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Ausbildung :: Bodenarbeit

Horsemanship: praktische Übungen vom Sattel und vom Boden aus

Horsemanship ist die Kunst, mit Pferden sinnvoll und verständlich umzugehen. Für den Mensch ist es gar nicht schwer, die Grundlagen der Pferdesprache zu erlernen. Die folgenden Übingen sorgen für eine harmonische Partnerschaft zwischen Ihnen und Ihrem Pferd. 
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Kleiner Check-Up vor den ersten Übungen: Damit die Übungen nicht bereits im Vorfeld zum Scheitern verurteilt sind, tun Sie sich selbst und auch ihrem vierbeinigen Partner einen kleinen Gefallen und widmen Sie einige Minuten dem Beobachten des Bewegungsablaufes mit und ohne Sattel. Lassen Sie Ihr Pferd – wenn das problemlos möglich ist – ohne die gewohnten Lederutensilien ganz frei um sich herumlaufen und prüfen Sie, wie es sich bewegt und ob die Abläufe harmonisch verlaufen.

Fallen Ihnen Verspannungen auf, konsultieren Sie bitte einen guten Osteopathen oder versierten Fachtierarzt und lassen von ihm den korrekten Sitz der Wirbel prüfen bzw. mit Gefühl einrenken. Läuft Ihr Pferd locker und harmonisch, legen Sie bitte den gewohnten Sattel auf, ziehen ihn nicht ganz so fest und wiederholen die Beobachtung. Zeigen sich jetzt Unstimmigkeiten (Blick auf die Augen- und Maulpartie nicht vergessen!) bitte den Sattel vom neutralen Fachmann prüfen lassen. Von einem korrekten Beschlag oder gut zugerichteten Hufen ausgehend – wenn sich keine weiteren Unstimmigkeiten zeigen, kann die Arbeit mit einem gesunden Pferd beginnen! Übungsbeispiel: Anhalten auf den Punkt

Um die Problematik zu verdeutlichen, ein kleiner Blick in die Vergangenheit vieler Menschen: Irgendwann einmal haben Sie den Führerschein erstanden und mussten mit dem jeweiligen Fahrzeug das ausführen, was der Fahrlehrer von ihnen wollte. Wissen Sie noch, wie schwer es war, exakt das auszuführen, was gewünscht wird, weil es einfach nicht klar beschrieben werden konnte? Wir versuchen heute einen Weg zu gehen, der Ihnen diese Schwierigkeit ein wenig abnimmt, indem Sie lernen, richtig zu fühlen.

Ihr Verstand sagt Ihnen: „Ist doch ganz einfach – ich reite dort hin, wo ich anhalten will und halte dann“. Die Praxis sieht leider ganz anders aus und deshalb eine kleine Hilfe: Bevor Sie mit der eigentlichen Lektion beginnen, stecken Sie sich einige Leckerlis fürs Pferd in die Jackentasche und laufen neben dem Pferd an den Punkt, an dem Sie später anhalten wollen. Zeigen Sie ihrem Vierbeiner diesen Punkt und lassen Sie ihn daran schnuppern, damit er keine Scheu zeigt. Wenn ihr Pferd sich entspannt und gelassen an dieser Position stehen bleibt, streicheln Sie den Hals des Tieres und loben in gewohnter Form. Hier kann bereits ein Leckerli gegeben werden, aber nur, wenn Sie den Zeitpunkt genau terminieren und mit genau dieser Situation in Verbindung bringen können. Bitte nicht wahllos und ohne Zusammenhang dem Pferd etwas ins Maul stopfen, der Effekt wäre für das Herdentier nicht nachvollziehbar.

Nun beginnen Sie die Übung, indem Sie aufsitzen und sich im Sattel mit dem Pferd auf den Anfangspunkt zu bewegen. Sie wenden locker und nicht starr in der Bewegung, alles fließend und möglichst gleichmäßig. Vorher kurz anhalten und sich und das Tier sammeln und konzentrieren. Auch hier wieder das exakte Ausführen der Bewegung beachten und immer dann, wenn etwas starr und unbeweglich wird, sofort wieder von vorne beginnen. Falls das Pferd Unwillen zeigt, einfach mal fünf Minuten Pause einlegen und im Schritt eine Runde drehen. Nicht ungeduldig werden, lernen erfolgt Schritt für Schritt. Sie setzen sich also nun mit dem Pferd in Bewegung und richten ihre Augen akkurat auf den Punkt, den Sie mit dem Pferd finden möchten. Bleiben Sie dabei locker, die Kunst liegt im feinen Fühlen und nicht im unbeweglichen Abspulen. Denken Sie sich immer: „Das Ganze macht mir Spaß und ich verbringe meine Freizeit hier“.

