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Ausbildung :: Gymnastizierung

Pferde gymnastizieren im Gelände – Teil 2: Schenkelweichen auf dem Feldweg

Damit ein Pferd fähig ist, seinen Reiter zu tragen, ohne dabei körperlichen Schaden zu nehmen, muss es regelmäßig mit einfachen Dressurübungen gymnastiziert werden. Das geht auch ohne Reitbahn oder Halle - ganz einfach im Gelände! Die verschiedensten Übungsplätze bieten Abwechslung und fördern die Balance und Gelassenheit des Pferdes. Der Ratgeber "Pferde gymnastizieren" (BLV Buchverlag) behandelt alle Aspekte des Trainierens im Gelände. Lesen Sie hier einen exklusiven Auszug aus dem Buch. 
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Warum Schenkelweichen auf dem Feldweg? Das Schenkelweichen ist, wie bereits besprochen, kein klassischer Seitengang, da das Pferd dabei nur in der Kopf-Hals-Achse gestellt, aber nicht im ganzen Körper gebogen ist. Ein Seitengang definiert sich als Vorwärts-Seitwärts-Bewegung des Pferdes mit gleichmäßiger Längsbiegung der Wirbelsäule in Bewegungsrichtung. Beim Schenkelweichen ist die Längsbiegung nicht vorhanden. Sein gymnastischer Effekt ist daher nicht so groß wie bei einem Schulterherein, einem Renvers oder Travers. Dennoch hat das Schenkelweichen seine Berechtigung, denn es löst das Pferd zu Beginn der Arbeit und fördert seinen Gehorsam auf den Schenkel des Reiters. Dieser kann also dabei überprüfen, ob seine Hilfen wirklich durchkommen und richtig zusammenwirken. Sinnvoll ist, dem Pferd das Schenkelweichen bereits vom Boden aus beizubringen.

In welche Richtung der Pferdekopf schaut – ob zum Wegesrand hin oder vom Wegesrand weg – ist im Prinzip egal. Leichter ist die Lektion anfangs mit dem Kopf zum Wegesrand. Dieser bietet eine optische Begrenzung nach seitlich-vorne. Dabei lässt man das Pferd also in 45-Grad-Abstellung dem Schenkel weichen, der sich auf der Seite des Wegesrands befindet. Wichtig: Das Pferd ist grundsätzlich nicht in die Bewegungsrichtung gestellt, sondern mit dem Kopf zu der Seite, wo es dem Schenkel weichen soll.

Etwas schwieriger wird das Ganze, wenn das Pferd mit dem Popo Richtung Wegesrand läuft und dabei ins Innere des Weges schaut. In diesem Fall benötigen Sie die Zügel als Begrenzung wahrscheinlich mehr. Finden Sie heraus, was Ihnen leichter fällt und üben Sie zunächst diese, dann die andere Variante.

Schenkelweichen auf dem Feldweg

Wenn das Pferd Ihrem linken Schenkel weichen soll, geben Sie eine einseitig belastende Gewichtshilfe links (innen). Die »innere« Seite ist immer diejenige, auf der das Pferd gestellt ist, also die Seite, nach der es den Kopf wendet und wo es dem Schenkel weichen soll. Mit diesem linken Schenkel treiben Sie nun Ihr Pferd leicht hinter dem Gurt vorwärts-seitwärts. Der rechte Schenkel liegt dabei verwahrend hinter dem Gurt. Er verhindert, dass das Pferd mit der Hinterhand ausbricht. Der linke Zügel sorgt für die nötige Stellung, der rechte Zügel muss gerade so lang sein, dass er diese Stellung zulässt.

Mögliche Probleme:

  • »Wir kriegen den 45 Grad-Winkel nicht hin«:
    Achten Sie darauf, dass Ihr äußerer, rechter Zügel nicht durchhängt. Sonst erhalten Sie eine zu starke Abstellung des Halses, die Hinterhand bricht aus und Ihr Pferd läuft über die Schulter seitwärts oder macht eine Vorhandwendung. Die Stellung sollte nur so stark sein, dass Sie dabei das innere Auge Ihres Pferdes gut sehen können. Ein größerer Winkel als 45 Grad zum »Hufschlag« sollte grundsätzlich vermieden werden um Taktfehler und Beinverletzungen auszuschließen. Haben Sie Ihren inneren Schenkel vielleicht zu weit nach hinten versetzt? »Leicht hinter dem Gurt« bedeutet nur »ein bisschen hinter dem Gurt«. Finden Sie durch Bodenarbeit heraus, auf welchen Druckpunkt Ihr Pferd am besten reagiert und betätigen Sie diesen Punkt auch vom Sattel aus.
  • »Mein Pferd läuft geradeaus ins Feld, anstatt zu weichen«:
    In diesem Fall haben Sie die Hilfen entweder nicht korrekt gegeben, oder das Pferd hat sie nicht angenommen. Gehen Sie zurück zur Bodenarbeit und üben Sie die Vorwärts-Seitwärts-Bewegung über Druckpunktanwendungen. Erst wenn das kappt, versuchen Sie es wieder vom Sattel aus. Bei den ersten Schritten kann Sie ein Helfer noch von untern mit Fingerspitzen oder Gerte unterstützen.
  • »Das Pferd reißt den Kopf hoch oder schlägt mit dem Schweif«:
    Diese Zeichen von Anspannung sagen Ihnen deutlich, dass irgendetwas nicht stimmt: Ihr Pferd fühlt sich unwohl, versteht die Hilfen nicht oder hat andere Probleme mit der Übung. Suchen Sie die Ursache für dieses Verhalten mit folgender Fragestellung: Kann das Pferd vom Boden aus Schenkelweichen? Habe ich die richtigen Hilfen gegeben? War meine 45-Grad-Abstellung korrekt? Habe ich die Zügel zu stark oder nach unten eingesetzt? Ist der Untergrund zumutbar? Funktioniert die Übung vielleicht an einer anderen Stelle? Beseitigen Sie das Problem und beginnen Sie (evtl. an einer anderen Stelle) von vorne.

Quelle:

Pferde gymnastizieren – leichte Dressur in freier Natur, Regina Käsmayr, BLV Buchverlag
Bild: urulaia_pixelio.de