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Ausbildung :: Wettbewerbe

Reiterrallyes und Allroundwettbewerbe

Pferderallyes, Allround-Wettbewerbe oder ganz einfach nur Reiterspiele erfreuen sich großer Beliebtheit – und das nicht nur bei Kindern. Auch Erwachsene haben den Spieltrieb wiederentdeckt. Doch bei der Durchführung und Teilnahme von Reiterspielen müssen einige Sicherheitsaspekte berücksichtigt werden.
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Nun sind Spiele im Sattel beileibe nichts Neues. Vielmehr haben sie eine Tradition, die inzwischen mehrere Tausend Jahre alt ist, wenngleich ihr damaliger Zweck ein eher blutiger war: Um sich in Kriegen auf dem Pferderücken sicher bewegen zu können, übten Reiter der alten Steppenvölker ebenso wie die Perser, Griechen oder Römer. Es kam darauf an, einhändig oder gar zügellos reiten zu können und dabei den Wurfspeer zu bedienen, die Lanze oder das Schwert. Besonders Geschickte schossen sogar aus vollem Galopp Pfeile auf ihre Feinde. Diese akrobatischen Übungen gelangen nur durch jahrelanges intensives Üben. Das Kriegshandwerk musste gelernt werden – in Friedens- wie in Kriegszeiten. Und so entstanden die ersten Reiterspiele.

Willkommenes Schauspiel und Abwechslung

Galten diese Spiele und Übungen in der Antike und der Vorzeit fast ausschließlich der Kavallerie-Ausbildung, so erhielten die Ritter des Mittelalters dann schon Beifall für ihre Bemühungen aus dem Publikum. Ritterspiele – ob Ringelstechen oder Sackschlagen, der Lanzenritt in den Schranken oder andere sportliche Wettbewerbe im Sattel – dienten neben der körperlichen Ertüchtigung und dem Ritter-Prestige auch den Zuschauern als willkommenes Schauspiel und Abwechslung im eher dristen Alltagsleben. Auch der Cowboy ersann spannende Reiterspiele, um sich in seiner Freizeit zu amüsieren. Daraus entstanden die heutigen Rodeos, aber auch die Quarter-of-a-mile-Races haben so ihren Ursprung erfahren.

Heute ist der spielerische und sportliche Aspekt dieser Spiele geblieben. Doch es sind keine Spitzenathleten gefragt, hier geht es um Geschicklichkeit, Spiel und Spaß. Reiterspiele können sehr vielfältig sein, der Fantasie der Veranstalter ist keine Grenze gesetzt. Jedoch hat man eine gewisse Verantwortung für das Pferd. Bestimmte Anforderungen an Sicherheit und Tierschutz müssen bei jeglicher Aktivität in Zusammenhang mit dem Pferd gewährleistet sein. Über den sportlichen Ehrgeiz, insbesondere aber über den Spaß bei Reiterspielen und breitensportlichen Wettbewerben kann das Wohlergehen des Pferdes sowie Sicherheitsaspekte sehr schnell in den Hintergrund treten. Deshalb gilt es vor der Durchführung und Teilnahme an Reiterspielen diese Aspekte mit besonderer Sorgfalt zu berücksichtigen.

Der Platz, auf dem die Reiterspiele stattfinden, sollte mit einem festen Zaun gesichert sein. Scheuende Pferde könnten ansonsten in die Zuschauermenge springen oder auf die nächste Straße laufen. Für Reiterspiele ist man nicht zwingend auf eine Reithalle oder einen Reitplatz angewiesen. Man kann auch auf eine Wiese oder Koppel ausweichen, sofern der Grasboden nicht rutschig ist.

Auch Reiterspielen sind Grenzen gesetzt

Reiterspiele werden auch gerne im Rahmen von Volksfesten oder anderen Veranstaltungen durchgeführt. So wurden Reiterschauspiele sogar schon auf Parkplätzen oder wenig befahrenen beziehungsweise abgesperrten Straßen abgehalten. Vor einer Teilnahme an solchen „Spielen“, die durchaus Nervenkitzel hervorrufen, wenn ein Pferd auf dem Asphalt ausrutscht und es zum Sturz kommt, ist in jedem Fall abzuraten. Die Unfallgefahr ist viel zu groß und der ungeeignete, harte Boden tut den Pferdebeinen ebenfalls nicht gut. Somit gilt es viele Aspekte – sowohl als Veranstalter als auch als Teilnehmer – zu beachten, bevor man Reiterspiele durchführt oder daran teilnimmt.

Sehr häufig findet der Erfindergeist der Reiterspielveranstalter keine Grenzen, dass Aufgaben vorgegeben werden, die die Sicherheit von Reiter und Pferd massiv gefährden. Im Geschicklichkeitsparcours findet man immer wieder Traktor– oder Autoreifen, über die es hinwegzureiten gilt. Schwieriger wird die Aufgabe, wenn das Pferd mit den Vorderbeinen in den Reifen treten und anschließend eine Vorhandwendung ausführen soll. Die große Gefahr beim Einsatz von Reifen besteht darin, dass das Pferd mit den Hufen am Reifenrand hängen bleiben könnte, wenn es ein Bein zurückziehen oder seitlich ausweichen möchte. Dabei zieht das Pferd den Reifen mit, wodurch es nun erst recht in Panik gerät und davonzustürmen versucht.

Verletzungsträchtige Gegenstände

Auch das beliebte „Wäsche aufhängen“ ist als Aufgabe nur dann zu empfehlen, wenn sichergestellt ist, dass Pferd und Reiter sich nicht durch eine gespannte Wäscheleine strangulieren können. Selbst spitze Gegenstände wie Regenschirme sind mit Vorsicht zu genießen. Als Veranstalter muss man immer damit rechnen, dass auch relativ schlecht ausgebildete Reiter zu einer Reiterspiele-Veranstaltung kommen. Da kann schon mal ein kurzfristiger Kontrollverlust über das Pferd vorkommen, dass verletzungsträchtige Gegenstände in der Nähe von Reiter und Pferd durchaus gefährlich werden können.

Selbst bei vermeintlich gefahrlosen Hindernissen wie die beliebte Holzbrücke in einem Geschicklichkeits- beziehungsweise Trailparcours können Gefahrensituationen entstehen. Sollte es regnen, kann eine Trittfläche aus Holz rutschig werden. Zu enge und/oder zu steile Brücken sind ebenso ungeeignet. Zum einen kann das Pferd abrutschen, weil die Brücke zu steil ist, andererseits könnte ein noch unsicheres Pferd zu nahe an den Brückenrand treten und wegknicken.

Jedes Hindernis und jede Aufgabe ist zunächst auf seine Tauglichkeit im Hinblick auf Sicherheit und Überforderung des Pferdes zu überprüfen. Wenn beide Aspekte berücksichtigt worden sind, stehen lustigen und heiteren Reiterspielen nichts mehr im Wege. Ein sachverständiger Richter sollte auch für diese Freizeitwettbewerbe eingesetzt werden, denn er kann die Gefahren aufgrund seiner Ausbildung und Sachkunde am besten einschätzen. Des Weiteren wollen auch Freizeitreiter fair beurteilt werden, was einen kompetenten Richter erfordert, auch wenn es sich „nur“ um Reiterspiele handelt. Wenn man diese Aspekte berücksichtigt hat, fehlen nur noch die passenden Ideen und der Spaß kann beginnen.


Quelle:

Renate Ettl

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