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Ausbildung :: Verladen/Transport

Verladetraining für stressfreies Transportieren

Das Transportieren eines Pferdes kann schon im Fohlenalter nötig sein, wenn es verkauft werden soll, in die Klinik muss oder es bei ersten Veranstaltungen wie Fohlenschauen auftreten soll. Deshalb ist ein Verladetraining schon als Saugfohlen sinnvoll. Doch auch mit älteren Pferden ist ein regelmäßiges Training der Garant für stressfreie Hängerfahrten.
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155255_original_r_k_b_by_schemmi_pixelio-deAufgrund der starken Bindung zwischen Mutterstute und Fohlen ist ein Verladen der beiden in der Regel nicht sehr problematisch – vorausgesetzt die Mutterstute geht ohne Schwierigkeiten auf den Hänger. Das Fohlen wird bemüht sein, nicht von der Seite seiner Mutter zu weichen und ist deshalb relativ einfach ebenfalls in den Pferdehänger zu bewegen.

Stute mit Fohlen

Das Fohlen sollte aber vor dem ersten Verladen schon halfterführig sein. Ein freies Mitlaufen des Fohlens stellt eine Verletzungsgefahr für das junge Pferd da, wenn es beispielsweise neben die Rampe tritt. Ein Helfer sollte deshalb die Mutterstute in den Hänger führen und ein zweiten Assistent das Fohlen dicht hinter der Stute am Halfter nachführen. Folgt das Fohlen nicht auf Anhieb, nützt es meist, an der Hinterhand etwas anzuschieben. Hat das Fohlen seine Scheu überwunden und folgt der Mutter in den Transporter, genügt diese Lektion für den ersten Tag. Eine Fahrt mit dem Hänger mutet man dem Fohlen erst nach mehrmaligem Verladen zu – wenn das Fohlen beim Einsteigen in den Hänger sicher geworden ist.

Beim Transport von Mutter und Fohlen müssen zusätzliche Dinge beachtet werden. Die Trennwand eines Zweipferde-Transporters muss entfernt werden, damit das Fohlen zum Saugen an das Euter seiner Mutter kann und der Sichtkontakt zwischen den beiden Pferden gewährleistet ist. Stattdessen muss eine durchgehende Bruststange angebracht werden, damit sich die Stute bei Bremsmanövern abstützen kann. Zusätzlich muss die rückwärtige Klappe geschlossen oder ein Schutzgitter angebracht werden, damit das frei laufende Fohlen nicht über die Rampe versucht, ins Freie zu springen.

Ängstliche und unsichere Pferde

So manch älteres Pferd hat noch nie ein Verladetraining genossen oder schlechte Erfahrungen gemacht. Sensible Pferde sind häufiger ängstlich und nervös, so dass mit ihnen deutlich einfühlsamer umgegangen werden muss als mit nervenstarken, robusten Typen. Die Erfahrungen des jeweiligen Pferdes spielen ebenfalls eine große Rolle, wie mit dem Tier umgegangen werden muss. Der Pferdebesitzer muss deshalb viel Einfühlungsvermögen haben, um sein Pferd richtig einzuschätzen und entsprechend zu behandeln. Dies schlägt sich auch auf das Verladetraining nieder. Pferde, die sich weigern, in einen Transporter einzusteigen, haben häufig keine guten Erfahrungen gemacht. In diesem Fall muss der Pferdebesitzer besonders viel Geduld und Verständnis aufbringen, bis das Vertrauen des Pferdes wieder hergestellt ist.

Für das Training wird ein Pferdehänger an einem geeigneten Ort bereitgestellt, die Verladeklappe geöffnet und die hinteren Begrenzungsstangen entfernt. Ob die Mittelwand des Hängers zur Seite geschoben werden soll oder nicht wird unterschiedlich gehandhabt. Langfristig ist es sinnvoll, die Mittelwand gleich in seiner Mittelposition stehen zu lassen, denn viele Pferde bekommen erst Panik, wenn sie bereits im Hänger stehen und die Mittelwand zugeschoben wird (Platzangst). Wenn außerdem bereits ein zweites Pferd im Anhänger steht, ist ein Schrägstellen sowieso nicht mehr möglich.

Als Hilfsmittel verwenden Sie ein stabiles, gut sitzendes Halfter, einen dicken und langen Führstrick und eventuell eine Gerte. Führen Sie das ängstliche Pferd an den Hänger heran. Es sollte genügend Zeit bekommen, den Hänger zu begutachten. So lange das Tier nervös und unruhig ist, darf man es nicht zwingen, vorwärts zu gehen. Wenn es das Interesse am Pferdetransporter verliert und ruhiger wird, können Sie es zum Weitergehen auffordern.

Oft lassen sich die Pferde ohne Probleme bis zur Verladerampe führen. Das Betreten der Rampe verweigern sie jedoch. Das Pferd sollte die Rampe ausgiebig untersuchen und beschnuppern dürfen. Fordern Sie es erst zum Weitergehen auf, wenn es sein Interesse an der Rampe verloren hat. Achten Sie aber exakt darauf, dass Sie den Druck vom Pferd nehmen, wenn es sich wieder mit dem Hänger, beziehungsweise seiner Aufgabe, auseinandersetzt. Setzt man das Pferd zu stark unter Druck, kann es womöglich überreagieren und daraufhin wegspringen, steigen oder versuchen, sich loszureißen.

