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Ausbildung :: Verladen/Transport

Pferdeanhänger Fahren: 30 Sicherheitstipps, Teil 2

Jedes Jahr werden rund 550.000 Sportpferde und 20.000 Schlachtpferde quer durch Deutschland kutschiert. Für all ihre Chauffeure haben wir hier die wichtigsten Fakten rund um Tierschutz, Versicherungen und Fahrpraxis zusammengestellt. (2. Teil: Fakten 11-20)
Grenzen Sie ihre Suche auf dem Gebiet Verladen/Transport ein. Mit einem Suchbegriff liefert unsere Datenbank Fachbeiträge zu diesem Thema an.

402151_web_R_by_Heike_pixelio.deWie fährt man am besten mit Pferd?

Stellen Sie eine volle, heiße Tasse Kaffee so auf das Armaturenbrett, dass alles, was über den Rand schwappt, auf Ihren Beinen landet. Dann werden Sie schon richtig fahren.

Warum so vorsichtig? Die Pferde können nicht sehen wann eine Kurve kommt, oder wann Sie bremsen müssen. Jedes Schlagloch, jedes Bremsen oder Beschleunigen kommt für sie aus heiterem Himmel.  „Wenn man als Fahrer im Sitzen einen Schaltvorgang spürt, ist das für die stehenden Pferde um ein vielfaches schlimmer“, ergänzt Andreas Ulbrich. „Also, bitte fahren Sie vorsichtig und vorausschauend. Ich kann die Privatfahrer mit besetztem Pferdeanhänger, die mich im Stadtverkehr überholen, nicht verstehen.“

Was tun bei einem Unfall?

Ruhe bewahren. Und dann nach der Reihenfolge Mensch, Tier und Material vorgehen. Geben Sie bei ihrem Polizei-Notruf unbedingt an, dass Pferde im Spiel sind und sagen Sie auch, wie viele und in welchem Zustand sie sind. Die Polizei wird dann, wenn nötig, Feuerwehr, THW und Tierarzt mitbringen.

Führen Sie immer für jedes Pferd ein Ersatzhalfter und einen Ersatzstrick mit sich. So können Sie im Falle eines Unfalls die Tiere notfalls losschneiden und trotzdem wieder festbinden.

Welche Unfälle sind am häufigsten?

In dieser Reihenfolge: Umkippen des Anhängers, Sturz des Pferdes im Anhänger, Durchtreten durch den Anhängerboden, Verkehrsunfall, Rangelei zwischen Pferden, Verheddern des Pferdes im Seil, Abhängen des Anhängers während der Fahrt.

Welche Autos sind besonders gut zum Hängerziehen geeignet?

Aufgrund der hohen Anhängerlast eignen sich Geländelimousinen (SUV) und Geländewagen am besten. Aber auch andere schwere Autos mit einem kurzen Abstand zwischen Hinterachse und Anhängerkupplung sind gute Zugfahrzeuge. Je kürzer der Abstand, desto geringer sind die Lenkbewegungen am Anhänger. „Biegen Sie mit einem langen Heck, z.B. nach links ab, wird das Heck erstmal ein bisschen nach rechts ausscheren“, erklärt Ulbrich. „Diese Ausscherbewegung wird größer, je länger der Abstand zwischen Hinterachse und Fahrzeugende ist. Das heißt, der Anhänger wird beim Linksabbiegen erstmal nach rechts gelenkt, um dann im Anschluss die Linkskurve zu fahren.“

Das gleiche geschieht auch bei Neigungswechseln wie Bodenwellen. Kippt das Fahrzeug mit den Vorderrädern ab, so neigt es sich über die Hinterachse. Alles vor der Hinterachse geht mit nach unten, alles hinter der Hinterachse wird angehoben. „Je länger nun der Abstand zwischen Hinterachse und dem Fahrzeugende ist, umso mehr wird das Ende effektiv angehoben. Das Fahrzeugende nimmt nun auch die Deichsel des Anhängers mit. Das heißt, der Anhänger beginnt schon zu schaukeln, bevor er selbst überhaupt die Bodenwelle erreicht.“

Ehe Sie einen Pferdeanhänger in Gebrauch nehmen, überprüfen Sie, ob das vorgesehene Zugfahrzeug für das Gesamtgewicht von Pferd und Anhänger zugelassen ist, und ob die zulässigen Anhänge- und Stützlasten nicht überschritten werden.

