasanz bei der Bewältigung von Hindernissen eine Verletzungsgefahr insbesondere für das Pferd darstellen kann. Dass darunter ebenfalls die Rittigkeit des Pferdes und die harmonische Zusammenarbeit von Reiter und Pferd leidet, weil der Reiter in der Hektik nicht die feine und sensible Einwirkung auf das Pferd gewährleisten kann, kommt hinzu. Deshalb ist den Veranstaltern abzuraten, solche Wettbewerbe auf Zeit auszuschreiben und der Teilnehmer sollte aus Rücksicht auf sein Pferd einen solchen Parcours nicht auf Zeit absolvieren.

Auch wenn die Zeit nur als Bewertungskriterium bei Punktgleichheit herangezogen wird, beeilen sich die Reiter beim Absolvieren des Parcours, denn wenn schon die Hindernisse nicht so funktionieren, wie man sich das vorstellt, will man wenigstens der Schnellste sein …

Der Art von Hindernissen in einem Trail- oder Geschicklichkeitsparcours sind keinerlei Grenzen gesetzt. Sie sollten aber so ausgewählt werden, dass sie keine Gefahr für Reiter und Pferd darstellen und für das gemeldete Starterfeld auch reitbar sind. Rittigkeitshindernisse wie sie die Westernreiter aus ihren Trailparcours kennen wie Lope over, Lope in, Tor und komplizierte Back up-Hindernisse sind häufig für das Gros der Freizeitreiter zu schwierig. Dann verlieren die Reiter die Lust an der Sache. Manchmal sind Freizeitreiter schon mit einer einfachen Rückwärtspassage durch zwei Stangen hindurch überfordert. Das angepasste Niveau des Parcours an das zu erwartende Starterfeld ist deshalb sehr wichtig.

Grundsätzlich kann man die Hindernisse in verschiedene Kategorien einteilen. Die Schreckhindernisse wie Klappersack, Plane und Flattervorhang gehören mehr in die Kategorie der Spiele und verlangen dem Reiter kaum reiterliches Können ab. Trotzdem können diese Hindernisse ein Pferd vor eine schier unlösbare Aufgabe stellen, wenn das Reittier sehr schreckhaft und ängstlich ist. Mit einem fundierten Aussacktraining können fast alle Pferde an furchterregende Gegenstände und Hindernisse gewöhnt werden.

Das Absolvieren von Steuerungs- und Überreithindernissen, welche die beiden anderen Hinderniskategorien darstellen, scheint schwieriger trainierbar zu sein. Selbstverständlich kommt es aber stets auf die Gesamtkonstitution des Pferdes, den Schwierigkeitsgrad des jeweiligen Hindernisses und die Rittigkeit an, welches Hindernis als schwierig oder einfach bezeichnet werden kann. Für das eine Pferd ist eine Plane ein Kinderspiel, dafür scheitert es beim Stangen-L. Für ein anderes Pferd machen komplizierte Labyrinthe gerade den Reiz des Trainings aus, während es beim kleinsten Rascheln Reißaus nimmt.

Normalerweise enthält jeder Trailparcours von jeder Hinderniskategorie eine Aufgabe, wenn der Veranstalter viel Abwechslung bieten will. Da man als Reiter nie weiß, welche Aufgaben ihn bei einem Wettbewerb erwarten, muss das Training vielschichtig gestaltet werden. Man kann dennoch nicht jedes Hindernis zu Hause trainieren, weil auf dem Turnier immer eine andere Brücke steht als man auf dem heimatlichen Reitplatz hat und die Variationen, ein Hindernis zu bewältigen und einen Kurs durch einen Parcours zu kreieren, zu vielschichtig sind.

Trainingstipps für Trailhindernisse

Trotzdem lassen sich einige allgemein gültige Regeln für das Bewältigen von verschiedenen Hindernissen aufstellen, die das korrekte Überwinden eines Hindernisses erleichtern. Bei allen Formen von Überreithindernissen wie Brücke, Wippe oder Stangen ist es ein wichtiger Punkt, das jeweilige Hindernis genau mittig anzureiten. Damit kann man am besten vorbeugen, dass das Pferd zur Seite ausweicht. Ebenso wichtig ist, das Hindernis in einer möglichst geraden Linie anzureiten. Dadurch wird das Pferd auf das Hindernis frühzeitig aufmerksam, balanciert sich gut aus und wird weniger dazu tendieren, an der Seite vorbeizulaufen.

Der dritte Grundsatz ist, das Hindernis in der richtigen Geschwindigkeit beziehungsweise Schrittlänge anzuvisieren. Dies gilt insbesondere für Stangenhindernisse. Da die Stangenabstände nicht immer dieselben sind, muss man in der Lage sein, die Schrittlänge dem jeweiligen Abstand anzupassen. Das erfordert ein sehr rittiges Pferd. Aufmerksame Pferde korrigieren die Schrittlänge von sich aus, man sollte sich aber nicht darauf verlassen, denn wenn das Pferd auf eine Stange tritt oder sich den Huf daran unangenehm anschlägt, verliert es möglicherweise die Lust an Trailhindernissen.

Vielmehr sollte das Pferd vor jedem Hindernis aufmerksam gemacht werden. Zugleich rahmt man das Tier mit den Schenkeln ein, um ein Ausbrechen zu verhindern. Ein aufmunternder Schenkeldruck aktiviert die Hinterhand und animiert das Pferd, die Beine hoch genug zu heben. Auf diese Weise wird das Pferd ein Stangenhindernis gut bewältigen können. Selbstverständlich gibt der Reiter mit der Hand kurz vor dem Hindernis etwas nach, damit das Reittier den Kopf etwas auf die Stangen absenken kann. Ist der Kopf frei, kann es sich auch besser ausbalancieren.


Quelle:

Renate Ettl