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Ausbildung :: Anreiten

Anreiten: Knochen und Gelenke von Jungpferden vor dem Beritt untersuchen!

In den ersten Wochen des Trainings wird das Fundament für den zukünftigen Einsatz des Jungpferds als Reitpferd gelegt. Die Erfahrungen, die das Tier dabei macht, bleiben unauslöschlich in seinem Gedächtnis verankert und zeichnen es für seine weitere Karriere. Das betonen die Westerntrainer in unserer Serie von Lana Grieve aus Kalifornien. Zum Beispiel Dana Hokana, AQHA Professional Horsewomen.
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Dana Hokana aus Temecula im Bundesstaat Kalifornien, USA, hat seit 25 Jahren junge Pferde trainiert und vorgeführt. Für viele Jahre gehörten die Futurities zu Hokanas Spezialität. „Ich habe einige großartige Pferde gehabt, und großartige Pferde können dich unendlich viel lehren und dich zu einer besseren Reiterin erziehen“, findet die Trainerin.

Hokanas erwähnenswerte Auszeichnungen im Bereich der Futurity-Pferde waren speziell zwei dreijährige Geschwisterpferde mit Namen My Dazzling Coaster und My Dazzling Diamond. Als noch die „Reno Spectacular“ zur herausragenden Futurity im Lande zählte, gewann Hokana das 3-Year-Old-Open, das Non-Pro, das 3-Year-Old-Open und dessen Non-Pro. Sie gewann dabei über 40.000 Dollar gegen eine Konkurrenz von über 200 Pferden. Ihren Hengst Invested Dimension ritt sie im 3-Year-Old Western Pleasure an der Oregon Futurity zum Sieg.

Obwohl Futurites wegen ihrer hohen Gewinnsummen für Dreijährige sehr begehrt sind, hat es Hokana gelernt, auf ihre Jungpferde zu hören. Gleichgültig, ob sie ihr sagen, was sie hören will – oder auch nicht.

„Ich liebe es, Jungpferde anzureiten“, schwärmt sie. „Ich realisierte schon früh, dass eine meiner Lieblingsbeschäftigungen darin besteht, ein Pferd vom Start bis zum Ziel zu trainieren und es zu einem großartigen Bridle-Pferd machen! So sehr ich die Futurity liebe, ihre tollen Preise und ihren Glanz, umso mehr lernte ich, den vollen Wert und Respekt eines vollendeten Bridle-Pferdes zu schätzen. Zudem realisierte ich, wie zahlreiche Jungpferde in der Futurity auftraten, siegten und danach einfach verschwanden. Ich kam zum Schluss, dass manche dieser Pferde zu sehr zum Erfolg gedrängt worden waren. Dadurch brannten sie aus und brachen ein. Jedes einzelne wurde um eine langandauernde erfolgreiche Karriere gebracht.“

Dieses Unglück hätte laut Hokana verhindert werden können, wenn Trainer und Verantwortliche ihre Jungpferde besser beobachten und ständig überdenken würden, ob sie auch wirklich für die harte Arbeit und den Druck im Show-Ring bereit sind. „Ich verlegte mich darauf, meine eigenen Trainings-Pferde mit großer Sorgfalt und Fairness auf ihre Kraft und ihr Potenzial zu überprüfen. Ich wollte mein Bestes tun, sie niemals zu über-trainieren. Ich liebe die Futurity, wie gesagt, aber ich liebe auch die Pferde, die einem lange erhalten bleiben. Mir wird warm ums Herz, wenn ich ein Pferd sehe, das auch in seinen Teens noch gesund ist und Auszeichnungen gewinnen kann.“

Welches sind die Anzeichen dafür, dass ein Jungpferd bereit für den Start ist?

„Ich achte darauf, dass das Pferd eine dem Reiter angemessene Größe hat. Auch wenn ein Pferd nicht besonders groß ist, sollte es genügend Körpermasse mitbringen. Wenn ich ein besonders talentiertes Pferd habe, das ein wenig zu klein ist, beginne ich mit den Sattellektionen trotzdem, beschränke mich jedoch auf richtig kurze Trainingszeiten. Ich sorge auch dafür, dass der Reiter, der dieses Pferd startet, von kleiner und leichter Gestalt ist und dass dieses Pferd nur an einzelnen Tagen der Woche trainiert wird. Außerdem überprüfe ich das Skelett und speziell die Wachstumsfugen des Pferdes auf ihre Stärke und überzeuge mich davon, dass die Knochen und Gelenke über genügend Substanz verfügen, um die Lasten zu tragen. Ich sehe ungern zerbrechlich aussehende Röhrbeine.“

Auf das Thema der Wachstumsschübe angesprochen, empfiehlt Hokana, ein überbautes Jungpferd auf gar keinen Fall zeitlich zu stark zu drängen oder belasten. Man sollte immer bedenken, dass Jungpferde stetig im Wachstum sind. Obwohl es durchaus normal sei, dass ein Pferd ungleich wächst, sollten die Trainingsanforderungen und -zeiten immer wieder neu erwogen und angepasst werden. 

