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Ausbildung :: Manöver/Show

Trail-Training fürs Pferd: So bringen Sie Ihrem Pferd die Wippe bei

Wippen stehen in der Regel auf Kinderspiel- und nicht auf Reitplätzen. Aber nicht nur Kinder haben Spaß am „Auf und nieder“, auch Pferde können daran Freude entwickeln. Im Gegensatz zu Kindern sind sie aber erst einmal skeptisch. Hier muss im Vorfeld ein wenig Überzeugungsarbeit geleistet werden.
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go4_2143Wippen sind den meisten Pferden erst einmal nicht geheuer. Manche Pferde rammen alle vier Hufe in den Boden und weigern sich, sich dem „Ungeheuer“ auch nur zu nähern. Andere wählen die Variante „flach und weg“, um sich vor dem Monstrum in Sicherheit zu bringen. Hier hilft nur: Tief durchatmen, entspannt bleiben und neben Plan A, auch Plan B und C zu haben.
Bei jeder Arbeit mit Pferden ist es sinnvoll, auf die „Politik der kleinen Schritte“ zu setzen. Deshalb wird zunächst einmal der „Kipp-Effekt“ der Wippe ausgeschaltet, die Wippe wird zur Brücke. Aber auch Brücken lösen bei einigen Pferden Ängste aus. Hier kann es hilfreich sein, mit einer Art Schleuse zu arbeiten. Ähnlich wie Fänge bei Springhindernissen, errichtet man eine Begrenzung zu beiden Seiten, die breit beginnt und sich zur Brücke hin verengt. Auch die Brücke sollte mit seitlichen Begrenzungen versehen werden. So lässt sich die Gefahr reduzieren, dass das Pferd von der Brücke zur Seite herunter springt und auf den Füßen seines Besitzers landet. Auf dem Reitplatz oder in der Reithalle empfiehlt sich, die Bande, bzw. die Begrenzung zuhilfe zu nehmen. So ist eine Seite bereits „abgesichert“.

Mit Bodenarbeit beginnen

Für diese Arbeit macht es Sinn, mit Knotenhalfter und einem langen Seil zu arbeiten. Anfangs steht der Pferdeführer seitlich am Kopf des Pferdes und schickt es so mit Hilfe einer längeren Gerte über die Brücke. Geht der Führer voraus, ist die Gefahr zu groß, dass das Pferd ihn bei einer Angstattacke über den Haufen rennt. Später, wenn das Pferd ohne ein Anzeichen von Anspannung die Brücke passiert, kann der Mensch voraus gehen. Jede – auch noch so kleine – Bewegung des Pferdes in Richtung Brücke wird belohnt: Mit einem Lobwort, Streicheleinheiten, einem Leckerchen und/oder einer Pause. Hat ein Pferd besonders große Angst, kann es für die erste Trainingseinheit reichen, wenn das Pferd bereit war, einmal an der Brücke zu riechen oder einen Huf auf sie zu setzen. Es gilt: Auf keinen Fall das Pferd überfordern! Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut und morgen ist auch noch ein Tag. Die Trainingseinheit auf jeden Fall mit einem Erfolgserlebnis abschließen, damit Pferd und Mensch den Reitplatz mit gutem Gefühl verlassen. Nur so können sich beide auf den nächsten Lernschritt freuen.

Es ist wichtig, dass das Pferd von Anfang an lernt, die Brücke Schritt für Schritt zu überschreiten. Es sollte jederzeit bereit sein, anzuhalten und sich ein Stück rückwärtsrichten zu lassen. Solange Pferde nur über die Brücke stürmen, ist an Wippen nicht zu denken. Zum Wippen muss das Pferd auf der Brücke still stehen können und jederzeit auf minimale Hilfen hin vor- und zurückgehen. Diese minimalen Hilfen sollte ein Pferd selbstverständlich bereits beherrschen, bevor man sich an Brücken oder Wippen wagt. Hier ist es genauso wie beim Reiten: Die Basis muss stimmen, bevor man bestimmte Lektionen oder Hindernisse trainiert.

Ein kleiner Balken für den Anfang

Hat sich das Pferd mit der Brücke angefreundet, wird die ganze Angelegenheit nun zum Kippen gebracht: Auf geht es zur Wippe! Es gilt wieder die Regel: Erst einmal klein anfangen und die Schwierigkeiten langsam steigern. Es ist also ratsam, anfangs einen kleinen Balken unter die Wippe zu legen und den Kippeffekt erst dann zu steigern, wenn das Pferd Sicherheit gewonnen hat. Geht das Pferd wie selbstverständlich, ohne ein Anzeichen von Anspannung, über die Wippe, ist jederzeit bereit. ruhig stehen zu bleiben und sich vor und zurück schicken zu lassen, kann der richtige Spaß beginnen. Dann wird das Pferd in der Mitte der Wippe geparkt, vor und zurück geschickt, und so wippt es. Mit etwas Übung gelingt es Pferden nach einiger Zeit, die Wippe zu bewegen, ohne dass sie dazu ihre Beine bewegen. Sie verlagern ihr Gewicht selbstständig von der Vor- auf die Hinterhand. So schulen sie Balance und Körperwahrnehmung.