Welchen Führerschein brauche ich?

Klasse B genügt, wenn der Anhänger entweder unter 750 kg wiegt, oder das Gesamtgewicht der Auto-Anhänger-Kombination 3,5 Tonnen nicht übersteigt. Das passiert bei einem Pferdeanhänger-Gespann leider sehr schnell. Dann macht ein Führerschein der Klasse B mit der Schlüsselzahl 96 Sinn. Hier darf das zulässige Gesamtgewicht  des Gespanns 4,25 t erreichen. um diese Schlüssel eintragen zu lassen, muss man in einer dafür zugelassenen Fahrschule eine eintägige Schulung durchlaufen, aber keine Prüfung ablegen. Für neue Führerschein- Erwerber kommt die Klasse BE zum tragen. Sie beinhaltet Zugfahrzeuge der Klasse B in Kombination mit einem Anhänger mit einem Gesamtgewicht zwischen 750 kg und 3,5 Tonnen.

Jetzt wird es kompliziert: Wer ein Zugfahrzeug mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 3.500 bis 7500 kg besitzt, der benötigt für das Mitführen eines Pferdeanhängers über 750 kg einen Anhängerführerschein der Klasse C1E. Die zulässige Gesamtmasse des Gespanns darf dann 12.000 kg nicht überschreiten. Ist es schwerer, so wird der Anhängerführerschein CE benötigt, den man nach dem 50. Lebensjahr nur noch mit ärztlichem Gutachten verlängert bekommt.

Glücklich sind all diejenigen, die ihren Führerschein Klasse 3 vor dem 1.1.2000 erworben haben. Sie werden so gestellt, als hätten sie die Fahrerlaubnisklassen B, BE, C1 und C1E und dürfen damit unabhängig von einem Umtausch Gespanne bis 12.000 kg zulässige Gesamtmasse fahren. Falls Sie freiwillig Ihren Führerschein umtauschen, werden die genannten Klassen in Ihren neuen Führerschein eingetragen.

Wie viele Pferde sind nicht verladefromm?

Etwa 25 bis 30 Prozent.

Wie wird verladen?

Die FN beschreibt es so:

  • Beim Heraufführen des Pferdes zügig und selbstverständlich vorgehen, sich dabei nicht komplett umdrehen und das Pferd anschauen.
  • Immer erst die rückwärtige Abschlussstange einhängen und die Verladeklappe schließen, bevor das Pferd angebunden wird.
  • Das Pferd loben, wenn es seine Sache gut gemacht hat.
  • Das Entladen erfolgt in umgekehrter Reihenfolge: Man löst erst den Anbindestrick, bevor die Klappe heruntergelassen wird und die hintere Stange ausgehängt wird.
  • Beim Ausladen achtet man darauf, dass das Pferd nicht seitlich von der Klappe herunterrutscht, bzw. daran vorbeitritt. Ein zweiter Helfer kann hier die seine Hand seitlich an die Hinterhand des Pferdes legen und ihm eine so eine leichte Begrenzung geben, damit es gerade heruntertritt.
  • Die Verschlusshebel der Anhängerklappe sollten niemals seitlich herausragen (Verletzungsgefahr).

Wie transportiert man ein Fohlen?

