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Ausbildung :: Verladen/Transport

Pferdeanhänger Fahren: 30 Sicherheitstipps, Teil 1

Jedes Jahr werden rund 550.000 Sportpferde und 20.000 Schlachtpferde quer durch Deutschland kutschiert. Für all ihre Chauffeure haben wir hier die wichtigsten Fakten rund um Tierschutz, Versicherungen und Fahrpraxis zusammengestellt. (1. Teil: Fakten 1-10)
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Horsebox

Wie lange darf man ein Pferd ohne Pause transportieren?

Nach EU-Verordnung 24 Stunden lang. Dann müssen die Tiere ausgeladen und für weitere 24 Stunden aufgestallt werden. Nur alle acht Stunden sieht das Gesetz eine Pause zum Tränken vor. Diese Praxis ist zwar zulässig, ohne dass man sich strafbar macht. Tierfreundlich aber ist etwas anderes. Der Amtstierarzt Dr. Andreas Franzky sagt: „Wie lange man ein Pferd wirklich transportieren sollte, hängt damit zusammen, wie erfahren und belastbar es ist. Handelt es sich um den ersten längeren Transport, so sollte man spätestens nach einer Stunde anhalten und überprüfen, in welcher Verfassung das Tier ist – ob es beispielsweise schwitzt oder zittert.“

Bieten Sie bei einem solchen Check auch Wasser aus dem Eimer an, aber verzweifeln Sie nicht gleich, wenn es ignoriert wird. Manche Tiere sind auf Reisen einfach trinkfaul. Lassen Sie Ihr Pferd auf keinen Fall die zulässigen acht Stunden auf dem Trockenen sitzen. Bei heißer Witterung legen Sie alle zwei Stunden eine Pause ein und bieten Wasser an, bei kühlerer Temperatur alle drei bis vier Stunden. Auf diese Art könne laut Dr. Franzky mit erfahrenen Pferden durchaus 24 Stunden lang gefahren werden.

Wie lange sollten die Pausen sein?

Etwa so kurz wie die Zigarettenpause des Fahrers. Das Pferd sollte dabei in Ruhe trinken können. Zögern Sie den Zwischenstopp nicht zu lange raus, denn das Pferd erholt sich dabei nicht sonderlich. Besser, Sie fahren bald weiter, um frühzeitig anzukommen. Dann nämlich kann Ihr Fahrgast sich endlich die Beine vertreten.

Wie stressig ist das Gefahrenwerden für Pferde?

Herz- und Atemfrequenz steigen bei allen Pferden während des Transportes deutlich an. In der Literatur wird ein Anstieg von 27 bis 100 Prozent angegeben. Am heftigsten steigen die Frequenzen kurz nach Beginn der Fahrt. Selbst erfahrene Pferde haben leichten Stress, was sich durch verstärkten Kotabsatz bemerkbar macht. Andere Anzeichen von Stress sind: Umsehen, Schwitzen, Zittern und Harnabsatz.

Der Tiermediziner Dr. Arno Lindner maß zusammen mit seinem amerikanischen Kollegen Michael Foss den Stressfaktor von Pferden bei Transporten. Er fuhr sechs Pferde in rund zweieinhalb Stunden über 240 km, in ca. fünf Stunden über 480 km und schließlich in ungefähr siebeneinhalb Stunden über 720 km. Dabei bekamen die Tiere weder Futter noch Wasser. Nach der siebeneinhalbstündigen Fahrt hatten die Pferde bis zu drei Prozent ihres Körpergewichtes verloren – genauso viel, als hätten sie bei gleichen Bedingungen Bewegung im Auslauf gehabt. Noch am Tag nach dem Transport hatte keines sein ursprüngliches Gewicht erreicht, obwohl wieder genug Futter und Wasser zur Verfügung stand.

„Die Muskulatur der Pferde wird während eines Transports stark beansprucht, denn der Körper muss während der Fahrt immer neu sein Gleichgewicht finden und halten“, schreibt Lindner in seiner Broschüre „Basis- und Praxiswissen über Pferde – Transport von Pferden“. Bei einigen der Testkandidaten über 720 Kilometer stieg während der Fahrt die Aktivität des Muskelenzyms Creatin-Phosphokinase sogar auf höhere Werte als nach üblichen Wettkampfbelastungen.

Wie stehen Pferde auf dem Hänger am liebsten?

