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Ausbildung :: Verladen/Transport

Pferdeanhänger Fahren: 30 Sicherheitstipps, Teil 3

Jedes Jahr werden rund 550.000 Sportpferde und 20.000 Schlachtpferde quer durch Deutschland kutschiert. Für all ihre Chauffeure haben wir hier die wichtigsten Fakten rund um Tierschutz, Versicherungen und Fahrpraxis zusammengestellt. (3. Teil: Fakten 21-30)
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Vor dem TurnierWas tun, wenn man ins Schleudern kommt?

Pferdeanhänger reagieren bei höheren Geschwindigkeiten sensibel auf Ausweichmanöver, Seitenwind auf Brücken oder Winddruck beim Überholen von Lastkraftwagen. Kommt der Anhänger ins Schlingern, so kann er sich aufschaukeln und unkontrollierbar werden. Bei modernen Anhängern und moderater Fahrweise passiert das selten. Volker Seitz, Pressesprecher der Humbaur GmbH verspricht: „Unsere Pferdeanhänger sind alle so konstruiert und produziert, dass Sie ein optimales Fahrverhalten bieten. Das speziell für unsere Pferdeanhänger entwickelte CHAMP-FAHRWERK garantiert maximalen Fahrkomfort, höchste Fahrsicherheit und optimale Längsstabilität. Die Gewichtsersparnis sowie die niedrige Ladehöhe sorgen zusätzlich für eine hervorragende Schwerpunktverlagerung und damit ein ruhiges Laufverhalten. Zusätzlich ist optional unsere AKS-Sicherheitskupplung erhältlich, die für ein noch ruhigeres Fahren sorgt.“

Wer noch keine Antischlingerkupplung sein eigen nennt, kann sich ein Anti-Schleuder-System auch nachrüsten lassen. Das AL-KO Trailer-Control zum Beispiel kontrolliert permanent das Fahrverhalten des Anhängers oder Caravans. Bei Fahrsituationen, die den Anhänger ins Schlingern bringen, erfassen die Querbeschleunigungs-Sensoren der ATC-Steuerungselektronik bereits geringste Seitenbewegungen, noch bevor ein im Pkw vorhandenes ESP für Anhänger die Pendelbewegung registrieren kann. Der Anhänger wird sofort – ohne Einfluss des Fahrers – sanft abgebremst.

Falls Sie noch einen alten Anhänger fahren, der zum Aufschwingen neigt, sollten Sie darüber nachdenken, ihn auszutauschen. Geraten Sie vorher noch einmal ins Schlingern, dann waren Sie für die Kombination Zugfahrzeug, Anhänger, Bodenbeschaffenheit und Wind zu schnell. Nun gibt es nur noch eine Lösung: Ganz sachte abbremsen. Versuchen Sie außerdem, durch vorsichtiges Lenken gerade zu bleiben. Machen Sie keine hektischen Lenkbewegungen, bewahren Sie Ruhe und hoffen Sie, dass Ihnen kein anderes Fahrzeug entgegenkommt!

Was tun, wenn man im Stau steht?

Gar nicht erst rein fahren. Planen Sie Ihre Touren vorher genau und wählen Sie sinnvolle Fahrzeiten und Routen. Moderne Navigationssysteme können Staumeldungen über TMC empfangen und damit Routen zur Umfahrung von Verkehrsstaus und Behinderungen erstellen. Sollte es dennoch passieren, dass Sie in einen Stau geraten, so ersparen Sie dem Pferd ständiges Bremsen und Anfahren, indem Sie sehr langsam versuchen, am Rollen zu bleiben.

Was tun, wenn das Pferd hinten unruhig wird?

Verändern Sie erst einmal die Geschwindigkeit. Manche Pferde empfinden die Rollgeräusche und Vibrationen in einer bestimmten Geschwindigkeit als unangenehm. „Manchmal hilft es schon, wenn wir die Geschwindigkeit um ein paar km/h verändern“, sagt Andreas Ulbrich. „Allerdings können wir die Tiere auch ununterbrochen in der Videoanlage sehen.“.