Neugeborene Tiere, deren Nabelwunde noch nicht vollständig verheilt ist, dürfen laut Tierschutztransport-Verordnung gar nicht transportiert werden. Bei Fohlen wird zwar eine Ausnahme gemacht – zum Beispiel um die Fohlenrosse der Mutter zur weiteren Bedeckung nutzen zu können – dennoch sollte man Fahrten in diesem Alter vermeiden. Die meisten Spediteure nehmen Fohlen ab einem Alter von 4 Monaten an. Wird das Fohlen allein gefahren, so muss es unbedingt seit mindestens einer Woche von der Mutter abgesetzt sein. Ein Transport zum Zweck des Absetzens ist tierschutzwidrig. Laut Gesetz müssen Fohlen zwar nicht angebunden werden, dennoch ist es ratsam, das Jungtier schon früh an den angebundenen Zustand im Hänger gewöhnt zu haben. Auch sollte es schon Fahrten zusammen mit der Mutter erlebt haben. Andreas Ulbrich sagt: „Ob angebunden oder nicht, wir transportieren Fohlen nur mit Fohlengitter oder einem vollständig geschlossenen Fahrzeug.“

Welche Tricks gibt es noch?

Grundsätzlich ist gute Bodenarbeit der Schlüssel zu jedem Verladeproblem. Wenn ihr Pferd auf Kommando Vorder- und Hinterhand bewegt, sich vorwärts, rückwärts und seitwärts schicken lässt, können Sie es auch verladen. Folgende Tipps sind trotzdem hilfreich, zum Beispiel wenn sie ein Pferd gekauft haben, dem es an entsprechender Erziehung noch fehlt:

  • Die Trennwand zum Einsteigen breiter stellen
  • Ein erfahrenes Pferd zuerst verladen, um dem zweiten Pferd die Angst zu nehmen.
  • Seitlich zwei Longen als Begrenzung benutzen. Eventuell können diese auch hinter dem Pferd zusammengeführt werden, um ihm nur den Weg nach vorn offen zu halten
  • Den Hänger möglichst nahe parallel zu einer Wand parken, so kann das Pferd nur zu einer Seite ausweichen.
  • Das Licht des Zugfahrzeugs anschalten, damit auch die Innenbeleuchtung des Hängers brennt. Der Hänger wirkt dann nicht so beängstigend auf das Pferd.
  • Das Pferd mit einer Karotte locken, dabei aber nicht anschauen.
  • Hat der Hänger hinten eine Plane, diese ganz hochschlagen und auf das Dach legen, so dass das Pferd nicht mit den Ohren daran stoßen kann.
  • Den Hänger so an eine Steigung parken, dass die Rampe nicht so steil ist.

Was muss man beachten wenn man einen Spediteur beauftragt?

Der Transporteur muss eine Zulassung gemäß Artikel 10 Absatz 1 der Verordnung (EG) Nr.1/2005 des Rates für Typ I oder Typ II haben. Er muss außerdem eine Frachtführer-Versicherung nach §§ 407-452d HGB haben, deren Police im Fahrzeug mitgeführt werden muss. Fahrer und Betreuer brauchen einen Befähigungsnachweis gemäß Artikel 17 Absatz 2 der Verordnung (EG) Nr.1/2005 des Rates. Jeder zugelassene Unternehmer wird Ihnen diese Dokumente gerne vorzeigen.

Das Unternehmen sollte nach jedem Transport das Fahrzeug waschen und desinfizieren. Das heißt, wenn der Spediteur zu Ihnen kommt, sollte der Hänger mindestens von innen blitzsauber sein. „Finden Sie alte Kotreste oder alte Einstreu vor, dann können Sie das Unternehmen getrost wieder nach Hause schicken“, sagt Andreas Ulbrich, der sein Pferdetaxi selbst dieser strengen Kontrolle unterwirft. „Sie wissen ja nicht, welche Pferde mit welchen Krankheitserregern, z.B. Pilz, Haarlinge oder sogar Herpes, vorher in dem Fahrzeug standen. Im Nachhinein wird es schwer, den Verursacher der Krankheit ausfindig zu machen.“

Als Pferdehalter sollte eine Haftpflichtverischerung für das zu transportierende Pferd abgeschlossen werden. Zusätzlich bieten einige Versichungen (z.B. Uelzener o. R+V) eine Zusatztransportversicherung für einzelne Transporte an. Hierbei werden dann etwaige Verletzungen, welche nicht durch Fehlverhalten des Transporteurs hervorgerufen werden können (unbändiges Pferd etc.), abgedeckt


Quelle:

Regina Käsmayr
Bild: pixelio-Heike