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Ausbildung :: Wettbewerbe

Orientierungsritt als Geländewettbewerb

Viele Freizeitreiter verbringen die Zeit mit ihrem Pferd nicht auf dem Reitplatz oder in der Reithalle, sondern lassen bei einem gemütlichen Ausritt die Seele baumeln. Oft fehlt einfach das geeignete Trainingsareal oder die Reiter haben nicht das Bedürfnis, ihre Pferde im Dressurviereck zu gymnastizieren.
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Somit haben sich Wettbewerbe für den Freizeitreiter etabliert, die sich im Gelände abspielen. Besonderer Beliebtheit erfreut sich der Orientierungsritt. In manchen Gegenden sind Teilnehmerzahlen von über hundert Reitern keine Seltenheit. Diese Wettbewerbsform stößt demnach bei vielen Reitern auf großes Interesse. Damit der Spaßfaktor nicht zu kurz kommt, lassen sich viele Veranstalter interessante Aufgaben und Überraschungen für die Teilnehmer einfallen. Ein Geländewettbewerb gleicht somit keinem anderen, die Variationen sind unendlich und deshalb immer wieder interessant.

Ohne Training geht nichts

Auch wenn für die meisten Orientierungsritte keine fortgeschrittene dressurmäßige Ausbildung von den teilnehmenden Pferden abverlangt wird, ist eine Vorbereitung auf die Ritte dennoch notwendig. Orientierungsritte werden in der Regel über eine Strecke von zehn bis 25 Kilometern durchgeführt, so dass die Pferde eine entsprechende Kondition für die Bewältigung der Strecke benötigen. So sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass das teilnehmende Pferd eine sehr gute Grundkondition mitbringt. Bei der Anmeldung zu einem Orientierungsritt sollte man sich erkundigen, wie lange die Strecke ist, wie die Wege beschaffen sind und wie viele Höhenmeter überwunden werden müssen. Es macht einen großen Unterschied, ob man 20 Kilometer in flachem Gelände zurücklegt oder ob viele Steigungen und Abstiege bewältigt werden müssen.

Training der Grundausdauer

Um eine ausreichende Grundkondition zu erarbeiten, sollte das Pferd mindestens sechs Wochen lang auf den Ritt vorbereitet werden. Das Training darf nicht abrupt gesteigert werden, sondern sollte allmählich mehr Leistung abfordern. Die Regelmäßigkeit des Trainings ist außerdem entscheidend. So sollte das Pferd mindestens dreimal in der Woche für je eine Stunde geritten werden, um eine gewisse Grundkondition zu erlangen. Natürlich hängt die Fitness des Pferdes auch von den Anforderungen im Training ab. Untrainierte Pferde sollten erst durch viel Schrittpassagen langsam an die Leistungsanforderungen herangeführt werden. Besser ist es außerdem, häufiger in niedrigem Level zu trainieren, dafür aber intensiver. 

Ein Pferd muss nicht die Wettkampfstrecke in ihrer gesamten Länge im Training absolvieren, um dafür fit zu werden. Es ist nicht nötig, im Training 20 Kilometer zu reiten, damit dieselbe Leistung im Wettkampf abgerufen werden kann. Es reichen hierfür wesentlich kürzere Strecken von etwa fünf oder sechs Kilometern, allerdings in gewisser Regelmäßigkeit.

Der Orientierungsritt ist normalerweise kein Rennen auf Zeit, obwohl manche Veranstalter die Zeit mit in die Wertung nehmen. Trotzdem ist es nicht sinnvoll, den Ritt auf Zeit durchzuführen. Oft geben die Organisatoren ein Zeitfenster vor, das so bemessen ist, dass fast die gesamte Strecke auch im Schritt absolviert werden kann. Sollte man sich jedoch verreiten, kann die Höchstzeit knapp werden. Bei Zeitüberschreitungen werden entsprechend Punkte abgezogen.

Karten lesen und Wissenstest

Die Regeln für einen Orientierungsritt sind sehr unterschiedlich, der Kernpunkt des Ritts ist allerdings – wie der Name schon sagt – die Fähigkeit des Reiters, sich im Gelände zu orientieren. Hierfür werden in der Regel topografische Karten im Maßstab 1:50000 oder 1:25000 ausgegeben, auf der eine Strecke eingezeichnet ist, die die Teilnehmer nachreiten müssen. Auf der Wegstrecke befinden sich meist Kontrollstationen, an denen die Reiter Fragen beantworten oder kleine reiterliche Aufgaben lösen müssen. 

Oft wird der Geländestrecke noch ein Trailparcours angeschlossen, bei dem die Westernreiter häufig Vorteile genießen, weil diese Aufgaben in ihrem Training oftmals Standardprogramm sind. In den theoretischen Fragen können diejenigen punkten, die sehr belesen sind oder schlau genug, sich auf dem Ritt mit einem Handy zu bewaffnen, so dass man auch mal einen guten Freund anrufen kann, der einem bei der Beantwortung einer Frage weiterhelfen kann.

Zurechtfinden in fremdem Gelände

In der Regel starten auf den Orientierungsritten kleine Gruppen zusammen – jedoch mindestens zwei Reiter – meist im Abstand von etwa zehn Minuten. Wenn man selbst keine große Erfahrung im Lesen von topografischen Karten hat, ist es sinnvoll, sich einem Reiter anzuschließen, der hierin erfahren ist. Nur wenn man sich gut orientieren kann, macht die Teilnahme an einem wettbewerbsmäßigen Ritt Spaß. So sollte man sich vorab mit den Symbolen auf der Karte vertraut machen und lernen, diese in die Realität umzusetzen. Gute Orientierungspunkte sind beispielsweise Überlandleitungen, Wassertürme und Kirchen. Um die Richtung zu bestimmen und die Karte ohne Kompass einzunorden, helfen Hinweise aus der Natur, aber auch an Gebäuden. So ist meist die Westseite der Bäume mit Moos bewachsen. Die Wipfel der Bäume neigen sich entsprechend der Windrichtung häufig nach Osten. Bei den trigonometrischen Punkten, die auf der Karte mit „TP“ und einem Dreieck eingezeichnet sind und im Gelände aus einem Betonblock bestehen, ist „TP“ auf der Südseite beschriftet. An den Häusern sind die Satellitenschüsseln stets nach Süden ausgerichtet. Die Kirchtürme zeigen außerdem normalerweise nach Osten.

Weil es auf Orientierungsritten oft auch attraktive Preise zu gewinnen gibt, haben sich ehrgeizige Reiter schon zu wahren Profis gemausert. Dennoch sind Orientierungsritte nach wie vor eine der beliebtesten Wettbewerbe für Freizeitreiter und insbesondere für solche, die es auch bleiben wollen.

 

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Quelle:

Renate Ettl

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