Hilft das nicht und die Unruhe wird zu groß, dann sollten Sie zum Schutze aller Beteiligten so schnell wie möglich eine Abladestelle finden. Halten Sie Ausschau nach einem Bauernhof oder großen Parkplatz weit weg von Autobahn und Bundesstraße. Hier können Sie ungestört abladen und gegebenenfalls einen Tierarzt hinzuziehen. „Warten Sie mit der Entscheidung nicht zu lange. Das kann böse enden“, warnt Ulbrich.

Wie teuer ist ein guter Pferdehänger?

Den Neupreis eines „guten Pferdeanhängers“ haben wir bei der Firma Humbaur angefragt. Hier bekommt man in der Einstiegsklasse für rund 4 000 Euro einen Humbaur Spirit oder Humbaur Single. In der mittleren Klasse gibt es den Humbaur Single Alu für einen Preis von circa 5 000 Euro. In der Oberklasse sind Fahrzeuge wie der Humbaur Atis ab rund 7 400 Euro zu haben. Alle genannten Modelle sind in der Grundausstattung mit vielen technischen Eigenschaften versehen, wie den genannten Anti-Schleuder-Systemen. Rund 4 000 Euro kostet also ein gutes, sicheres Einstiegsmodell. Andere Hersteller liegen mit ihren Basismodellen unwesentlich neben diesem Preis.

Gebrauchte Hänger gibt es zu Tausenden im Internet – sogar für Preise unter 1 000 Euro. Wenn Sie da zuschlagen, sparen Sie allerdings an der falschen Stelle, denn Sie erhalten einen Transporter, den andere aus Sicherheitsgründen weggeben. Gute Gebrauchte mit entsprechend sinnvoller, funktionierender Technik sind unter fünf Jahre alt und kosten ab 2000 Euro.

Auf welche Seite stelle ich ein einzelnes zu transportierendes Pferd?

Nach links. Die meisten Straßen sind leicht abschüssig nach rechts, damit das Regenwasser abfließen kann. Steht nun auch noch ein 600 kg schweres Warmblut auf dieser Seite, so könnte der Hänger bei schwierigen Straßenverhältnissen Übergewicht nach rechts bekommen und im schlimmsten Fall umkippen. Wenn man einen guten Hänger und ein gutes Zugfahrzeug hat, sind die Chancen, dass das passiert allerdings sehr gering. Deshalb stellen einige Pferdebesitzer ihre jungen Tiere trotzdem nach rechts – damit sie ein bisschen weiter vom Verkehr entfernt sind. Amtstierarzt Dr. Andreas hält das für Augenwischerei: „80 Zentimeter mehr spielen keine Rolle. Ich stelle ein einzelnes Pferd nach links.“

Was muss ich beachten, wenn ich zwei verladene Pferde von einander trenne?

Zum Beispiel auf Turnieren kommt es häufig vor, dass ein Pferd ausgeladen und weggeführt wird, während das andere noch stehen bleiben muss. Achten Sie in solchen Fällen darauf, dass die Laderampe wieder geschlossen wird und schließen Sie auch die vordere Tür. So verhindern Sie, dass das „verlassene“ Pferd in Panik durch die Stangen bricht oder versucht, durch die Tür zu kommen. Üben Sie diese Situation vorher ohne Turnierstress zu Hause. Dann können Sie besser einschätzen, wie die Tiere auf Trennung reagieren.

Wie transportiere ich meinen „Dicken“?