„Falls ein Pferd hinten überbaut ist, sehe ich es lieber, dass das Wachstum ausgeglichen ist, bevor ich es starte. Wenn man die Sache vom Standpunkt des Pferdes erwägt, muss es zuerst die Schultern heben, um die Last des Reiters zu tragen. Wenn die Schwerkraft gegen sie arbeitet, weil sie im Rücken kurz sind, kann das rasch zu einer unnötigen körperlichen und mentalen Belastung führen.“

Zum Thema der späten Zweijährigen möchte Hokana deren Besitzer und Trainer in den oben erwähnten Punkten zur Vorsicht anhalten. Gleichzeitig sollte der mentale Zustand des Jungpferdes genau beobachtet werden. „Falls ein Pferd extrem reizbar oder ungezogen ist und über unendlich viel Energie verfügt, wird man sehr viel Bodenarbeit und Reitübungen anwenden müssen, bis es bereit ist, im Showring vorgeführt zu werden. In einem solchen Fall empfehle ich dem Besitzer, sorgfältig zu erwägen, ob das Pferd kräftig genug ist, die dafür notwendige zusätzliche Arbeitslast auf sich zu nehmen.“

Hokana nennt als häufigste Verzögerung im Trainingsprozess Lahmheiten aufgrund von Entzündungen. Deshalb sollte der Besitzer im Fall von klammen Bewegungen oder Taktunsicherheiten versuchen herauszufinden, ob das Pferd wegen fehlendem Wachstum ganz einfach zu schwach ist, oder ob eine Entzündung vorliegt. Beides unterscheidet sich in dramatischer Weise. Falls man feststellt, dass das Pferd an einer Lahmheit leidet, sollte der Tierarzt zugezogen werden um Erkrankungen oder andere körperliche Ursachen auszuschließen. 

Bevor der Reiter zum ersten Mal in den Sattel steigt, wendet Hokana eine gründliche Bodenarbeit an, die vor allem aus Anbinden, Desensibilisieren und Führen besteht. Erst wenn das alles klappt, wird damit begonnen, das Jungpferd zu reiten.

„Ich liebe es, mit den erwähnten Details einige Zeit zu verbringen. Üblicherweise starte ich meine Pferde in einem gebisslosen Sidepull. Ich weiss aus Erfahrung: Falls die Details am Anfang nicht beachtet werden, kann später umso mehr schief gehen. Wenn ein Pferd endlich zu ‚denken’ beginnt und versucht, etwas für mich zu leisten, wenn es Anzeichen von Selbstständigkeit zeigt, dann ist es Zeit, sich mit dem Showring zu befassen. Es freut mich, wenn ein Pferd gelernt hat, sich selber und einen Reiter zu tragen und gleichzeitig die hohe Qualität seiner Bewegungen zu erhalten.“

Was haben Sie beim Training von Jungpferden gelernt?

„Ich habe gelernt, wie man ein Pferd ‚liest’, und wie man den daraus folgenden Gesamteindruck betrachtet. Ich meine damit, dass ich mir in Gedanken das zu Ende trainierte Pferd vorstelle. Ich leite daraus ab, was das Jungpferd braucht, um dieses Ziel zu erreichen. Ich habe auch gelernt darauf zu achten, wie Pferde lernen. Pferde, genau wie Menschen, lernen auf verschiedene Weise. Daraus habe ich gelernt, die Pferde auch unterschiedlich anzugehen und die entsprechenden Trainingsvarianten anzupassen. Einzelne Pferde schaffen es zum Beispiel nicht, zu viele Signale gleichzeitig zu verarbeiten, oder mit zu viel Druck umzugehen. Und andere Pferde brauchen diese zusätzlichen Anreize, um weiterhin selbstständig zu denken.“ 

Welche Tipps haben Sie zum Kauf eines Jungpferds?

 „Kaufen Sie das bestmögliche Pferd, das sie sich leisten können. Suchen sie sich ein Pferd aus, das sehr speziell erscheint und gute Zukunftsaussichten hat. Ich selber suche immer ein Pferd, dessen Bewegungen mir sehr gefallen. Es ist wunderbar, ein sehr gut aussehendes, schönes Pferd zu haben. Ich will kein hässliches Pferd besitzen. Als ich meinen Hengst als zehnmonatigen Junghengst aussuchte, war ich vom harmonischen Fluss seiner Bewegungen beeindruckt. Er erinnerte mich an einen Tänzer; viel Schönheit in der Bewegung. Diese Qualitäten waren stark und ausdrücklich. Ich war überzeugt, dass diese Qualitäten im Laufe der Ausbildung nicht verloren gehen würden, auch nicht nach dem Training und harter Arbeit. Das hat sich auch bei den Ergebnissen als Zuchthengst bestätigt. Starke Charaktereigenschaften sind üblicherweise auch bei den Zuchtergebnissen dominant.

 

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Quelle:

Lana Grieve

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