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Ausbildung :: Problem & Lösung

Ausbildungstipp von Christoph Hess: Den fliegenden Galoppwechsel richtig durchspringen

Der fliegende Galoppwechsel gehört zu den besonderen Herausforderungen in der Ausbildung von Reiter und Pferd. Manche Karriere scheitert an diesem Punkt. Klappt die L-Dressur noch sicher, verhindert der nicht korrekte fliegende Galoppwechsel die Platzierung in der Klasse M.
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Frage: „Meine siebenjährige Stute soll den fliegenden Wechsel lernen. Mein Reitlehrer lässt mich die Lektion erarbeiten, indem ich im Galopp auf dem Zirkel reite, aus dem Zirkel wechsele und das Pferd auf dem Wechselpunkt den fliegenden Wechsel springen lasse. Das klappte gelegentlich, aber meist sprang die Stute den Wechsel nach. Inzwischen ist das Nachspringen zur Regel geworden, und zwar auf beiden Händen. Ich muss also irgendetwas gründlich falsch gemacht haben und stecke nun in einer Sackgasse.“

Antwort von Christoph Hess:

Der einfache fliegende Galoppwechsel ist eine Übung, die dem Pferd an sich angeboren ist. Fast jedes Pferd ist in der Lage, den Galopp fliegend zu wechseln. Das lässt sich gut auf der Weide beobachten – dort, wo Pferde sich ohne Reitergewicht und Sattel ganz natürlich bewegen können. Aber auch dort ist nicht jeder fliegende Wechsel sicher durchgesprungen. Das Nachspringen gehört bei vielen Pferden zum „Standardrepertoir“. Hat der Reiter im Sattel die gleichen Probleme, so können verschiedene Ursachen dafür verantwortlich sein:

Der Galopp ist „von hinten“ nicht genügend „geschlossen“. Das Pferd springt mit seinen Hinterbeinen nicht genügend durch, der Galopp selbst ist nicht sicher im Dreitakt, nicht fleißig genug. Bereits die einfachen Galoppwechsel werden nicht geschmeidig ausgeführt. Die Übergänge in den Schritt bzw. in den Galopp bedürfen einer zu deutlichen reiterlichen Unterstützung. Die Feinabstimmung, das sensible Eingehen auf die verschiedenen Hilfen des Reiters, erfolgt nicht optimal. Man könnte fast sagen: „Das Pferd hat eine zu lange Leitung“. Die Hilfen des Reiters zum Auslösen des fliegenden Galoppwechsels stimmen vom Timing her nicht. Die Hilfengebung erfolgt nicht im richtigen Augenblick (hierbei geht es um einen Bruchteil von Sekunden), ja, die Vorbereitung des Galoppwechsels erfolgt unkoordiniert und gegen den Rhythmus – also gegen den Bewegungsablauf des Pferdes.

Viele Reiter reiten im versammelten Galopp ihr Pferd ausschließlich in einem langsamen Tempo. Ein derartiger Galopp ist bequem auszusitzen, aber das Pferd galoppiert nicht engagiert genug. Versammelt ist das Pferd auf diese Weise ebenfalls nicht. Das aber ist die Voraussetzung, um hinterher einen fliegenden Wechsel korrekt auszuführen.

Viele Wege führen nach Rom

Beim fliegenden Galoppwechsel gibt es ganz unterschiedliche Vorgehensweisen. Ihr Reitlehrer hat mit dem fliegenden Wechsel beim Überreiten des Wechselpunktes auf der Linie „Aus dem Zirkel wechseln“ eine der denkbaren Varianten gewählt. Doch diese Variante birgt die Gefahr in sich, dass Pferde bei dieser Art, den Wechsel zu lernen, häufig nachspringen. Für das lernende Pferd ist es außerordentlich schwierig, auf einer gebogenen Linie den fliegenden Wechsel auszuführen. Beim „Aus-dem-Zirkel-wechseln“ ist das Nachspringen ein häufig auftretendes Phänomen.