Entgegen der Fahrtrichtung! Das fand im Jahr 1982 die Wissenschaftlerin Sharon Cregier heraus. Neuere Untersuchungen bestätigen das ungewöhnliche Ergebnis. Bei freier Standortwahl bevorzugten die meisten Testkandidaten die umgekehrte Reiserichtung, vermutlich weil sie so die Bewegungen des Fahrzeugs besser ausbalancieren können. In einer Studie aus dem Jahr 1993 berührten die Testpferde viel seltener die Wände des Transportfahrzeugs wenn sie „verkehrt herum“ standen. Es gibt bereits einige wenige Anhänger-Modelle, die dieses Thema aufgegriffen haben und ihre Passagiere mit Kopf nach hinten befördern.

Die meisten Schürfwunden ziehen sich diejenigen Pferde zu, die quer zur Fahrtrichtung im LKW transportiert werden. „Pferde haben ihren Schwerpunkt weit oben“, erklärt Amtstierarzt Franzky. „Deshalb können sie sich zur Seite nicht gut ausbalancieren. Bei kleinen gedrungenen Tieren, wie Schweinen, ist das wiederum kein Problem.“ Bei einer Befragung von 21 gewerblichen Pferdetransport-Unternehmern gaben ausnahmslos alle an, der Transport quer zur Fahrtrichtung sei nicht pferdegerecht. Eine schräge Stellung auf 22.30-Uhr-Stellung hingegen wirkt sich positiv aus. In dieser Position befördern die meisten LKW-Aufbauten ihre Passagiere.

Wie wird das Pferd am besten und sichersten angebunden?

Grundsätzlich gilt die alte FN-Regel: Nicht zu hoch, nicht zu tief, nicht zu kurz, nicht zu lang! Das Pferd sollte so kurz angebunden werden, dass es sich nicht drehen oder ein Bein über den Strick heben kann. Aber lange genug, dass es sich noch mithilfe von Kopf und Hals ausbalancieren kann.

Zum Anbinden verwenden Sie ein stabiles Halfter und einen Strick mit Panikhaken. Noch besser als normale Stricke sind speziell für den Transport gefertigte dicke Gummianbinder, die sowohl mit einem Panikhaken als auch mit einem Karabinerhaken für die Befestigung am Hänger ausgerüstet sind.

Brauche ich Transportgamaschen?

Das ist eine Glaubensfrage. Manche Pferdebesitzer würden niemals unten ohne fahren, andere halten Transportgamaschen für reine Störfaktoren. Andreas Ulbrich, der in Kiel den Transportservice „Das Pferdetaxi“ betriebt, sagt: „Pferde, die Transportgamaschen gewohnt sind, können gerne damit transportiert werden. Ich denke dann aber immer: wenn diese Tiere so viel Transporterfahrung haben, könnte man doch gleich auf die Gamaschen verzichten.“

Sicher ist: Bei Pferden, die keine Transportgamaschen kennen, lösen die dicken, unkomfortablen Overknees zusätzlichen Stress aus. Die Tiere fühlen sich in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt, staksen herum wie ein Storch und versuchen oft, die Gamaschen durch Treten und Schlagen loszuwerden. „Wir machen das immer vom Pferd abhängig und haben bessere Erfahrung mit Watte und gewickelten Bandagen gemacht“, sagt Ulbrich.

Dr. Andreas Franzky räumt ein: „Bei längeren Transporten mit unruhigen Pferden halte ich Transportgamaschen für sinnvoll, vor allem, wenn die Tiere beschlagen sind.“ Wichtig sei aber gerade bei diesen Pferden, das Tragen vorher zu trainieren und regelmäßig ein Stück in voller Transportmontur spazieren zu gehen.

Wann sollte man eindecken?

Auch bei dieser Frage scheiden sich die Geister. Die einen sagen, eine leichte Abschwitzdecke halte bei jeder Fahrt unangenehme Luftverwirbelungen ab, die Muskelverspannungen und gegebenenfalls Erkältungskrankheiten fördern können. Bei warmem Wetter schütze eine Fliegendecke das Pferd vor Zugluft und nervigen Plagegeistern. Die anderen halten jede Decke für einen zusätzlichen, rutschenden Störfaktor.