Folgt das Pferd allerdings der Aufforderung, einen Schritt vorwärts zu machen, ist ein ausgiebiges Lob angebracht. Bekommt es vor seiner eigenen Courage Angst und flüchtet rückwärts, sollten Sie es unbedingt gewähren lassen! Das Pferd muss wissen, dass es sich die Situation erleichtern kann, allerdings darf es sich nicht von der Aufgabe abwenden. Das Pferd umzudrehen (z.B. eine Volte führen), also vom Hänger wegzuführen, ist der falsche Weg. Zudem wird das Pferd bald wieder zu der Stelle zurückkehren, an der es schon vorher angekommen war, wenn es damit keine negative Erfahrung verbindet.

Erst wenn sich das Pferd wohl fühlt, sich entspannt und beruhigt hat, fordern Sie es auf, einen weiteren Schritt zu tun. Auf diese Weise wird das Tier Schritt für Schritt verladen. Auch wenn es schon komplett im Hänger steht, verzichtet man zunächst auf das Einhängen der Stange, lässt das Pferd nochmals rückwärts den Hänger verlassen und beginnt die Verladeprozedur von vorne. Nach dreimaligem Ein- und Ausladen wird das Pferd immer sicherer werden und schneller in den Anhänger gehen. Erst dann können Sie die Begrenzungsstange fixieren und das Pferd einige Minuten im Anhänger stehen lassen. Achtung: Aus Sicherheitsgründen darf das Pferd erst angebunden werden, wenn die hintere Begrenzungsstange eingehängt worden ist.

Ist das Verladen zur Routine geworden, kann man in den nächsten Tagen eine kleine Spazierrunde fahren. Wenn auch dies routiniert durchgeführt werden kann, ist der Weg frei, um nun auch auf Veranstaltungen zu fahren.

Das Verladetraining mit einem ängstlichen Pferd kann anfangs sehr lange dauern. Deshalb dürfen Sie nie unter Zeitdruck arbeiten. Die wichtigste Komponente ist der Aufbau von Vertrauen, das weder durch Druck noch durch Bestechung (Leckerlis) aufgebaut werden kann. Deshalb sind Zwangsmittel (Longen, mehrere Helfer etc.) und Futter überflüssig, dafür aber Geduld, Einfühlungsvermögen, aber auch Konsequenz und viel Lob wichtige Faktoren für das erfolgreiche Training.

Selbstbewusste und sture Pferde

Die Aufteilung zwischen ängstlichen, sensiblen Pferden einerseits und sturen, selbstbewussten, eher unsensiblen Pferden andererseits ist nur sehr oberflächlich, zumal es auch Mischformen gibt. Dennoch kann sie als Anhaltspunkt dafür dienen, wie man mit einem Pferd verfahren sollte. Einerseits muss man vom Pferd Vertrauen verlangen können, andererseits aber auch Respekt.

Wenn Sie feststellen, dass Ihr Pferd keinerlei Angst oder Nervosität zeigt, wenn es an den Pferdetransporter herangeführt wird, dürfen Sie etwas mehr Druck aufwenden, um das Pferd dazu zu bewegen, die Verladerampe zu betreten als bei einem ängstlichen Pferd. Bei sehr ranghohen, sturen und selbstsicheren Pferden dürfen Sie nur Dinge verlangen, die Sie auch sicher durchsetzen können. Viele Pferde wissen um ihre körperliche Stärke, deshalb muss man intelligent vorgehen und darf sich nicht auf ein körperliches Kräftemessen einlassen. Wenn Sie unsicher sind, ob Sie ein Pferd verladen können, nehmen Sie sich zunächst nur vor, das Pferd dazu zu bringen, die Vorderbeine auf die Verladerampe zu stellen. Damit beenden Sie das Training. Wichtig: Der Mensch beendet das Training – nicht das Pferd!

Wenn das Pferd richtig gehandelt hat, loben Sie es. Folgt es aber der Aufforderung, einen Schritt vorwärts zu gehen, nicht, machen Sie ihm die Situation unangenehm. Damit wird es lernen, dass es angenehmer ist, der Aufforderung des Menschen Folge zu leisten. Das Pferd wird versuchen, sich aus einer unangenehmen Lage zu befreien, indem es vorwärts, rückwärts oder seitwärts tritt. Sobald es vorwärts (auf den Hänger zu) schreitet, stellen Sie die unangenehmen Maßnahmen (z.B. Touchieren mit der Gerte) sofort ein und loben das Tier. Wenn es rückwärts oder seitwärts ausweicht, halten Sie die Einwirkungen aufrecht.

Der „Trick“ dabei ist, dass das Pferd immer frei entscheiden kann, was es tun will. Doch jede Entscheidung hat eine Konsequenz. Ist die Reaktion dem Menschen willkommen, so hat das positive Konsequenzen, sprich das Pferd wird gelobt. Entscheidet es sich jedoch entgegen dem Willen des Menschen, wird es mit unangenehmen Konsequenzen konfrontiert. Das kann ein lautes „Nein!“ sein, aber auch ein Klaps mit der Gerte. Da das Pferd im Prinzip frei entscheiden kann, fühlt es sich nicht in einer Zwangslage und die Vertrauensbasis bleibt bestehen. Langfristig wählt jedes Pferd den angenehmeren Weg. Es hat somit zumindest das Gefühl, selbst entschieden zu haben, was es tut. Der Mensch hat die Entscheidung über die Konsequenzen nur in die gewünschte Richtung gelenkt.


Quelle:

Renate Ettl
Bild: R_K_B_by_schemmi_pixelio.de

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