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Ausbildung :: Manöver/Show

Schritt reiten und Pass vermeiden: So geht´s.

Die meisten Reiter halten Schritt für die einfachste Gangart der Welt. Doch manch eine glanzvolle Darbietung in Horsemanship oder Pleasure wurde wegen Taktfehlern im Schritt jäh heruntergerichtet. Der Trainer B Westernreiten und Pferdewirtschaftsmeister Reiten, Ralph Edmond Knittel, sagt Ihnen, wie Sie passartigen Gehen vermeiden und wie man den Schritt am Ende vom Pferd geschenkt bekommt.
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Der Schritt ist das erste, was der Reitanfänger lernt. Und das letzte, was er wirklich kann. Weil diese Gangart am leichtesten zu sitzen ist, wird im Schritt vorwiegend gequasselt, telefoniert und geraucht. Fleissiges Reiten sieht man wenn überhaupt nur im Trab oder Galopp. Doch die Respektlosigkeit vor dem Schritt hat Folgen: Spätestens in der Showarena zeigt sich, wer richtig gearbeitet hat, wer falsch und wer gar nicht.

Definiert wird der Schritt als schreitende Bewegung im Viertakt ohne Schwebephase. Seine Fußfolge wird in Kursen und Prüfungen gerne mit den Worten „gleichseitig aber nicht gleichzeitig“ gelehrt. Anschließend muss der Schüler dann detailliert herunterbeten: „hinten rechts, vorne rechts, hinten links, vorne links“.

„Ein guter Schritt hat ausreichend Übertritt und Raumgriff“, erklärt der Pferdewirtschaftsmeister und EWU-B-Trainer Ralph Edmond Knittel. Raumgriff ist das Ausgreifen der Vorhand nach vorne, welches durch die Winkelung vom Schulterblatt zum Oberarmbein begrenzt wird. Übertritt ist das Ausgreifen der Hinterhand. „Bei einem guten Schritt fußt das Pferd mit der Hinterhand etwa ein bis drei Hufbreit über die Spur des gleichseitigen Vorderbeins“, so Knittel. Die Spanne des Übertritts hänge natürlich davon ab, ob das Pferd eher im Rechteck- oder im Quadratformat steht. So schafft ein kompaktes Quarterhorse die drei Hufbreit leichter als ein großrahmiges Warmblut. Daneben seien verschiedene andere Exterieurmerkmale Ausschlag gebend für die Schrittlängen. Rein nach Übertritt und Raumgriff kann ein Schritt deshalb nicht bewertet werden. Selbst Pferde mit starken Taktfehlern können gute Schrittlängen haben.

Auf das „V“ des gleichseitigen Beinpaars kommt es an!

Bei der Beurteilung des Schritts beobachtet der Trainer deshalb in erster Linie den Moment, in dem ein Hinterbein vorgreift und das gleichseitige Vorderbein noch nicht abgefußt hat. Für den Bruchteil einer Sekunde bildet das laterale Beinpaar dann ein „V“. „Je besser dieses V zu sehen ist, desto besser ist der Schritt“, sagt Knittel. „Denn das Vorderbein sollte lange genug am Boden bleiben. Es darf erst abfußen wenn das Hinterbein ankommt.“

Falsch sei jedoch die Folgerung, das beste Pferd sei jenes, das sich mit dem Hinterbein ins Vorderbein tritt. Diese Tiere haben keinen guten Schritt sondern sind vorderlastig und bekommen deshalb die Vorhand nicht rechtzeitig vom Boden weg.

In 30 Jahren Erfahrung hat Knittel gelernt: Beim Reiten ist der Schritt die schwerste Gangart. Da er schwunglos ist, kann die korrekte Einwirkung schwerer hergestellt werden als in den schwungvollen Gangarten. „Gerade in der Grundausbildung des Pferdes kann man im Schritt viel kaputt machen“, weiß Knittel. „Umso besser diese Gangart von Natur aus ist, desto empfindlicher reagiert das Pferd auf falsche reiterliche Einwirkung.“