Andreas Ulbrich macht das vom jeweiligen Pferd, seinen Haltungsbedingungen, der Stressanfälligkeit und dem Wetter abhängig – und natürlich von den Wünschen des Auftraggebers. „Ein hochtrainiertes Pferd aus Boxenhaltung würde ich eher eindecken, als ein Freizeitpony, welches in Offenstallhaltung lebt“, sagt er. „Trotzdem empfehle ich, für den Transport immer: So wenig Änderung wie möglich. Alles Ungewohnte bedeutet nur neuen Stress.“ Dr. Franzky rät, im Sommer auf jegliches Eindecken zu verzichten und im Winter nur diejenigen Pferde einzudecken, die geschoren sind und auch im Stall nicht ohne Wintermantel stehen.

Wann öffnet man Fenster und Luken und wann fährt man lieber ganz geschlossen?

Pferde haben einen körpereigenen Thermoregulationsmechanismus, mit dem sie sich auf kalte oder warme Luft einstellen. Deshalb können sie grundsätzlich gut mit Temperaturschwankungen umgehen. Dieser Mechnismus funktioniert allerdings nur, so lange das ganze Pferd im Wind steht. Einen „Zug“ bekommt es dann, wenn Kaltluft punktuell auf seinen Körper trifft, beispielsweise durch ein nach innen gekipptes Fenster. Stellen Sie sich doch mal in Ihren Anhänger und lassen sich von einem Helfer ein Stückchen über die Feldwege fahren. Sie werden schnell feststellen, bei welcher Lüftungs/Fenster/Luken-Einstellung und welcher Geschwindigkeit Zugluft entsteht. Meist müssen die Fenster nach hinten oder unten geöffnet werden, damit die einströmende Luft dem Pferd nicht direkt ins Auge bläst.

Der falsche Weg ist jedenfalls, aus Vorsicht alle Schotten dicht zu machen. Dann entsteht gerade in der wärmeren Jahreszeit schnell Saunaluft im Anhänger. „Durch das Urinieren und Schwitzen der Tiere hat man ganz schnell eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit im Fahrzeug. Und der Ammoniakgeruch reizt nicht nur die Atemwege der Menschen“, sagt Ulbricht.

Bei Regen schließt der Pferde-Spediteur aber den Anhänger hinten, da sonst durch die Fahrt Wasser eingewirbelt wird. Bei manchen nervösen Pferden schließt er sogar alles – um die Reizeinwirkung zu minimieren.

Was ist bei großer Hitze oder Kälte zu beachten?

Bei Hitze sollten Sie am besten gar nicht fahren. Erst recht nicht mit einem „hübschen“ schwarzen Anhänger. Pferdetaxi-Fahrer Andreas Ulbrich verlegt seine Transporte an besonders heißen Tagen auf die Nacht oder die frühen Morgenstunden. „Das Kühlen von Pferdeanhängern gestaltet sich technisch meist als sehr schwierig“, begründet er diese Vorgehensweise. „Mit Wasser kühlen führt zum bereits beschriebenen Saunaeffekt, wenn nicht ausreichend gelüftet wird – und viel Lüften hat unter Umständen wieder Zugluft zur Folge.“

Kälte ist weniger schlimm. Geht die Fahrt nicht gerade in Regionen, wo die Temperatur drastisch sinkt, so regulieren die Pferde langsame Kälteeinbrüche sehr gut selbst. „Überbrücken wir allerdings auf der Tour viele Höhenmeter und haben somit einen schnellen Temperaturabfall, so werden die Pferde zwischendurch eingedeckt. Und genauso andersherum, wenn man aus der Kälte in warme Bereiche fährt“, sagt Ulbrich.

Was muss man beim Heunetz beachten?

Ein engmaschiges Heunetz sollte bei jedem Transport dabei sein. Auch wenn Pferde artgerechter vom Boden fressen – im Hänger ist das tabu! Zum einen ist dabei die Balancierstange im Weg, zum anderen müsste man dazu das Pferd sehr lang anbinden, was ein hohes Verletzungsrisiko birgt. Speziell bei unruhigen Pferden hat sich ein Heunetz bewährt. Es lenkt das Tier etwas ab und sorgt für darmfreundlichen Raufaser-Nachschub. Das Heunetz muss so hoch aufgehängt werden, dass das Pferd nicht hineintreten kann. Kalkulieren Sie mit ein, dass das Netz im leeren Zustand deutlich länger wird. Ist das Heu leicht staubig, so weichen Sie es vorher in Wasser ein.


Quelle:

Regina Käsmayr
Bild: Fotolia #42270114