Einer Studie zufolge sind große Pferde meist weniger verladefromm als kleine Pferde. „In Wirklichkeit bieten viele Transporter großen Pferden nicht genügend Platz, so dass sich die Tiere unwohl fühlen. Die Größe des Transporters spielt also eine bedeutende Rolle für das Verladeverhalten eines Pferdes“, so der Tierarzt und Wissenschaftler Dr. Arno Lindner. Platzangst und Verletzungen könnten verhindert werden, wenn die Abmessungen des Transporters in Länge, Höhe und Breite auf die Größe des Pferdes ausgerichtet seien. In den letzten Jahren hat sich auch hier viel getan. Immer mehr Hersteller gehen auf große und breite Pferde ein. Humbaur hat mit dem Maximus ein besonders hohes und breites Fahrzeug geschaffen. „Im Vergleich zu Wettbewerbern, deren Anhänger ein extrem stromlinienförmiges und damit tiefgezogenes Vorderteil haben, bietet der Maximus ausreichend Kopffreiheit auch für große Pferde“, sagt Volker Seitz.

Was muss ich beachten, wenn ich mir einen Hänger ausleihe?

Leihen zwei Privatleute untereinander einen Pferde-Transporter aus, so muss der Verleiher grundsätzlich nicht haften – es sei denn, er verschweigt vorsätzlich grobe Mängel an dem Anhänger. Wer sich unentgeltlich einen Pferdeanhänger leiht, tut deshalb gut daran, diesen genau auf Betriebstauglichkeit und sonstige Geeignetheit zu prüfen. Das beeinhaltet Sauberkeit, Zustand von Laderampe, Trennwand, Stangen, Splinte, Anbindevorrichtung, Beleuchtung innen und außen, Reserverad, Reifen, Bremsen, Deichsel, Anhängemaul, TÜV-Plakette, Abreißseil, Fenster, Dach, Plane, Türen, Stützrad und alle weiteren Teile. Am besten haken Sie eine entsprechende Checkliste ab und schließen einen kurzen Vertrag miteinander, in dem steht, dass der Anhänger in technisch einwandfreiem Zustand übergeben und zurückgegeben werden muss.

Als Ausleiher haften Sie natürlich für alle Schäden, die Sie während der Leihzeit anrichten. Ihre Tierhalter-Haftpflicht wird im Schadensfall wahrscheinlich nicht für Sie eintreten. Beinahe alle Versicherer schließen nämlich so genannte Mietsachschäden aus. Dabei handelt es sich um sämtliche gemieteten und gepachteten Gegenstände und Einrichtungen (z.B. Sättel, Boxen), auch Transporter und Anhänger.

Brauche ich unbedingt eine Rampe?

Nein. Es gibt Anhänger, wie die Modelle des französischen Herstellers Van Fautras, die völlig auf eine Einstiegsrampe verzichten. Dabei steigt das Pferd direkt in den tiefergelegten Hänger ein und vorwärts nach vorne wieder aus.

Was muss man beachten, wenn man einen gebrauchten Hänger kaufen will?

Am besten nehmen Sie einen Fachmann mit zum Kauf. Zur groben Vorauswahl in Frage kommender Anhänger reicht aber auch ein ungeschultes Auge: Halten Sie Ausschau nach Rost und morschen Stellen. Inspizieren Sie vor allem den Boden. Hier, wo Pferde oft ihr kleines Geschäft verrichten, wird das Material besonders stark beansprucht. Unfälle, bei denen Pferde während der Fahrt durch den Boden brechen, kommen leider immer wieder vor. Spätestens dann, wenn Sie sich zum Kauf entschließen, sollten Sie deshalb den Boden noch einmal prüfen lassen. Kontrollieren Sie auch das Fahrwerk und die Reifen. Sie dürfen laut Gesetz nicht älter als sechs Jahre sein. Ihr wahres Alter lässt sich anhand eines Codes auf der Flanke, der das Produktionsdatum angibt, überprüfen.

Beachten Sie auch weitere äußerlich sichtbare Faktoren: Sind Kabel geschützt oder offen verlegt? Ein guter Pferdeanhänger ist außerdem folgendermaßen ausgestattet: Heller Innenraum mit elektrischer Beleuchtung. Boden und Laderampe rutschfest, schalldämpfend und leicht zu reinigen. Höhen- und längenverstellbare gepolsterte Brust- und Hinterstangen. Verschließbare Lüftungseinrichtung oberhalb des Pferdekopfes.


Quelle:

Regina Käsmayr
Bild: Fotolia #33078978