Sie werden merken, wie sich ihre Muskulatur löst und auch ihr Pferd locker läuft. Und genau in dem Moment, wenn Sie den „Bremspunkt“, also den Stein, den Baum oder z.B. eine Pylone erreichen, spannen Sie Kreuz, Oberschenkel-, Halsmuskulatur und den Unterarm ein ganz klein wenig an und lassen, wenn das Pferd darauf reagiert, gleich wieder los. Im Optimalfall hat Ihr Pferd gleich beim ersten Mal fein gebremst, bleibt stehen und wartet, was anschließend geschehen wird. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, ein Leckerli zu geben und zu loben – ganz einfach oder? Wenn’s beim ersten Mal noch nicht so richtig geklappt hat, wiederholen Sie die Übung locker ein zweites oder drittes Mal und legen dann bitte eine kleine Pause ein.

Lockerungsübung für die Muskulatur zum Gymnastizieren

Pausen können Sie gut für eine andere Übungsidee benutzen: Sie benötigen zum Gymnastizieren keinen Reitplatz oder eine Halle – all das können Sie auf einem ganz normalen Feldweg, der nur gleichmäßig vom Untergrund her sein sollte, ausführen. Bei allen Aufgaben gilt eine Grundregel: Locker beginnen und locker bleiben! Leicht gesagt, oft schwer getan in der Praxis.

Beginnen Sie wieder mit etwas sehr Einfachem: Laufen Sie mit Ihrem Pferd die Strecke kurz ab, die Sie später im Sattel zurücklegen werden. Auf diese Art und Weise bekommen Sie ein Gefühl für Bodenunebenheiten, kleine Steine, Löcher etc. Bitte dabei darauf achten, dass das Pferd korrekt neben Ihnen läuft, nicht übereilt oder hinterher schleicht – wenn üben, dann richtig und mit Konzentration.

Sie steigen am Ende der Strecke wieder in den Sattel und legen den Weg zurück im Schritt zurück und achten aus dieser Position wiederum auf Dinge, die Ihnen vom Boden aus nicht aufgefallen sind. Prägen Sie sich bitte ein, was Sie sehen, damit Sie dies in Ihre Arbeit einfließen lassen können.

Nun beginnen Sie mit der eigentlichen Übung: Richten Sie den Kopf des Pferdes entweder nach links oder nach rechts und achten dabei darauf, dass die aufgebaute Spannung keine Verspannung ergibt. Wieder locker vor krampfhaft als oberste Devise. Ihr Vierbeiner wird sich erst einmal an die ungewohnte Situation gewöhnen müssen und wird versuchen, die „normale“ Position der Halsmuskulatur einzunehmen. Immer dann, wenn das Pferd nachgibt, loben Sie bitte kurz und geben ihm ein gutes Gefühl. Haben Sie den gewünschten Weg auf diese Weise zurückgelegt, so dass Sie zufrieden sein können, loben Sie wiederum und geben evtl. ein Leckerli (nicht zu viele Leckerlis geben!). Das Pferd soll ein gutes Gefühl behalten und die Übung beim nächsten Mal gerne wiederholen wollen. Sie können so auch unterstützen, dass das Tier schon am Anfang der Aufgabe den Kopf zur Seite bewegt, weil es weiß, worum es geht. Wiederholen Sie die Übung deshalb in der Anfangszeit auch immer auf dem selben Wegstück – die Pferde denken sehr schnell mit!

Eine Übung zwischendurch

Der Tag lief hervorragend, Sie waren so richtig zufrieden in erster Linie mit sich und dann mit ihrem Pferd, das ganz toll mitgearbeitet hat. Sie steigen aus dem Sattel – bitte behutsam und ohne das Pferd auf die linke Seite zu zerren. Bedenken Sie dabei immer, dass es gerade noch ihr Reitergewicht getragen hat und sich neu ausbalancieren muss. Bedanken Sie sich bei ihrem Pferd für die Geduld, die es mit ihnen hatte, denn zumeist macht der Mensch die Fehler, nicht das Pferd! Behutsam klopfen Sie den Hals ihres treuen Tieres und dann gehen Sie vor ihm in die Knie. Die folgende Übing hilft ihrem Pferd, die Muskeln nach getaner Arbeit zu lockern:

Beiläufig holen Sie ein gesundes Pferdeleckerli aus der Tasche und das Pferd sich nach vorne unten strecken lassen. Das Leckerli nur dann geben, wenn das Pferd relativ locker reagiert. Beim verspannten Pferd einfach das Leckerli wieder wegpacken und das Ganze noch einmal wiederholen. Bleiben Sie dabei ebenfalls locker, denn so wie Sie auf ihr Pferd wirken, wird es selbst reagieren.


Quelle:

Ramona Dünisch