Der Mensch steht bei dieser Übung am besten seitlich neben Pferd und Wippe und verlagert sein Gewicht ebenfalls deutlich. Anfangs kann er dem Pferd durch kleine Hilfen (zum Beispiel: Finger auf die Brust für „Zurück“; Impuls am Halfter für „Vor“) die richtige Idee für das Gewichtverlagern vermitteln. Ganz wichtig: Jede Bewegung in die richtige Richtung sofort durch Lob als richtig bestätigen. Die Arbeit auf der Wippe soll dem Pferd Freude machen. Und Freude hat das Pferd, wenn sich seine Mühen lohnen, wenn es positive Bestätigung in Form von Lobworten, Streicheleinheiten, Pausen und Leckerchen bekommt. Dem Pferd darf die Wippe im wahrsten Sinne des Wortes schmackhaft gemacht werden.

Die Feinabstimmung

Bei der Beschäftigung mit der Wippe sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. So kann der Mensch selbstverständlich auch mit seinem Pferd über die Brücke reiten, in der Mitte stehen bleiben, das Pferd vor und zurücktreten lassen und wippen. Oder Pferd und Reiter wippen beide ausschließlich durch Gewichtsverlagerung. Hierfür ist „Feinabstimmung“ erforderlich. So kann Wippen gut zur Kontrolle dienen, wie sensibel ein Pferd auf die Hilfen hört.

Eine lustige Übung ist auch das gemeinsame Wippen von Pferd und Mensch. Dieses Wippen kommt dem bekannten „Auf und Nieder“ auf Kinderspielplätzen am nächsten. Das Pferd steht auf der einen Hälfte, der Mensch am anderen äußersten Ende der Wippe. Das Pferd muss so stehen, dass es an dieser Stelle durch Gewichtverlagerung die Wippe samt Menschen auf und nieder bewegen kann.

Um die Nervenstärke der Pferde zu trainieren, kann man die Wippe dekorieren: Mit bunten Fähnchen, Planen oder was immer einem einfällt. Aber auch hier gilt: Mit kleinen Schritten beginnen, dem Pferd erst einmal in vertrauter Umgebung die Dekoartikel zeigen, und es nicht damit auf der Wippe erschrecken. So könnte Vertrauen schnell zerstört werden. Zu schnelles, planloses Vorgehen verunsichert und überfordert Pferde. Das gilt für jede Art der Beschäftigung, ob vom Sattel oder vom Boden aus. Lassen wir uns Zeit, genießen jeden kleinen Fortschritt und freuen uns am gemeinsamen Tun. So wird das Pferd mit Eifer dabei sein und nicht sagen: „Ich spiele nicht mehr mit.“

 

Damit der Mensch nicht zum Spielverderber wird, sollte er folgende Spielregeln einhalten:

  • Nicht zu viel auf einmal erwarten, sondern die Politik der kleinen Schritte verfolgen.
  • Nicht nur das „Endprodukt“ verdient Lob, sondern jeder kleine Schritt in die richtige Richtung ist ein Grund zum Loben.
  • Im richtigen Moment die Arbeit beenden. Wenn eine Zwischenetappe gut erreicht wurde, sich damit zufrieden geben und das Pferd mit positiven Erfahrungen in seinen „Feierabend“ schicken.
  • Wenn etwas nicht so funktioniert, lieber wieder eine Stufe zurückgehen, dem Pferd und sich selbst einen Erfolg gönnen und so positiv gestimmt weiterarbeiten. Ärger und Ungeduld lassen Menschen zum Spielverderber werden. Und mit Spielverderbern geht niemand gerne wippen.

Bauanleitung:

Brücken/Wippen lassen sich aus Baubohlen relativ einfach selber bauen. Diese (erhältlich in Baumärkten, im Holzhandel oder Baustoffhandel) sollten mindestens 4 cm dick sein. Die Baubohlen werden zusammengeschraubt. Es empfiehlt sich, mindestens vier Bohlen zu nehmen, sonst wird die Brücke/ Wippe zu schmal. Damit die Brücke zur Wippe umfunktioniert werden kann, wird in der Mitte ein Lager angebracht, in welches man ein Rundholz unterlegen kann. Es ist auch möglich, verschieden große Vierkanthölzer unter die Brücke zu legen. So kann der Kipp-Effekt variiert werden.


Quelle:

Petra Herrmann
Bild: Art & Light

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