Harte Hände machen den Schritt kaputt

Meist hat diese falsche Einwirkung mit klemmenden, harten Reiterhänden zu tun. In ihren Richtlinien für Reiten und Fahren Band 1 schreibt die Deutsche Reiterliche Vereinigung: „Eine zu starke Handeinwirkung ist der häufigste Fehler beim Schrittreiten. Hierzu können der Takt und die Losgelassenheit stark beeinträchtigt werden. Ein zu starkes Treiben, ein klemmender Unterschenkel und ein übertriebenes, falsch verstandenes wechselseitiges Treiben im Schritt führen oft zu Taktfehlern.“

Die Rede ist vom unterschiedlich weiten Vortreten der Hinterbeine. Man sagt dann: „Das Pferd geht kurz oder lang“. Werden außerdem die leichten Nickbewegungen des Pferdehalses und -kopfes von der Reiterhand nicht zugelassen (stehende Hände), so entsteht häufig eine fehlerhafte Gangart: der Pass. Was beim Gangpferd durchaus erwünscht ist, will ein Wwestern- oder FN-Richter nicht sehen. Beim reinen Pass bewegen sich die gleichseitigen Beine gleichzeitig vor und zurück. Meist entsteht jedoch durch falsches Reiten kein reiner Pass, sondern nur ein passartiger Gang. Der Viertakt des Schritts schlägt nicht mehr im Takt. Läuft ein solches Pferd auf hartem Untergrund, so ist zunächst das eine laterale Beinpaar knapp hintereinander zu hören. Dann entsteht eine Pause. Anschließend ist das andere laterale Beinpaar nacheinander zu hören.

Neben der stehenden Reiterhand kann der Pass auch durch ständiges Rückwärtswirken der Hand oder durch zu starkes Ausbinden ausgelöst werden, bei dem das Pferd mit der Nasen-Stirnlinie hinter die Senkrechte gerät.

Korrektur ist möglich

„Der schlecht gerittene Passgänger ist leichter zu korrigieren als ein Pferd, das von Natur aus passartig geht“, sagt Ralph Edmond Knittel. Woher der Fehler kommt, erkennt der Pferdewirtschaftsmeister, wenn er das Pferd am langen Zügel reitet. Der Naturpassgänger wird in diesem Fall weiterhin taktunrein gehen. Der angerittene Passer kommt durch den langen Zügel zur Entspannung, da die störende Reiterhand wegfällt. Er geht dann reinen Schritt.

Knittel: „Korrigiert werden beide Fälle gleich: durch korrektes An-die-Hand-Herantreiben. Man muss dem Pferd vermitteln, dass seine natürliche Nickbewegung von der weichen Reiterhand zugelassen wird.“ Kein Fall für Anfänger. Wer sein Pferd bereits aus dem Takt gebracht hat, sollte spätestens in diesem Stadium einen Profi aufsuchen. Gleiches gilt für die Grundausbildung des Pferdes. Aus Angst vor unkontrollierten Reaktionen versucht der Laie sein Pferd von Anfang an im versammelten Schritt zu reiten. Tatsächlich ist der Schritt aber die letzte Gangart, die das Pferd an den Hilfen lernt. Speziell im Pleasure-Bereich wissen das viele Reiter nicht.

Wie er selbst sich den Schritt des Jungpferdes holt, erklärt Knittel in knappen Worten: „Wenn ein junges Pferd gelernt hat, sich im Trab und im Galopp an die Hilfen stellen zu lassen, so wird es seinem Reiter anschließend den Schritt schenken. Man könnte auch sagen, der Schritt fällt einem in die Hand wie reifes Obst.“. So einfach könnte es sein.

Die acht Phasen des Schritts

1. Phase: hinten links hebt ab, Dreibeinstütze
2. Phase: vorne links hebt ab, rechte Zweibeinstütze
3. Phase: hinten links fußt auf, Dreibeinstütze
4. Phase: hinten rechts hebt ab, diagonale Zweibeinstütze
5. Phase: vorne links fußt auf, Dreibeinstütze
6. Phase: vorne rechts hebt ab, linke Zweibeinstütze
7. Phase: hinten rechts fußt auf, Dreibeinstütze
8. Phase: hinten links hebt ab, diagonale Zweibeinstütze


Quelle:

Regina Käsmayr

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