Deshalb schlage ich Ihnen noch andere Möglichkeiten vor: Äußerst sicheres Reiten einfacher Wechsel an den unterschiedlichsten Stellen der Reitbahn. Dabei ist es wichtig, geschmeidig zum Schritt zu parieren – zunächst fünf Schritte Schritt zu reiten und dann wieder anzugaloppieren. Beim Angaloppieren ist darauf zu achten, dass das Pferd sensibel auf Ihre leichteste Hilfe hin anspringt. Die Anzahl der Schritte wird im Laufe des Trainings verringert, so lange, bis der Reiter nur noch über einen Schritt den Galopp wechselt. Galoppiert das Pferd dann wieder sensibel auf eine leichte Hilfe des Reiters an, ist der Weg zum korrekten fliegenden Galoppwechsel nicht mehr weit.

Das Üben des fliegenden Wechsels z.B. auf der Wechsellinie, empfiehlt sich, weil dann auf gerader Linie (etwa beim Überreiten der Mittellinie) der fliegende Wechsel ausgeführt wird. Diese Linie erleichtert das korrekte Durchspringen. Wichtig ist, dass der Reiter vor dem Wechsel versucht, die einzelnen Galoppsprünge zu vergrößern und mehr ins Bergauf zu bringen, um den Moment der freien Schwebe des Galopps möglichst zu verlängern. Unmittelbar vor dem fliegenden Wechsel sollte der Galopp wieder geringfügig, aber deutlich verkürzt, ja, versammelt werden. Beim Versammeln des Galopps muss der Reiter sensibel in sein Pferd hineinhorchen, um danach den Wechsel im richtigen Augenblick auszulösen.

Weitere Möglichkeiten

Bei einigen Pferden empfiehlt es sich, die Lektion „aus der Ecke kehrt“ zu reiten und auf der Linie zurück zum Hufschlag bzw. auf dem Hufschlag selbst den fliegenden Wechsel zu reiten. In diesem Falle ist es besonders wichtig, dass der Reiter darauf achtet, sein Pferd gerade zu halten, weil ein schief galoppierendes Pferd oftmals nachspringt.

Das Reiten von Galopptraversalen zur Vorbereitung des fliegenden Galoppwechsels ist eine weitere – häufig bewährte – Möglichkeit. Dabei ist zu beachten: Nach Beendigung der Galopptraversale muss zunächst geradeaus galoppiert werden und erst dann ist der fliegende Wechsel abzurufen – etwa ein bis zwei Galoppsprünge nach dem Erreichen des Hufschlags.

Bei all diesen Übungen ist es wichtig, dass nicht zu lange im versammelten Tempo geritten wird. Der Reiter muss die Galoppsprünge immer wieder verlängern bis zum Erreichen des Mittel- bzw. starken Galopps. Und noch ein Hinweis: Der Reiter muss während des Galoppierens das Gefühl haben, jederzeit den Galopp mehr versammeln bzw. die Galoppsprünge deutlich erweitern zu können. Dieses Wechselspiel vom Verkürzen und Erweitern der Galoppsprünge ist ein wichtiger Schlüssel, um hinterher korrekte fliegende Galoppwechsel zu reiten. Zu bedenken ist, dass die Galoppwechsel stets mit einem Ausbilder trainiert werden sollten, der korrekt durchgesprungene Wechsel erkennt, und blitzschnell dem Reiter mitteilt, ob der Wechsel korrekt war oder nachgesprungen. Oftmals merkt der Reiter das Nachspringen eines Wechsels nicht. Je häufiger dieses Problem auftritt – ohne dass es korrigiert wird – desto mehr automatisiert sich der falsche Bewegungsablauf (sowohl beim Reiter als auch beim Pferd). Je länger dieser Zustand anhält, desto schwieriger ist die spätere Korrektur.

TIPP

Ein Hinweis zum richtigen Galoppieren: Bitte bedenken Sie stets, wenn Sie im versammelten Tempo galoppieren, dass Sie den starken Galopp (von der Idee her!) mit in das versammelte Tempo hineinnehmen. Ist dieses Gefühl im Sattel vorhanden – versammelt zu galoppieren und dennoch die Energie des starken Galopps unter sich zu spüren – sind gute Voraussetzungen gegeben, um den nachgesprungenen fliegenden Galoppwechsel zu korrigieren.

 

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Quelle:

Christoph Hess
(mit freundlicher Genehmigung von "PM-Forum, Mitgliederzeitschrift  der Deutschen Reiterlichen Vereinigung")

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